Und dann gabs keines mehr

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Und dann gabs keines mehr ist der 26. Kriminalroman von Agatha Christie. Er erschien im Vereinigten Königreich am 6. November 1939[1] im Collins Crime Club unter dem Titel Ten Little Niggers.[2][3]

In diesem Roman sterben nacheinander zehn Menschen, die in ihrem Leben in ungeklärte Todesfälle verwickelt waren, wie in dem Zählreim Zehn kleine Negerlein bzw. Ten little Indians aus dem Jahre 1868.

Dieser Roman ist mit bis heute 100 Millionen verkauften Exemplaren das meistverkaufte Werk Christies. Auf der Liste der meistverkauften Bücher aller Zeiten nimmt er einen der vordersten Plätze ein und ist damit der meistverkaufte Kriminalroman aller Zeiten.[4]

Geschichte des Titels[Bearbeiten]

In den USA erschien der Roman mit Rücksicht auf die afroamerikanische Bevölkerung im Januar 1940 bei Dodd, Mead and Company unter dem seit 1985 auch in Großbritannien und international verwendeten Titel And Then There Were None.[5] Die erste deutschsprachige Ausgabe erschien 1944 im Scherz Verlag (Bern) unter dem Titel Letztes Weekend in der Übersetzung von Anne Katherina Rehmann-Salten.[6] Ab 1982 wurde dann der Titel Zehn kleine Negerlein verwendet. 1985 wurde der Roman von Ursula Gail neu übersetzt.[7] Für die Neuübersetzung von Sabine Deitmer 2003 wurde dann der bis heute verwendete Titel gewählt Und dann gabs keines mehr.[8]

In den englischsprachigen Ausgaben wurde ab 1985 nicht nur, sofern nicht bereits früher geschehen, der Titel geändert, sondern auch der Schauplatz von "Nigger Island" in "Indian Island" umbenannt und alle sonstigen Verwendungen des heute als massive rassistische Beleidigung geltenden Begriffs "Nigger" durch "Indian" ersetzt. Dies bot sich an, da der Kinderreim in seiner ältesten bekannten Fassung tatsächlich "ten little Indians" heißt.

Die Handlung[Bearbeiten]

Zehn Personen erhalten je eine Einladung (teilweise einen kurzzeitigen Arbeitsplatz) nach Nigger Island, einer Insel vor der Küste Devons. Die zehn Menschen gelangen mit einem Boot auf die Insel. Schnell bemerken sie, dass die Einladungen auf die jeweilige Person zugeschnitten sind und angeblich von verschiedenen Absendern stammen. Meistens kann der Absender mit U. N. Owen abgekürzt werden, was man unknown (engl. „unbekannt“) aussprechen kann. Durch eine Schallplattenstimme kommt ans Tageslicht, dass alle einst einen oder mehrere Todesfälle ohne direkte Einwirkung verschuldet hatten.

Nach dem ersten Todesfall am Abend denkt noch keiner an eine Mordserie. Als aber die zweite Person stirbt (Mrs. Rogers), glaubt keiner mehr an einen Zufall. Nach einer organisierten Suche durch das Haus und über die Insel kommt man zur Feststellung, dass sich keine weitere Person auf der Insel befindet. Der Mörder muss also unter den noch verbliebenen acht Personen sein. Dem Butler Mr. Rogers fiel nach dem zweiten Mord auf, dass auf dem Tisch am Tag ihrer Ankunft Figuren von zehn kleinen Negerlein standen, und es nun nur noch acht sind. Im Laufe der nächsten Tage werden weitere der zu Beginn zehn Personen ermordet, und jeder findet den Tod genau oder metaphorisch entsprechend wie das Negerlein in der jeweiligen Strophe. Im Haus traut nach kurzer Zeit keiner mehr dem anderen.

Es bilden sich immer mehr Theorien unter den Beteiligten, wer der Mörder sei. Zum Ende sind noch zwei Personen übrig: Philip Lombard und Vera Claythorne. Durch die Angst und den erlittenen Wahn erschießt Vera Claythorne Philip Lombard, als sie die Leiche von Dr. Armstrong aus dem Wasser bergen wollen. Aufgrund dieses Vorfalls ist sie die Letzte und feiert innerlich ihren Sieg.

Durch Wahnvorstellungen wegen ihrer Schuld am Verlust eines Menschenlebens getrieben, begeht sie am Ende Suizid durch den Strick, den sie in ihrem Zimmer, schon fertig präpariert von der Decke hängend, findet.

Bis zum Ende des Buches ist kaum ersichtlich, wer der Mörder ist. Auf den letzten Seiten wird ein in einer Flaschenpost gefundener Brief von Richter Wargrave veröffentlicht, in dem er alles gesteht. Seinen eigenen Tod täuschte er mithilfe von Dr. Amstrong vor. Dies tat er, um im Haus nicht in den Verdacht zu geraten, all die Morde begangen zu haben. Aus dem Brief geht außerdem hervor, dass er sich später, als alle anderen tot waren, mit einer Pistole erschoss, die mit einem elastischen Band am Türknauf befestigt war. Als sich die Tür schloss, wurde die Pistole davongeschleudert. Dadurch sah es für die Polizei so aus, als wäre er von jemand anderem erschossen worden.

Die Personen[Bearbeiten]

  • Anthony James Marston, ein gut aussehender Mann mit einem wohlproportionierten Körper. Er ist bekannt für seine rücksichtslose Fahrweise und stammt aus einer wohlhabenden Familie. Von Owen wird er beschuldigt, zwei Kinder überfahren zu haben. Er ist das erste Opfer, stirbt durch Zyankali in seinem Drink.
  • Mrs. Ethel Rogers, die Köchin und Frau von Mr. Rogers. Sie wird als eine schüchterne Frau mit einem blassen Gesicht beschrieben, die trotzdem ihrem Mann geholfen haben soll, ihre Arbeitgeber zu ermorden.
  • Mr. Thomas Rogers, der Butler und Ehemann der Köchin.
  • Emily Caroline Brent, eine ältere Frau mit festen moralischen Prinzipien. Sie entließ ihr Hausmädchen wegen einer Schwangerschaft. Nachdem die junge Frau auch von ihrer Familie verstoßen wurde, brachte sie sich um.
  • Richter Lawrence Wargrave, ein pensionierter Richter, der bekannt dafür ist, sehr großzügig die Todesstrafe zu verhängen, selbst bei Zweifeln an der Schuld des Angeklagten. Erst scheint es, dass er das sechste Opfer geworden wäre. Es stellt sich jedoch heraus, dass er Owen ist, und er erschießt sich nach dem Tod von Vera Claythorne.
  • Dr. Edward George Armstrong, ein Chirurg aus der Harley Street, der angeklagt wird, den Tod von Louisa Clees verschuldet zu haben, die er operierte, als er betrunken war.
  • William Henry Blore, ein pensionierter Polizeiinspektor und nun Privatdetektiv. Durch seine Falschaussage wurde ein Unschuldiger verurteilt, der später im Gefängnis starb.
  • Philip Lombard, ein Glücksritter, der in seiner Zeit in Afrika den Tod von Einheimischen verursacht haben soll. Er wird nicht von Owen ermordet, sondern Vera erschießt ihn, weil sie ihn für den Mörder hält.
  • Vera Elizabeth Claythorne, eine junge Lehrerin, Sekretärin und Ex-Gouvernante, die beschuldigt wird, daran schuld zu sein, dass ihr Schützling ertrunken ist. Von allen Gästen wird Vera am stärksten von ihrem Gewissen gequält, sie leidet auch am längsten, weil sie die letzte Überlebende ist. Sie begeht letztlich Suizid.

Bezüge zu anderen Werken[Bearbeiten]

In diesem Roman bezieht Agatha Christie eindeutig Stellung zugunsten von Selbstjustiz, wenn der Arm des Gesetzes nicht greift. Diese Haltung hatte sie bereits in Mord im Orientexpress vertreten. Während dort jedoch die Täter davonkommen, endet der Mörder in diesem Roman durch Suizid.

Adaptionen für das Theater und den Film[Bearbeiten]

And Then There Were None (1943, Theaterstück)[Bearbeiten]

Agatha Christie selbst schuf die Bühnenfassung dieses Romans. Dabei sah sie sich vor das Problem gestellt, dass die Auflösung aus ihrem Buch (ein Polizist liest Richter Wargraves Geständnis vor) als Szene auf der Bühne für die Zuschauer zu langweilig sein würde, daher wandelte sie das Ende ab:

Der vermeintliche Philip Lombard ist hier sein Freund Charles Morley. Dieser gibt sich als Lombard aus, weil der echte Lombard sich im Vorfeld selbst tötete und die Einladung von Mr. Owen bei ihm gefunden wurde. Blore war anfangs bereits misstrauisch wegen der Initialen C. M. auf dem Koffer, seine wahre Identität gibt Morley Vera Claythorne aber erst kurz vor Ende preis. Diese wiederum hat das ihr zur Last gelegte Verbrechen nicht begangen, sondern vielmehr ihre Schwester gedeckt. Daraufhin erkennen die zwei, dass einer der Toten sein Ende nur vorgetäuscht haben muss, und wenden eine Kriegslist an.

Vera gibt vor, Lombard erschossen zu haben. In einem anderen Raum wartet bereits Richter Wargrave auf sie. Vera konfrontiert den Richter und bekräftigt noch einmal, für das ihr zur Last gelegte Verbrechen nicht verantwortlich zu sein. Wargrave zeigt sich davon unbeeindruckt und hält Vera vor Augen, dass sie ja gerade Lombard erschossen habe und nun dieses Verbrechens schuldig sei. Außerdem habe er gerade Gift eingenommen, so dass man Vera letztlich für alle neun Toten auf der Insel verantwortlich machen würde. Er fordert sie auf, es sich leicht zu machen und nicht auf die Polizei zu warten, sondern einen von ihm vorbereiteten Galgen zu benutzen.

Mit deutlicher Befriedigung über sein eigenes Genie, die Morde unentdeckt begangen zu haben, legt er ein volles Geständnis ab. Bei seinen letzten Worten betritt Lombard den Raum. Wargrave erkennt, dass er verloren hat, und stirbt. Vera und Morley, die beiden wirklich Unschuldigen, verlassen die Insel lebend und klären die Polizei über den wahren Verlauf der Dinge auf.

Die Premiere fand am 17. November 1943 im Londoner West End im St James’s Theatre statt. Unter dem Titel Ten Little Indians hatte das Stück am 27. Juni 1944 seine Premiere am Broadway.

Das letzte Wochenende (1945)[Bearbeiten]

Die erste Verfilmung des Romans stammt bereits aus dem Jahr 1945. Regie führte René Clair, es spielten u. a. Walter Huston und Judith Anderson. Diese Verfilmung hält sich eng an den Roman und für die Schlussszene an das Bühnenstück. 1946 gewann der Film beim Locarno International Film Festival den Preis für den besten Film.

Geheimnis im blauen Schloß (1965)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Geheimnis im blauen Schloß

Unter der Regie von George Pollock entstand eine Verfilmung mit internationaler Starbesetzung, unter anderem mit Hugh O’Brian, Shirley Eaton, Marianne Hoppe, Mario Adorf und Christopher Lee, der Mr. Owen seine Stimme lieh.

Zehn kleine Negerlein (1969)[Bearbeiten]

Eine deutsche Fernsehfassung des Klassikers, basierend auf dem Theaterstück, Regie: Hans Quest. Die gesamte Handlung, die sich – abgesehen von der Schlussszene – eng an die Theatervorlage hält, spielt in einer großen Hotelhalle auf einer kleinen Insel. Der Gastgeber wird als Ulick Norman B. Kannt erwähnt. Kürzt man die Vornamen ab, erhält man UNBEKANNT. Hier spielt ein deutsches Staraufgebot: Alfred Schieske, Fritz Haneke, Rolf Boysen, Alexander Kerst, Nora Minor, Peter Fricke, Ingrid Capelle, Werner Peters, Günther Neutze, Edith Volkmann und Mathias Hell.

Ein Unbekannter rechnet ab (1974)[Bearbeiten]

Auch die Verfilmung von 1974 in der Regie von Peter Collinson weist ein großes Aufgebot an internationalen Stars auf, siehe Ein Unbekannter rechnet ab

Desyat negrityat (Russisch: Десять негритят) (1987)[Bearbeiten]

Diese Verfilmung aus der UdSSR von Stanislav Govorukhin ist die werkgetreuste Leinwandadaption und die einzige, die das ursprüngliche Ende des Romans verwendet.

  • Wladimir Seldin als Richter Lawrence Wargrave
  • Tatyana Drubich als Vera Claythorne
  • Alexander Kaidanowski als Philip Lombard
  • Aleksei Zharkov als Detective William Blore
  • Anatoli Romashin als Dr. Armstrong
  • Ljudmila Maksakowa als Emily Brent
  • Michail Glusski als General Macarthur
  • Aleksei Zolotnitsky als Mr. Rogers
  • Irina Tereshchenko als Mrs. Rogers
  • Alexander Abdulow als Anthony Marston
  • Igor Yasulovich als Stimme auf der Schallplatte

Zehn kleine Negerlein (1989)[Bearbeiten]

(alternativer Titel: Agatha Christie’s Death on Safari - Todesfalle Afrika)

1989 wurde der Roman erneut verfilmt. Die Premiere fand am 17. Mai 1989 während des Film-Festivals in Cannes statt.

