Unabhängiger Staat Kroatien

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Dieser Artikel behandelt einen historischen Staat zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Zur gegenwärtig existierende Republik Kroatien, siehe Kroatien.
Nezavisna Država Hrvatska

Unabhängiger Staat Kroatien

Flagge Kroatiens#Geschichte
Wappen Kroatiens#Geschichte
Flagge Wappen
Amtssprache Kroatisch
Hauptstadt Zagreb
Staatsform de jure Monarchie (1941–43)
de facto faschistische Diktatur (1941–45)
Staatsoberhaupt de jure König Tomislav II. (1941–43)
de facto Poglavnik Ante Pavelić (1941–45)
Regierungschef Ante Pavelić (1941–43)
Nikola Mandić (1943–45)
Fläche 115.133 km²
Einwohnerzahl ca. 6.300.000
Bevölkerungsdichte 54.7 Einwohner pro km²
Währung Kuna (1 Kuna = 100 Banica)
Gründung 10. April 1941
Nationalhymne Lijepa naša domovino
Nationalfeiertag 10. April (Gründungstag)
13. Juni (Namenstag des Poglavnik)
20. Juni (Tag der nationalen Opfer)
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Unabhängiger Staat Kroatien (kurz USK; kroatisch Nezavisna Država Hrvatska, kurz NDH) ist die Bezeichnung für den von 1941 bis 1945 bestehenden kroatischen Vasallenstaat der Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg, dessen Diktator Ante Pavelić war.

Der USK entstand im April 1941 nach der Aufteilung des Königreichs Jugoslawien durch die Achsenmächte unter der Herrschaft der faschistischen Ustascha. Das verbündete Deutsche Reich und Königreich Italien stationierten zunächst Besatzungstruppen im USK. Dieser unterstützte die Achsenmächte durch die Stellung von Truppen, welche die Nürnberger Gesetze übernahmen und die systematische Ermordung von ethnischen Minderheiten und Oppositionellen, hauptsächlich Serben, Juden und Roma, betrieben. Mit der beginnenden Niederlage des Deutschen Reichs mehrten sich auch die inneren Konflikte im USK, welcher schließlich alleine auch militärisch der Übermacht nicht mehr standhalten konnte.

Der Unabhängige Staat Kroatien umfasste die heutigen Länder Kroatien und Bosnien-Herzegowina sowie kleinere Teile Serbiens.

Entstehung[Bearbeiten]

Sonderausgabe der Zeitung Hrvatski Narod (Das kroatische Volk) vom 10. April 1941 mit der Schlagzeile: „Proklamation des unabhängigen kroatischen Staates“

Nach Jugoslawiens Beitritt zum Dreimächtepakt war es zu einem von Großbritannien unterstützten Putsch serbischer Offiziere gegen Prinzregent Paul gekommen. Die neue jugoslawische Regierung versuchte zwar, sich mit dem Deutschen Reich zu verständigen. Dieses und seine Verbündeten antworteten jedoch am 6. April 1941 mit dem Balkanfeldzug, einem Angriff auf Jugoslawien und Griechenland. Das am 5. April 1941 mit der Sowjetunion geschlossene Bündnisabkommen wurde nicht mehr wirksam, binnen zwei Wochen musste die jugoslawische Regierung kapitulieren. Bereits am 10. April, dem Gründonnerstag des Jahres 1941, marschierte die Wehrmacht in Zagreb ein, woraufhin Oberst Slavko Kvaternik im Namen der Ustascha-Bewegung am selben Tag mit den folgenden Worten – mit Bezug auf das unmittelbar bevorstehende Osterfest – den Unabhängigen Staat Kroatien proklamierte:

Gottes Vorsehung und der Wille unseres großen Verbündeten sowie der jahrhundertelange Kampf des kroatischen Volkes und die große Opferbereitschaft unseres Führers Dr. Ante Pavelić und der Ustascha-Bewegung in der Heimat und im Ausland haben es gefügt, dass heute, vor der Auferstehung des Gottessohnes, auch unser unabhängiger Staat Kroatien aufersteht.
Ich rufe alle Kroaten, insbesondere die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der Streitkräfte und der Organe der öffentlichen Sicherheit auf, Ruhe und Ordnung zu bewahren. Die Streitkräfte haben ihren Aufenthaltsort anzugeben und sofort den Eid auf den Unabhängigen Staat Kroatien und seinen Poglavnik zu leisten.
Ich habe heute als der Beauftragte des Poglavnik das Kommando aller Streitkräfte übernommen.
Gott mit den Kroaten! Für das Vaterland bereit!
[1] (Originalton)?/i

Geographie[Bearbeiten]

Propagandaplakat zur Wiedereingliederung der kroatischen Küstengebiete nach der Kapitulation Italiens (1943)

Die Grenzziehung des Unabhängigen Staates Kroatien verdankte dieser, laut Außenminister Dr. Mladen Lorković, „vor allem […] der großzügigen Freundschaft des Deutschen Reiches und des faschistischen Italiens.“[2] Bezeichnenderweise hingen im Arbeitszimmer von Ante Pavelić neben dem Bild des Herzogpaares von Spoleto auch die Bilder von Mussolini und Hitler.[3]

Das Staatsgebiet umfasste neben den kroatischen Kerngebieten (Kroatien, Slawonien) auch Bosnien und die Herzegowina sowie Syrmien. Mit der Ratifizierung der „Römischen Protokolle“ wurde die Westgrenze des USK zu Italien festgelegt: das Gebiet von Sušak bis Kraljevica mit einem kleinen Hinterland fiel an Italien, anschließend die Küste bis Obrovac an Kroatien, weiter südlich das Küstengebiet in einer Tiefe von maximal 40 km (einschließlich Šibenik und Trogir) abermals an Italien, dazu die Inseln Krk, Rab und Vis sowie das Gebiet von Kotor. Die Insel Pag und die Küste von ausschließlich Trogir bis einschließlich Dubrovnik verblieb bei Kroatien. Die von Italien annektierten Gebiete hatten eine Fläche von 5.400 km² mit 380.000 Einwohnern (davon 280.000 Kroaten, 90.000 Serben und 5.000 Italienern). Sie waren sowohl strategisch wie auch wirtschaftlich besonders wertvoll und nahmen einen hervorragenden Platz im kroatischen Nationalbewußsein ein. Die kroatische Regierung versuchte erfolglos, den Verlust von Dalmatien durch das Angebot der kroatischen Krone an einen italienischen Prinzen und andere politische Zugeständnisse zu vermeiden. Durch die Verlautbarung dieser Vereinbarung verlor die Ustaša-Regierung rasch an Rückhalt in der Bevölkerung.[4]

Dr. Mladen Lorković, rechtfertigte als ehemaliger Außen- und späterer Innenminister die Abtretung der Gebiete:

Eine loyale Durchführung der Römischen Verträge von der einen und der anderen Seite her vorausgesetzt, durfte sich die kroatische Regierung der Hoffnung hingeben, dass sich die kroatisch–italienischen Beziehungen also in einer freundschaftlichen Atmosphäre entwickeln sollten, um eines Tages, spätestens aber nach Beendigung dieses Krieges, die Frage der Grenzen einer Überprüfung zugunsten Kroatiens zuführen zu können.[5]

Nach der Kapitulation Italiens im Jahr 1943 fielen die italienisch annektierten Gebiete an den Unabhängigen Staat Kroatien.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Plakat einer antijüdischen Ausstellung in Zagreb (1942)

Der neue Staat hatte etwa 6,3 Millionen Einwohner, davon 3,3 Millionen Kroaten, etwa 1,9 Millionen Serben, 700.000 Muslime, 30.000 Roma, sowie eine Anzahl weiterer ethnischer Minderheiten.[6]

Der NDH-Staat führte in Anlehnung an Hitler-Deutschland ebenfalls Rassengesetze ein. Nach diesen wurden hunderttausende Juden, Roma und vor allem Serben verfolgt, eingesperrt und ermordet.[7][6] Das KZ Jasenovac war das größte Konzentrationslager in diesem Teil Europas.

Mit Repräsentanten der deutschen Besatzung in Slowenien und Serbien beschloss die Regierung des NDH-Staates, insgesamt 220.000 bis 260.000 Slowenen nach Kroatien oder Altserbien zu deportieren. Hintergrund war die deutsche Bevölkerungspolitik in Slowenien, die – ähnlich wie im Generalgouvernement – mit Hilfe der Deutschen Volksliste die slowenische Bevölkerung nach einem „Rassenwert“ klassifizierte und Aussiedlungsbeschlüsse für „Minderwertige“ und „politisch Unzuverlässige“ gefasst hatte. Die Aussiedlung begann am 7. Juni 1941. In diesem Zusammenhang deportierte Kroatien seinerseits Zehntausende Angehörige der serbischen Minderheit.

Politik[Bearbeiten]

Der Unabhängige Staat Kroatien stand, nachdem die Kroatische Bauernpartei die Kollaboration mit der deutschen Besatzungsmacht abgelehnt hatte, unter Führung von Ante Pavelić (formal wurde Aimone Herzog von Spoleto als Tomislav II. zum König proklamiert).

Der so entstandene Staat war formal unabhängig, de facto aber ein Protektorat des Deutschen Reiches und Italiens mit einem politisch, wirtschaftlich und militärisch gestützten Regime. Anerkannt wurde das Staatswesen von den Mitgliedern des Drei-Mächte-Pakts, sowie von Finnland und Spanien. Auch die Schweiz und Frankreich unterhielten Konsulate in Zagreb.[8] Im Jahr 1942 unterhielt das kroatische Außenministerium Gesandtschaften in den Hauptstädten der folgenden Länder: Deutschland, Italien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Spanien und Finnland. Generalkonsulate bestanden in Wien, Zadar (1941–43 italienisch), Mailand und Prag. Konsulate in München, Graz, Rijeka (1941–43 italienisch), Ljubljana, Maribor, Belgrad und Florenz.[9]

Politisches System[Bearbeiten]

Das Regime war nach dem Führerprinzip organisiert. Die Verwaltung wurde gesäubert und der Kontrolle von Ustascha-Funktionären unterworfen. 1942 wurde ein Parlament einberufen, dessen Mitglieder ernannt wurden und unterschiedlicher politischer Herkunft waren. Es blieb jedoch bedeutungslos. Die Presse wurde gleichgeschaltet. Der „Aufsichtsdienst“ Ustaška nadzorna služba (UNS, später GRAVSIGUR) übernahm exekutive Kompetenzen und entschied eigenständig über Verhaftungen und das Schicksal der Verhafteten.

Internationale Verträge[Bearbeiten]

Es wurden diverse Verträge mit den befreundeten bzw. verbündeten Staaten abgeschlossen, die häufig die Regelung der wirtschaftlichen Beziehungen betrafen. Darüber hinaus erfolgten die Beitritte zum Weltpostverein am 7. April 1942 und zur Genfer Konvention am 13. März 1943.

Militär[Bearbeiten]

Die Streitkräfte des Staates bestanden aus

Um die Kampfstärke zu erhöhen, wurde beide Militärorganisationen am 21. November 1944 unter dem Namen Hrvatske oružane snage (Kroatische Streitkräfte) zusammengefasst. Den Oberbefehl übernahm Pavelić, assistiert von dem Armeegeneral Gjuro Gjurić und dem Ustascha-Oberst Sertić.[10]

Die kroatischen Streitkräfte erreichten im Dezember 1944 mit 70.000 Soldaten (Domobranci), 76.000 Ustascha-Milizionären (Ustaše) und 32.000 Mann Gendarmerie (Hrvatsko oružništvo) ihren Höchststand.[11]

Einheiten der Wehrmacht, die mehrheitlich aus kroatischem Mannschafts- und deutschem Offizierspersonal gebildet worden waren, unterstützten militärisch. Diese „Legionärsdivisionen“ umfassten drei Infanteriedivisionen, eine Flieger- und eine Marine-Legion, sowie einige weitere Regimenter. Das verstärkte kroatische Infanterieregiment 369 wurde in der Schlacht von Stalingrad weitgehend aufgerieben.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Es bestanden drei Ebenen der Verwaltung: Groß-Gespanschaften (velike župe), Bezirke (kotari) und Gemeinden (općine).

Im Jahr 1945 gab es 22 Groß-Gespanschaften und eine eigene administrative Einheit (Hauptstadt Zagreb).

1941-1943[12][Bearbeiten]

NezavisnaDrzavaHrvatskaDistricts.png
Groß-Gespanschaft Hauptgemeinde Bezirke
Baranja Osijek Osijek, Virovitica, Našice, Donji Miholjac, Valpovo, Podravska Slatina, Đakovo
Bilo-Gora Bjelovar Bjelovar, Gjurgjevac, Koprivnica, Križevci, Čazma, Garešnica, Grubišno Polje
Bribir-Sidraga Knin Knin, Drniš, Bosansko Grahovo
Cetina Omiš Omiš, Sinj, Imotski, Makarska, Brač, Hvar
Dubrava Dubrovnik Dubrovnik, Čapljina, Stolac, Ravno Trebinje, Bileća, Gacko
Gora Petrinja Petrinja, Sisak, Glina, Dvor, Bosanski Novi, Hrvatska Kostajnica
Hum Mostar Mostar, Nevesinje, Konjic, Ljubuški, Metković, Posušje
Krbava-Psat Bihać Bihać, Cazin, Bosanski Petrovac, Bosanska Krupa
Lašva-Glaž Travnik Travnik, Žepče, Zenica, Visoko, Fojnica
Lika-Gacka Gospić Gospić, Otočac, Perušić, Udbina, Gračac, Korenica, Donji Lapac
Livac-Zapolje Nova Gradiška Nova Gradiška, Požega, Daruvar, Pakrac, Novska, Bosanska Dubica, Bosanska Gradiška, Prnjavor
Modruš Ogulin Ogulin, Slunj, Vrbovsko, Delnice
Pliva-Rama Jajce Jajce, Bugojno, Prozor, Duvno, Livno, Glamoč, Varcar-Vakuf, Kupres
Pokupje Karlovac Karlovac, Jastrebarsko, Pisarovina, Vojnić, Vrgin Most
Posavje Brod na Savi Brod na Savi, Derventa, Gradačac, Brčko, Bijeljina, Županja
Prigorje Zagreb Zagreb, Samobor, Donja Stubica, Sv. Ivan, Zelina, Dugo Selo, Velika Gorica, Kutina
Sana-Luka Banja Luka Banja Luka, Prijedor, Sanski Most, Ključ, Kotor-Varoš
Usora-Soli Tuzla Tuzla, Zvornik, Kladanj, Maglaj, Gračanica, Doboj, Tešanj, Teslić
Vinodol-Podgorje Senj Senj, Karlobag, Crikvenica, Kraljevica, Brinje, Novi Vinodolski, Obć. Obrovac
Vrhbosna Sarajevo Sarajevo, Foča, Čajniče, Rogatica, Višegrad, Srebrenica, Vlasenica
Vuka Vukovar Vukovar, Vinkovci, Šid, Ilok, Hrvatska Mitrovica, Ruma, Irig, Hrvatski Karlovci, Stara Pazova, Zemun
Zagorje Varaždin Varaždin, Čakovec, Prelog, Ludbreg, Novi Marof, Ivanec, Zlatar, Krapina, Pregrada, Klanjec

1943-1945[13][Bearbeiten]

NezavisnaDrzavaHrvatskaDistricts1943.png

Nach dem Zusammenbruch des faschistischen Italien Anfang September 1943 wurden die 1941 an Italien abgetretenen Gebiete Dalmatiens um Zadar und Split sowie diverse Inseln wieder kroatisches Staatsgebiet.

Weiterhin beanspruchte der Unabhängige Staat Kroatien auch das bis dahin italienische Istrien sowie Rijeka und die vorgelagerten Inseln für sich. Tatsächlich übte der kroatische Staat jedoch keinerlei Hoheitsgewalt über diese, als Groß-Gespanschaft Raša bezeichneten, Gebiete aus. Sie standen als Teil der Operationszone Adriatisches Küstenland bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs unter deutscher Militärverwaltung.

Groß-Gespanschaft Hauptgemeinde
Baranja Osijek
Bilogora Bjelovar
Bribir Šibenik
Cetina Split
Dubrava Dubrovnik
Gora-Prigorje Zagreb
Hum Mostar
Krbava-Psat Bihać
Lašva-Pliva Travnik
Lika-Gacka Gospić
Livac-Zapolje Nova Gradiška
Modruš Ogulin
Pokupje Karlovac
Posavje Brod
Raša Rijeka
Sana-Luka Banja Luka
Sidraga-Ravni Kotari Zadar
Usora-Soli Tuzla
Vinodol-Podgorje Senj
Vrhbosna Sarajevo
Vuka Vukovar
Zagorje Varaždin

Widerstand[Bearbeiten]

Propagandaplakat kroatischer Partisanen mit der Parole „Alle zum Kampf für die Freiheit Kroatiens!“

Am 22. Juni 1941 wurde im Wald Brezovica bei Sisak die erste antifaschistische Partisaneneinheit auf dem Gebiet Jugoslawiens gegründet. Heute wird in Kroatien dieses Datum als „Tag des antifaschistischen Kampfes“ (Dan antifašističke borbe) begangen und ist ein nationaler Feiertag.

Am 27. Juni 1941 beschloss das Zentralkomitee der KPJ, bei einer Sitzung in Belgrad, die Gründung des Hauptstabes der Volksbefreiungsbewegung, unter Titos Führung.[14]

Am 4. Juli 1941 rief Tito den allgemeinen Aufstand aus und stellte Partisaneneinheiten auf. Die erste offensiv und überregional agierende gesamtjugoslawische Kampfeinheit die "Erste Proletarische Brigade" wurde am 21. Dezember 1941 gegründet.[15]

Das am 29. November 1943 in Jajce (Bosnien) als provisorische Regierung gegründete Nationalkomitee des Antifaschistischen Rates des Volksbefreiung Jugoslawiens (AVNOJ) erhob folglich auch den Anspruch, für das vom Faschismus befreite Kroatien zu sprechen. Die Partisanen schafften es durch breite Unterstützung in der Bevölkerung, aber auch durch geschicktes Taktieren mit den Alliierten, große Teile Kroatiens und Bosnien-Herzegowinas ohne direkte ausländische Unterstützung in ihre Hand zu bringen.

Ab 1942 war die Jugoslawische Volksbefreiungsarmee unter Führung von Josip Broz Tito sowie die jugoslawisch-monarchistischen Tschetniks auch in Kroatien aktiv. Die deutsche Militärpräsenz auf dem Gebiet des NDH-Staates war bis Mitte Juli 1942 auf die 718. Infanterie-Division sowie einige Landesschützenbataillone begrenzt. Die 2. italienische Armee zog sich ab Mitte 1942 bis April 1943 in drei Etappen wieder aus Teilen Kroatiens zurück. Dies führte dazu, dass Partisanen ebenso wie Tschetniks ihre Aktivitäten verstärken konnten.[16] Um den Ausfall der Italiener wettzumachen, drang Hitler auf eine Generalmobilmachung in Kroatien. 75.000 kroatische Soldaten sollten in die Wehrmacht und die Waffen-SS überführt werden. Als Zugeständnis sollten sie nur innerhalb Kroatiens eingesetzt werden.[17]

Obwohl die jugoslawischen Kommunisten ständig ein neues Jugoslawien als demokratischen Staat freier und gleichberechtigter Völker verhießen, kam es auch ihrerseits zu brutalen Abrechnungen mit allen wirklichen und ideologisch-politischen Gegnern, darunter auch den Anhängern und Anführern der Ustaša. Diese Ereignisse erreichten ihren Höhepunkt im Frühjahr und Sommer 1945, als der Krieg bereits beendet war. Während dieser Phase ereigneten sich auch die Massaker von Bleiburg.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Auch nach dem Zusammenbruch des USK wird dessen Gründungstag, vor allem von Kroaten in der Diaspora als Feiertag begangen. Im Jahr 1968 proklamierte Ronald Reagan, in seiner Funktion als Gouverneur von Kalifornien, den 10. April zum „Kroatischen Unabhängigkeitstag“ um die „mehr als 150.000 Amerikaner kroatischer Abstammung, die anständig in Kalifornien leben, an den wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Entwicklungen des Golden State teilnehmen und immer ihre Wachsamkeit gegen die kommunistische Aggression aufrechterhalten, indem sie ihre Kenntnisse und Erfahrungen teilen; […]“ zu ehren „[…] und alle Bürgerinnen und Bürger, zur erneuten Hingabe an die gerechten Bestrebungen aller Menschen, für die nationale Unabhängigkeit und die Freiheit des Menschen einzuladen.[18]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Martin Broszat, Ladislaus Hory: Der kroatische Ustascha-Staat 1941–1945 (= Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Nr. 8). 2. Auflage. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1965.
  •  Vladimir Dedijer: Jasenovac: Das jugoslawische Auschwitz und der Vatikan. 6. Auflage. Ahriman, Freiburg im Breisgau 2011, ISBN 978-3-922774-06-8.
  •  Alexander Korb: Im Schatten des Weltkriegs: Massengewalt der Ustaša gegen Serben, Juden und Roma in Kroatien 1941–1945 (= Studien zur Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts). Hamburger Edition, Hamburg 2013, ISBN 978-3-86854-259-2.
  •  Zeev Milo (d. i. Vladimir Müller): Im Satellitenstaat Kroatien: Eine Odyssee des Überlebens 1941–1945. Wieser, Klagenfurt 2002, wieder 2010, ISBN 978-3-85129-870-3 (Autobiographie im Rahmen der Landesgeschichte).
  •  Marco Aurelio Rivelli, Gaby Rousseau: Le Génocide occulté: État indépendant de Croatie 1941-1945. L'Age d'Homme, 2009.
  •  Holm Sundhaussen: Wirtschaftsgeschichte Kroatiens im nationalsozialistischen Großraum 1941–1945 : Das Scheitern einer Ausbeutungsstrategie (= Studien zur Zeitgeschichte. Nr. 23). 1983.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Independent State of Croatia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ladislaus Hory, Martin Broszat: Der kroatische Ustascha-Staat 1941-1945. Deutsche Verlags-Anstalt, 2. Auflage. Stuttgart 1965, S. 53.
  2. Hermann Ginzel: Mit der Achse für Europa : Eine Unterredung mit Außenminister Dr. Lorkowitsch. In: Kroatien heute. Preporod, Zagreb 1942, S. 32.
  3. Hermann Ginzel: Der Poglavnik. In: Kroatien heute. Preporod, Zagreb 1942, S. 21.
  4. Holm Sundhaussen: Wirtschaftsgeschichte Kroatiens im nationalsozialistischen Großraum 1941-1945. Das Scheitern einer Ausbeutungsstrategie. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1983, S. 82.
  5. Rede des Innenministers Dr. Mladen Lorković vor dem Sabor vom 14. Januar 1944. In: Dr. Mladen Lorković: Kroatiens Kampf gegen den Bolschewismus. Verlagsbuchhandlung Velebit, Zagreb 1944, S. 24.
  6. a b United States Holocaust Memorial Museum: Holocaust Era in Croatia 1941-1945. Abgerufen am 29. März 2011.
  7. Operation: Last Chance. Abgerufen am 29. März 2011.
  8. Micael Portmann und Arnold Suppan: Serbien im Zweiten Weltkrieg. In: Serbien und Montenegro: Raum und Bevölkerung, Geschichte, Sprache. Österreichisches Ost-und Südosteuropa-Institut, S. 281.
  9. Hermann Ginzel: Mit der Achse für Europa : Eine Unterredung mit Außenminister Dr. Lorkowitsch. In: Kroatien heute. Preporod, Zagreb 1942, S. 30-31.
  10. N. Thomas/K. Mikulan: Axis forces in Yugoslavia 1941-5. Osprey publishing, Oxford 1995, S. 17. – ISBN 1-85532-473-3
  11. Rolf-Dieter Müller: An der Seite der Wehrmacht. Hitlers ausländische Helfer beim „Kreuzzug gegen den Bolschewismus“ 1941-1945. Berlin 2007, S. 111. – ISBN 978-3-86153-448-8
  12. Priručni zemlovid Nezavisne Države Hrvatske. Zemlopisni Zavod Hrvatskog Domobranstva N. D. H. izvršio pregled i ispravak granica (br. 748 od 2. V. 1942). Maßstab 1 : 800.000. St. Kugli, Zagreb 1942.
  13. Nezavisna Država Hrvatska. Zemlopisni Zavod Hrvatskih Oružanih Snaga. Maßstab 1 : 1.500.000. Zagreb 1945.
  14. Vlado Strugar: Rat i revolucija naroda Jugoslavije, 1941–1945. Vojno-istorijski institut, Belgrad 1962, S. 357.
  15. Othmar Nikola Haberl: Die Emanzipation der KP Jugoslawiens von der Kontrolle der Komintern/KPdSU 1941–1945 (= Untersuchungen zur Gegenwartskunde Südosteuropas 8). Oldenbourg, München 1974, ISBN 3-486-47861-3, S. 28.
  16. Klaus Schmider: Auf Umwegen zum Vernichtungskrieg? Der Partisanenkrieg in Jugoslawien, 1941–1944 in: R.D. Müller, H.E. Volkmann, (Hrsg. im Auftrag des MGFA): Die Wehrmacht: Mythos und Realität, München, Oldenburg 1999, ISBN 3-486-56383-1, S. 920.
  17. Rolf-Dieter Müller: An der Seite der Wehrmacht. Hitlers ausländische Helfer beim „Kreuzzug gegen den Bolschewismus“ 1941-1945, Berlin, 2007, ISBN 978-3-86153-448-8, S.112
  18. State of California (Executive Department): Proklamation vom 4. April 1968. In: Ivo Omrčanin: Dramatis Personae and Finis of the Independent State of Croatia in American and British Documents, Einbandrückseite. Dorrance & Company, Bryn Mawr 1983