Union Carbide

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Union Carbide Corporation
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1898
Sitz Danbury, Connecticut
Mitarbeiter 3800 [1]
Umsatz 5,86 Mrd. USD (2004) [2]
Branche Chemie
Produkte Ethen, Ethylenglycol, Polyethylen, Polypropylen[3]Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website unioncarbide.com

Union Carbide Corporation ist ein US-amerikanisches Chemieunternehmen mit Sitz in Danbury, Connecticut, das heute eine Tochtergesellschaft von Dow Chemical ist. Sie waren Pioniere sowohl in der Metallurgie als auch in der Petrochemie und zeitweise zweitgrößter Chemiekonzern der USA. Die Katastrophe von Bhopal einer Tochtergesellschaft für Pestizide in Indien im Jahre 1984 mit vielen Toten gefährdete zeitweise die Existenz der Firma durch feindliche Übernahmeversuche und war einer von mehreren Umweltskandalen der Firma, die ihrem Ansehen schadeten.

Firmengeschichte[Bearbeiten]

Union Carbide wurde 1898 von John Motley Morehead III (und dessen Vater James Turner Morehead) gegründet und stellte Calciumcarbid für die Acetylen-Erzeugung her und war in der Metallurgie aktiv (basierend auf Erfindungen von Thomas Willson). Sie fusionierte 1917 mit den Firmen Linde Air Products (gegründet 1907 und Hersteller von flüssigem Sauerstoff nach dem Linde-Verfahren), der 1899 gegründeten National Carbon Corporation und Prest-O-Lite (ebenfalls Hersteller von Calciumcarbid, gegründet 1913 und vorher einer der Hauptkonkurrenten von Union Carbide) zur Union Carbide & Carbon Corporation (UCC). Die einzelnen Firmenteile operierten weitgehend autonom unter der Holding UCC und kooperierten wenn nötig bei überschneidenden Interessen. In der frühen Firmengeschichte war die Firma vor allem in West Virginia und in der Umgebung der Hauptstadt Charleston tätig, auch wenn das Hauptquartier bereits frühzeitig nach New York und später nach Connecticut verlegt wurde. Anfangs stellten sie Kohle-Elektroden für Lampen und Elektroöfen her sowie Aluminium, wobei Acetylen als Nebenprodukt anfiel, das als Schweißgas vermarktet wurde und dessen Potential als Industriegas eine wichtige Rolle bei der Annäherung der an der Gründung beteiligten Firmen spielte. Außerdem war Union Carbide selbst ein Pionier bei Ferrolegierungen (Ferrochrom) für rostfreien Stahl und National Carbon für Trockenbatterien (mit der Marke Eveready). Die Firma erfuhr einen großen Aufschwung im Ersten Weltkrieg und vollzog in dieser Zeit ihren Einstieg in die Petrochemie. 1919 produzierten sie synthetisches Ethylen und daraus entstand ihr Standbein in der Polymerproduktion, unter anderem Polyethylen und Polystyrol, sowie Ethylenglycol, das als Frostschutzmittel für Autos Marktführer in den USA wurde und jahrzehntelang blieb.

Die Firma expandierte kontinuierlich in den 1920er- und 1930er-Jahren durch Übernahmen und erwarb in Übersee Wasserkraftanlagen in Norwegen. Die Übernahme der US Vanadium Corporation 1926 (mit Bergwerken in Colorado) führte später zu ihrem Engagement im Rahmen des Manhattan Projects des Baus einer Atombombe, in dem sie eine wichtige Rolle in der Prozessierung von Uran und dessen Anreicherung hatten. 1943 schlossen sie einen Vertrag mit der US-Regierung die Gasdiffusionsanlage zur Urananreicherung im Oak Ridge National Laboratory zu leiten und das Labor stand 1947 bis 1984 unter Leitung von Union Carbide, die dort ihre Nuklear-Sparte hatte.[4]

1939 übernahmen sie die Firma Bakelite, gegründet von Leo Baekeland, einem Pionier auf dem Gebiet der Kunststoffentwicklung (dem Kunstharz Phenoplast als Bakelit). Im Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Union Carbide zu einem führenden Lieferanten von Rohstoffen für die Chemie- und Metallindustrie und machte Geschäfte mit Isobuten für Butylkautschuk. In den 1950er-Jahren entstand die Olefin-Sparte als Zulieferer der chemischen Industrie. Bei Endprodukten hatten sie aber verschiedentlich das Nachsehen – obwohl sie zum Beispiel bei Glyoxal Pionierarbeit leisteten, setzten sich am Markt andere Firmen durch (im Fall von Glyoxal BASF). Ähnliches geschah bei Polyurethanen. Ihren großen Durchbruch mit eigenen Markt-eingeführten Polymeren hatten sie mit der Gründung von Glad 1963, die Polyethylen-Produkte für die Verpackungsindustrie herstellten.

Mitte der 1950er-Jahre wurde der Konzern umstrukturiert von einer Holding zu einem diversifizierten Mischkonzern und der Name 1957 in Union Carbide Corporation geändert. Statt 18 Einzelfirmen gab es nur noch vier Sparten, Union Carbide Chemicals, Union Carbide Plastics, Union Carbide Consumer Products und Linde. In den 1950er- und 1960er-Jahren expandierten sie weltweit und verdoppelten den Umsatz von 1960 bis 1970 auf drei Milliarden Dollar. Sie hatten eine führende Stellung bei Industriegasen, Polyethylen, Kohleelektroden für Industrieöfen, Batterien, industrielle Chemie für Kernenergie und Ferrolegierungen. Sie waren in den USA Anfang der 1970er der zweitgrößte Chemiekonzern nach DuPont, hatten aber auch mit geringen Profiten zu kämpfen. Fehlinvestitionen kamen hinzu und Umweltschutzauflagen, nachdem in einer von Ralph Nader geführten Kampagne die zu hohen Schwefeldioxid-Ausstöße ihrer Fabriken in Ohio und West Virginia kritisiert wurden. Die Firma versuchte die Vorwürfe zunächst auszusitzen und zu ignorieren (bis sie 1974 von der US-Regierung gezwungen wurden kostenintensivere Umweltschutzauflagen zu erfüllen), was ihr in den USA einen schlechten Ruf verschaffte. Ebenfalls in den 1970er-Jahren konzentrierte sich der Konzern, der unter den Überkapazitäten und fallenden Preisen in der Chemieindustrie litt, wieder auf das Kerngeschäft Kunststoffe und Chemiekalien und verkaufte andere Unternehmensaktivitäten.

Nach der Katastrophe von Bhopal Ende 1984 und den in der Folge drastisch gefallenen Aktienkursen der Firma gab es verschiedene Versuche feindlicher Übernahmen, denen die Firma durch den Verkauf einiger ihrer profitabelsten und bekanntesten Marken im Bereich Consumer Products begegnete (Glad im Bereich Verpackung, Eveready Batterien, Prestone im Frostschutz, STP bei Motorölen u.a.). Sie konzentrierten sich auf Chemikalien und Kunststoffe, Industriegase und Kohlenstoff-Produkte. Die Belegschaft wurde in den 1980ern mehr als halbiert und Joint-Ventures mit anderen Firmen eingegangen. 1988 stieg der Umsatz wieder auf 8 Milliarden Dollar, ein Drittel unter dem Spitzenwert 1981. Die Kostenreduktions- und Joint-Venture-Politik setzte sich in den 1990er-Jahren fort, unter anderem mit Exxon Chemical (Polyethylen) und in Europa mit EniChem (Polyethylen).

Im August 1999 wurde bekanntgegeben, dass die Übernahme durch Dow Chemical in Vorbereitung war, die in den folgenden Jahren ausgehandelt wurde. Am 6. Februar 2001 wurde Union Carbide für 11,6 Milliarden $ zu 100 % von Dow Chemical übernommen, die damit zweitgrößter Chemiekonzern in der Welt nach DuPont wurden.[2]

Hawk's-Nest-Vorfall[Bearbeiten]

Hauptartikel: Hawk’s Nest Tunnel

Union Carbide war ab 1927 an einem Tunnelbauprojekt nahe Charleston in West Virginia beteiligt, in dessen Folge mehrere tausend Arbeiter, meist mittellose Afroamerikaner, innerhalb eines Jahres an Silikose starben. Während der Bauarbeiten an dem ca. drei Meilen langen Tunnel waren die Arbeiter ungeschützt hohen Staubbelastungen ausgesetzt. Arbeitern wurden keine Schutzmasken ausgehändigt, Mitarbeiter des Managements trugen jedoch während der kurzen Inspektionszeiten, während derer sie sich auf der Baustelle befanden, entsprechende Masken. Der Vorfall wurde als „Hawk's-Nest-Vorfall“ bekannt.[5]

Bhopalunglück[Bearbeiten]

Hauptartikel: Katastrophe von Bhopal

Union Carbide weigerte sich, die Verantwortung für das Unglück zu übernehmen und verwies als Ursache auf Terrorismus oder Industriesabotage. Union Carbide und die indische Regierung einigten sich außergerichtlich. Der zum Zeitpunkt des Unglückes amtierende Vorsitzende von Union Carbide war Warren Anderson, welcher trotz mehrerer Auslieferungsgesuche der indischen Regierung unbehelligt in den USA lebte.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Union Carbide Corporation: About us, abgerufen am 19. November 2010.
  2. a b Encyclopedia of Business, 2nd ed.: Union Carbide Corporation Company Profile, Information, Business Description, History, Background Information on Union Carbide Corporation, abgerufen am 19. November 2010.
  3. Union Carbide Corporation: Products, abgerufen am 19. November 2010.
  4. Geschichte Oak Ridge National Laboratory, offizielle Webseite
  5. Martin Cherniak: The Hawk's Nest Incident, Yale University Press 1986