Unisys

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Unisys
Unisys logo.svg
Rechtsform Corporation
ISIN US9092141087
Gründung 16. September 1986
Ältester Vorläufer:
1927 Remington Rand
Sitz Flag of the United States.svg Blue Bell, Pennsylvania, Vereinigte Staaten
Leitung J. Edward Coleman, Chairman and CEO
Henry C. Duques, Lead Director
Mitarbeiter ca. 26.000
Umsatz 3.706 Mrd. US-Dollar (2012)
Branche Informationstechnik
Website www.unisys.com

Unisys ist ein Informatik-Dienstleister. Das Unternehmen war lange ein Hardware-Hersteller, hat aber seit 1990 den Fokus auf Dienstleistungen umgestellt.

Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Blue Bell (Pennsylvania) im Nordosten der USA.

Unisys besitzt Niederlassungen in über 100 Ländern und beschäftigt etwa 26.000 Mitarbeiter weltweit.

Geschichte[Bearbeiten]

Sholes & Glidden Typewriter, 1876

Unisys ging aus einer Fusion der Sperry Corporation und der Burroughs Corporation hervor. Die Fusion wurde damals als Dinosaurierhochzeit in der Informatikbranche bekannt. Burroughs kaufte Sperry am 27. Mai 1986 zu einem Preis von 4,8 Milliarden US-Dollar. Der Zusammenschluss beider Gesellschaften erfolgte am 16. September 1986.[1] Diese Fusion machte Unisys damals zum zweitgrößten Informatik-Dienstleister weltweit. Der Name Unisys (United Information Systems) wurde bei einem firmeninternen Wettbewerb gefunden. Der künftige Name „Unisys“ für das neue Unternehmen wurde am 10. November bekanntgegeben.[2] Die Fusion wurde eingeleitet von W. Michael Blumenthal.

Die Wurzeln der Unisys gehen zurück bis ins Jahre 1816 zu der Firma Remington Arms - E. Remington & Sons, die die erste kommerziell nutzbare Schreibmaschine (Remington) auf den Markt brachten. 1925 produzierte sie die erste elektrische Schreibmaschine. Remington Rand entstand 1927 aus der Remington Typewriter Company, der Rand Kardex Company, und der Powers Accounting Machine Company. Unter anderem wurden Schreibmaschinen hergestellt, die als erste die QWERTY-Tastatur einführten. Remington stellte später Addiermaschinen her. 1950 kaufte Remington Rand die Eckert-Mauchly Computer Corporation.

Die Eckert-Mauchly Computer Corporation, gegründet von J. Presper Eckert und John William Mauchly, entwickelte einen der ersten digitalen Computer der Welt, den ENIAC. Nach dem Aufkauf wurde der ENIAC mit den Produktlinien UNIVAC und UNIVAC I und UNIVAC 1100/2200 weiterentwickelt. Im Jahre 1952 schrieb der UNIVAC Geschichte, als der Computer den Wahlsieg von Dwight D. Eisenhower bei den US-Präsidentschaftswahlen prognostizierte. Eckert blieb bei Remington Rand, später Sperry bzw. Unisys und bekleidete eine leitende Position im Unternehmen. 1989 verließ Eckert Unisys, stand dem Unternehmen aber weiter als Berater zur Verfügung.

Univac Solid State im Technischen Museum Wien
UNIVAC 120 - Remington Rand 409 (1952)

Remington Rand wurde durch den Zukauf von Engineering Research Associates (ERA) verstärkt um das Fachwissen für Trommelspeicher, einem Vorläufer von Festplattenspeichern. Auf dieser Basis entwickelte Remington Rand die UNIVAC-Computerserie weiter. Unter anderem waren Seymour Cray und William C. Norris an der Entwicklung der UNIVAC Serie beteiligt.

1955 erwarb Sperry das Unternehmen Remington Rand und nannte sich in Sperry Rand um.

