Universitäts- und Landesbibliothek Tirol

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Universitäts- und Landesbibliothek Tirol
Logo der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol
Gründung 22. Mai 1745
Bestand 3,5 Millionen
Bibliothekstyp Universitäts- und Landesbibliothek
Ort Innsbruck
Bibliothekssigel Universitäts- und Landesbibliothek TirolVorlage:Infobox Bibliothek/Wartung/Sigel
Website http://www.uibk.ac.at/ulb/
Hauptgebäude am Innrain

Die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol (ULB) ist die größte wissenschaftliche Bibliothek Westösterreichs, für Tirol besitzt sie auch das Pflichtexemplar-Recht. Sie bildet einen Teil der Leopold-Franzens-Universität und der Medizinischen Universität Innsbruck. Die ULB besteht aus der Hauptbibliothek und den Fach- bzw. Fakultätsbibliotheken für Baufakultät, Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Theologie, Medizin, Atrium (Altertumswissenschaften), Chemie und dem Magazin Bachlechnerstraße. Die Universitätsbibliothek fungiert als Landesbibliothek für Tirol, ist für die Öffentlichkeit zugänglich und betreut ihre etwa 150.000 Leser kostenlos.

Bestand[Bearbeiten]

Der Gesamtbestand der Hauptbibliothek und aller Fach- und Fakultätsbibliotheken umfasst 3,5 Millionen Bücher, 5.673 abonnierte gedruckte Zeitschriften, 17.200 lizenzierte E-Journals und Zeitungen und 90 Online Datenbanken (Stand Dezember 2011). Mit 160.000 Bänden befindet sich die größte Sammlung von Tirolensien an der ULB-Tirol.

Lesesaal

Geschichte[Bearbeiten]

Anton Roschmann

Am 22. Mai 1745 wurde die Universitätsbibliothek Innsbruck durch einen Erlass von Maria Theresia gegründet. Als „Bibliotheca publica" versorgte sie nicht nur Universitätsangehörige mit Literatur, sondern war bereits damals öffentlich zugänglich. Anton Roschmann (1694–1760), der erste Bibliothekar, hatte jahrelang um die neue Bibliothek gerungen. Die Universität Innsbruck, bereits 1669 durch Kaiser Leopold I. gegründet, war zuvor schwach mit Büchern ausgestattet gewesen. Daher setzte sich Roschmann dafür ein, dass einer neuen Bibliothek die Bestände des Schloss Ambras und der Innsbrucker Hofburg überschrieben werden sollten. Die feierliche Eröffnung der Bibliothek fand schließlich am 2. Juli 1745 statt.

1924 übersiedelte die Bibliothek von der Universitätsstraße in den Neubau am Innrain, in dem bis heute die Hauptbibliothek untergebracht ist und der von 1964 bis 1967 baulich erweitert wurde. Durch die Gründung der Baufakultätsbibliothek 1969 begann eine Dezentralisierung. Weitere Fach- und Fakultätsbibliotheken folgten. Durch das „Universitätsorganisationsgesetzes 1975“ wurde festgelegt, dass sämtliche an der Universität vorhandene Literatur den Gesamtbestand der Universitätsbibliothek bildet und dass Fach- und Fakultätsbibliotheken Abteilungen der Universitätsbibliothek sind. Im Zuge der Neuaufstellungen der Universitäts- und Landesbibliothek und des Neubaus eines Lesesaals wurde ein Großteil der Fach- und Fakultätsbibliotheken in den Bestand der Universitätsbibliothek integriert und weitgehend von Präsenzbibliotheken in Magazinbestände umgestellt, was gerade bei den betroffenen Wissenschaftlern zum Teil auf harsche Kritik stieß.

Seit einer Kooperationsvereinbarung zwischen Land Tirol und der Leopold-Franzens-Universität im Jahre 2007 führt die Bibliothek den Namen ULB. Nach dieser Vereinbarung unterstützt das Land Tirol nach Maßgabe der zur Verfügung stehenden Mittel aktiv die Rolle der Universitätsbibliothek als Landesbibliothek.

Direktoren[Bearbeiten]

  • 1878 bis 1905: Ludwig Hörmann von Hörbach
  • 1923 bis 1933: Heinrich Pogatscher
  • 1933 bis 1950: Rudolf Flatscher
  • 1951 bis 1966: Josef Hofinger
  • 1967 bis 1990: Oswald Stranzinger
  • 1991 bis 1998: Walter Neuhauser
  • seit 1999: Martin Wieser

Sondersammlungen[Bearbeiten]

Die Abteilung für Sondersammlungen betreut die handschriftlichen und gedruckten Bestände vor 1800, darunter beispielsweise 1.067 Handschriften und 2.122 Inkunabeln. Die älteste Handschrift ist das "Innicher Evangeliar" (um 900), die berühmteste Oswalds von Wolkenstein Liederhandschrift B (1432). 2005 wurde ein Pergamentcodex (um 1300) entdeckt, der rund 200 Abschriften von Briefen und Mandaten des römisch-deutschen Kaisers Friedrich II., seines Sohnes Konrad IV. und anderer Persönlichkeiten des 13. Jahrhunderts enthält. Rund 130 Dokumente daraus waren der Wissenschaft vorher noch nicht bekannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Anton Hittmair: Geschichte der k. k. Universitätsbibliothek Innsbruck. In: Zeitschrift des Ferdinandeums. NF 54 (1910), S. 1-164.
  • Josef Hofinger: Der Erweiterungsbau der Universitätsbibliothek Innsbruck 1964-1967. In: Biblos 19 (1970), S. 180-183.
  • Dietmar Schuler: Die Universitätsbibliothek Innsbruck und ihr Personal im Jahrzehnt vor 1914. Innsbruck, 1988.
  • Walter Neuhauser / Eva Ramminger / Sieglinde Sepp (Hrsg.): Vom Codex zum Computer. 250 Jahre Universitätsbibliothek Innsbruck. Innsbruck 1995.
  • Heinz Hauffe: Chronik der Universitätsbibliothek Innsbruck 1991-1998. In: Heinz Hauffe / Eva Ramminger / Maria Seißl / Sieglinde Sepp (Hrsg.): Kulturerbe und Bibliotheksmanagement. Festschrift für Walter Neuhauser zum 65. Geburtstag. Innsbruck 1998 (Biblos-Schriften 170), S. 23-36.
  • Ursula Partoll: „Ex dono P. Georgij Kern, Collegij Societatis Jesu Oenipontani 1616“. Die Bücherschenkung von Pater Georg Kern SJ an das Innsbrucker Jesuitenkolleg in der Universitätsbibliothek Innsbruck. In: Tiroler Heimatblätter 74. 1999.
  • Mairhofer, Daniela / Neuhauser, Walter / Rossini, Michaela / Schretter, Claudia: Schreiber, Schriften, Miniaturen. Mittelalterliche Buchschätze aus Tirol. Tyrolia, Innsbruck 2006. (Tiroler Kulturgüter) ISBN 3-7022-2719-9
  • Projekt: ULB - Universitäts- und Landesbibliothek Tirol, Leopold-Franzens-Universität Innsbruck: Architektur, Kunst & Bau. Universitäts- und Landesbibliothek Tirol, Innsbruck Bundesimmobiliengesellschaft, Wien; Wien 2009

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Universitäts- und Landesbibliothek Tirol – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.26361111111111.385555555556Koordinaten: 47° 15′ 49″ N, 11° 23′ 8″ O