Europa-Universität Flensburg

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Europa-Universität Flensburg
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Gründung 1994
Trägerschaft staatlich
Ort Flensburg
Bundesland Schleswig-Holstein
Staat Deutschland
Präsident Werner Reinhart
Studenten 5003 WS 2014/15[1]
Mitarbeiter ca. 360 (Nov. 2012)[2]
davon Professoren 66 [2]
Website www.uni-flensburg.de

Die Europa-Universität Flensburg (EUF) gehört mit den Universitäten in Kiel und Lübeck zu den drei Universitäten in Schleswig-Holstein.

Die Universität ging 1994 aus einer 1946 gegründeten Pädagogischen Hochschule hervor und bündelt vor allem die Lehrerausbildung in Schleswig-Holstein – mit Ausnahme angehender Gymnasiallehrer, die an der Universität in Kiel studieren.

Derzeit sind an der Europa-Universität Flensburg etwa 5.000 Studierende immatrikuliert (Stand WS 2014/15). Zum Wintersemester 2012/2013 hatte die Universität rund 4.100 Studienbewerber. An oberster Stelle lag im Wintersemester 2012/2013 der Studiengang Bachelor of Arts in Vermittlungswissenschaften mit 2.420 Bewerberinnen und Bewerbern, gefolgt vom Bachelor-Studiengang International Management mit ca. 670.

Die Universität in Flensburg ist die nördlichste Universität Deutschlands. Der Schwerpunkt liegt auf der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern und weiteren Studiengängen im Bereich der Pädagogik und Sozialwissenschaften. Zu den Besonderheiten zählen deutsch-dänische Studiengänge, die in Kooperation mit der Syddansk Universitet in Sønderborg angeboten werden.

Das heutige Hauptgebäude

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Der erste Versuch, in Flensburg eine Universität einzurichten, erfolgte bereits in der Regierungszeit des dänischen Königs Christian IV. Sein Eintritt in den Dreißigjährigen Krieg, dem bald die teilweise Zerstörung der Stadt folgte, machte den Plänen ein Ende. Als der Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf 1652 das kaiserliche Privileg erlangt hatte, eine Universität zu gründen, verhandelte er zunächst auch mit Flensburg. Da die Stadt aber im Herzogtum Schleswig lag, das ein dänisches Lehen war, und nicht im Heiligen Römischen Reich, war eine Ansiedlung der neuen Hochschule in Flensburg nicht möglich. Stattdessen erhielt Kiel, das im Gottorfschen Anteil am Herzogtum Holstein lag, 1665 die Christian-Albrechts-Universität.

Im Jahr 1875 wurde Flensburg erstmals Sitz einer Hochschule, der Navigationsschule. Diese bildete die Keimzelle für die Fachhochschule Flensburg, die heute mit der Universität kooperiert. Der Vorläufer der Universität Flensburg wurde erst 1946 geschaffen. Am 2. März 1946 erging ein Erlass des Oberschulrats Friedrich Drenckhahn im Auftrage des Oberpräsidenten der Provinz Schleswig-Holstein zum Arbeitsbeginn der ersten Pädagogischen Hochschule, und zwar im Ostflügel der Marineschule Mürwik gemäß Anordnung der Britischen Militärregierung vom 21. Februar 1946.

Pädagogische Hochschule[Bearbeiten]

Die Pädagogische Hochschule unter Leitung von Gerhard Bohne[3] öffnete am 21. März 1946 ihre Tore. Zunächst nahmen 220 Studenten das Studium zum Volksschullehrer auf. Das Studium dauert 15 Monate. Die Dozenten mussten eine Zusammenfassung jeder Vorlesung bei der Britischen Militärregierung abgeben. Die ersten Studenten absolvierten ein Jahr später (genauer am 9. Juni 1947) die Prüfung für das Erste Staatsexamen für das Lehramt an Volksschulen in den Fächern Pädagogik, Psychologie und einem gewählten Unterrichtsfach.

Am 6. Januar 1959 zog die Pädagogische Hochschule von der Marineschule in ein neues Gebäude in der Mürwiker Straße 77, nahe dem Volkspark um. Bald darauf, am 16. Oktober 1959, wurde das neue Studentenwohnheim, die „Flensburger Burse“, direkt neben dem neuen Gebäude der Pädagogischen Hochschule eröffnet. Seit dem 1. Januar 1963 wurden auch Realschullehrer an der Pädagogischen Hochschule ausgebildet. Am 2. Mai 1973 erhielt die Pädagogische Hochschule das (eingeschränkte) Promotionsrecht.

Wandel zur Universität[Bearbeiten]

Die heutige Universität Flensburg, Hörsaalzentrum und Mensagebäude

1985 wurde erstmals versucht, eine Universität in Flensburg zu etablieren. In privater Trägerschaft wurde die Nordische Universität gegründet, die aber auf Grund mangelnden Rückhaltes und fehlender Gelder im Jahr 1989 schließen musste. Die neue Landesregierung präferierte den Umbau der Pädagogischen Hochschule zur Universität. In den 1990er Jahren begann so schrittweise der Wandel der Pädagogischen Hochschule zu einer Universität. 1992 begann der Studiengang „Betriebliche Bildung und Management“ mit rund 60 Studenten seine Arbeit. Dies ist der erste nicht traditionell pädagogische Studiengang an der Hochschule. Zwei Jahre später, am 1. September 1994, beschloss die Landesregierung die Umbenennung der Pädagogischen Hochschule in „Bildungswissenschaftliche Hochschule (Universität) Flensburg“ (kurz BU Flensburg). Da die BU Flensburg unter Platzmangel litt, wurde am 1. April 1995 die ehemalige Berufsschule an der Schützenkuhle angemietet (Kosten etwa 150.000 € pro Jahr). Mit dem Berufsschullehrer-Studiengang wurde das Angebot der Schule nochmals erweitert, am 8. Januar 1996 war die Gründungskommission für diesen neuen Studiengang zusammengetreten.

Umzug auf den Sandberg[Bearbeiten]

Die folgenden Jahre waren zudem vom Umzug auf den Sandberg geprägt. Am 14. Januar 1998 wurde die gemeinsame Bibliothek der BU Flensburg und der Fachhochschule Flensburg am Sandberg eröffnet. Im Jahre 2000 wurde schließlich die „Bildungswissenschaftliche Hochschule Flensburg - Universität“ in „Universität Flensburg“ umbenannt. Am 25. März 2002 fand die Einweihung der Mensa statt, der Großteil der Studenten auf dem Campus bestand damals noch aus FH-Studenten. Am 1. August 2002 zogen alle Institute der Universität in die neu errichteten Gebäude am Sandberg, und am 29. Oktober 2002 fand die Einweihung des Hörsaalzentrums/Audimax statt. Die alten Gebäude der PH Flensburg und die „Flensburger Burse“ im Stadtteil Mürwik wurden 2004 abgerissen. Sie wichen einem Einkaufscenter.

Ab 2006[Bearbeiten]

Die schon forftgeschrittene Aufräumarbeiten vor dem Hauptgebäude nach dem Sturm (2013).

Im Jahr 2006 konnte die Hochschule ihr 60-jähriges Bestehen feiern, am 8. November des Jahres fand deshalb ein Festakt statt. In den folgenden Jahren wuchs die Universität weiter, so wurde am 29. November 2010 der Erweiterungsbau eingeweiht. Ende Oktober 2013 wurde das Dach des Hauptgebäudes zum wiederholten Mal durch einen Sturm beschädigt. Teile des Daches flogen weg und beschädigten parkende Autos.[4] Der Unterricht fiel in Folge an der gesamten Universität aus.[5]

Am 30. Juni 2014 wurde die Universität schließlich in "Europa-Universität Flensburg" umbenannt.

Akkreditierung der Studiengänge[Bearbeiten]

2008 wurden die Studiengänge European Studies (M.A.), International Management (B.A.) und International Management Studies (M.A.) akkreditiert. Der größte Studiengang der Vermittlungswissenschaften wurde aus verschiedenen Gründen zunächst nicht akkreditiert.[6] Die Akkreditierung erfolgte 2009 durch den Beschluss der Ständigen Akkreditierungskommission und ist nur vom 14. Juli 2009 bis zum 30. September 2014 gültig.[7][8][9] Die Akkreditierung der neuen Studiengänge Bildungswissenschaften (B.A.), Lehramt an Grundschulen (M.Ed.), Lehramt an Gemeinschaftsschulen (M.Ed.) läuft seit 2013 und ist noch nicht abgeschlossen.[10] Bisher konnten die Studenten zwischen den Studiengängen für Grund- und Hauptschule, Realschule, Sonderschule wählen, neben der Ausbildung zum Diplom-Pädagogen und der Berufschullehrerausbildung im Bereich Technik.

Bibliothek[Bearbeiten]

Die Zentrale Hochschulbibliothek Flensburg

Die Zentrale Hochschulbibliothek (kurz ZHB) ist eine gemeinsame Einrichtung der Universität und Fachhochschule Flensburg.[11]

Insgesamt gibt es in der ZHB Flensburg ca. 265,000 Medieneinheiten, 380 Arbeits- und Leseplätze, ca. 566 laufend gehaltene Zeitschriften, ca. 25 CD-Rom Datenbanken und 23.975 elektronische Zeitschriften. Momentan (2009) sind 8,025 Benutzer eingetragen, die im Jahr 2008 rund 153,000 Medien ausgeliehen haben. Das Anschaffungsetat der ZHB beträgt im Jahr ca. 217,000 EURO.[12]

Aktuelle Studiengänge[Bearbeiten]

Die Außenstelle Munketoft der Universität Flensburg

Derzeit (WS 2012/13) werden an der Universität Flensburg folgende Bachelor- und Masterstudiengänge angeboten:

  • Bachelor- und andere grundständige Studiengänge
    • Vermittlungswissenschaften (B.A.) (seit 2013 Bildungswissenschaften) (zugleich erste Phase der Lehrerausbildung)
    • Erziehungswissenschaft: Erwachsenenbildung/Weiterbildung (Diplom) (läuft aus, Ende geplant 2016)
    • International Management (B.A.)
  • Master- und weitere Aufbau-/Weiterbildungsstudiengänge
    • Energie- und Umweltmanagement, Energy and Environmental Systems, Spezialisation Sustainable Energy Systems and Management in Developing Countries (SESAM) (M.Eng.)
    • Energie- und Umweltmanagement, Spezialisierung Energie- und Umweltmanagement in Industrieländern (M.Eng.)
    • Erziehungswissenschaft: Schulpädagogik (Diplom)
    • European Studies (M.A.)
    • Kultur – Sprache – Medien (M.A.)
    • International Management Studies (M.A.)
    • Master of Education für Grundschulen (M.Ed.)
    • Master of Education für Regional- und Gemeinschaftsschulen (M.Ed.)
    • Master of Education für Sonderschulen (M.Ed.)
    • Master of Education für berufliche Schulen (M.Ed.)
    • Prävention und Gesundheitsförderung (M.A.)

Institute und Seminare[Bearbeiten]

  • Institut für Erziehungswissenschaften
    • Abteilung Erziehungswissenschaft
    • Abteilung Schulpädagogik
    • Abteilung Psychologie
  • Institut für Sonderpädagogik
    • Abteilung Pädagogik und Didaktik zur Förderung der emotionalen und sozialen Entwicklung
    • Abteilung Pädagogik bei Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung
    • Abteilung Pädagogik für Menschen mit Sprach- und Kommunikationsstörungen
    • Abteilung Sonderpädagogik des Lernens
    • Abteilung Sonderpädagogische Psychologie
    • Abteilung Inklusion und pädagogische Entwicklungsförderung
  • Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik (biat)
  • Interdisziplinäres Institut für Umwelt-, Sozial- und Humanwissenschaften
    • Abteilung Energie- und Umweltmanagement
    • Abteilung Geographie
    • Abteilung Ökologie
    • Philosophisches Seminar
    • Abteilung Transformationsdesign und -forschung
    • Abteilung Zentrale Methodenlehre
  • Institut für mathematische, naturwissenschaftliche und technische Bildung
    • Abteilung für Biologie und ihre Didaktik
    • Abteilung für Chemie und ihre Didaktik
    • Abteilung für Mathematik und ihre Didaktik
    • Abteilung für Physik und ihre Didaktik und Geschichte
    • Abteilung für Sachunterricht
    • Abteilung für Technik und ihre Didaktik
  • Institut für Gesundheits-, Ernährungs- und Sportwissenschaften
    • Abteilung Gesundheitspsychologie und -bildung
    • Abteilung Ernährung und Verbraucherbildung
    • Abteilung Sportwissenschaft
  • Institut für Ästhetisch-Kulturelle Bildung
    • Abteilung Kunst und visuelle Medien
    • Abteilung Musik
    • Abteilung Textil und Mode
  • Institut für Sprache, Literatur und Medien
    • Seminar für Anglistik und Amerikanistik
    • Dänisches Seminar (Ausbildungsort sind die Universität Flensburg und die Universität von Süddänemark)
    • Friesisches Seminar
    • Seminar für DaF/DaZ
    • Seminar für Medienbildung
    • Seminar für Romanistik (in Entstehung)
    • Seminar für Germanistik
    • Abteilung der Germanistik für niederdeutsche Sprache und Literatur
    • Abteilung der Germanistik für Darstellendes Spiel (in Entstehung)[13]
  • Institut für Gesellschaftswissenschaften und Theologie
    • Seminar für Geschichte und Geschichtsdidaktik
    • Seminar für Politikwissenschaft und Politikdidaktik
    • Seminar für Soziologie
    • Seminar für evangelische Theologie
    • Seminar für katholische Theologie
  • Internationales Institut für Management und ökonomische Bildung
    • Abteilung Arbeits- und Organisationspsychologie
    • Abteilung Europa- und Völkerrecht
    • Abteilung Finanzwirtschaft
    • Abteilung Internationale und Institutionelle Ökonomik
    • Abteilung Medienmanagement und Marketing
    • Abteilung Pädagogik
    • Abteilung Personal und Organisation
    • Abteilung Sozial- und Bildungsökonomik
    • Abteilung Strategisches und Internationales Management
    • Abteilung Weiterbildungs- und Hochschulmanagement
    • Abteilung Wirtschaftswissenschaften und ihre Didaktik [14]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Michael Ruck: 60 Jahre Universität Flensburg 1946–2006. Verwissenschaftlichung – Diversifizierung – Expansion. In: Demokratische Geschichte. Jahrbuch für Schleswig-Holstein 18. ISSN 0932-1632, S. 255-266 (Online; PDF; 599 kB, abgerufen am 2. März 2014).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt: Studierendenzahlen Studierende und Studienanfänger/-innen nach Hochschularten, Ländern und Hochschulen, WS 2012/13, S. 66-113 (abgerufen am 3. November 2013)
  2. a b http://www.uni-flensburg.de/uni/uni-tour/die-universitaet-in-zahlen/
  3. Siehe: David Käbisch: Bohne, (Paul) Gerhard. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 27, Bautz, Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-393-2, Sp. 143–161.
  4. Donaukurier: Dach der Universität Flensburg stürzt einVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter; vom 28. Oktober 2013
  5. Die Welt: Unterricht fällt in mehreren Schulen und einer Uni aus; vom 29. Oktober 2013
  6. Fibaa akkreditierte Studiengänge, Suche nach: "Universität Flensburg"
  7. Die Universität, Qualitätsmanagement, Externe Evaluation (Akkreditierung)
  8. Lehramts-Studiengänge an der Universität Flensburg wieder akkreditiert
  9. ZEvA Zentrale Evaluations- und Akkreditierungsagentur Hannover, Suche nach: "Universität Flensburg"
  10. Universität Flensburg, Informationen zur Akkreditierung
  11. uni-flensburg.de: Bibliothek, Abruf: 18. April 2009
  12. zhb-flensburg.de: Portrait der ZHB, Abruf: 18. April 2009
  13. Universität Flensburg, Institute und Seminare
  14. Homepage der Universität Flensburg: [1], Abruf: 9. Juni 2013

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Universität Flensburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

54.7755555555569.4522222222222Koordinaten: 54° 46′ 32″ N, 9° 27′ 8″ O