Union Cycliste Internationale

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Vorlage:Infobox Verband/Wartung/Mitglieder fehlt

Union Cycliste Internationale
(UCI)
Logo
Gründung 14. April 1900
Ort Aigle
Präsident Brian Cookson
Website UCI.ch
Der Hauptsitz in Aigle, Schweiz

Die Union Cycliste Internationale (französisch für Internationaler Radsport-Verband, kurz UCI oder Weltradsportverband) ist ein Dachverband nationaler Radsport-Verbände mit Sitz in Aigle in der Schweiz. Sie vertritt derzeit (Stand: 2012) die Interessen von 179 nationalen und 5 kontinentalen Radsportverbänden mit etwa 1.200 Profiradrennfahrern und rund 600.000 lizenzierten Radsportlern.[1] Die UCI selbst ist wiederum Mitglied von Sportaccord, der zentralen Dachorganisation der Sportverbände weltweit.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Vorgängerorganisation der UCI war der erste internationale Sportverband International Cyclists’ Association (ICA), der 1892 gegründet wurde und bereits 1893 die ersten Weltmeisterschaften ausrichtete. Am 14. April 1900 wurde dann die UCI in Paris durch die nationalen Verbände Belgiens, Frankreichs, Italiens, der Schweiz und der USA gegründet.[2] Erster Präsident war der Belgier Emile De Beukelaer.

Entwicklung[Bearbeiten]

Im Gründungsjahr der UCI fanden die ersten offiziellen UCI-Bahn-Weltmeisterschaften statt. 1921 erfolgte die erste UCI-Straßen-Weltmeisterschaft, nur für Amateure; erst 1927 kamen die Profis hinzu. 1950 wurden die ersten Weltmeisterschaften im Querfeldein-Rennen und 1956 im Hallenradsport erstmals ausgetragen. 1984 kamen die ersten Trial- und 1990 die ersten offiziellen Mountainbike-Weltmeisterschaften zur Austragung. 1993 folgten die ersten BMX-Weltmeisterschaften. 2002 verlegte die UCI, die bis dahin wie viele andere internationale Sportverbände in Lausanne ansässig war, ihren Sitz nach Aigle.

Profis, Amateure, Open, Einheitslizenz[Bearbeiten]

Im Jahr 1965 wurden die Fédération Internationale Amateur de Cyclisme (FIAC, frz. für Internationale Amateurradsport-Föderation) und die Fédération Internationale de Cyclisme Professionnel (FICP, frz. für Internationale Profiradsport-Föderation) gegründet. Diese Unter-Verbände der UCI organisierten fortan den schon vorher getrennten Amateur- und Profiradsport, wobei Spitzenamateure den Radsport häufig als sogenannte Staatsamateure faktisch professionell betrieben. Gemeinsame Wettbewerbe von Amateuren und Profis waren selten und wurden als Open-Rennen (engl. für „offen“) bezeichnet. FIAC und FICP wurden 1992 wegen der Aufhebung der Trennung von Amateuren und Profis („Einheitslizenz“) im Zuge der Reformierung der Zulassungsregeln für die Olympischen Spiele aufgelöst.[3] Die letzten nach den Kategorien „Profi“ und „Amateur“ getrennten UCI-Weltmeisterschaften fanden auf der Bahn 1992 und auf der Straße 1995 statt. Die höchste Leistungskategorie im Männer- und Frauenradsport wird seitdem einheitlich als Elite bezeichnet.

Selbstsicht der UCI[Bearbeiten]

Die UCI hat ihre Aufgaben folgendermaßen formuliert[4] (freie Übersetzung aus dem Englischen):

Ohne Diskriminierung von irgendjemandem und in enger Zusammenarbeit mit den nationalen Verbänden und anderen Organisationen alle Aspekte des Radfahrens weiterzuentwickeln und zu bewerben. Alle Aspekte des Radfahrens steht dabei für

  • den Sport mit seinen natürlichen und universalen Werten des Wettkampfs, der Leistungen und charakterlichen Entwicklung, der Gesundheit und des Fair-Plays,
  • eine gesunde Form der Freizeitgestaltung und des Transports.

Kampf gegen Doping[Bearbeiten]

Die Verfahren wegen Dopingverstössen unterliegen der Verantwortung der nationalen Radsport-Verbände. Dadurch kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen den Landesverbänden und der UCI, die zur Entscheidung dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) vorgelegt werden mussten. Während der UCI-Konferenz im Rahmen der UCI-Straßen-Weltmeisterschaften 2014 im spanischen Ponferrada wurde beschlossen, ab 2015 ein unabhängiges internationales Anti-Doping-Tribunal einzusetzen, das einheitliche Strafen verhängen und die Urteile in einem überschaubaren zeitlichen Rahmen fällen soll.[5]

Vertretene Disziplinen[Bearbeiten]

Die UCI vertritt die Interessen der folgenden sieben Disziplinen des Radsports und organisiert für diese jeweils Weltmeisterschaften bzw. Weltcups:[6]

  1. BahnradsportUCI-Bahn-Weltmeisterschaften
  2. BMXBMX-Freestyle-Weltmeisterschaften, UCI-BMX-Supercross-Weltcup
  3. Hallenradsport (Kunstradfahren und Radball) → Hallenradsport-Weltmeisterschaften, UCI-Radball-Weltcup
  4. Mountainbike (Cross Country, Downhill, Four Cross) → Mountainbike-Weltmeisterschaften, Mountainbike-Marathon-Weltmeisterschaften und Mountainbike-Weltcup
  5. Querfeldein-RennenCyclocross-Weltmeisterschaften, Cyclocross-Weltcup
  6. StraßenradsportUCI-Straßen-Weltmeisterschaften, UCI World Tour, UCI Continental Circuits
  7. Trials (Geschicklichkeitsfahren im Gelände) → Mountainbike-und-Trial-Weltmeisterschaften (WM zusammen mit MTB), UCI-Trials-Weltcup

Ferner fühlt sich die UCI noch verantwortlich für:

Bis einschließlich 1995 wurden Bahn- und Straßen-Weltmeisterschaften im selben Land terminlich aufeinanderfolgend ausgetragen, zuweilen auch in Verbindung mit der WM im Hallenradsport. Seit 1996 werden alle Weltmeisterschaften an verschiedene nationale Verbände vergeben. Während die Straßen-Wettbewerbe zur Beendigung der Saison im Herbst stattfinden, werden die Bahn-Wettbewerbe seit 2005 im Frühjahr – meist im März – als Abschluss der Bahnrad-Weltcupsaison in den Wintermonaten ausgetragen.

Für die Disziplin Straßenradsport wurde im Jahr 2005 der Rad-Weltcup und die UCI-Weltrangliste durch die UCI ProTour, seit dem Jahr 2011 durch die UCI World Tour ersetzt. Diese stellt eine Rennserie der wichtigsten Eintages- und Etappenrennen dar. Auf einer unteren Stufe gibt es die kontinentalen Rennserien, die UCI Continental Circuits, z. B. die UCI Europe Tour.

Kritik[Bearbeiten]

Organisation und inhaltliche Positionen der UCI sind stark umstritten. Die Glaubwürdigkeit ihres früheren Präsidenten Hein Verbruggen gilt als angeschlagen, seit dieser vor Bekanntwerden der Dopingaffäre um Lance Armstrong eindeutig Stellung für den mehrfachen Toursieger bezog und erklärte, er wisse, dass Armstrong keine Doping-Präparate verwende.[7]

Der UCI wird vorgeworfen, in der Vergangenheit wiederholt nachlässig mit Dopingnachweisen umgegangen zu sein und gegenüber der Öffentlichkeit auf Vertuschung statt auf Aufklärung gesetzt zu haben. Im Gegensatz zur technischen Entwicklung würde demnach der Fortschritt des Dopings trotz tödlicher Fälle wie Tom Simpson nie energisch behindert und lange Zeit durch geringe Strafen geradezu in Kauf genommen. Im Rahmen der Wahl des UCI-Präsidenten Pat McQuaid im September 2005 wurden der UCI und Verbruggen Manipulation vorgeworfen. Die Tour de France 2008 wurde unter Oberaufsicht des französischen Radsportverbands und nicht mehr der UCI durchgeführt. Als Reaktion darauf drohte die UCI teilnehmenden Teams mit Bestrafung und suspendierte den französischen Radsportverband.[8][9]

Im Zuge der Untersuchungen gegen den spanischen Radprofi Alberto Contador kam die UCI im Oktober 2010 in den Verdacht, Dopingfälle bewusst zu vertuschen, um eine negative Berichterstattung über den Radsport zu vermeiden.

Kritiker bemängeln außerdem eine zu starke Reglementierung der technischen Entwicklung des Radsports. So werde die Entwicklung neuer Rahmenformen durch Festhalten am althergebrachten Diamantrahmen behindert. Aerodynamische Sitzpositionen und Lenker – wie sie beim Stundenweltrekord zum Einsatz kamen – reglementiere man ebenfalls zu stark. Auch alternative Konzepte wie das Liegerad würden außen vor gelassen, was deren breitensportliche Entwicklung hemme. Demgegenüber betonen Befürworter der Reglementierung den Aspekt der objektiveren Vergleichbarkeit der sportlichen Leistung.

Athletenkommission[Bearbeiten]

Seit 2010 gibt es eine Athletenkommission, deren Mitglieder von den Sportlern gewählt oder von der UCI ernannt werden. Präsident der Kommission ist Florian Rousseau. Der Straßenradsport wird vertreten von Dario Cioni (ITA/ernannt), Cadel Evans (AUS/gewählt) und Philippe Gilbert (BEL/gewählt), die Straßenradrennfahrerinnen von Judith Arndt (GER/ gewählt) und Marianne Vos (NED/ gewählt). Anna Meares (AUS/gewählt) und Teun Mulder (NED/gewählt) vertreten den Bahnradsport. Die Athleten aus dem Bereich MTB werden vertreten von Georgia Gould (USA/gewählt) und Greg Minnaar (RSA/ernannt), der Bereich BMX von Vilma Rimsaite (LTU/ernannt) und Roger Rinderknecht (SUI/ernannt) und der Bereich Cyclo-Cross von Sven Nys (BEL/ernannt). Jiri Jezek (CZE/ gewählt) und Lukas Weber (SUI/ernannt) vertreten den Bereich Paracycling.[10]

Centre Mondial du Cyclisme[Bearbeiten]

Die UCI unterhält das internationale Radsportcenter, genannt CMC (Centre Mondial du Cyclisme) oder WCC (World Cycling Center). Zu dem WCC, das 2002 eröffnet wurde, gehören eine 200 Meter lange Radrennbahn aus Holz, mehrere Gymnastik- und Fitness-Hallen, Außenanlagen für Mountainbike- und BMX-Training, ein Feld für Radball und Kunstradfahren, mehrere Seminar- und Unterrichtsräume sowie das internationale Radsportmuseum und ein Archiv. Auch die Büroräume der UCI befinden sich ebenfalls innerhalb des Gebäudes.

Junge Radsportler aus der ganzen Welt, die ein olympisches Stipendium erhalten haben, trainieren hier die olympischen Radsportdisziplinen auf der Bahn und Strasse, auf Mountainbikes und BMX. In einer Akademie werden zudem professionelle Trainer ausgebildet. Der Innenraum der Bahn wird für andere Sportarten wie Kunstturnen, Trampolin und Leichtathletik genutzt.[11]

Trainingscenter weltweit[Bearbeiten]

Neben dem CMC in Aigle richtet die UCI nach und nach weitere Trainingscenter weltweit ein. In Afrika wurde 2005 das World Cycling Centre Africa in Südafrika eröffnet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Union Cycliste Internationale – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Organisationsstruktur der UCI auf www.uci.ch, engl., abgerufen Juli 2012.
  2. Geschichte der UCI (englisch) auf www.uci.ch, abgerufen 25. Juli 2012.
  3. .Chronologische Geschichte der uci auf uci.ch (englisch/französisch), abgerufen am 16. April 2011
  4. Mission statement auf uci.ch abgerufen am 3. April 2014
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatNationale Verbände ab 2015 nicht mehr für Dopingverfahren zuständig. radsport-news.com, 26. September 2014, abgerufen am 26. September 2014.
  6. UCI-Wettkämpfe 2012 auf www.uci.ch, abgerufen 25. Juli 2012.
  7. dpa via radsport-rennrad.de: UCI will Stellungnahme zu Armstrong-Affäre abgeben. 4. September 2005
  8. Frankfurter Rundschau: Verband droht Tour-Teams. 5. Juni 2008
  9. rad-net.de: UCI suspendiert französischen Verband. 12. Juni 2008
  10. uci.ch vom 21. September 2011: Press Release – UCI Management Committee: UCI Road World Championships return to the United States in 2015
  11. World Cycling Center auf aigle-tourisme.ch abgerufen am 11. Juli 2012

46.3182816.93354Koordinaten: 46° 19′ 5,8″ N, 6° 56′ 0,7″ O; CH1903: 561096 / 129779