Ungleichung
Eine Ungleichung ist ein Gegenstand der Mathematik, mit dem Größenvergleiche formuliert und untersucht werden können. Jede Ungleichung besteht aus zwei Termen, die durch eines der Verhältniszeichen < (Kleinerzeichen), ≤ (Kleinergleichzeichen), ≥ (Größergleichzeichen) oder > (Größerzeichen) verbunden sind.
Sind T1 und T2 zwei Terme, dann ist beispielsweise T1 < T2 eine Ungleichung. Man spricht „T1 kleiner (als) T2“. Wie bei einer Gleichung heißt T1 die linke Seite und T2 die rechte Seite der Ungleichung.[1]
Die in den beiden Termen auftretenden Werte sind meist reelle Zahlen. Die durch das Verhältniszeichen angesprochene Ordnungsrelation bezieht sich dann auf die natürliche Anordnung der reelle Zahlen.
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[Bearbeiten] Formen von Ungleichungen
Folgende fünf Formen von Ungleichungen sind möglich:
- (1) T1 < T2 (T1 kleiner T2 )
- (2)
(T1 kleiner oder gleich T2 ) - (3) T1 > T2 (T1 größer T2 )
- (4)
(T1 größer oder gleich T2 ) - (5)
(T1 ungleich T2 )
Die Form (5) entsteht durch Negation einer Gleichung. Sie wird daher in der der Mathematik in der Regel nicht eigens thematisiert.
Ungleichungen sind Aussageformen. Die auf den beiden Seiten einer Ungleichung vorkommenden funktionalen Terme beinhalten in der Regel Variable, welche stellvertretend für Elemente aus dem Definitionsbereich der jeweiligen Terme stehen. Werden diese Variablen durch feste Elemente der jeweiligen Definitionsbereiche ersetzt (Einsetzen), so entstehen Aussagen, welche entweder wahr oder falsch sind.
[Bearbeiten] Umformung von Ungleichungen
Ähnlich wie bei Gleichungen ist es auch bei Ungleichungen möglich diese in äquivalente Ungleichungen umzuformen. Äquivalente Ungleichungen haben die gleichen Lösungsmengen, daher ist das Umformen von Ungleichungen wichtig zum Lösen von Ungleichungen, worauf der hierauf folgende Abschnitt eingehen wird.[2] Die folgenden Gesetze werden für die Verhältniszeichen < und > dargestellt, sie gelten ganz analog auch für die Verhältniszeichen ≤ , ≥ und ≠.
[Bearbeiten] Umkehrbarkeit
Ungleichungen können umgekehrt werden:
[Bearbeiten] Monotoniegesetze
[Bearbeiten] Addition und Subtraktion
Für beliebige Terme T1, T2 und T3 gilt:
-
- Es ist T1 < T2 genau dann, wenn T1 + T3 < T2 + T3.
- Es ist T1 < T2 genau dann, wenn T1 − T3 < T2 − T3.
Es dürfen also auf beiden Seiten einer Ungleichung die gleichen Terme addiert oder subtrahiert werden, ohne dass sich die Lösungsmenge der Ungleichung ändert. Beispielsweise vereinfacht sich die Ungleichung 5x < 4x + 7 durch Subtraktion des Terms 4x auf beiden Seiten zu der äquivalenten Ungleichung x < 7.
[Bearbeiten] Multiplikation und Division
Für beliebige Terme T1, T2 und T3 gilt:
-
- Aus T1 < T2 folgt − T1 > − T2.
- Aus 0 < T1 < T2 folgt 0 < 1 / T2 < 1 / T1 .
- Aus T3 > 0 und T1 < T2 folgt T1T3 < T2T3 und T1 / T3 < T2 / T3.
- Aus T3 < 0 und T1 < T2, dann ist T1T3 > T2T3 und T1 / T3 > T2 / T3.
Hier gilt demnach folgende Merkregel:
- Bei Punktrechnung mit einer reellen Zahl > 0 bleiben die Verhältniszeichen erhalten, während sie sich bei Punktrechnung mit einer reellen Zahl < 0 umkehren.
So sind zum Beispiel die Ungleichungen − 3x < 12 und x > − 4 äquivalent, wie man mit Hilfe von Division durch − 3 sieht.
[Bearbeiten] Anwenden einer Funktion
Durch Anwenden einer strikt monotonen Funktion auf beiden Seiten der Ungleichung erhält man eine Ungleichung mit der gleichen Lösungsmenge wie die Ausgangsungleichung. Ähnlich wie bei den Monotoniegesetzen muss unter Umständen das Verhältniszeichen gedreht werden. Wendet man auf beiden eine strikt monoton wachsende Funktion an, so ändert sich das Verhältniszeichen nicht. Wendet man hingegen eine strikt monoton fallende Funktion an, so muss das Zeichen < durch das entsprechend umgekehrte Zeichen > ersetzt werden. Analoges gilt auch für die Verhältniszeichen ≤ und ≥.
Der natürliche Logarithmus ln ist eine strikt monoton wachsende Funktion und kann daher zum Umformen von Gleichungen verwendet werden. Seien T1,T2 zwei Terme dann ist
[Bearbeiten] Lösen von Ungleichungen
Eine Frage beim Umgang mit Ungleichungen ist - ähnlich wie bei der Lösung von Gleichungen - die Frage nach der Lösungsmenge der Ungleichung. Hier ist die Frage zu beantworten, ob und wenn ja welche Elemente der Definitionsbereiche beim Einsetzen in die beiden Terme eine wahre oder falsche Aussage liefern. Eine wichtige Technik zum Finden der Lösungsmenge ist das Umformen der Ungleichung in eine einfachere Form.
[Bearbeiten] Bekannte Ungleichungen
In allen mathematischen Teilgebieten gibt es Sätze zur Gültigkeit von Ungleichungen. Das heißt, gewisse mathematische Aussagen sichern unter bestimmten Umständen die Richtigkeit einer vorgegebenen Ungleichung für eine gewisse Definitionsmenge. Im Folgenden werden einige wichtige Ungleichungen kurz erwähnt.
[Bearbeiten] Dreiecksungleichung
Nach der Dreiecksungleichung ist im Dreieck die Summe der Längen zweier Seiten a und b stets mindestens so groß wie die Länge der dritten Seite c. Das heißt formal
.
Diese Ungleichung kann für viele mathematische Objekte verallgemeinert werden. Beispielsweise ist die Ungleichung
für die Betragsfunktion eine Verallgemeinerung der zuvor genannten Ungleichung und gilt für alle reellen Zahlen. Sie trägt ebenfalls den Namen Dreiecksungleichung. Diese Ungleichung kann auch für Betrag komplexer Zahlen oder für Integrale verallgemeinert werden (siehe Minkowski-Ungleichung).
[Bearbeiten] Cauchy-Schwarz-Ungleichung
Sei V Prähilbertraum also ein Vektorraum mit Skalarprodukt
und seien x und y Elemente aus V, dann gilt immer die Ungleichung
Gleichheit gilt genau dann, wenn x und y linear abhängig sind. Vektorräume mit Skalarprodukt treten in vielen mathematischen Teilgebieten auf. Daher ist die Cauchy-Schwarz-Ungleichung auch in vielen Teildisziplinen der Mathematik von Bedeutung, beispielsweise wird sie in der linearen Algebra, der Integrationstheorie und in der Wahrscheinlichkeitstheorie verwendet.
[Bearbeiten] Weitere Ungleichungen
- Bernoullische Ungleichung
- Bonferroni-Ungleichungen
- Jensensche Ungleichung
- Markow-Ungleichung
- Mittel-Ungleichung
- Tschebyschow-Ungleichung
- Unterschiedliche Ungleichungen, die nach Young benannt sind
[Bearbeiten] Erweiterung des Begriffes
Bis jetzt wurden in diesem Artikel nur Ungleichungen betrachtet, deren Terme Werte in den reellen Zahlen annehmen. Der Ungleichungsbegriff wird gelegentlich – jedoch nicht einheitlich – zum Beispiel auf komplexe Zahlen, Vektoren oder Matrizen erweitert. Um Ungleichungen für diese Objekte betrachten zu können, müssen zuerst die vier Verhältniszeichen <, ≤, > und ≥ - im folgenden auch Relationen genannt - für diese Objekte definiert werden.
[Bearbeiten] Komplexe Zahlen
Die Menge der komplexen Zahlen
ist zusammen mit der üblichen Addition und Multiplikation ein Körper, jedoch ist es nicht möglich eine Relation ≤ so zu wählen, dass
zu einem geordneten Körper wird. Das heißt es ist nicht möglich, dass eine Relation auf
sowohl das Trichotomie-, das Transitivitäts- und das Monotoniegesetz erfüllt. Jedoch wird manchmal eine Relation, die durch
definiert ist, betrachtet. Hierbei bezeichnen x,y komplexe Zahlen und
den Realteil beziehungsweise
den Imaginärteil einer komplexen Zahl. Diese Definition der Relation erfüllt das Trichotomie- und das Transitivitätsgesetz.[3]
[Bearbeiten] Spaltenvektoren
Auch für Spaltenvektoren ist es möglich Relationen zu definieren. Seien
zwei Spaltenvektoren mit
und
wobei xi and yi reelle Zahlen sind. Relationen auf
kann man dann beispielsweise durch
und durch
definieren. Analog kann man auch die Relationen ≥ und > erklären. Hier ist es allerdings nicht möglich, alle Elemente miteinander zu vergleichen. Beispielsweise kann keines der vier Verhältniszeichen ein Verhältnis zwischen den Elementen x: = (2,5)T und y: = (3,4)T beschreiben.
[Bearbeiten] Weitere Beispiele
- Ist
, so definiert man A > 0 genau dann, wenn A positiv definit ist. Sind
, so gilt A > B genau dann, wenn A − B > 0. Ähnlich können auch < oder
(semidefinit) definiert werden. - Sei
ein reeller Banachraum und
ein Kegel. Sind
, so gilt
genau dann, wenn
.
[Bearbeiten] Literatur
- Walter Gellert, Herbert Kästner, Dr. Siegfried Neuber (Hrsg.): Verlag Harri Deutsch, Thun und Frankfurt/ Main 1978, ISBN 3-87144-336-0.
- Godfrey Harold Hardy, John Edensor Littlewood, George Polya: Inequalities. Reprint [of the 2. ed. 1952] Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 1988, ISBN 0-521-35880-9.
- Harro Heuser: Lehrbuch der Analysis Teil 1. 16. Auflage. Teubner, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-8351-0131-9.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Guido Walz (Hrsg.): Ungleichung. In: Lexikon der Mathematik. 1 Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Mannheim/Heidelberg 2000, ISBN 978-3827404398.
- ↑ Guido Walz (Hrsg.): Rechnen mit Ungleichungen. In: Lexikon der Mathematik. 1 Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Mannheim/Heidelberg 2000, ISBN 978-3827404398.
- ↑ Tobias Hemmert: Komplexe Zahlen: Konstruktion aus den reellen Zahlen, Darstellung und Anwendung in der Physik. 1. Auflage, 2010, ISBN 978-3-656-00717-3, Seite 7.
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, so definiert man
, so gilt
(semidefinit) definiert werden.
ein reeller
ein
, so gilt
genau dann, wenn
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