Underpricing

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Der Begriff Underpricing bezeichnet das Phänomen bzw. die negative Differenz, die entsteht, wenn neu emittierte Wertpapiere günstiger angeboten werden, als es der eigentliche Wert rechtfertigen würde.

Hintergründe[Bearbeiten]

Underpricing bei einem Börsengang[Bearbeiten]

Bei einem Börsengang bezeichnet Underpricing den Unterschied zwischen dem Preis, den die Zeichner von neu emittierten Wertpapieren zahlen (Emissionspreis), und dem Preis, zu dem die Aktie oder Anleihe erstmals am Sekundärmarkt gehandelt wird. Für die Wertpapierzeichner stellt diese Differenz einen zusätzlichen Gewinn dar, während für die Unternehmung das Underpricing Opportunitätskosten darstellt. Das Unternehmen hätte seine Aktien auch zu einem höheren Preis veräußern können und damit beim Börsengang zusätzliche Geldmittel erlösen können.[1] Dieses Phänomen wurde erstmals 1969 durch eine empirische Untersuchung über Aktienerstemissionen (IPO) belegt.[2]

Empirisch zeigten eine Reihe von Studien, dass Emissionen zu „billig“ emittiert würden, da der Emissionskurs häufig unterhalb des ersten Börsenkurses liege. Es wird also „Geld auf der Straße liegen“ gelassen (engl: money left on the table). Als Gründe werden genannt

  • ein geringeres Risiko für die Emissionsbanken, dass sie alle Aktien veräußern können
  • ein „winner’s curse“ – damit gemeint sind Anreize für uninformierte Investoren, Aktien zu kaufen (da in der Regel der Wert der Aktie am ersten Handelstag steigt)

Der bekannteste theoretische Erklärungsansatz zum Underpricing stammt von Kevin Rock.[3] Das Rock-Modell geht davon aus, dass es sich beim Underpricing um eine Gleichgewichtsstrategie der Emittenten handele, die dem Umstand Rechnung trage, dass die Investoren unterschiedlich gut über die zukünftige Geschäftsentwicklung informiert seien.

Underpricing bei Kapitalerhöhungen[Bearbeiten]

Bei Kapitalerhöhungen, insbesondere bei Bezugsrechtsemissionen ist das Phänomen des Underpricings ebenfalls zu beobachten. Bereits in den 1960ern konnte beobachtet werden, dass einige Unternehmen Junge Aktien zu einem extrem günstigen Preis im Rahmen einer Bezugsrechtsemission anboten und die folgenden Dividendenzahlung auf gleich hohem Niveau je Aktie beließen. Dieses führt dazu, dass die Aktionäre – sofern vom Bezugsrecht Gebrauch gemacht wurde – alle mehr Aktien haben und somit mehr Dividende erhalten. Unterm Stich dient hier das Underpricing, neben dem Erreichen einer hohen Take-Up-Ratio (Annahmequote der Altaktionäre), als versteckte Kapitalerhöhung.[4]

Das Erreichen der Hohen Take-Up-Ratio wird dadurch gefördert, dass die Märkte für den Bezugsrechthandel – sofern dieser überhaupt eingerichtet wurde – oft sehr illiquide sind und dadurch das Verkaufen der Bezugsrechte sehr schwer ist. Hinzu kommt, dass beim Verkauf der Bezugsrechte Gewinn realisiert wird, der in vielen Ländern sofort steuerpflichtig ist, wodurch das Vermögen des Aktionärs durch den Bezugsrechtsverkauf, im Vergleich zur Annahme, gesamtbetrachtet negativ belastet würde.

Literatur[Bearbeiten]

  • Adrian Hunger: IPO-Underpricing im Kontext einer vertikalen Marktsegmentierung, Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11901-0
  • Adrian Hunger: IPO-Underpricing und die Besonderheiten des Neuen Marktes. Lang-Verlag, Frankfurt 2001, ISBN 3-631-37805-X
  • Christian Tietze: Underpricing am Neuen Markt. Eine empirische Untersuchung für den Zeitraum 1997–2002. Verlag Dr. Kovač, Hamburg 2005, ISBN 3-8300-1761-8
  • Wallmeier, Martin/Rösl, Rainer (1999): Underpricing bei der Erstemission von Aktien am Neuen Markt (1997-1998), in: Finanz Betrieb, Jg. 1, Bd. 7, S. 134-142.

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Investorwords
  2. Reilly, Frank K.; Hatfield, Kenneth: Investor Experience with New Stock Issues. In: Financial Analysts Journal, Volume 25, 1969, S. 73–80.
  3. Rock, Kevin: Why New Issues are Underpriced. In: Journal of Financial Economics, Volume 15, 1986, S. 187–212
  4. Bernhard V. Falkenhausen und Ernst C. SteefelShareholders: Rights in German Corporations (AG and GmBH), 1961, S. 421.