Union pour la Nouvelle République

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Die Union pour la Nouvelle République (UNR) war eine französische Partei in der Zeit von 1958 bis 1968. In ihr und ihrer Nachfolgepartei UDR organisierte sich der politische Gaullismus der Fünften Französischen Republik von 1958 bis 1976.

Partei der Gaullisten[Bearbeiten]

Die Partei wurde am 13. Mai 1958 gegründet, um die Rückkehr von Charles de Gaulle in Regierungsfunktionen zu unterstützen. Sie vertrat dessen Position bei der Schaffung einer neuen Verfassung mit einem machtvollen Präsidenten. In der Auseinandersetzung um die Dekolonisierung Algeriens traten seine Mitglieder überwiegend für einen algerischen Staat unter französischer Regie ein. De Gaulle wurde im Juni 1958 Ministerpräsident und nach erfolgreichem Verfassungsreferendum im Dezember 1958 zum ersten Präsidenten der Fünften Republik gewählt.

Die UNR war eine politische Partei, die zwar sozialen und kulturellen Traditionen verpflichtet war, zugleich jedoch für eine, vor allem wirtschaftliche-industrielle, Modernisierung eintrat. Zu ihren bedeutendsten Mitglieder zählten Michel Debré, Jacques Soustelle und Jacques Chaban-Delmas.

Der linksgerichtete Flügel des politischen Gaullismus war seit 1958 in der Union Démocratique du Travail (UDT, dt. Demokratische Union der Arbeit) organisiert. Beide Bewegungen schlossen sich 1962 anlässlich der Präsidentschaftskampagne unter der Bezeichnung UNR-UDT zusammen. Die Führung der Partei oblag dem jeweiligen Generalsekretär; von 1962 bis 1967 war dies Jacques Baumel.

Umbenennung in UDR[Bearbeiten]

Die Union pour la Nouvelle République (UNR) trat bei den Wahlen 1967 an als Union des Démocrates pour la Ve République (UDR, dt. Union der Demokraten für die Fünfte Republik). Ihre Kandidaten errangen 200 der 486 Sitze in der Nationalversammlung. Zusammen mit Unabhängigen Republikanern und ungebundenen Abgeordneten bildeten sie eine parlamentarische Mehrheit, welche die Regierung von Georges Pompidou stützte.

Als Konsequenz der Pariser Maiunruhen 1968 wurde von Präsident de Gaulle die Auflösung der 1967 gewählten Nationalversammlung verfügt. Zu den Neuwahlen des Parlaments am 23. und 30. Juni 1968 trat die Bewerber der Gaullistenpartei gemeinsam mit Kandidaten der Unabhängigen Republikaner (FNRI, Fédération nationale des républicains et indépendants) an. Sie bildeten eine Listenverbindung unter dem Namen Union pour la défense de la République (UDR, dt. Union zur Verteidigung der Republik). Deren Kandidaten erreichten mit 293 von 487 Mandaten die absolute Mehrheit der Parlamentssitze.

Der Namensteil „Fünfte“ im Parteinamen verlor an Bedeutung, nachdem de Gaulles Partei mit ihrem Wahlsieg die Gefahr eines Umsturzes der Fünften Republik abgewendet hatte. Deren Gründer de Gaulle trat 1969 vom Amt des Staatspräsidenten zurück, zog sich aus der Politik zurück und verstarb 1970. Offiziell änderte die Partei der Gaullisten ihren Namen 1971 in Union des démocrates pour la République (dt: Union der Demokraten für die Republik). Ihre im deutschsprachigen Raum bekanntesten Generalsekretäre aus dieser Zeit sind Alain Peyrefitte (1972–1973) und Jacques Chirac (1974–1975). Als 19-jähriger trat 1974 Nicolas Sarkozy in die Partei ein und beteiligte sich an der Präsidentschaftskampagne für Jacques Chaban-Delmas, der jedoch in der Präsidentschaftswahl 1974 gegen Valéry Giscard d’Estaing unterlag.

Nachfolgeparteien[Bearbeiten]

Der zum Staatspräsidenten gewählte Valéry Giscard d’Estaing kam aus der Partei der Unabhängigen Republikaner (FNRI), seine Wahlkampagne wurde jedoch auch von vielen Gaullisten unterstützt, unter der Führung von Jacques Chirac.

Chirac wurde vom neugewählten Präsidenten Giscard d’Estaing zum Premierminister berufen. 1976 kam es zum Zerwürfnis zwischen beiden und Chirac trat vom Amt zurück. Jacques Chirac kandidierte anschließend für das neu geschaffene Amt des Bürgermeisters von Paris und gründete zeitgleich die Nachfolgepartei Rassemblement pour la République (RPR) als neogaullistische Bewegung. Auch Nicolas Sarkorzy schloss sich dieser Partei an, die 2002 in der Union pour un mouvement populaire (UMP) aufgegangen ist.