Universitätsbibliothek Heidelberg

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Universitätsbibliothek Heidelberg
Logo der Universitätsbibliothek Heidelberg
Gründung 1386
Bestand gesamt 6,11 Mio. Bände (davon 3,09 Mio. Bände UB)
Bibliothekstyp Universitätsbibliothek
Ort Heidelberg
Bibliothekssigel 16 UB HeidelbergVorlage:Infobox Bibliothek/Wartung/Sigel
ISIL DE-16
Website http://www.ub.uni-heidelberg.de/
Universitätsbibliothek Heidelberg, Hauptgebäude Altstadt

Die Universitätsbibliothek Heidelberg ist die Zentralbibliothek im Bibliothekssystem der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Als wissenschaftliche Universalbibliothek ist ihre Aufgabe die umfassende Literatur- und Informationsversorgung der Angehörigen der Universität Heidelberg (Baden-Württemberg). Gleichzeitig stellt sie Literatur und Information für andere Hochschulen in Heidelberg (Pädagogische Hochschule, Hochschule für Jüdische Studien) und für die Einwohner der Stadt und der Region bereit. Sie nimmt am deutschen und internationalen Leihverkehr teil.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Universitätsbibliothek gesehen von S/W, mit Blick auf die Einfahrt zur Tiefgarage in der Sandgasse und dem Portal der Bibliothek, dem Haupteingang, gegenüber der Peterskirche
Universitätsbibliothek Heidelberg, Innenhof, Dachgeschoss
Die Universitätsbibliothek Heidelberg aus der Vogelperspektive, gewährt auch einen Blick auf die Alte Universität und auf die Peterskirche

Die Universitätsbibliothek Heidelberg ist die älteste Universitätsbibliothek Deutschlands. Ihre Entstehung reicht in das Gründungsjahr der Universität Heidelberg 1386 zurück. Bereits im späten 14. und frühen 15. Jahrhundert entstanden im Bereich der Universität drei Bibliotheken: die Büchersammlung der Artistenfakultät, die der höheren Fakultäten und die der Stiftskirche (Heiliggeistkirche). Den Grundstock der Fakultätsbibliotheken bildeten fast ausschließlich Nachlässe von Professoren. Auch die Bibliothek der Stiftskirche stand für wissenschaftliche Studien zur Verfügung. Ihren entscheidenden Ausbau verdankte sie Kurfürst Ottheinrich (1556–1559). Er ließ die im Schloss aufgestellten Bücher in die Heiliggeistkirche bringen und bestimmte testamentarisch die endgültige Vereinigung der Bestände an diesem Ort. Damit legte er den Grundstein der Bibliotheca Palatina, die – ergänzt durch die reichhaltige Bibliothek Ulrich Fuggers – innerhalb weniger Jahrzehnte Weltruhm erlangte.

Nach der Eroberung Heidelbergs durch Tilly im September 1622 während des Dreißigjährigen Krieges schenkte der siegreiche Herzog Maximilian I. von Bayern die Bibliotheca Palatina Papst Gregor XV. Mehr als 3.500 Handschriften und ca. 13.000 Druckschriften wurden in den Vatikan nach Rom verbracht. Der Wiederaufstieg der Universitätsbibliothek begann mit der Reorganisation der Universität zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Zuweisung von Bibliotheken säkularisierter Klöster (Salem und Petershausen) legte hierfür den Grundstein. Bemühungen um die Rückgewinnung der Bibliotheca Palatina führten 1816 zu einem Teilerfolg: 847 deutsche Handschriften aus dem Vatikan und einige von dort zwischenzeitlich nach Paris abgegebene lateinische und griechische Werke kamen wieder nach Heidelberg. 1888 kehrte im Rahmen eines Tauschgeschäfts auch der auf Umwegen in die Königliche Bibliothek in Paris gelangte Codex Manesse nach Heidelberg zurück.

Pallas Athena mit Phrygischem Helm schmückt den Mittelrisalit der Universitätsbibliothek Heidelberg