Hörbücher[Bearbeiten]

  • 2003 Da waren es nur noch neun (zwei Tonkassetten oder drei CDs). Gelesen von Christian Hoening. Regie: Caroline Neven du Mont. Gekürzte Fassung von Kati Nicholl. Aus dem Englischen von Anja Hansen-Schmidt. Der Hörverlag München[9]
  • 2006 Und dann gabs keines mehr (drei CDs): Gelesen von Christian Hoening. Regie: Caroline Neven du Mont. Gekürzte Fassung von Kati Nicholl. Aus dem Englischen von Anja Hansen-Schmidt. Der Hörverlag München
  • 2007 Und dann gabs keines mehr (fünf CDs): einzige ungekürzte Lesung. Sprecher: Manfred Fenner. Regie: Hans Eckardt. Übersetzung von Ursula Gail. Verlag und Studio für Hörbuchproduktionen, Marburg[10]

Computerspiel[Bearbeiten]

2005 veröffentlichte The Adventure Company ein auf dem Roman basierendes Adventure. Das Grundmotiv der zehn einander unbekannten und nacheinander ermordeten Personen wurde beibehalten, gegenüber dem Roman wurde der Verlauf jedoch in mehreren Punkten geändert. Während im Roman das Boot, das die zehn handlungstragenden Personen auf die Insel bringt, zum Festland zurückkehrt, sinkt es im Computerspiel nach der Ankunft auf der Insel, so dass der Kapitän des Bootes, die vom Spieler übernommene und im Roman nicht vorkommende Figur Patrick Narracott, als mehr oder weniger unbeteiligte elfte Person ebenfalls auf der Insel bleiben muss. Außerdem wird am Ende eine völlig andere Auflösung mit einem anderen Täter präsentiert. Sobald nur noch die letzten beiden Personen (wie im Roman Capt. Philip Lombard und Vera Claythorne) übrig sind, kann der Spieler auf verschiedene Weise ins Spiel eingreifen und so dafür sorgen, dass entweder beide, nur eine von ihnen oder keine am Leben bleiben.

Die eigentliche Geschichte des Romans erzählt sich weitestgehend in den Zwischensequenzen. Die Aufgaben des Spielers bestehen zwar vermeintlich in der Aufklärung des Falles, er kann jedoch die weiteren Morde nie verhindern und beschäftigt sich adventuretypisch hauptsächlich mit dem Beschaffen von Gegenständen und Finden von Personen. Hierbei werden viele Entdeckungen gemacht, die im Roman nicht erwähnt werden (z. B. ein Geheimzimmer in der Bibliothek mit einem nicht betriebsbereiten Funkgerät, das der Spieler für einen Hilferuf wieder in Gang setzen soll). Das letzte Rätsel des Spiels besteht darin, eine Filmrolle zu finden, die das vorgelesene originale Ende des Romans enthält.

Bei den nacheinander verschwindenden Porzellanfiguren handelt es sich im Spiel nicht um "Negerlein", sondern um Kinder in Matrosen-Uniform. Der verwendete Abzählreim ist dementsprechend in "Zehn kleine Leichtmatrosen" abgeändert.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Review of Ten Little Niggers. In: The Observer, 5. November 1939, S. 6. 
  2. C Peers, Spurrier A & Sturgeon J: Collins Crime Club – A checklist of First Editions (2nd ed.). Dragonby Press, 1999, ISBN 1-8711-2213-9, S. 15.
  3. Bruce Pendergast: Everyman's Guide To The Mysteries Of Agatha Christie. Trafford Publishing, Victoria, BC 2004, ISBN 1412023041, S. 393.
  4. Helen Davies, Marjorie Dorfman, Mary Fons, Deborah Hawkins, Martin Hintz, Linnea Lundgren, David Priess, Julia Clark Robinson, Paul Seaburn, Heidi Stevens, and Steve Theunissen: 21 Best-Selling Books of All Time. Editors of Publications International, Ltd.. 14. September 2007. Abgerufen am 25. März 2009.
  5. American Tribute to Agatha Christie - The Classic Years: 1940-1944. Abgerufen am 1. März 2010.
  6. Deutsche Erstausgabe im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  7. Neuübersetzung 1985 im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  8. Neuübersetzung 2003 im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  9. Hörbuch (gek.) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  10. Hörbuch (vollst.) im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek