Universalgelehrter

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Universalgenie)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Seiten Universalmensch und Universalgelehrter überschneiden sich thematisch. Hilf mit, die Artikel besser voneinander abzugrenzen oder zusammenzuführen (→ Anleitung). Beteilige dich dazu an der betreffenden Redundanzdiskussion. Bitte entferne diesen Baustein erst nach vollständiger Abarbeitung der Redundanz und vergiss nicht, den betreffenden Eintrag auf der Redundanzdiskussionsseite mit {{Erledigt|1=~~~~}} zu markieren. Olaf Studt (Diskussion) 18:51, 27. Nov. 2013 (CET)
Polyhistor ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Polyhistor (Begriffsklärung) aufgeführt.
Leonardo da Vinci,
Selbstbildnis als alter Mann, um 1512; Biblioteca Reale, Turin

Als Universalgelehrter wird ein Gelehrter mit ungewöhnlich vielseitigen Kenntnissen in den verschiedensten Gebieten der Wissenschaften bezeichnet. Ein veraltendes Synonym, das vornehmlich mit Bezug auf antike Gelehrte verwendet wird, ist Polyhistor (wörtlich „Vielwisser“, von griech. πολύς polys „viel“, ἵστωρ histōr „wissend“).[1]

Während lat. genius universalis („universaler Geist“) weitgehend dieselbe Bedeutung hat, enthält der moderne Begriff Universalgenie den Aspekt, dass der Gelehrte verschiedene außergewöhnliche Leistungen oder geniale Erfindungen hervorgebracht hat.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Gottfried Wilhelm Leibniz,
Porträt von Christoph Bernhard Francke, um 1700; Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig

Der altägyptische Erfinder und Ratgeber Imhotep gilt als erster namentlich genannter Polyhistor (ca. 2700 v. Chr.). Als Beispiel für einen Polyhistor aus der griechischen Antike lässt sich Aristoteles nennen, dessen Werke bis in die frühe Neuzeit maßgebend waren. In der römischen Antike nennt man Marcus Terentius Varro als wichtigsten Polyhistor.

Beispiele für vielseitige Autoren in der Geschichte des Islam sind der Syrer Ibn an-Nafis aus dem 13. Jahrhundert, Entdecker des Lungenkreislaufs und Verfasser eines religionsphilosophischen Romans, sowie der Kairiner Gelehrte as-Suyūtī (1445–1505), der in seinem Werk beinahe alle Wissenszweige behandelte, von der Koranauslegung über Fiqh, Hadith-Wissenschaft, Literatur, Lexikographie, Geschichte, Geographie, bis hin zu Pharmazie und Erotica.

Als Inbegriff des Universalgenies gilt zweifelsohne Leonardo da Vinci. Berühmtes Beispiel eines barocken Universalgelehrten ist Gottfried Wilhelm Leibniz.

Seit dem 19. Jahrhundert ging die Zahl der Universalgelehrten zurück, weil das Wissen der Fachgebiete in gewaltigem Ausmaß zunahm. Heutzutage ist es den Gelehrten kaum mehr möglich, auch nur das Wissen einer einzigen Disziplin wie Geschichte oder Mathematik vollständig zu überblicken. Die Wissenschaft ist von einer immer stärkeren Spezialisierung der Fachgebiete und der Fachleute geprägt. Aus diesem Grund gibt es heute keine Universalgelehrten im ursprünglichen Sinne. Man spricht heute eher von Universalisten oder Generalisten – Menschen, die sehr vielseitig interessiert oder auf vielen Gebieten tätig sind.[3]

Zitate[Bearbeiten]

In dem Gedicht Der Polyhistor[4] stellt der fromme Christian Fürchtegott Gellert (1715–1769) einen stolzen Polyhistor einem Mann ohne Bildung gegenüber, der demütig auftritt. Beide stehen als Schatten „an jenem Fluß, zu dem wir alle müssen“, und warten darauf, daß Charon sie ans andere Ufer bringt. Der eitle Polyhistor lacht den einfachen Mann aus und will sich vordrängeln. Doch Charon erkennt, welcher von beiden der Kluge ist:

„Zurück!“ rief Charon ziemlich hart,
„Ich muß zuerst den Klugen überfahren,
Kaum einer kömmt in hundert Jahren;
Allein an Leuten Eurer Art,
Die stolze Polyhistor waren,
Hab ich mich schon bald lahm gefahren.“

Der österreichische Kulturphilosoph Franz Martin Wimmer resümiert:

„In der Polyhistorie ist das Ideal der Umfassendheit vor allem wirksam geworden: alles, was geschrieben ist, findet ihr Interesse, ihr Gegenstand ist die res literaria als solche. Der Polyhistor bibliographiert und rezensiert, und was er veröffentlicht, ist eine möglichst umfassende kommentierte Bibliographie. Solche Bücher, nach Disziplinen geordnete Werkverzeichnisse, erscheinen schon ab der Mitte des 16. Jahrhunderts. Der bedeutendste Polyhistor des 17. Jahrhunderts, Daniel Georg Morhof (1639–1691) schafft in seinem ‚Polyhistor literarius, philosophicus et practicus‘ die Voraussetzung für die Weltgeschichten der Philosophie, die im 18. Jahrhundert entstehen.“[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Polyhistor bei Duden online. Von griech. ἵστωρ histōr „wissend“ ist auch griech.-lat. historia (wörtlich: „Wissen“) abgeleitet, vgl. Historie bei Duden online.
  2. Vgl. Universalgenie bei Duden online.
  3. Vgl. Generalist bei Duden online.
  4. C. F. Gellert: Der Polyhistor
  5. Geschichte der Philosophiehistorie – Philosophiehistorie zwischen Humanismus und Polyhistorie.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Universalgelehrter – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen