Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

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Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
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Gründung 18. Oktober 1818
Trägerschaft MIWFT NRW (staatlich)
Ort Bonn
Bundesland Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Rektor Jürgen Fohrmann
Studenten 30.376 WS 2012/13[1]
Mitarbeiter 8.838 (2010, inkl. Kliniken)[2]
davon Professoren 504 (2010)[2]
Jahresetat ≈ 468 Mio. €(2010)[2],
Drittmittel: ≈ 129 Mio. €(2010)[3],
Uniklinikum: ≈ 502 Mio. €
Website www.uni-bonn.de

Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn ist eine der großen Universitäten in Deutschland. Die nach dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. benannte und im Jahre 1818 gegründete Hochschule hat ihren Sitz in Bonn am Rhein und bezeichnet sich selbst als namhafte, traditionsbewusste Forschungsuniversität von internationalem Rang. Im Wintersemester 2012/13 waren etwa 30.000 Studenten immatrikuliert.

Zu ihren bekanntesten Studenten zählen sieben Nobelpreisträger, vierzehn Laureaten des Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preises, zwei Preisträger der Fields-Medaille, Papst Benedikt XVI., Heinrich Heine, Karl Marx, Konrad Adenauer, Joseph Schumpeter, Friedrich Nietzsche und Joseph Goebbels. Im Ranking des Magazins Times Higher Education aus dem Jahr 2011 zählt die Bonner Universität zu den 160 besten der Welt.[4] Sie ist zudem eine der deutschen Universitäten, die im Rahmen der Exzellenzinitiative in die Förderlinien Exzellenzcluster und Graduiertenschulen aufgenommen wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Hauptartikel: Preußische Universitäten

Kurkölnische Akademie Bonn[Bearbeiten]

Hauptgebäude in der Innenstadt

Vorgänger der Bonner Universität war die Kurkölnische Akademie Bonn, die 1777 mit den vier Fakultäten für Gottes-, Rechts-, Arznei- und Weltgelehrtheit gegründet wurde. 1786 verlieh der deutsche Kaiser Joseph II. ihr das Recht zur Verleihung der im ganzen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation anerkannten Grade des Licentiaten und des Doktors. Damit stieg die Akademie zur Universität auf. 1798 wurde die kurkölnische Universität im Laufe der Angliederung des linken Rheinufers an Frankreich aufgehoben.

König Friedrich Wilhelm III., Förderer der Universität Bonn

Gründungszeit[Bearbeiten]

Die heutige Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität wurde dann am 18. Oktober 1818 vom preußischen König Friedrich Wilhelm III als sechste preußische Universität neben der Universität Greifswald, der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, der Albertus-Universität Königsberg, der Universität Halle (Saale) und der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität Breslau gegründet. Anlass für die Gründung war der Wille, für die beiden neuen preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen eine akademische Ausbildungsstätte zu schaffen. Am selben Tag wurden hierfür die bestehenden Universitäten in Münster und Paderborn aufgehoben. Die Wahl fiel aus mehreren Gründen auf Bonn: Zunächst war durch die beiden leerstehenden erzbischöflichen Schlösser hier ein für den Anfang ausreichendes Raumangebot vorhanden. Dann wollte man ein deutliches Zeichen für einen Neuanfang auch im universitären Bereich setzen. Daher wurde weder die Kurkölnische Universität in Bonn noch die städtische Universität in Köln wiederbegründet.

Die am 14. Oktober 1655 gegründete alte Duisburger Universität wurde im Jahr der Universitätsneugründung in Bonn aufgelöst. Das Zepter und große Teile der Universitätsbibliothek Duisburg gingen nach Bonn, sodass die Bonner Universität insoweit auch Nachfolgerin der Duisburger Hochschule ist. Außerdem hatte die kurkölnische Universität als Vorläufer zwar nur wenige Jahre Bestand, doch galt sie als eine Universität, die von der Aufklärung geprägt war, was gut in die preußischen Bildungsideale passte.

Der erste deutsche Lehrstuhl für Kunstgeschichte wurde am 4. Mai 1860 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität eingerichtet.[5] Landesweite Aufmerksamkeit erfuhr der Bonner Philologenstreit zwischen den Professoren Otto Jahn und Friedrich Wilhelm Ritschl, der 1865 zu Ritschls Weggang nach Leipzig führte. 1868 verlieh die Medizinische Fakultät Louis Pasteur den Ehrendoktor, den dieser 1870 wegen des Deutsch-Französischen Kriegs zurückgab.[6]

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Nach dem Wahlsieg der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei bei der Reichstagswahl März 1933 wurde auch die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität gleichgeschaltet. Aufgrund ihrer Abstammung oder ihrer politischen Einstellung wurden 40 Hochschullehrer (12,9 % des Lehrkörpers) entlassen. Zwei von ihnen (Johannes Verweyen und Paul Ludwig Landsberg) starben im Konzentrationslager, der Mathematiker Felix Hausdorff beging Suizid.[7] Der Dekan der Philosophischen Fakultät entzog Thomas Mann die Ehrendoktorwürde, die ihm nach dem 2. Weltkrieg wieder zuerkannt wurde.[8][9]

Im Jahr 1934 wurde die Landwirtschaftliche Fakultät an der Universität eingerichtet. Sie ist die Nachfolgerin der Landwirtschaftlichen Hochschule Poppelsdorf.[10] Am 18. Oktober 1944 zerstörte ein Bombenangriff das Hauptgebäude der Universität. Nach Kriegsende wurde der Betrieb bereits zum Wintersemester 1945/46 wiederaufgenommen, das Rektorat kam übergangsweise in einem Gebäude in der Joachimstraße unter. Aufgrund der Kriegsschäden und der Zunahme der Studierenden wurden wesentliche Baumaßnahmen notwendig. Es entstand an der Adenauerallee ein neues Gebäude für die Universitätsbibliothek und schräg gegenüber wurde ein Gebäude für die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät erbaut. Dieses Gebäude trägt den Namen „Juridicum“. Die Universitätskliniken wurden sogar völlig aus der Innenstadt in den Stadtteil Venusberg verlegt.

21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Im Jahr 2001 wies die Landesregierung die Universität Bonn an, die Lehrerausbildung einzustellen, was im Folgejahr von der Universität umgesetzt wurde. Aufgrund des Hochschulfreiheitsgesetzes und der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge infolge des Bologna-Prozesses konnte die Universität das Lehramtsstudium zum Wintersemester 2011/12 wieder einführen.[11]

Im Februar 2012 wurde mit dem Bau eines neuen Campus im Stadtteil Poppelsdorf zwischen Carl-Troll-Straße und Endenicher Allee begonnen. Das zirka 40.000 m² große Baufeld wurde zuvor von der landwirtschaftlichen Fakultät als Acker verwendet und war daher unbebaut. In unmittelbarer Nähe des Bauplatzes befinden sich eine Zweigstelle der Universitäts- und Landesbibliothek, einige Institute der Universität und eine Mensa. Diese universitären Einrichtungen sollen um ein Hörsaalzentrum und um das Bonn-Aachen International Center for Information Technology ergänzt werden. Außerdem werden auf dem Areal Räumlichkeiten für die Institute für Numerische Simulation, für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaft und für die Informatik gebaut.[12]

Exzellenzinitiative[Bearbeiten]

Ehemaliges Gebäude des mathematischen Institutes – Eröffnung des Exzellenzclusters der Mathematik

Bei der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder erzielte die Universität Bonn gemischte Ergebnisse. Das Zukunftskonzept, also die Förderung der gesamten Universität, wurde nicht gewonnen. In den anderen Förderlinien gab es jedoch Erfolge.

