Umicore

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UMICORE N.V./S.A.
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN BE0003884047
Sitz Brüssel, Belgien

Leitung

  • Marc Grynberg, CEO
Mitarbeiter 14.438 (2012)[1]
Umsatz 12,5 Mrd. EUR (2012)[1]
Bilanzsumme 3,7 Mrd. EUR (2012)Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Bilanzsumme
Branche Materialtechnologie und Recycling
Website www.umicore.de

Die Umicore NV/SA ist ein belgischer Materialtechnologie-Konzern mit Hauptsitz in Brüssel, Belgien.

Das Unternehmen beschäftigt weltweit etwa 14.400 Mitarbeiter und ist an der belgischen Börse NYSE Euronext im Bel20 Index gelistet. Im Jahr 2012 erwirtschaftete Umicore einen Umsatz von rund 12,5 Milliarden Euro.[1]

Gründung und Firmengeschichte[Bearbeiten]

Das Unternehmen wurde im Jahr 1909 unter dem Namen Union Minière du Haut Katanga (UMHK) („Bergbau Union“) als staatliche Bergbaugesellschaft gegründet. Schwerpunktmäßig war das Unternehmen in seinen Anfängen in Katanga tätig, das zum belgischen Kolonialbesitz Kongo in Afrika gehörte. Im Jahr 1989 erfolgte eine Fusion mit den Firmen Metallurgie Hoboken-Overpelt (MHO) und Société des Mines et Fonderies de Zinc de la Vieille Montagne SA (deren Ursprünge auf das Jahr 1850 zurückgehen) zu einem Basismetallerzeuger.[2]

Das Unternehmen entwickelte sich dann in den 1990er Jahren zu einem Metall- und Werkstoffkonzern. Dieser Neuausrichtung wurde im Jahr 2000 durch die Umbenennung in den heutigen Namen „Umicore“ auch Rechnung getragen. Im Sommer 2003 übernahm Umicore schließlich die ehemaligen Degussa-Aktivitäten im Edelmetall-Sektor (Unternehmen Dmc² Degussa Metals Catalysts Cerdec AG) von der OM Group Inc., Cleveland (USA), und erweiterte damit sein Portfolio um diesen Produktbereich.[2]

Jüngere Entwicklungen[Bearbeiten]

100 g Goldbarren von Umicore

Seit 2003 wandelte sich das Unternehmen hin zu einem Konzern für Spezialmaterialien in den Bereichen Chemie, Metallurgie und Materialwissenschaft. Man trennte sich daher vom ursprünglichen Bergbau-Geschäft (Kupfer, Zink). Die Kupfer-Aktivitäten wurden zum Jahresanfang 2005 über ein Spin-off mit rund 1500 Mitarbeitern in eine neue Gesellschaft namens Cumerio ausgegliedert. 2007 führten Umicore und die australische Zinifex ihre Zinkschmelz- und Zinklegierungsgeschäfte zum weltweit führenden Zinkproduzenten Nyrstar zusammen und brachten das Unternehmen an die Börse.[3]

Im März 2006 wurde für die Forschung und Entwicklung im Bereich Brennstoffzellen zusammen mit der belgischen Solvay das 50/50-Joint Venture SolviCore GmbH & Co. KG gegründet. Gegenstand des Unternehmens ist die Weiterentwicklung, Produktion und Vermarktung der Membran-Elektroden-Einheit (MEA), dem Herz der Brennstoffzelle. Unabhängig davon setzen die beiden Unternehmen Ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Bereich Brennstoffzellen weiterhin in ihren Spezialgebieten Membranen (Solvay) bzw. Edelmetallkatalysatoren (Umicore) getrennt fort.[4]

Im Sommer 2007 baute der Konzern seine Aktivitäten im Bereich Autoabgaskatalysatoren durch den Erwerb der Katalysatoren-Sparte des Delphi-Konzerns aus.[5]

Ebenfalls im Jahr 2007 gründete Umicore, gemeinsam mit Norsk Hydro, ein Joint Venture (HyCore) zur Entwicklung, Herstellung und dem Vertrieb von Silizium für die Produktion von Solarzellen. In diesem Bereich engagierte sich Umicore von 2005 bis 2012 als Hauptsponsor eines Teams bei der World Solar Challenge, wo diese Technologie bereits Anwendung findet.

Zum Jahreswechsel 2008/2009 unterbreite Umicore über ihre luxemburgische Holdinggesellschaft Umicore Finance Luxembourg SA (heute: Umicore International SA) den außenstehenden Aktionären ihrer mehr als 90%igen Beteiligungsgesellschaft Allgemeine Gold- und Silberscheideanstalt AG („Allgemeine“) in Pforzheim ein freiwilliges öffentliches Kaufangebot, um die Allgemeine nach einem möglichen Squeeze-out vollständig zu übernehmen. Dieses Kaufangebot verstrich, ohne dass die zu einem Squeeze-Out erforderliche Mehrheit von 95% zusammenkam.

Bereits nach dem Kauf der früheren Degussa-Edelmetallaktivitäten durch Umicore im Jahr 2003 wurde die Edelmetallscheidung (Refining) der Umicore AG & Co. KG am Standort Hanau (einst das Herzstück und namensgebende Geschäft der Degussa) in mehreren Schritten ins belgische Hoboken verlagert und in Hanau Ende 2009 endgültig geschlossen.

Im Jahr 2010 gab das Unternehmen seine Vision 2015 bekannt und die damit einhergehende Umgestaltung der bisherigen Geschäftssegmente in folgende neue Sparten: Catalysis, Energy Materials, Performance Materials and Recycling.[6]

Im Mai 2012 taten sich Umicore und Prayon in Form eines Joint Venture zusammen, um bei der Entwicklung und Produktion von phosphatbasierten Kathodenmaterialien für Lithium-Ionen Batterien zusammenzuarbeiten.[7]

Seit Juni 2012 besteht das Joint Venture Umicore Shokubai zwischen der japanischen Chemiefirma Nippon Shokubai und Umicore. Das Gemeinschaftsunternehmen, an dem Umicore 60% der Anteile hält, produziert und verkauft an Standorten in und außerhalb von Europa Autoabgaskatalysatoren für weltweit operierende japanische Hersteller von leichten und schweren Nutzfahrzeugen.[8]

Produkte[Bearbeiten]

250 g Goldbarren von Umicore

Umicore ist weltweit führend in der Produktion und im Recycling von Spezialwerkstoffen und Metallen (z. B. Cobalt, Germanium, Nickel, Zink, Gold, Silber und Platin-Gruppenmetalle). Abnehmer sind hauptsächlich die weiterverarbeitende chemische Industrie, die Automobil-, Baustoff-, Schmuck- und Elektroindustrie.

Umicore ist untergliedert in folgende Geschäftsfelder:

  • Catalysis
  • Energy Materials
  • Performance Materials
  • Recycling

Zum Geschäftsfeld Catalysis gehört u. a. die Herstellung von Fahrzeugkatalysatoren. Ein wichtiger Fortschritt in der Weiterentwicklung von Autokatalysatoren ist der auf Palladium basierende Oxidationskatalysator für Dieselfahrzeuge. Die bisherigen Katalysatoren für Dieselfahrzeuge beinhalteten bis dato das wesentlich teurere Platin.

Edelmetallbarren wurden von Umicore noch bis Ende 2005 mit dem traditionellen Prägestempel der Degussa hergestellt. Nach Auslaufen der Lizenzvereinbarung werden diese jetzt nur noch mit dem Umicore-Firmenlogo produziert.

Standorte im deutschsprachigen Raum[Bearbeiten]

Die größte deutsche Gesellschaft der Umicore Gruppe ist mit rund 1.300 Beschäftigten die Umicore AG & Co. KG, mit Sitz im hessischen Hanau und Niederlassungen in Rheinfelden (Baden) und Bad Säckingen. Hier haben die Geschäftsbereiche Automotive Catalysts, Platinum Engineered Materials, Precious Metals Management, Technical Materials und Precious Metals Chemistry jeweils den Sitz ihrer Bereichsführungen. Weitere zum Umicore-Konzern gehörende Gesellschaften sind die Umicore Galvanotechnik GmbH in Schwäbisch Gmünd, die Umicore Bausysteme GmbH in Essen und Querfurt-Gatterstädt, die Umicore Metalle & Oberflächen GmbH in Essen sowie die Allgemeine Gold- und Silberscheideanstalt AG in Pforzheim.[9] In Österreich gehört die Österreichische Gold- und Silberscheideanstalt Gesellschaft m.b.H., die (ÖGUSSA) mit Firmensitz Wien zum Konzern,[10] in Liechtenstein die Umicore Thin Film Products AG, Balzers[11], und in der Schweiz die Unternehmen Umicore Strub AG in Lyss und Umicore Building Products Switzerland SA in Bösingen[12].

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Umicore – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Key Figures at 31.12.2012, umicore.com
  2. a b Short history, umicore.com, abgerufen am 4. September 2013
  3. Nyrstar completes transfer of zinc and lead smelting assets from Umicore and Zinifex, nyrstar.com, abgerufen am 4. September 2013
  4. Aktivitäten der Solvay-Gruppe,solvay.de, abgerufen am 4. September 2013
  5. Umicore übernimmt Katalysator-Geschäft von Delphi, ATZ online, abgerufen am 4. September 2013
  6. Umicore Introduces Key Elements of Its Vision 2015 Strategy, printedelectronicsnow.com, 18. November 2010, abgerufen am 4. September 2013
  7. Umicore NV/SA And Prayon Join Forces To Develop And Produce Phosphate-Based Cathode Materials-Hugin, Reuters.com, 15. Mai 2012, abgerufen am 4. September 2013
  8. Umicore NV/SA And Nippon Shokubai Co., Ltd. Form Automotive Catalyst Joint Venture-Hugin, Reuters.com, 14. Juni 2012, abgerufen am 4. September 2013
  9. Unsere Standorte in Deutschland, umicore.de, abgerufen am 4. September 2013
  10. Standorte Österreich, umicore.com, abgerufen am 4. September 2013
  11. Standorte Lichtenstein, umicore.com, abgerufen am 4. September 2013
  12. Standorte Schweiz, umicore.com, abgerufen am 4. September 2013