Unionskirche (Idstein)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Unionskirche in Idstein

Die Unionskirche in Idstein in der Martin-Luther-Straße 1 ist eine evangelische Pfarrkirche, welche eine herausragende barocke Inneneinrichtung aufweist. Sie stellt den ersten bedeutende Kirchenbau im Herzogtum Nassau nach dem Dreißigjährigen Krieg dar und trägt, wie auch das im nahen Umfeld liegende Killingerhaus und der Höerhof, das internationale Schutzzeichen für die Kennzeichnung von Kulturgut nach der Haager Konvention.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits vor 1287 muss eine romanische Kirche an der Stelle der Unionskirche bestanden haben. Reste dieser Kirche im Turm der Unionskirche belegen dies. Genaueres ist über diese Kirche allerdings nicht bekannt. Die Unionskirche ist zurückzuführen auf die ehemalige Stiftskirche St. Martin, die an der Stelle der romanischen Kirche von 1330 bis 1350 unter Graf Gerlach errichtet wurde. Dem 1333 errichteten Chorherrenstift gehörten sechs Kanoniker an.

Heimsuchung

Von 1665 bis 1677 wurde die Kirche umfangreich zur Predigt- und Hofkirche durch Graf Johann umgebaut. Die Decke des Hauptschiffes wurde mit großformatigen Ölgemälden aus der Rubensschule vollständig verkleidet. Johann selbst erlebte den Abschluss der Arbeiten nicht, da er kurz vor Vollendung verstarb. Der Bildhauer Franz Matthias Hiernle errichtete links vom Altar ein Grabdenkmal für Fürst Georg August Samuel von Nassau-Idstein, seine Frau Henriette Dorothea und ihre Kinder nach einem Entwurf von Maximilian von Welsch.

Den Namen Unionskirche trägt die Kirche seit 1917. Vorher wurde sie als Stadtkirche bezeichnet. Sie stand damit im Gegensatz zur Schlosskapelle am Idsteiner Schloss in welcher ab 1806 die katholische Gemeinde ihren Gottesdienst feierte, wie auch zu der Himmelkirch genannten Kapelle St. Mariae vor dem Himmeltor die in der Nähe des heutigen Marktplatzes stand. Der Name Unionskirche wurde anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der Vereinigung von lutherischer und reformierter Kirche im Herzogtum Nassau (Nassauische Union) verliehen. Dieser Zusammenschluss war der erste seiner Art im Deutschen Reich.

Derzeit steht die Unionskirche vor einer umfassenden Sanierung im Hinblick auf das 200-jährige Jubiläum der Nassauischen Union 2017 und ist bis Mitte 2015 geschlossen.

Beschreibung[Bearbeiten]

Äußerlich wirkt die Unionskirche unscheinbar. Sehr prächtig ist allerdings der Innenraum ausgestattet.

Kirchenmusik[Bearbeiten]

Blick zur Orgel und zu den Deckengemälden
Chor St. Martin im jährlichen ökumenischen Gottesdienst am Pfingstmontag, 2010

Die Orgel wurde 1912 von Walcker erbaut und in den historischen Prospekt der Stumm-Orgel von 1783 integriert.

Der Kirchenchor, geleitet von Edwin Müller, gab sich 1972 den Namen Idsteiner Kantorei und begann, regelmäßig zwei Chorkonzerte im Jahr aufzuführen, zusätzlich zur Mitwirkung im Gottesdienst und Konzerten in den kleineren Kirchen des Dekanats, zum Beispiel in der Johanneskirche in Niederseelbach oder der Kirche in Heftrich.[1] Seit 2003 ist Carsten Koch Kantor der Unionskirche, der außerdem an der Musikhochschule Frankfurt lehrt. Er wählte für Chorkonzerte auch weniger bekannte Werke aus, zum Beispiel Schumanns Missa sacra am 9. November 2008.[2] 2011 wurde Mendelssohns Lobgesang aufgeführt, mit Christiane Kohl als Solistin.[3]

Konzerte[Bearbeiten]

Die Unionskirche war eine Spielstätte des Rheingau Musik Festivals, insbesondere für Vokalensembles wie Chanticleer, ensemble amarcord und Die Singphoniker.

Carsten Koch begann 2004 eine Reihe von Sinfoniekonzerten am Tag des offenen Denkmals, die sämtliche Sinfonien von Beethoven beinhaltet.[4] Sie wurde am 9. September 2012 mit der 9. Sinfonie beendet.[5] Das Konzert beschloss eine Jubiläumswoche der Kirchenmusik, 100 Jahre Walcker-Orgel und 40 Jahre Idsteiner Kantorei.

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rouven Pons: Für Kunst und Glauben. Die Ausmalung der Martinskirche in Idstein unter Graf Johannes von Nassau-Idstein (1603-1677), Wiesbaden 2012 (=Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau 83).
  • Georg Ulrich Großmann: Mittel- und Südhessen : Lahntal, Taunus, Rheingau, Wetterau, Frankfurt und Maintal, Kinzig, Vogelsberg, Rhön, Bergstraße und Odenwald. DuMont, Köln 1995, ISBN 3-7701-2957-1 (=DuMont Kunst-Reiseführer), S. 91f.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Idsteiner Kantorei Website
  2. Missa sacra Aufführungen Schott
  3. Richard Hörnicke: Lobgesang auf Kochs Bleiben. Wiesbadener Tagblatt. 8. Februar 2011. Abgerufen am 9. Februar 2011.
  4. Konzert in der Unionskirche Wiesbadener Kurier 11. September 2010
  5. Manuel Wenda: Beethoven-Zyklus in Idstein beendet, Wiesbadener Kurier. 11. September 2012. 

50.2207758.269757Koordinaten: 50° 13′ 15″ N, 8° 16′ 11″ O