Unfallkreuz

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Unfallkreuz von 1862 in Dillingen

Ein Unfallkreuz (Straßenkreuz) ist ein zum Gedenken eines jähen Todesfalles durch Gewalteinwirkung unterwegs am Straßenrand errichtetes Kreuz. In der Regel wird das Unfallkreuz von Angehörigen oder Freunden der verstorbenen Person errichtet und gepflegt sowie mit Blumen, Kränzen und auch persönlichen Erinnerungsstücken geschmückt.

Unfallkreuze sind in der gesamten westlichen Welt verbreitet. Neben dem europäischen Raum finden sich solche Mahnmale in den USA, Australien, Japan und Lateinamerika unter Bezeichnungen wie roadside memorials, roadside shrine, altarini, descansos oder animitas. Man spricht teilweise von einer besonderen Form der Trauerkultur. [1]

Die Tradition der Unfallkreuze geht jedoch auf ältere Gedenkkreuze zurück und hat ihre Wurzeln in Mahnkreuzen wie dem Mordkreuz.

Deutschland[Bearbeiten]

Kreuz für die Opfer eines Flugzeugabsturzes bei Frankfurt/M.

In Deutschland ist die Errichtung von Unfallkreuzen nicht genehmigt, wird aber weitgehend von den Behörden toleriert.

Großbritannien[Bearbeiten]

In einigen Regionen Großbritanniens werden Unfallkreuze nur dann gestattet, wenn sie als sicher gelten, und zudem nach drei Monaten entfernt.[2]

Island[Bearbeiten]

Gedenkkreuze am Suðurlandsvegur, Island

Am Suðurlandsvegur bei Kögunarhól wurde 2006 eine Gedenkstätte mit 52 Kreuzen zum Gedenken an zwischen Reykjavik und Selfoss getötete Verkehrsteilnehmer eingeweiht.[3]

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

In den USA zahlt man in Kalifornien eine Gebühr von $ 1000 für die Errichtung. In Colorado, Massachusetts oder Wisconsin sind sie verboten. Andere Staaten machen besondere Auflagen. [4] [5] In Birmingham (Alabama) wurden die Unfallkreuze vom Interstate Highway entfernt. [6]

Lateinamerika[Bearbeiten]

In verschiedenen südamerikanischen Ländern, besonders in Chile und Argentinien, hat sich die (katholische) Sitte der Wegkreuze mit alten animistischen Vorstellungen der indigenen Bevölkerung vermischt. Die meisten Unfallkreuze fallen mit der Zeit in Vergessenheit, aber der Volksglaube erklärt hin und wieder eines als wundertätig. In diesem Fall glaubt man in der Seele (spanisch: ánima) des Verstorbenen eine Art Boten gefunden zu haben, der die eigenen Wünsche und Gebete an die göttliche Ebene weiterleiten kann, ähnlich wie bei der Fürbitte eines Heiligen. Die katholische Kirche lehnt diese Vorstellungen zwar ab, toleriert aber die Praxis. So kann das schlichte Kreuz am Ort eines tödlichen Unglücks manchmal zu einem regelrechten Schrein ausgebaut werden, und sich sogar zu einem überregionalen Pilgerort entwickeln. Bekanntestes Beispiel hierfür ist der Schrein der Difunta Correa in Argentinien.[7]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Ronald Uden, Wohin mit den Toten?
  2. BBC News |Wales|
  3. Krossar reistir við Kögunarhól, Morgunblaðið, Artikel vom 9. November 2006
  4. BBC NEWS | Wales | 'Dangerous' road tributes concern
  5. http://www.descansos.org/links.shtml # STATE_APPLICATIONS_AND_GUIDELINES__
  6. ncid = AOLCOMMautodynlsec0004 & icid = 100214839x1201630233x1200058872
  7. *L’Animita. Hagiografía Folclórica. Oreste Plath. Editorial Nascimento, 1993. Editorial Grijalbo, 1995, 2000. L'Animita, digitalisiert (spanisch).

Literatur[Bearbeiten]

  • Christine Aka: Unfallkreuze. Trauerorte am Straßenrand. (= Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland; 109). Waxmann, Münster u.a. 2007, ISBN 978-3-8309-1790-8
  • Christine Aka: Kreuze, Kerzen, Kuscheltiere. Trauerrituale an Unfallorten,in: Alltag im Rheinland 2010. LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, Bonn 2010, S. 44–58 (Volltext)
  • Ronald Uden: Wohin mit den Toten? Totenwürde zwischen Entsorgung und Ewigkeit. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2006, ISBN 3-579-08009-1

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Unfallkreuz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien