Unbemannte Luftfahrt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Als unbemannte Luftfahrt bezeichnet man alle Luftfahrt-Aktivitäten, die mit unbemannten Luftfahrzeugen (im engeren Sinne ausschließlich unbemannt nutzbar) durchgeführt werden.

Anfänge der unbemannten Luftfahrt[Bearbeiten]

Wright glider,
Wilbur l., Orville r. in Kitty Hawk, North Carolina 1901

Ursprünglich ging die unbemannte Luftfahrt der bemannten Luftfahrt voraus, um die Fluggeräte zu testen oder zu entwickeln (siehe beispielsweise Montgolfière oder Gleitapparat der Gebrüder Wright). Aber bereits im 19. Jahrhundert setzten Léon-Philippe Teisserenc de Bort und andere nur unbemannt nutzbare Wetterballone zur Atmosphären- und Klimaforschung ein.

Die Entwicklung von Autopilotsystemen ab 1914 machte dann die Konstruktion von unbemannt einzusetzenden Fluggeräten insbesondere Flugzeugen möglich, auch wenn dabei eine heute wichtige Anforderung, die Wiederverwendbarkeit nicht immer gegeben war (s. z.B. V1 mit automatischer Kreisel-Kurssteuerung).

Fernsteuerungen, automatische Landessysteme und immer höher entwickelte Autopilotsysteme haben zu einer wirklichen unbemannten Luftfahrt mit speziellen ausschließlich unbemannt nutzbaren Fluggeräten und zugehörigen Flugführungssystemen geführt, die einer Vielzahl von Zwecken dienen.

Kurzchronologie der unbemannten Luftfahrt[Bearbeiten]

Planaphore, Modellflugzeug von Alphonse Pénaud, 1871
Radioplane OQ-2, Zieldrohne der Radioplane Company, 1940
  • 1935. Der Schauspieler Reginald Denny, ein ehemaliger Erster-Weltkriegs-Pilot, entwickelte ab 1935 eine funkferngesteuerte Drohne als preiswertes Zielobjekt zur Ausbildung von Flugabwehr-Kanonieren und stellte sie der US Army vor. Den endgültigen Entwurf einer solchen Zieldrohne erwarb er 1938 von Walter Righter. Für das 1939 serienreif entstandene Baumuster RP-4 (Radioplane 4) erhielt er mit seinen Partnern 1940 einen Serienfertigungsauftrag der US-Army. Die Radioplane Company fertigte bis zum Kriegsende des Zweiten Weltkriegs insgesamt rund 15.000 Zieldrohnen, die die militärische Bezeichnung Radioplane OQ-2 erhielten.
  • 1937 entwarf Dr. Fritz Gosslau bei der Argus Motoren Gesellschaft das ferngesteuerte Flugzeug Argus As 292 Fernfeuer (Aufklärer und Flugzieldrohne). Es wurden 100 Stück hergestellt.
  • 1942, 24. Dezember: Die Flugerprobung für den ersten Marschflugkörper, die deutsche V1, wurde aufgenommen; am 12. Juni 1944 erfolgt der erste V1 Einsatz auf London; insgesamt wurden rund 10.000 V1 auf verschiedene Ziele gestartet.
  • Die Briten und Japaner setzen im Zweiten Weltkrieg Ballonbomben ein.
  • 1960-1962. Der Verlust mehrerer Aufklärungsmaschinen u. a. zwei U2 über der Sowjetunion und Kuba veranlasst das US-Verteidigungsministerium Geld in Studien und den Prototypbau von unbemannten Aufklärungsflugzeugen zu investieren, z. B. die D-21. Ausgangsbasis für die ersten Entwürfe sind im Einsatz befindliche Zieldrohnen.
RQ-1 Predator, US-Luftwaffe
Aerosonde Laima,
Ausgestellt im Museum of Flight in Seattle, Washington
  • 1998, 21. August. Das UAV Aerosonde Laima der Firma Aerosonde Ltd überquerte als erstes UAV den Nordatlantik im Nonstopflug. Start und Landung wurden durch Fernsteuerung manuell ausgeführt. Den eigentlichen Überflug führte Laima autonom durch. Flugstrecke 3.270 km, Flugzeit 26 h 45 min.
  • 2000, 20. April: Erster Transatlantikflug eines Global Hawk.
  • 2001, 23. April: Erste Pazifiküberquerung eines Global Hawk.
  • 2003, August. Die RQ-4A Global Hawk hat als erstes unbemanntes Luftfahrzeug ein COA (Certificate of Authorization) von der Federal Aviation Administration (FAA) und damit eine nationale Zulassung zum Betrieb eines unbemanntes Luftfahrzeuges in zivil kontrollierten US-amerikanischen Lufträumen erhalten. Allein die US-Luftwaffe weist einen Bedarf für rund 150 Gobal-Hawk-Systeme aus.
  • 2003, März. Nach Berichten der New York Times setzen die US-Streitkräfte im Dritten Golfkrieg mindestens 700 UAV-Systeme ein, darunter Predator- und Global Hawk-Systeme.
  • 2003, 11.-13. August. Als erstes Modellflugzeug überquert Tam 5 (Abfluggewicht unter 5,0 kg) den Nordatlantik.
  • 2003, 15. Oktober - 6. November. Zu Testzwecken wird ein Global Hawk von der Edwards Air Force Base/Kalifornien nach Nordholz/Deutschland verlegt, um EADS-Elektronikkomponenten und die Führung eines UAVs im europäischen Luftraum zu testen.
  • 2005, 27. Juni. Die Piloten-Vereinigung Cockpit weist in einer Presseerklärung auf die Sicherheitsdefizite beim Betrieb von Unmanned Aerial Vehicles (UAV) im zivilen Luftraum hin. Es fehlten in der zivilen Luftfahrt Regelungen für den UAV-Betrieb. Die Operation dieser Fluggeräte im gleichen Luftraum zusammen mit bemannten Luftfahrzeugen - ohne an die neuen Bedingungen angepasste und geregelte Bau- und Betriebsvorschriften - kann eine erhebliche Bedrohung der Flugsicherheit darstellen.
  • 2006, März. Nach einem Bericht der Zeitung Die Welt haben sich die europäischen Länder Frankreich, Griechenland, Italien, Schweden, Schweiz, Spanien darauf geeinigt den unbemannten Kampfjet Neuron in Konkurrenz zu USA-UAV bis 2011 zu entwickeln.
Heron I der deutschen Luftwaffe
  • 2010, Februar. Die erste von drei geleasten Heron I Aufklärungsdrohnen der deutschen Luftwaffe trifft in Afghanistan ein, wo sie ab 18. März 2010 erfolgreich im Einsatz sind.
  • 2012, Januar. In einer Änderung des Luftverkehrsgesetzes hat der Deutsche Bundestag ohne weitere Aussprache in der Nacht von 26. zum 27. Januar 2012 für „unbemannte Luftfahrtsysteme“ bis zu 150 Kilogramm die gleichberechtigte Teilnahme am Luftverkehr neben bemannten Flugzeugen beschlossen.[4]

Motivationen für unbemannte Luftfahrt[Bearbeiten]

  • Fluggewicht und Miniaturisierung: Unbemannte Flugsysteme, d.h. fliegende Systeme ohne Besatzung an Bord, sind nicht nur um das Besatzungsgewicht leichter, man spart auch das Gewicht und den Raum für Lebenserhaltungs- und Rettungssysteme (z.B. Druckkabine, Schleudersitz). Für viele Aufgaben können unbemannte Systeme wesentlich kleiner und dabei effizienter ausgelegt werden als bemannte Lösungen.
  • Flugmanöver: Unbemannte Luftfahrzeuge können Flugmanöver mit hohen Beschleunigungen fliegen, welche Piloten nicht ohne gesundheitlichen Folgen überstehen würden. Sie können also wesentlich wendiger, agiler ausgelegt werden.
  • Sicherheit: Unbemannte Luftfahrzeuge können in Missionen geschickt werden, bei denen trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ein Verlust nicht auszuschließen ist. Das umfasst u.a. Missionen über Unruhegebieten (Abschussgefahr), Kontaminationsgebieten (Gefahr von Vergiftung, Verstrahlung, etc.) sowie Gebieten mit Umweltkatastrophen (Vulkanasche-Wolken, Eruptionsgefahr).
  • Flugdauer: Unbemannte Luftfahrzeuge können für Flugzeiten ausgelegt werden, welche die Leistungsfähigkeiten eines Piloten übersteigen. Durch evtl. Verzicht auf eine Rückkehr kann der Aktionsbereich zusätzlich erheblich vergrößert werden.

Beispiele für Einsatzzwecke[Bearbeiten]

Fluggeräte schwerer als Luft[Bearbeiten]

Fluggeräte leichter als Luft[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Wieland Schneider u. Wolfgang Greber, Die Presse am Sonntag, Wien, 3. Februar 2013, Ausland, S. 5
  2.  Josef Mötz: Hirtenberger AG - Die ersten 150 Jahre. Hirtenberg AG, Hirtenberg 2010 (Hirtenberger AG).
  3. Iran’s Asymmetric Naval Warfare (PDF; 667 kB) The Washington Institute for Near East Policy. Abgerufen am 26. Februar 2012.
  4. Bundestag verabschiedet „Drohnengesetz“. Heise online. Abgerufen am 26. Februar 2012.