Ende des 19. Jahrhunderts stand die Bibliothek erstmals unter der Leitung eines Berufsbibliothekars: Karl Zangemeister (1837–1902). In seiner Amtszeit wurde auch der Bibliotheksneubau begonnen. Das Gebäude wurde 1905 eröffnet und wird bis zum heutigen Tag genutzt. Architekt war der Karlsruher Oberbaudirektor Joseph Durm (1837–1919). Die figürlichen und ornamentalen Arbeiten an den Fassaden wurden von den Karlsruher Bildhauern Hermann Volz (1847–1941) und Hermann Binz (1876–1946) unter Beteiligung von Conrad Keller aus Wiesloch und weiterer Bildhauer ausgeführt. Die große, einen offenen Innenhof umschließende, vierflügelige Anlage wurde mit reich gegliederten Fassaden aus Sandstein versehen. Aufgrund des hohen Platzbedarfs teilte Durm die Anlage in zwei getrennte Funktionseinheiten, den Magazintrakt mit relativ einfach gehaltenen Fassaden und den architektonisch reich gestalteten, schlossartigen Verwaltungstrakt. Dieser nimmt mit seiner renaissancehaften Dekoration die Kleinteiligkeit der Heidelberger Altstadtarchitektur auf. Der mächtige, einst mit einem Kupferhelm bedeckte runde Eckturm an der Südostecke ist ein Zitat des oberhalb der Stadt liegenden Schlosses. Der Bau ist vom Stilpluralismus des Späthistorismus geprägt. Elemente der deutschen und französischen Renaissance werden mit der Formensprache des Jugendstils verbunden.

Seit 1978 versorgt eine Zweigstelle der Universitätsbibliothek im Neuenheimer Feld die dortigen naturwissenschaftlichen und medizinischen Institute. Sie wurde in den 1990er Jahren erweitert. 1988 erfolgte eine Teilrenovierung der Hauptbibliothek Altstadt. In den 1990er Jahren wurde das Tiefenmagazin für ca. 2 Mio. Bücher unter der Neuen Universität gebaut.

Die Oberbibliothekare bzw. (seit 1912) Direktoren der Universitätsbibliothek Heidelberg[Bearbeiten]

Bibliothekssystem[Bearbeiten]

Das Bibliothekssystem Heidelberg umfasst mit der Universitätsbibliothek (Hauptbibliothek Altstadt und Zweigstelle im Neuenheimer Feld) und den dezentralen Bibliotheken insgesamt 65 Bibliotheken und rund 175 Personalstellen. Das System ist nach dem Prinzip der funktionalen Einschichtigkeit strukturiert. Die Koordination und Organisation der dezentralen Bibliotheken liegt bei der Universitätsbibliothek als Zentralbibliothek. Der Gesamtbestand des Bibliothekssystems umfasst ca. 6 Mio. Medien; davon ca. 10.000 laufend gehaltene gedruckte Zeitungen und Zeitschriften, ca. 90.100 E-Journals im Volltext, ca. 2.820 Datenbanken und 398.900 E-Books im Universitätsnetz.

Bestand und Nutzung[Bearbeiten]

Die Universitätsbibliothek Heidelberg verfügt über einen Bestand von 3,09 Mio. Medien, davon ca. 980.000 Bände gedruckter Altbestand mit Erscheinungsjahr bis 1900, rund 6.800 Handschriften und über 490.000 Non-Book-Materialien. Der jährliche Zugang beträgt etwa 75.000 Medien. Im Jahr 2012 haben insgesamt ca. 40.000 aktive Benutzer über 1,7 Mio. Ausleihen aus dem Bestand der Universitätsbibliothek Heidelberg vorgenommen. Die Universitätsbibliothek stellt über 675 Lese- und Arbeitsplätze in der Hauptbibliothek Altstadt und über 270 Lese- und Arbeitsplätze in der Zweigstelle im Neuenheimer Feld bereit; darunter auch viele mit PCs ausgestattete EDV-Arbeits- bzw. Rechercheplätze. Es ist ein flächendeckendes WLAN vorhanden.

Handschriften, Alte Drucke und Rara[Bearbeiten]

Codex Manesse, Konrad von Altstetten

Die Universitätsbibliothek Heidelberg verfügt über eine Rara-Sammlung mit 6.800 Handschriften, 1.800 Inkunabeln, 110.500 Autografen sowie eine Sammlung alter Karten, grafischer Blätter, Zeichnungen und Fotografien. Die Ursprünge der Bibliotheca Palatina mit Handschriften des 9.-17. Jahrhunderts reichen bis in das Gründungsjahr der Universität 1386 zurück. Unter den Manuskripten hebt sich der Codex Manesse (Cod. Pal. germ. 848) hervor. Die Große Heidelberger Liederhandschrift entstand zwischen 1300 und 1340 in Zürich und ist die umfangreichste Sammlung mittelhochdeutscher Lied- und Spruchdichtung. Auf 426 Pergamentblättern enthält der Codex fast 6000 Strophen von 140 Dichtern. 137 Sängern ist eine ganzseitige Miniatur gewidmet.

Weiterhin im Bestand sind die überwiegend lateinischen Handschriften des 10. - 18. Jahrhunderts aus den Klosterbibliotheken Salem und Petershausen, die sogenannten Heidelberger Handschriften (hauptsächlich neuzeitliche Handschriften sowie eine Vielzahl von Autografen und Nachlässen), Handschriften aus dem Vermächtnis des Londoner Buchhändlers Nikolaus Trübner (Sammlung Trübner) sowie Urkunden, Inkunabeln und Alte Drucke. Die Grafische Sammlung enthält Ansichten und Porträts in Zeichnungen, Holzschnitten, Kupfer- und Stahlstichen, Radierungen und Fotografien.

Die Sondersammlungen werden durch ausführliche Beschreibungen in Spezialkatalogen erschlossen. Darüber hinaus stehen viele Handschriften, Inkunabeln und Rara in digitalisierter Form über das Internet zur Verfügung.

Elektronische Bibliothek[Bearbeiten]

Zur Mittagsstunde vor der Universitätsbibliothek

Die elektronische Bibliothek umfasst über 90.100 E-Journals im Volltext, ca. 2.820 Datenbanken und 398.900 E-Books.[1] Ein großer Teil der rund 6 Mio. Medien des Bibliothekssystems ist im Online-Katalog HEIDI erfasst. HEIDI basiert auf dem Open-Source-Framework Lucene und ist speziell auf die Anforderungen eines Bibliothekskatalogs zugeschnitten.

Die Universitätsbibliothek Heidelberg betreibt ein Digitalisierungszentrum. Auf speziell angefertigten Buchtischen (Grazer Buchtisch) werden Teile des historischen Bestandes digitalisiert. Der Schwerpunkt liegt auf der Digitalisierung der Bibliotheca Palatina. Alle 848 deutschsprachigen Palatinahandschriften sind als Online-Digitalisate frei im Internet zugänglich. Das Projekt wurde durch die Manfred-Lautenschläger-Stiftung gefördert.

Der Heidelberger Dokumentenserver HeiDOK ist eine Open-Access-Plattform, die den Angehörigen der Universität und der Pädagogischen Hochschule die Möglichkeit bietet, kostenlos im WWW zu publizieren. Das multimediale Archiv, das auf dem System EPrints basiert, ist DINI-zertifiziert. Auf Basis der Software Open Journal Systems ist es Mitarbeitern der Universität Heidelberg auch möglich, E-Journals zu erstellen und zu verwalten. Mit HeidICON stellt die Universitätsbibliothek eine zentrale Bilddatenbank für die Universität Heidelberg bereit. Sie dient als „virtuelle Diathek“ für die Institute und Einrichtungen der Universität.

Im Elektronischen Semesterapparat ESEM lassen sich Unterrichtsmaterialien, Referate und elektronische Versuche mit differenzierten Zugangsrechten ablegen. Gemeinsam mit dem Rechenzentrum der Universität Heidelberg und der Medizinischen Fakultät Mannheim betreibt die Universitätsbibliothek das E-Learning-Center mit der elektronischen Lernplattform Moodle.

Sondersammelgebiete[Bearbeiten]

Treppenhaus der Universitätsbibliothek

Die Universitätsbibliothek Heidelberg betreut im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten, kooperativen Systems der überregionalen Literatur- und Informationsversorgung die Sondersammelgebiete (SSG) Ägyptologie, Klassische Archäologie, Europäische Kunstgeschichte bis 1945 und Allgemeine Kunstwissenschaft sowie Südasien. Die Bibliothek hat zur Aufgabe, für die betreuten Fachbereiche die deutsche und ausländische wissenschaftliche Literatur möglichst vollständig zu sammeln, zu erschließen und über die Fernleihe zur Verfügung zu stellen. Ziel ist, dass von jeder wissenschaftlichen Publikation (in Printmedien, E-Medien oder Mikroformen) mindestens ein Exemplar in Deutschland zugänglich ist.

Für ihre Sondersammelgebiete bietet die Universitätsbibliothek Heidelberg DFG-geförderte Virtuelle Fachbibliotheken. Ziel ist der Nachweis von wissenschaftlicher Fachinformation ohne Medienbruch – und, wenn möglich, der direkte Zugang hierzu. Ein Element stellt die Metasuche über fachliche Spezialkataloge und Datenbanken dar. Die Fachinformationsführer erschließen fachlich relevante und qualitativ hochwertige Internetquellen. Historische Sammlungen werden sukzessive digitalisiert und frei über die Fachportale angeboten. Alle drei Virtuelle Fachbibliotheken bieten fachliche Publikationsplattformen. Die Universitätsbibliothek Heidelberg ist Mitglied von Vascoda.

Portal der Universitätsbibliothek, die beiden Monumentalskulpturen rechts und links der Säulen, die optisch die beiden schmiedeeisernen Türflügel fassen, sind ein Werk des Bildhauers Conrad Keller, sie stellen den an die linke Säule gefesselten Prometheus mit dem Adler dar und an die rechte Säule gelehnt die Weisheit, verkörpert in Schleier gehüllter jungfräulicher Gestalt, den zu ihren Füßen ruhenden Knaben belehrend

Ausstellungen[Bearbeiten]

Laufende Ausstellungen:

  • Skriptorium: Die Arbeitstechniken in mittelalterlichen Skriptorien (Schreibstuben), die Gewinnung von Farb- und Bindemitteln, die verwendeten Schreibgeräte und die Herstellung von Pergament werden in anschaulich gestalteten Vitrinen und Schautafeln gezeigt.

Virtuelle Ausstellung:

  • Der Codex Manesse und die Entdeckung der Liebe
  • Löwen, Liebstöckel und Lügensteine. Illustrierte Naturbücher seit Konrad von Megenberg
  • "Den Neubau einer Universitätsbibliothek betreffend ..." Josef Durm und die Universitätsbibliothek Heidelberg 1905-2005

Literatur[Bearbeiten]

Geschichte
  • Joseph Durm: Die neue Universitätsbibliothek in Heidelberg. In: Zeitschrift für Bauwesen 62, 1912, S. 533–544. (Digitalisat des Bands: urn:nbn:de:kobv:109-opus-91740, dazu Abbildungen im Bildatlas urn:nbn:de:kobv:109-opus-91782).
  • Hildegard Müller: Die Universitätsbibliothek Heidelberg im Dritten Reich. In: Ingo Toussaint (Hrsg.): Die Universitätsbibliotheken Heidelberg, Jena und Köln unter dem Nationalsozialismus. Saur, München 1989. (Beiträge zur Bibliothekstheorie und Bibliotheksgeschichte, 3) S. 11-89. ISBN 3-598-10858-3
  • Aus den Tresoren der ältesten deutschen Universitätsbibliothek. Baugeschichte der Bibliothek, Heidelberg in alten Stadtansichten, Faksimilia, Originalhandschriften und Drucke. Eine Ausstellung aus Anlaß des 90jährigen Bestehens des Durmschen Bibliotheksgebäudes in der Plöck in Verbindung mit der 800-Jahrfeier der Stadt Heidelberg. Begleitheft zur Ausstellung vom 07.11.1995 bis 31.08.1996. Heidelberg 1995. (Heidelberger Bibliotheksschriften, 51) ISBN 3-927705-20-9
Ausstellungskataloge
  • Die Romantik in Heidelberg. Ein Knab auf schnellem Roß. Bearbeitet von Armin Schlechter unter Mitwirkung von Martina Rebmann. Winter, Heidelberg 2006. ISBN 3-8253-5202-1
  • Himmlisches in Büchern. Astronomische Schriften und Instrumente aus sechs Jahrhunderten, hrsg. von Maria Effinger und Joachim Wambsganß mit Beiträgen von Immo Appenzeller, Reinhold Bien, Herbert Hefele, Margit Krenn, Robert W. Schmidt und Karin Zimmermann. Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 2009 (Schriften der Universitätsbibliothek Heidelberg, Band 10) ISBN 978-3-8253-5681-1
  • Löwen, Liebstöckel und Lügensteine: Illustrierte Naturbücher seit Konrad von Megenberg, hrsg. von Maria Effinger und Karin Zimmermann unter Mitarbeit von Margit Krenn. Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 2009 (Schriften der Universitätsbibliothek Heidelberg, Band 9) ISBN 978-3-8253-5591-3
  • Der Codex Manesse und die Entdeckung der Liebe, hrsg. von Maria Effinger, Carla Meyer und Christian Schneider unter Mitarbeit von Andrea Briechle, Margit Krenn und Karin Zimmermann, Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 2010 (Schriften der Universitätsbibliothek Heidelberg, Band 11), ISBN 978-3-8253-5826-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Universitätsbibliothek Heidelberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktualisierung der Angaben finden sich auf der Website der UB Heidelberg. Zuletzt abgerufen am 31. März 2014.

49.4097222222228.7058333333333Koordinaten: 49° 24′ 35″ N, 8° 42′ 21″ O