Universität Witten/Herdecke

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Universität Witten/Herdecke
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Motto Witten wirkt.
Trägerschaft privat, gemeinnützige GmbH
Ort Witten
Bundesland Nordrhein-Westfalen
Staat Deutschland
Präsident Martin Butzlaff
Studenten 1734 WS13/14[1]
Mitarbeiter rund 450[2]
Jahresetat ca. 35 Mio. Euro[3]
Website www.uni-wh.de

Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) ist eine private, staatlich anerkannte Universität in der Stadt Witten im südöstlichen Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Sie wurde 1982 vom Land NRW anerkannt und nahm 1983 den Lehrbetrieb auf. Die UW/H hat in Witten zwei Standorte, die nordöstlich der Innenstadt im Stadtteil Annen liegen: Im Zentrum von Annen nutzt die Hochschule einen Altgebäudekomplex an der Stockumer Straße, u. a. das denkmalgeschützte ehemalige Annener Amtshaus. Der eigentliche Campus mit mehreren Neubauten befindet sich rund 1,5 km davon entfernt an der Alfred-Herrhausen-Straße am Rande des Gewerbegebiets im Wullen.

Der Bestandteil Herdecke im Namen der Universität geht zurück auf das Gemeinschaftskrankenhaus in der Wittener Nachbarstadt Herdecke. Es spielte bei der Gründung eine wesentliche Rolle und zählt heute zu den Gesellschaftern der Universität.

Hochschulprofil[Bearbeiten]

Die Universität Witten/Herdecke hat 1734 Studenten in drei Fakultäten:

Die Studienplätze werden in einem mehrstufigen Verfahren vergeben. In persönlichen Gesprächen wird die individuelle Eignung des Bewerbers festgestellt. Die Aufnahmekommissionen bestehen aus Vertretern der Hochschule (Professoren, Mitarbeiter, Studierende) und Externen (z. B. Personen aus Wirtschaft, Medien und Kultur) sowie Alumni.

Geschichte[Bearbeiten]

Universität Witten/Herdecke, Altbau des ehemaligen Amtshauses von Annen
Universität Witten/Herdecke Haupteingang Neubau, Campus im Gewerbegebiet Wullen
Universität Witten/Herdecke, Neubau Ost

Am Ende der 1970er Jahren schlossen sich einige Hochschullehrer, darunter Gerhard Kienle und Konrad Schily, die die damalige Entwicklung an anderen Universitäten als Stillstand sahen und die Qualität der Lehre anzweifelten im Rahmen der Freien Europäischen Akademie der Wissenschaften zusammen, um eine alternative, nichtstaatliche Universität zu gründen.

Als Gründungsgremium wurde 1980 der Universitätsverein Witten/Herdecke e. V. gegründet. Mit Bescheid vom 14. Juli 1982 erfolgte die staatliche Anerkennung, Gründungspräsident wurde Konrad Schily. Die Aufnahme des Studienbetriebs erfolgte am 30. April 1983 mit der Immatrikulation von 27 Studenten der Humanmedizin. 1984 nahmen die Fakultäten für Wirtschaftswissenschaft und Zahnheilkunde den Studienbetrieb auf. Die Bertelsmann Stiftung, Deutsche Bank, Krupp-Stiftung und Zeit-Stiftung waren am Aufbau des Hochschulmodells ideell und finanziell stark beteiligt. 1987 kam es zur Änderung der Rechtsform. Vom Universitätsverein wurden die Aktivitäten auf die gemeinnützige Private Universität Witten/Herdecke GmbH übertragen; im gleichen Jahr wurde das Hauptstudium Biochemie (Biowissenschaften) eingeführt. 1989 wurde die Gründungsphase offiziell beendet.

1998 wurde das Wittener Institut für Familienunternehmen gegründet.[4] Der Gründungspräsident Konrad Schily übergab sein Amt 1999 an Walther Christoph Zimmerli. Die UW/H wurde 2001 mit vollem Stimmrecht in die deutsche Hochschulrektorenkonferenz, sowie 2002 in die Landesrektorenkonferenz aufgenommen. Präsident der Universität Witten/Herdecke wurde im April 2005 Wolfgang Glatthaar. 2005 urteilte der Wissenschaftsrat, dass in der Medizinabteilung an der Universität erhebliche inhaltliche und strukturelle Schwächen in Lehre und Forschung bestehen.[5] Zu einem Entzug der Mediziner-Ausbildung kam es nicht. Eine von der UW/H vorgelegte Neukonzeptionierung der Humanmedizin wurde im Juli 2006 vom Wissenschaftsrat verabschiedet.[6]

Birger Priddat wurde im August 2007 als Präsident der Universität berufen. Priddat war bereits seit 1992 in Witten tätig, u. a. als Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft und als Inhaber des Lehrstuhls für Volkswirtschaft und Philosophie. Am 16. März 2009 wurde aufgrund von Finanzierungsproblemen (s.u.) ein neuer Gesellschaftervertrag unterzeichnet; neue Gesellschafter sind die Software AG-Stiftung, die Stiftung Private Universität Witten/Herdecke, die Initiative der Wirtschaft, die Alumni-Initiative und das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke. Sprecher der Gesellschafterversammlung wurde Horst Philipp Bauer (Vorstand der Software AG-Stiftung). Im Dezember 2009 wurde ein fünfköpfiger Aufsichtsrat bestehend aus Johannes Dichgans, Jörg Dräger, Rudolf Kösters, Peter Hommelhoff und Arnd Zinnhardt eingesetzt.[7]

Das Krankenhaus Köln-Merheim wurde 2010 Klinikum der Universität Witten/Herdecke.[8] Im April 2010 erfolgte die Gründung des "Reinhard-Mohn-Instituts für Unternehmensführung und Corporate Governance" (RMI). Ideen Reinhard Mohns zur Unternehmenskultur und -führung sollen in dem neu gegründeten Forschungsinstitut fortgeschrieben und weiterentwickelt werden.[9] Im Sommer 2010 verabschiedete die Universität ihre neue Grundordnung. In ihr ist "neben der Rechtsstellung und den Aufgaben der Universität vor allem auch die Organisation und Leitung in den Fakultäten und wissenschaftlichen Einrichtungen der Universität geregelt". Nach der Akkreditierung durch die Akkreditierungsagentur AQAS e. V. wurde der Masterstudiengang "Family Business Management (M.Sc.)" (Führung von Familienunternehmen) ab Oktober 2010 erstmals angeboten.[10] Zum Wintersemester 2010/11 führte die Universität Witten/Herdecke im Oktober 2010 den neuen Bachelorstudiengang Philosophie, Politik und Ökonomik (PPE) ein.[11]

Die beiden Fakultäten für Humanmedizin und für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde sowie das Institut für Pflegewissenschaften wurden im Oktober 2010 in einer neuen Fakultät für Gesundheit zusammengefasst, die aktuell aus den vier Departments für Humanmedizin, Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Psychologie und Psychotherapie sowie für Pflegewissenschaft besteht.[12] Im November 2010 kam es zu einer Verlängerung des Modellstudiengangs Humanmedizin bis zum Jahr 2018.[13]

Im Juli 2011 erfolgte eine Re-Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat für weitere sieben Jahre, und damit zwei Jahre länger, als das bei einem positiven Votum in der Regel der Fall ist. „Die Hochschule hat sich seit der Akkreditierung im Jahr 2005 insgesamt positiv entwickelt. Es ist ihr im Rahmen einer tief greifenden Restrukturierung zudem gelungen, ihre institutionelle Basis für eine auch künftig erfolgreiche Weiterentwicklung erkennbar zu verbessern“, so der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Wolfgang Marquardt.[14] Der Alumnus und ehemalige Finanzvorstand von DAX-Konzernen, Jan Peter Nonnenkamp übernahm zum 15. Oktober 2012 das Amt des Kanzlers von Michael Anders.

Finanzierung[Bearbeiten]

Als private Universität finanziert sich die Hochschule aus Studienbeiträgen, Spenden und Fördermitteln.[15] Die StudierendenGesellschaft Witten/Herdecke, ein von Studierenden geführter, gemeinnütziger Verein organisiert seit 1995 die elternunabhängige und sozialverträgliche Finanzierung des Studiums anhand des Umgekehrten Generationenvertrags.[16]

Mitte Dezember 2008 wurde jedoch bekannt, dass das Land Nordrhein-Westfalen der Universität für das Jahr 2008 und die Folgejahre keine Fördermittel mehr zur Verfügung stellt. Es monierte eine mangelhafte Geschäftsführung und das Fehlen eines seriösen Wirtschaftsplans bei der Universität.[17] Die für 2007 gezahlten Beträge wollte das Land zurückfordern.[18] Da bedingt durch die Wirtschaftskrise ein wichtiger Förderer abgesprungen war, drohte die Insolvenz der Universität.[17]

Am 23. Dezember 2008 konnte die Zahlungsfähigkeit zumindest über den Jahreswechsel hinaus durch den gemeinnützigen Verein zur Entwicklung von Gemeinschaftskrankenhäusern gesichert werden, die unmittelbare Insolvenz konnte dadurch abgewendet werden.[19] Am 22. Januar 2009 stellt die Uni ihr neues Finanzierungskonzept im Wissenschaftsministerium vor. Daraufhin sagte das Land erneut Fördermittel in Höhe von 4,5 Millionen Euro jährlich für 2008 bis 2013 zu.[20] Das mit dem Ministerium vereinbarte Restrukturierungsprogramm sieht eine Erhöhung der Studierendenzahlen und ihrer Studienbeiträge sowie eine Senkung der Verwaltungskosten vor.[17] Der Landeszuschuss läuft Ende 2013 aus.[21]

