Universität Rinteln

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Altes Universitätsgebäude (um 1850)
Universitätsgebäude im Aufriss (Erdgeschoss)
Universitätsgebäude im Aufriss (Obergeschoss)
Jakobikirche am Kollegienplatz, als einziger, erhaltener Gebäudeteil der Universität
Ehemalige Universitätskommisse

Die Alma Ernestina (auch: Academia Ernestina) in Rinteln im Weserbergland war eine 1619 gegründete Universität, die bis 1810 existierte.

Geschichte[Bearbeiten]

Ausgangspunkt der Universität in Rinteln war das im Jahre 1610 von Graf Ernst zu Holstein-Schaumburg in Stadthagen gegründete, auf einer seit 1330 bestehenden lateinischen Stadtschule basierende, akademische Gymnasium illustre, das bereits vier Fakultäten und einen vollakademischen Unterrichtsbetrieb aufwies. Zur Anerkennung als vollwertige Universität fehlte noch das kaiserliche Privileg, das das Promotionsrecht verlieh.

Zur Erlangung des Privilegs musste Ernst dem Kaiser Ferdinand II. 100.000 Gulden als Darlehen geben, erhielt dafür aber noch zusätzlich den Fürstentitel. Bei Beantragung des Privilegs war bereits an eine Verlegung nach Rinteln gedacht worden, da diese Stadt aufgrund ihrer Lage an der Weser besser zu erreichen war.

Die neue Alma Mater Ernestina zog in Rinteln in das ehemalige katholische Jakobskloster ein. Teile des Klosters wurden zur „Kommunität” (Studentenwohnheim), zum „Konviktorium“ (Mensa) der Stipendiaten und zu zwei Hörsälen umgestaltet. Eine Bibliothek, ein Instrumentenzimmer, eine Apotheke usw. wurden eingerichtet, und die Kirche wurde Universitätskirche. Die Einweihung war am 17. Juli 1621. An diesem Tag wurden auch die Statuten der Universität auf Schloss Bückeburg ausgefertigt.[1]

1623 wurde die Stadt von Herzog Christian von Braunschweig-Lüneburg überfallen, erobert und geplündert. Die meisten Studenten verließen Rinteln, auch die Professoren, soweit sie die Möglichkeit dazu hatten. Der Rektor Johannes Gisenius (Giessenius) versuchte, den Lehrbetrieb weiterzuführen, jedoch unter erheblichen Schwierigkeiten.

Durch das Restitutionsedikt vom 6. März 1629 war das ganze Gebiet zwischen Rhein und Elbe der Gegenreformation ausgeliefert. Benediktinermönche aus Hildesheim und Corvey kamen nach Rinteln und übernahmen die Universität. 1631 bestand vorübergehend eine katholisch-theologische Fakultät. Im gleichen Jahr veröffentlichte die Rintelner Universitätsdruckerei die Cautio criminalis als ein anonymes Werk, als dessen Autor schon bald der Paderborner Theologe Friedrich Spee von Langenfeld vermutet wurde. Seine neuen, darin vorgetragenen Positionen markierten den Beginn des Kampfes gegen die Hexenprozesse. Das Buch war die Antwort auf das Standardwerk zur Theorie der Hexenlehre seines Rintelner Kollegen Hermann Goehausen Processus juridicus contra sagas et veneficos aus dem Jahre 1630. Die Universitäten Rinteln ("Academia Ernestina"), Rostock („Alma Mater Rostochiensis“) und Wittenberg („Leucorea“) waren die führenden akademischen Autoritäten gutachterlicher Begleitung während der Hexenprozesse. Die Spruchpraxis an den allgemeinen deutschen juristischen Fakultäten war recht unterschiedlich. Die juristischen Fakultäten der Universitäten Helmstedt („Academia Julia“) und Rinteln galten als „Hardliner“ in Sachen Hexenverfolgung.

Die Grafschaft Schaumburg wurde kurz vor Ende des Dreißigjährigen Krieges geteilt: der nördliche Landesteil kam zur Grafschaft Lippe, der südliche mit der Universität Rinteln fiel an Landgraf Wilhelm VI. von Hessen-Kassel. Bis 1665 war Rinteln Gemeinbesitz von Hessen-Kassel und Lippe. Unter Landgraf Wilhelm VI. wurde die Universität als lutherische Hochschule ausgebaut.

Im Jahre 1622 wurde Petrus Lucius (1590–1656) als Universitätsbuchdrucker an die Universität Rinteln bestellt. Zwischen 1627 und 1656 sind viele Leichenpredigten aus seiner Druckerei bekannt. 1639 und 1659 druckte er die Werke über Horaz von Andreas Heinrich Bucholtz. Bis zu seinem Tode stellte er seine Universitätsdrucke auch auf der Frankfurter Buchmesse aus, zuletzt ein Programm von 77 Büchern. Sein Sohn Anthonius Lucius (1635–1704) war ein bekannter Gelehrter seiner Zeit und wurde später, in der Zeit vom 4. April 1663 bis 1670, außerordentlicher Professor an der juristischen Fakultät in Rinteln.

Die Alma Ernestina in Rinteln dürfte nie mehr als 120 Hörer gehabt haben. Zudem ging die Zahl der Studenten nach der Gründung der Universität Göttingen weiter zurück. Mit dem Ende des Alten Reiches 1803/06 kam Rinteln unter die Verwaltung des napoleonisch kontrollierten Königreiches Westphalen unter König Jérôme Bonaparte, wo mit Marburg, Göttingen, Helmstedt und Halle weitere Universitäten bestanden. Der Verwaltungsreform des Jahres 1809 unter Minister Johannes von Müller fielen die Universitäten Rinteln und Helmstedt zum Opfer, und die Alma Ernestina wurde Ostern 1810[2] geschlossen.

Bauwerke[Bearbeiten]

Erhalten gebliebene Bauwerke:

  • Jakobi-Kirche, Kirchengebäude des Jakobsklosters, in dessen Räume die Universität im Jahr 1621 einzog
  • Universitätskommisse, diente als Gasthaus und Studentenwohnheim der „Academia Ernestina“.

Bekannte Professoren[Bearbeiten]

Bekannte Studenten[Bearbeiten]

Die Matrikellisten seit Gründung der Universität Rinteln sind in „Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte, 59. Heft, Die Studenten der Universität zu Rinteln, von August Worringer, Leipzig 1939“ sowie in „Schaumburger Studien, Heft 42 von Gerhard Schormann, Rinteln 1981, Rintelner Studenten des 17. und 18. Jh.“ aufgeführt. Sie sind unter anderem in der Stadtbücherei Rinteln und im Staatsarchiv Bückeburg vorhanden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Edward Schröder: Die Universität Rinteln, Rinteln 1927
  • Rudolf Feige: Das akademische Gymnasium Stadthagen und die Frühzeit der Universität Rinteln, Hameln 1956, ISBN B0000BHYOO
  • Willy Hänsel: Catalogus Professorum Rinteliensium: die Professoren d. Univ. Rinteln u. d. akad. Gymnasiums zu Stadthagen 1610–1810, Rinteln 1971, Schaumburger Studien Nr. 31
  • Gerhard Schormann: Aus der Frühzeit der Rintelner Juristenfakultät, Bückeburg 1977, ISBN 3924700060
  • August Woringer: Die Studenten der Universität zu Rinteln (Academia Ernestina), Mitteilungen der Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte 59, Leipzig 1939, Nachdruck Nendeln/ Liechtenstein 1980
  • Gerhard Schormann: Rintelner Studenten des 17. und 18. Jahrhunderts, Rinteln 1981 in: Schaumburger Studien Nr. 42, ISBN 3870850744
  • Gerhard Schormann: Academia Ernestina: Die Schaumburgische Universität zu Rinteln an der Weser 1618/21–1810, Braun-Elwert Marburg 1982, ISBN 3770807529

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herbert Kater: Die Statuten der Universität Rinteln/Weser 1621–1809. Lateinisch-deutsche Synopse mit ergänzenden Dokumenten als Sonderheft Einst und Jetzt 1992, S. 1-241.
  2. Friedrich Arnold Brockhaus (Hrsg.): Literarisches Conversations-Blatt für das Jahr 1823, Bd. 2, Brockhaus, Leipzig 1823, S. 1021

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Universität Rinteln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

52.1858222222229.0779583333333Koordinaten: 52° 11′ 9″ N, 9° 4′ 41″ O