In der ersten Runde 2006 zog man mit Vorschlägen für Graduiertenschulen in Physik und Wirtschaftswissenschaften (Bonn Graduate School of Economics und Bonn-Cologne Graduate School of Physics and Astronomy zusammen mit der Universität Köln) sowie einem Exzellenzcluster in Mathematik (Mathematics: Foundations, Models, Applications – Hausdorff Center for Mathematics) in die Endauswahl ein, den Zuschlag erhielten die Ökonomie-Schule und der Mathematik-Cluster.[13]

In der zweiten Runde 2007 standen die Graduiertenschule Chemical Biology in Life and Medical Sciences und erneut die Bonn-Cologne Graduate School of Physics and Astronomy sowie als weitere universitätsübergreifende Projekte der Exzellenzcluster Media: Material Conditions and Cultural Practice zusammen mit der Universität zu Köln und die Graduiertenschule Bonn-Aachen International Graduate School of Applied Informatics zusammen mit der RWTH Aachen in der Auswahl, den Zuschlag erhielt diesmal die Physik-Graduiertenschule.[14]

In der dritten Runde im Jahr 2012 gelangten das Exzellenzcluster in der Mathematik (Mathematics: Foundations, Models, Applications) und die Graduiertenschule in Physik (Bonn-Cologne Graduate School of Physics and Astronomy) zu weiterer Förderung. Außerdem erhielt das neue Exzellenzcluster im Bereich der Immunologie (Immunosensation: das Immunsystem als Sinnesorgan) eine Förderzusage.[15]

Standorte und Architektur[Bearbeiten]

Poppelsdorfer Schloss
Standort Römerstraße

Die Universität Bonn ist keine Campus-Universität, sondern verteilt sich auf mehrere Standorte im ganzen Stadtgebiet.

Im Hauptgebäude, dem ehemaligen Kurfürstlichen Schloss direkt am Rand der Innenstadt sowie in einigen modernen Gebäuden in der Umgebung (etwa dem Juridicum) befinden sich der Großteil der Philosophischen, Theologischen sowie Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultäten.

Die Naturwissenschaftler konzentrieren sich in Poppelsdorf, wo neben dem Poppelsdorfer Schloss Institutsgebäude aus dem 19. Jahrhundert und moderne Bürobauten vorherrschen. Der Schlossgarten dient seit 1819 als Botanischer Garten Bonn. Das Institut für Informatik ist auf zwei Standorte verteilt. Der eine Teil befindet sich im Altbau des Allgemeinen Verfügungszentrums III in der Römerstraße, der andere im Landesbehördenhaus. Diese Aufteilung wurde notwendig, weil die Universität den Neubau des Allgemeinen Verfügungszentrums III im Jahr 2010 aufgrund hoher Belastung der Bausubstanz durch Polychlorierte Biphenyle räumen musste. Das Institut für Psychologie ist im Jahr 2008 aus diesem Gebäude ausgezogen und hat nun seinen Standort am Kaiser-Karl-Ring gegenüber der LVR-Klinik. Die Medizin ist auf dem Venusberg angesiedelt. Einzelne Institute und Einrichtungen sind auf weitere Stadtteile verteilt, etwa die Astronomie, Teile der Chemie und die Pharmazie in Endenich.

Insgesamt verfügt die Universität über 371 Gebäude.[2] Dazu gehören neben den wissenschaftlich und zur Verwaltung genutzten Liegenschaften auch vier Mensen und 34 Studentenwohnheime mit ca. 4200 Zimmern, für die das Studentenwerk Bonn zuständig ist. Bis auf wenige dieser Liegenschaften, etwa das Hauptgebäude und das Poppelsdorfer Schloss, hat die Universität praktisch alle Gebäude vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW gemietet.

Planungen[Bearbeiten]

Im Zuge einer Neustrukturierung wird von der Universitätsleitung angestrebt, die dezentrale Struktur aufzugeben und sich auf vier Schwerpunktstandorte zu konzentrieren: den Campus City mit der Philosophischen Fakultät, den Theologischen Fakultäten und der Staatswissenschaftlichen Fakultät, den Campus Poppelsdorf mit der Landwirtschaftlichen Fakultät und Teilen der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, den Campus Endenich mit den übrigen Teilen der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät und den in einem Neubau unterzubringenden Rechtswissenschaften sowie die Medizin auf dem Venusberg.

Insbesondere auf dem zukünftigen Campus Poppelsdorf werden deshalb zurzeit auf ehemaligen Ackerflächen einige Neubauten errichtet. Hier sollen ein Hörsaalzentrum und Räumlichkeiten für die Institute für Informatik, für Numerische Simulation und für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaft entstehen. Ein neues Laborgebäude südwestlich des Botanischen Garten wurde 2008 fertiggestellt.[16]

Bonn - Uni Campus Poppelsdorf, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität

Aufgrund der erwarteten Zunahme der Studenten auf dem Campus Poppelsdorf ist langfristig ein Neubau der dortigen Mensa geplant. Für die bis zum Jahr 2020 geplanten Sanierungen und Neubauten sind zirka 850 Mio. Euro veranschlagt. Die Finanzierung ist jedoch noch nicht komplett gesichert. Bis zum Jahr 2015 bekommt die Universität vom Land 102 Mio. Euro aus dem Hochschulmodernisierungsprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen. Außerdem beteiligt sich der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW an den Sanierungen.[17]

Gliederung[Bearbeiten]

Siegel der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Die Universität wird von einem Rektorat geleitet, dem ein Rektor vorsteht. Das Rektorat wird vom Senat kontrolliert, der aus gewählten Vertretern, aus den Hochschullehrern aller Fakultäten, aus dem akademischen und nicht-akademischen Mitarbeiterstab sowie aus der Studentenschaft besteht. Ein Hochschulrat, der zu 70 % mit externen Personen besetzt ist, übernimmt seit 2008 die Funktion der wissenschaftlichen Beratung der Universitätsleitung.[18]

Im Folgenden sind die einzelnen Fakultäten, die an der Universität Bonn derzeitig eingerichtet sind, aufgeführt. Die Studierendenzahlen der Fakultäten stammen aus dem Wintersemester 2010/11.[19]

Evangelisch-Theologische Fakultät[Bearbeiten]

Seit 1819 gibt es die Evangelisch-Theologische Fakultät an der Universität Bonn. Die thematischen Schwerpunkte liegen in den Bereichen „Texte der Theologie“, „Historische Theologie“, „Theorie der Theologie“, „Theologie im Dialog mit den Humanwissenschaften“ und „Ökumenische Theologie“. Weitere Institute der Fakultät sind das „Institut für Hermeneutik“ und das „Institut für Ökumene“. Die Fakultät ist im Hauptgebäude der Universität untergebracht, wo sich auch die Evangelische Schloßkirche befindet. Universitätsprediger ist Reinhard Schmidt-Rost. Die Fakultät betreibt ein eigenes Wohnheim für Studierende der evangelischen Theologie. Mit 187 Studierenden ist sie die kleinste Fakultät der Universität Bonn. In der Lehramtsausbildung arbeitet die evangelisch-theologische Fakultät mit dem Institut für evangelische Theologie der Universität Köln zusammen. Auch am Zentrum für Religion und Gesellschaft der Universität sind zahlreiche Mitglieder der Fakultät beteiligt.

Katholisch-Theologische Fakultät[Bearbeiten]

Ebenfalls 1819 wurde auch die Katholisch-Theologische Fakultät gegründet und umfasst heute 15 Lehrstühle. Eine Besonderheit ist die Arbeitsstelle für Theologische Genderforschung. Mit 243 Studenten ist sie ebenfalls eine der kleinen Fakultäten der Universität.

Den Lehrstuhl für Fundamentaltheologie hatte von 1959 bis 1963 Joseph Ratzinger inne, der ehemalige Papst Benedikt XVI.

Landwirtschaftliche Fakultät[Bearbeiten]

Im Jahr 1934 wurde die Landwirtschaftliche Fakultät an der Universität Bonn eingerichtet. Sie entstand aus der früheren Landwirtschaftlichen Hochschule Poppelsdorf.[10] Ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte hat die Fakultät in den Bereichen „Entwicklung von Sensornetzwerken und Modellierung von Agrarökosystemen“ (Agrar Systems Sensing Analysis and Management), „Lebensmittel und Ernährung“ (Food and Nutrition) sowie der „Aufklärung von genetisch determinierten Stoffwechselfunktionen bei Nutzpflanze, Nutztier und Mensch mittels molekularbiologischer Verfahren“ (From Molecules to Function: Crop – Livestock – Human).

Die Fakultät umfasst die folgenden sieben Institute:

  • IEL – Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften,
  • IGG – Institut für Geodäsie und Geoinformation,
  • ILR – Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik,
  • ILT – Institut für Landtechnik,
  • INRES – Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz
  • IOL – Institut für Organischen Landbau,
  • ITW – Institut für Tierwissenschaften.

Besonders die Studiengänge Agrarwissenschaften, Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften, Tierwissenschaften sowie Geodäsie und Geoinformation erfreuen sich zunehmender Beliebtheit bei Studenten. Standort der Fakultät ist auch heute noch der Campus Poppelsdorf. Die Fakultät hat zirka 2.500 Studenten. Im Wintersemester 2008/09 wurde an der Fakultät das Theodor-Brinkman-Graduiertenkolleg aufgebaut.[20]

Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät[Bearbeiten]

Gebäude des mathematischen Instituts
Teilchenbeschleuniger ELSA
Argelander-Institut für Astronomie

Die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät umfasst die Fachgruppen Mathematik, Informatik, Physik/Astronomie, Chemie, Erdwissenschaften, Biologie, Pharmazie und Molekulare Biomedizin. Im Jahr 1936 wurden die naturwissenschaftlichen Fächer aus der philosophischen Fakultät ausgegliedert und die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät gegründet.[21] Mit 7.636 Studenten ist sie heute eine der größten Fakultäten der Universität. Die Standorte verteilen sich auf die Stadtteile Castell, Endenich und Poppelsdorf.

Die Fachgruppe Mathematik umfasst drei Institute: das mathematische Institut, das Institut für angewandte Mathematik und das Institut für numerische Simulation. Das mathematische Institut (MI) und das Institut für angewandte Mathematik sind im Jahr 2009 in das Gebäude der Landwirtschaftskammer Rheinland gezogen. Das MI organisiert derzeit ein DFG-Graduiertenkolleg zum Thema „Homotopie und Kohomologie“. Außerdem hat die Universität ein Exzellenzcluster im Bereich Mathematik. Aus diesem Grund entstand das „Hausdorff Center for Mathematics“. Außerdem gehört das Forschungsinstitut für Diskrete Mathematik zu den mathematischen Instituten der Universität, jedoch ist es nicht der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät angeschlossen, sondern untersteht direkt dem Senat.

Die Fachgruppe Informatik umfasst das Institut für Informatik. Sie wurde am 1. April 2011 gegründet und entstand aus der Fachgruppe Mathematik/Informatik.[22] Im Jahr 1969 wurde das Institut für Angewandte Mathematik und Informatik gegründet. Dieses Institut wurde 1975 in zwei eigenständige Institute aufgeteilt.[23] Das Institut für Informatik ist zurzeit auf zwei Standorte verteilt. Hörsäle, Seminarräume, die Instituts-Bibliothek sowie die Abteilung Informatik III befinden sich im Altbau des Allgemeinen Verfügungszentrums III in der Römerstraße in Bonn-Castell. Die restlichen Abteilungen des Instituts für Informatik befinden sich im 6 km entfernten Landesbehördenhaus.[24]

Das physikalische Institut betreibt den Teilchenbeschleuniger ELSA und organisiert die Wolfgang-Paul-Vorlesungen. Zusammen mit der Universität Köln besteht die Exzellenzinitiativen-geförderte „Bonn-Cologne Graduate School of Physics and Astronomy“, die theoretischen Lehrstühle haben sich 2008 zum „Bethe Center for Theoretical Physics“ zusammengeschlossen.

Das Argelander-Institut für Astronomie (AIfA), benannt nach dem Astronomen Friedrich Wilhelm Argelander, entstand 2006 durch den Zusammenschluss der bisherigen drei astronomischen Universitäts-Institute: die Sternwarte, das Radioastronomische Institut (RAIUB) und das Institut für Astrophysik und Extraterrestrische Forschung.

Das Alte Chemische Institut war bei seinem Bau 1864–1867 das größte Institutsgebäude der Welt. Heute beherbergt es das Institut für Mikrobiologie und die Geographischen Institute.

Bonn - Altes Chemisches Institut

Medizinische Fakultät[Bearbeiten]

Hörsaalgebäude der Anatomie

Die Medizinische Fakultät hat ihre Schwerpunkte in den Bereichen „Neurowissenschaften“, „Genetische Grundlagen und genetische Epidemiologie menschlicher Erkrankungen“, „Hepato-Gastroenterologie“, „Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems“ und „Immunologie und Infektiologie“. Der 2012 bewilligte DFG Exzellenzcluster „ImmunoSensation: Das Immunsystem als Sinnesorgan“ ist größtenteils an der Medizinischen Fakultät angesiedelt. Im Bereich der Krankenversorgung besteht eine Kooperation mit dem Universitätsklinikum Bonn. Der Großteil der Gebäude befindet sich auf dem Venusberg, einzelne Institute sind jedoch auch im Stadtzentrum. Die Institute der Vorklinik konzentrieren sich um das Anatomische Institut an der Nußallee im Stadtteil Poppelsdorf. An der Fakultät studieren  2.699 Studenten.

Philosophische Fakultät[Bearbeiten]

Der Hofgarten vor dem kurfürstlichen Schloss

Die Philosophische Fakultät umfasst die Institute für „Altamerikanistik und Ethnologie (IAE)“, „Anglistik, Amerikanistik und Keltologie“, „Geschichtswissenschaft“, „Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft“, „Griechische und Lateinische Philologie, Romanistik und Altamerikanistik“, „Kommunikationswissenschaften“, „Kunstgeschichte und Archäologie“, „Orient- und Asienwissenschaften“, „Philosophie“, „Politische Wissenschaft und Soziologie“ und „Psychologie“. Schon am 4. Mai 1860 wurde ein Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Universität eingerichtet. Dies war der erste deutschsprache Lehrstuhl für Kunstgeschichte. Anton Springer war der erste Lehrstuhlinhaber und wurde für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte berufen. Aus diesem Kunsthistorischen Institut ist die heutige Abteilung für Kunstgeschichte am Institut für Kunstgeschichte und Archäologie entstanden.[5]

Mit über 8.753 Studenten ist sie die größte Fakultät der Universität. Ab dem Wintersemester 2009/2010 arbeiten die philosophischen Fakultäten der Universität Bonn und der Universität zu Köln zusammen. In ausgewählten Studiengängen ist es für die Studenten möglich, Veranstaltungen sowohl in Bonn als auch in Köln zu besuchen.[25] Im Februar 2009 wurde das „Internationale Zentrum für Philosophie Nordrhein-Westfalen“ auf eine Initiative von Wolfram Hogrebe hin gegründet.

Des Weiteren sind folgende interdisziplinäre Zentren eingerichtet worden:

  • Zentrum für Alternskulturen (ZAK)
  • Zentrum für Historische Grundlagen der Gegenwart (ZHGG)
  • Centre for the Classical Tradition (CCT)
  • Bonner Mittelalterzentrum (BMZ)
  • Zentrum für Kulturwissenschaft/Cultural Studies (ZfKW)
  • Bonner Asienzentrum (BAZ)

Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät[Bearbeiten]

Juridicum – Fassade mit Mosaik von Victor Vasarely

Die Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät, bis zum Zweiten Weltkrieg im Hauptgebäude und dann provisorisch an verschiedenen Orten untergebracht, erhielt 1967 ihr neu erbautes Juridicum, ein Gebäude an der Adenauerallee gegenüber dem Beethoven-Gymnasium in der Nähe der Universitätsbibliothek. Die Fakultät hat derzeit etwa 5.000 Studierende und besteht aus den Fachbereichen Rechtswissenschaften und Wirtschaftswissenschaften.

Der Fachbereich Rechtswissenschaften umfasst derzeit sechzehn Institute für die Lehre. Seit 1989 besteht das Zentrum für europäisches Wirtschaftsrecht mit angegliedertem DFG-Graduiertenkolleg zum Thema „Rechtsfragen des europäischen Finanzraums“ und europäischem Dokumentationszentrum. Außerdem gehört zum Fachbereich Staatswissenschaften noch das Institut für das Recht der Wasser- und Entsorgungswirtschaft. Dies ist ein Forschungsinstitut, dessen Aufgabe es ist, Hauptfragen des Wasserrechts wissenschaftlich zu behandeln und praktisch Lösungen zu erarbeiten.

Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften umfasst drei Institute für die akademische Lehre sowie die Forschungseinrichtungen „Bonn Graduate School of Economics (BGSE)“, DFG-Graduiertenkolleg zum Thema „Quantitative Ökonomie“ und das Laboratorium für experimentelle Wirtschaftsforschung.

Direkt dem Senat unterstellte Forschungs- und Lehrstätten[Bearbeiten]

Das Arithmeum ist ein Museum im Institut für Diskrete Mathematik

Interdisziplinäre Projekte[Bearbeiten]

Externe Angliederungen[Bearbeiten]

Weitere Einrichtungen[Bearbeiten]

Gebäude der Universitäts- und Landesbibliothek
Akademisches Kunstmuseum

Museen[Bearbeiten]

Der Universität angeschlossen sind mehrere Bonner Museen. Die größte Tradition hat das Akademische Kunstmuseum am Hofgarten, dessen Antikensammlung bis 1820 zurückreicht. Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig ist eines der renommiertesten zoologischen Museen Deutschlands. Das Arithmeum verfügt über eine umfangreiche Sammlung historischer Rechenmaschinen. Im Koblenzer Tor des Kurfürstlichen Schlosses befindet sich das Ägyptische Museum. Hinzu kommen das Mineralogische Museum, das Goldfuß-Museum für Paläontologie, das Horst-Stoeckel-Museum für Anästhesie-Geschichte und die Archäologisch-ethnographische Lehr- und Studiensammlung.

Personen[Bearbeiten]

Zu der Vielzahl bekannter Wissenschaftler, die an der Universität Bonn lehrten, gehören die Nobelpreisträger Philipp Lenard (Physik, 1905), Otto Wallach (Chemie, 1910), Wolfgang Paul (Physik, 1989), Reinhard Selten (Wirtschaftswissenschaften, 1994) und Harald zur Hausen (Physiologie oder Medizin, 2008). Weitere herausragende Gelehrte waren Friedrich Wilhelm August Argelander (Astronomie), Ernst Moritz Arndt (Geschichtswissenschaft), Karl Barth (evang. Theologie), Felix Hausdorff (Mathematik), Heinrich Hertz (Physik), Friedrich Hirzebruch (Mathematik), Joseph Ratzinger (kath. Theologie) und Friedrich August Kekulé von Stradonitz (Chemie).

Für weitere bekannte Gelehrte und Studenten sowie Ehrendoktoren siehe die Liste bekannter Persönlichkeiten der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich von Bezold: Geschichte der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität von der Gründung bis zum Jahr 1870. A. Marcus & E. Webers Verlag, Bonn 1920. (Digitalisat der ULB Bonn)
  • Thaddäus Anton Dereser: Entstehung und Einweihungsgeschichte der Kurkölnischen Universität zu Bonn unter der glorreichen Regierung Maximilian Franzens, von Gottes Gnaden Erzbischofs zu Köln, des H.R. Reichs durch Italien Erzkanzlers und Kurfürsten … im Jahre 1786, den 20ten November und folgende Tage. Abshoven, Bonn ca. 1786. (Digitalisat)
  • Ralf Forsbach: Die Medizinische Fakultät der Universität Bonn im „Dritten Reich“. München 2006. ISBN 978-3-486-57989-5
  • Manfred Groten, Andreas Rutz (Hrsg.): Rheinische Landesgeschichte an der Universität Bonn. Traditionen – Entwicklungen – Perspektiven. Göttingen 2007.
  • Hans-Paul Höpfner: Die Universität Bonn im Dritten Reich. Akademische Biographien unter nationalsozialistischer Herrschaft. Bonn 1999 (= Academia Bonnensia, 12)
  • Dietrich Höroldt: Stadt und Universität. Rückblick aus Anlass der 150-Jahr-Feier der Universität Bonn. Bonn 1969 (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bonn, 6)
  • Paul Egon Hübinger: Thomas Mann, die Universität Bonn und die Zeitgeschichte. Drei Kapitel deutscher Vergangenheit aus dem Leben des Dichters 1905–1995, München/Wien 1974
  • Josef Niesen: Bonner Personenlexikon, 3. Auflage, Bonn 2011 – mit einer Vielzahl an Professoren-Biographien
  • Matthias Schmoeckel (Hrsg.): Die Juristen der Universität Bonn im „Dritten Reich“. Köln/Weimar/Wien 2004 (= Rechtsgeschichtliche Schriften, 18)
  • Rektor und Senat der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität (Hrsg.): Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität. Ihre Rektoren und berühmten Professoren. (= Karl F. Chudoba (Hrsg.): Kriegsvorträge der … Universität Bonn. Band II). Bonner Universitäts-Buchdruckerei, Bonn 1943.
  • Heinz Schott (Hrsg.): Medizin, Romantik und Naturforschung. Bonn im Spiegel des 19. Jahrhunderts. Anlässlich der 175-Jahrfeier der Universität Bonn. Bonn 1993 (= Studium Universale, 18)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt: Studierendenzahlen Studierende und Studienanfänger/-innen nach Hochschularten, Ländern und Hochschulen, WS 2012/13, S. 66-113 (abgerufen am 3. November 2013)
  2. a b c d e f g Uni Bonn: Zahlen und Fakten
  3. General-Anzeiger: Uni Bonn: Rekord bei Drittmitteln
  4. Topuniversities, Rheinische Friedrich Wilhelms Universität Bonn
  5. a b Uni Bonn: 150 Jahre Kunstgeschichte in Bonn; abgerufen am 30. November 2010
  6. Biografie von Louis Pasteur auf der Webseite der Académie française
  7. Michael Grüttner, Sven Kinas: Die Vertreibung von Wissenschaftlern aus den deutschen Universitäten 1933–1945. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. 55 (2007), S. 140, 160 ff.
  8. Universität Bonn: Der Umgang mit der Vergangenheit
  9. Bayerischer Rundfunk: Thomas Mann wird Ehrendoktorwürde aberkannt
  10. a b www.lwf.uni-bonn.de: Willkommen an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn Abgerufen am 9. Mai 2012
  11. www.igw.uni-bonn.de: Lehramtsstudiengang Abgerufen am 9. Mai 2012
  12. www.blb.nrw.de: Baumaßnahmen für den 1. Bauabschnitt des Campus Poppelsdorf beginnen jetzt. Abgerufen am 9. Mai 2012
  13. BMBF – Ergebnisse der Exzellenzinitiative 2006
  14. BMBF – Ergebnisse der Exzellenzinitiative 2007
  15. www.bmbf.de: Ergebnis der Sitzung des Bewilligungsausschusses am 15. Juni 2012 Abgerufen am 15. Juni 2012
  16. www.limes-zentrum.uni-bonn.de: Topping-out ceremony for the LIMES building Abgerufen am 10. Mai 2012
  17. General Anzeiger vom 29. September 2009
  18. Uni Bonn: Grundordnung der Universität
  19. Zahlen Daten Fakten abgerufen am 17. Dezember 2012
  20. Landwirtschaftliche Fakultät der Universität Bonn: Theodor-Brinkmann-Graduate School
  21. Thomas P. Becker: Geschichte der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität. (Online)
  22. fachgruppe.informatik.uni-bonn.de: Startseite
  23. www.informatik.uni-bonn.de: Institut für Informatik Abgerufen am 10. Mai 2012
  24. www.informatik.uni-bonn.de: Anreise Abgerufen am 10. Mai 2012
  25. General-Anzeiger: Köln und Bonn bieten gemeinsame Studienmodule an
  26. EUDC Council: Hall of Fame  ESL-Teams

50.7338888888897.1022222222222Koordinaten: 50° 44′ 2″ N, 7° 6′ 8″ O