Zu Beginn des Jahres 2009 trat als neuer Hauptgesellschafter die Software AG - Stiftung dazu. Ebenfalls neu eingetretene Gesellschafter waren Alumni, Kuratoren, die StudierendenGesellschaft Witten/Herdecke, das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke und eine Unternehmerinitiative.[17] Witten/Herdecke e. V. gelang nach Eigenangabe der Universität 2009 die finanzielle Konsolidierung der Universität. Sowohl die Einhaltung des Restrukturierungsplans als auch die Bürgschaft der Software AG-Stiftung in Höhe von 10 Mio. Euro führten dazu, dass das Land NRW seine ausgesetzte Landesförderung wieder aufnahm und die in 2008 nicht ausgezahlten Fördermittel in 2009 und 2010 zusätzlich eingebracht hat.[22]

Fakultäten und Studiengänge[Bearbeiten]

Neubau des ZBZ im Wullen (Zahnmedizinisch-Biowissenschaftliches Forschungs- und Entwicklungszentrum Witten)
  • Fakultät für Kulturreflexion - Studium fundamentale
    • Philosophie, Kulturreflexion und kulturelle Praxis (Bachelor of Arts)
    • Philosophie und Kulturreflexion (Master of Arts)
    • Philosophie, Politik und Ökonomik (Bachelor of Arts)
    • Ethik und Organisation (Master of Arts, in Akkreditierung)
    • Doing Culture (Master of Arts, in Akkreditierung)

Forschung[Bearbeiten]

Forschungs- und Entwicklungszentrum (FEZ) an der Universität Witten/Herdecke

Die Universität Witten/Herdecke hat in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene Forschungsbereiche entwickelt:

  1. Integrative und Personalisierte Gesundheitsversorgung (Fakultät für Gesundheit)
  2. Besonderheiten von Familienunternehmen (Wittener Institut für Familienunternehmen (WIFU))
  3. Führung, Kultur und Ethik von Organisationen (Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung (RMI))

Professoren und Absolventen (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Universität Witten/Herdecke, Foyer im Neubau
  •  Heinrich Schoppmeyer: Witten. Geschichte von Dorf, Stadt und Vororten. Band 2, VOHM, Witten 2012, ISBN 978-3-00-040266-1, S. 317–320.
  • Michael Kruska: Die private Hochschule Witten/Herdecke. (Diplomarbeit von 1995) Diplomica, 1998, ISBN 3-8324-0580-1.
  • Gebaute Demokratie – Der Neubau der privaten Universität Witten/Herdecke. In: Kurt E. Becker, Peter Carl, Renate Hauser, Klaus Waltenbauer (Hrsg.): Forum Bauen und Leben. Band 10, München 1994.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Universität Witten/Herdecke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. uni-wh.de
  2. uni-wh.de
  3. uni-wh.de
  4. Wittener Institut für Familienunternehmen - Historie
  5. Wiwo: Witten-Herdecke am Tropf, 30. Mai 2006.
  6. Medizinerausbildung gesichert
  7. UW/H installiert Aufsichtsrat
  8. Moderner Dienstleister mit Tradition. Geschichte der Kliniken der Stadt Köln gGmbH. Kliniken der Stadt Köln, abgerufen am 4. März 2013.
  9. Uni Witten/Herdecke gründet Reinhard-Mohn-Institut
  10. Neuer Masterstudiengang Family Business Management
  11. Neuer Bachelorstudiengang Philosophie, Politik und Ökonomik
  12. hochschulkompass.de
  13. Universität Witten/Herdecke bleibt Modelluniversität
  14. Universität Witten/Herdecke erhält sehr gutes Zeugnis vom Wissenschaftsrat (PDF; 688 kB)
  15. Studenten sollen Finanzloch stopfen
  16. zeit.de
  17. a b c d n-tv: Studenten zahlen drauf: Uni Witten/Herdecke gerettet, 23. Januar 2009.
  18. Keine Landeszuwendung für die Private Universität Witten/Herdecke für das Jahr 2008 (Pressemitteilung des nordrhein-westfälischen Forschungsministeriums vom 17. Dezember 2008, Zugriff am 18. Dezember 2008)
  19. Pleite der Privatuni Witten offenbar abgewendet
  20. http://www.ftd.de/forschung_bildung/bildung/:Im-Namen-Gottes-Kirche-rettet-Uni-Witten/464833.html (Version vom 3. Februar 2009 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt
  21. Stefani Hergert: Unter neuer Führung. In: Handelsblatt. Nr. 240, 2012, ISSN 0017-7296, S. 25.
  22. Staatliche Förderung für die Universität Witten/Herdecke

51.4522677.357233Koordinaten: 51° 27′ 8″ N, 7° 21′ 26″ O