Universität Bützow

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schloss Bützow war Sitz der Friedrichs-Universität (Foto von 2009)

Die Friedrichs-Universität Bützow wurde im Herbst 1760 durch Herzog Friedrich von Mecklenburg (1756–1785) gegründet. Ihre Entstehung verdankte sie der Auseinandersetzung zwischen dem pietistischen Landesherrn und der der Orthodoxie verhafteten theologischen Fakultät der Universität Rostock um die Besetzung eines theologischen Lehrstuhls mit dem ebenfalls dem Pietismus nahestehenden Christian Albrecht Döderlein (1758). Der Hintergrund dieses Streites liegt darin, dass der Herzog von Mecklenburg und die Stadt Rostock gleichermaßen Patrone der Universität Rostock waren und z. B. ihre eigenen Professorenkollegien unterhielten.

Die Unterbringung erfolgte im Bützower Schloss, dem ehemaligen Sitz des Bischofs von Schwerin. Als Aula und Universitätskirche wurde die Stiftskirche Bützow genutzt. Die offizielle Eröffnung fand am 20. Oktober 1760 statt. Beschwerden des Rostocker Rates beim Engeren Ausschuss der mecklenburgischen Stände und beim Reichskammergericht in Wetzlar gegen die Neugründung blieben ohne Erfolg. Ebenso erfolglos blieb der Versuch des Herzogs, die Universität Rostock schließen zu lassen.

Zwar konnte Friedrich mit seiner Neugründung die Rostocker Konkurrenz nicht vollständig aufheben, aber er zog einen beträchtlichen Teil der dortigen Studenten zu seiner Neugründung ab. Dennoch blieb die Frequenz der Bützower Hochschule auf Dauer gering. Zwischen 1760 und 1789 waren 779 Studenten, überwiegend Mecklenburger, dort immatrikuliert.

Die Friedrichs-Universität umfasste die vier klassischen Fakultäten: Theologische Fakultät, Juristische Fakultät, Medizinische Fakultät und Philosophische Fakultät und war damit eine Volluniversität. Mit der Universität verbunden war – nach Vorbild der ebenfalls von Pietismus geprägten Universität Halle – ein Pädagogium, das 1780 wieder aufgehoben wurde. Die Universität verfügte über eine Bibliothek und eine Sternwarte, letztere wurde von Wenzeslaus Johann Gustav Karsten geleitet und befand sich auf dessen Wohnhaus (heute Pfaffenstr. 3).

Angesichts des sich langsam abzeichnenden Niedergangs der Universität vereinigte Friedrichs Nachfolger Friedrich Franz I. (1785–1837) die Bützower Universität im April 1789 wieder mit der Universität Rostock. Die meisten Professoren wurden dort übernommen und beispielsweise auch die Bestände der Universitätsbibliothek und die Instrumente der Universitätssternwarte.

Bedeutende Professoren[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans W. Barnewitz: Aus dem Bützower Studentenleben (1760–1789), Mecklenburgische Monatshefte, 6, 1930, S. 65–69
  • Matthias Asche: Von der reichen hansischen Bürgeruniversität zur armen mecklenburgischen Landeshochschule. Das regionale und soziale Besucherprofil der Universitäten Rostock und Bützow in der Frühen Neuzeit (1500–1800), Stuttgart 2000
  • Günter Camenz: Die Herzoglichen, Friedrichs-Universität und Pädagogium zu Bützow in Mecklenburg, Bützow 2004
  • Uvo Hölscher: Urkundliche Geschichte der Friedrichs-Universität Bützow. In: Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. Bd. 50 (1885), S. 1–110. - Volltext auf http://portal.hsb.hs-wismar.de/pub/lbmv/mjb/jb050/350367728.html (Abgerufen am 25. Juli 2010)
  • Jürgen Hamel: Die Universitätssternwarte Bützow - Geschichte, Baulichkeit, Instrumente und Personal. In: Beiträge zur Astronomiegeschichte, Band 11. Frankfurt a. M. 2011 (Acta Historica Astronomiae 43), S. 181–207