Sperry Rands UNIVAC gehörte zur Gruppe jener Hersteller, die unter dem Kürzel BUNCH (für Burroughs, UNIVAC, NCR, CDC, Honeywell) in den 1960er und 1970er Jahren mit Großrechnern in Konkurrenz zu IBM standen. Besonders erfolgreich waren UNIVAC-Rechner bei Luftfahrtunternehmen, die darauf ihre Buchungssysteme betrieben.

1978 beschloss Sperry Rand, sich auf das Geschäftsfeld Computer zu konzentrieren, und verkaufte Remington Rand Systems, Remington Rand Machines, Ford Instrument Company, Sperry Aerospace and Sperry Vickers. Das Wort "Rand" wurde aus dem Namen gestrichen, fortan hieß das Unternehmen wieder Sperry Corporation. Der Geschäftsbereich UNIVAC nannte sich fortan Sperry Univac und einige Zeit später einfach Sperry.

Im Jahr 1986 fusionierte Sperry mit der Burroughs Corporation. Die Geschäftsbereiche beider Unternehmen wurde unter dem Namen Unisys vereint und die beiden traditionsreichen Namen Sperry und Burroughs aufgegeben. Die anderen Geschäftsbereiche von Sperry wie Sperry New Holland, Sperry Gyroscope, Sperry Vickers, Sperry Marine and Sperry Flight Systems wurden nach der Verschmelzung verkauft.

1953 begann Burroughs, nach dem Kauf der ElectoData in Pasadena, Kalifornien, mit der Herstellung von Computern für Banken. Das erste Produkt war der Computer B205 Tube. Burroughs hatte weltweit Niederlassungen, in Deutschland die Burroughs GmbH.

1961 stellte Burroughs den ersten Computer vor, der über einen virtuellen Arbeitsspeicher verfügte, sowie über einen Doppelprozessor, die B5000. Die Burroughs B5000 stellte eine Alternative zu der 1964 veröffentlichten S/360 von IBM dar. Weiterhin entwickelte Burroughs mit der B1700 eine Serie von Minicomputern, die pro Prozess über eine eigene virtuelle Maschine verfügten.

Larry Wall war als Administrator und Programmierer bei dem Unternehmen Unisys angestellt, wo er seit März 1987 daran beteiligt war unter dem Codenamen blacker ein sicheres Netzwerk für die NSA zu entwickeln. Er erhielt mehrere Aufträge, Werkzeuge zur Fernwartung und Überwachung der entstehenden Software zu schaffen. Eine Hauptaufgabe war dabei, übersichtliche Berichte aus verstreuten Logdateien zu erzeugen. Da die vorhandenen Sprachen und Werkzeuge ihm dafür zu umständlich erschienen, entwickelte er mit Hilfe seines damaligen Teamkollegen Daniel Faigin und seines Schwagers Mark Biggar schrittweise die Programmiersprache Perl, um seine Aufgaben zu lösen.

1988 kaufte Unisys Convergent Technologies und übernahm deren CTOS-Betriebssystem.

1990 Beitritt zu X/Open

1994 Das GIF-Patent

2004 Unisys tritt der Linux Foundation bei.

2005 Unisys und NEC Corporation vereinbaren in den Bereichen Server-Technologie, Forschung und Entwicklung und Fertigung eine Kooperation über die Herstellung von Intel-basierten Hochleistungsrechnern.

2006 hat Unisys seine Mediasparte für 50 Millionen Dollar an Atex verkauft. Ebenso veräußerte es alle Anteile der japanischen Tochter Nihon Unisys.[3]

2007 portiert Unisys das OS2200 (UNIVAC)-Betriebssystem, das bis dahin auf eigens hergestellten spezifischen Prozessoren basierte, auf Intel-XEON-Prozessoren.

Geschäftsfelder[Bearbeiten]

Unisys hat sich von einem alteingesessen Hardwarehersteller zu einem Dienstleister gewandelt. Auch heutzutage werden Großrechner und Hochleistungsrechner verkauft, die Einnahmen jedoch werden hauptsächlich durch Dienstleistungen und Software generiert.

Dienstleistungen[Bearbeiten]

  • Enterprise Security – Sicherheitslösungen in allen Bereichen.
  • Outsourcing – Prozess und IT Outsourcing
  • Real Time Infrastructures – Lösungen im Logistik und Reiseverkehr
  • Open Source – Lösungen basierend auf einem definierten Open Source Stack
  • Microsoft Solutions – Lösungen im Microsoft-Umfeld
  • 3D Blueprinting – Geschäftsberatung

Produkte[Bearbeiten]

  • Software – Diverse Applikationssoftware in den Bereichen Finanzen, Aviation, Logistik und Sicherheit.
  • Enterprise Servers – Intel basierende Hochleistungsserver, ES7000
  • Mainframes – Unisys basierende Mainframes Clearpath, MCP (Bouroughs) und OS2200 (UNIVAC) kompatibel

Industrien[Bearbeiten]

  • Public Sector – Angebote für Behörden, Justiz und Verwaltungen.
  • Financial Services – Angebote für Banken und Versicherungen.
  • Communications – Angebote für Kommunikationsbranche.
  • Transportation – Angebote für Flughäfen, Flugsicherung und Logistikunternehmen.
  • Consumer & Industrial Products – Angebote für Retail- und Konsumgüter, Industrie als auch Life-Science.

Besondere Produkte[Bearbeiten]

Unisys entwickelte NEXRAD (next generation radar). Das auf dem Doppler-Effekt beruhende Radar NEXRAD soll Flughafen und Piloten vor plötzlichen Böen und einem Downburst warnen. Alle Flughäfen in den USA sind mit diesem System ausgerüstet. Unisys bietet unter der Geschäftseinheit Transportation Wetterdaten und Uplink-Kapazität zu Satelliten der National Oceanic and Atmospheric Administration an.

Kontroverses[Bearbeiten]

Manche Leute kennen Unisys durch die Patentanmeldung (US-Patent 4.558.302) des Kompressionsalgorithmus LZW, der vor allem beim Grafikformat GIF verwendet wurde. Ende 1994 kündigte Unisys gemeinsam mit CompuServe an, dass sie das Patent auf dieses Kompressionsverfahren auch bei GIF-Bildern durchsetzen wollen. Dies führte nicht nur zu einem Aufschrei in der Informatik-Gemeinschaft, sondern auch zu der Entwicklung des Bildformates PNG. Das Patent für den Kompressionsalgorithmus LZW ist 2003 in den USA ausgelaufen, 2004 in Europa und Asien.

Unisys war Zielscheibe einer Anti-Korruptionskampagne im Verteidigungssektor im Jahre 1991, die unter dem Decknamen Operation Ill Wind stattfand. Unisys wurde zu einer hohen Geldstrafe wegen Bestechung von über USD 163 Mio. plus Kosten verurteilt.

Literatur[Bearbeiten]

  • David E. Lundstrom: A Few Good Men from Univac (Gebundene Ausgabe), ISBN 0-7351-0010-1
  • Ralph Welborn, Vince Kasten: Get It Done! A Blueprint for Business Execution, ISBN 0-471-47931-4
  • Nancy Beth Stern, From Eniac to UNIVAC: An Appraisal of the Eckert-Mauchly Computers, ISBN 0-932376-14-2
  • Chris Britton, IT Architectures and Middleware: Strategies for Building Large, Integrated Systems, ISBN 0-201-70907-4
  • Arthur L. Norberg, Computers and Commerce: A Study of Technology and Management at Eckert-Mauchly Computer Company, Engineering Research Associates, and Remington Rand, 1946-1957 (History of Computing) (Hardcover), ISBN 0-262-14090-X
  • Tony Morgan, Business Rules and Information Systems. Aligning IT with Business Goals, ISBN 0-201-74391-4
  • James W. Cortada, Before the Computer: IBM, NCR, Burroughs, and Remington Rand and the Industry They Created, 1865-1956 (Studies in Business and Technology), ISBN 0-691-05045-7

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joyce A. Post: The Burroughs Research Center in Paoli (PDF; 3,8 MB)
  2. Burroughs and Sperry rename their merged company "Unisys"
  3. Unisys Corporation 2006 Annual Report. Unisys, 13. März 2007, S. 40, abgerufen am 11. August 2011 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: UNIVAC – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien