Universitätsklinikum Aachen

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Universitätsklinikum Aachen
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Ort Aachen
Bundesland Nordrhein-Westfalen
Koordinaten 50° 46′ 35″ N, 6° 2′ 37″ O50.7763888888896.0436111111111Koordinaten: 50° 46′ 35″ N, 6° 2′ 37″ O
Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor Thomas Ittel
Betten 1297 [1]
Mitarbeiter 4667 VK (2008)
davon Ärzte 900 (2008)
Fachgebiete 33 (2008)
Zugehörigkeit RWTH Aachen
Gründung 1966
Website www.ukaachen.de
Universitätsklinikum Aachen
Universitätsklinikum Aachen
Foyer des Universitätsklinikums
Christoph 3 landet auf dem Hubschrauberlandeplatz
Hubschrauberlandeplatz in der Abenddämmerung

Das Universitätsklinikum Aachen AöR (in der Außendarstellung seit 2013 Uniklinik RWTH Aachen[2]) ist das Universitätsklinikum der RWTH Aachen. Es befindet sich in einem der größten Krankenhausgebäude Europas im Westen Aachens im Stadtteil Laurensberg, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Vaals in den Niederlanden. 5.658 Mitarbeiter in 33 Kliniken und 25 Instituten versorgten im Jahre 2008 insgesamt 44.768 Patienten stationär und 225.727 Patienten ambulant. Die Personalausgaben betrugen 2008 rund 239,6 Millionen Euro und die Materialaufwendungen 93,6 Millionen Euro.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Aus den Städtischen Krankenanstalten Aachens ging 1966 die Medizinische Fakultät der RWTH Aachen mit dem Universitätsklinikum hervor. Das Gelände des alten Klinikums an der Aachener Goethestraße war zwar weitläufig, aber die meisten Abteilungen waren in Pavillons untergebracht. Der knappe Raum und die rasch steigenden Patientenzahlen erforderten einen Neubau im Stadtteil Melaten, der von den Aachener Architekten Weber & Brand entworfen und 1971 begonnen wurde. Nach dem schrittweise erfolgten Bezug ab 1984 fand am 21. März 1985 die feierliche Einweihung statt. Seitdem sind in einem Gebäude Lehre, Forschung und Krankenversorgung untergebracht. Die Gesamtbaukosten des Klinikums mit 1600 Betten und 52 Operationssälen betrugen 2,06 Milliarden DM (ca. 1,05 Milliarden Euro), im Jahr 1971 waren 571 Millionen DM (ca. 292 Millionen Euro) angenommen worden.[4] Die Pavillons des alten Klinikums wurden abgerissen, die Kellerräume zugeschüttet und ein Park errichtet.

Anfang 1984 warf der Bundesrechnungshof der Landesregierung Versäumnisse bei Leitung und Kontrolle des Bauvorhabens vor. So forderte dieser einen Stopp der Bundesbeteiligung über die vereinbarten 1,7 Milliarden DM und die Prüfung möglicher Regressansprüche an das Land. Das Land Nordrhein-Westfalen wiederum erhob Vorwürfe gegen den Bauträger wegen unzulänglicher Planungen und setzte eine Untersuchungskommission des Landtages ein.

Gebäude[Bearbeiten]

Das Hauptgebäude, eine Stahlbetonskelettkonstruktion, hat eine Länge von 257 m und eine Breite von 134 m und ist durch 24 Treppenhausschächte mit 54 m Höhe vertikal erschlossen. Die Treppenhausschächte ragen 9 m aus den achtgeschossigen Gebäudeteilen hinaus.[Anm. 1] Das Tragwerk ist nach allen Seiten erweiterbar und besitzt größtenteils eine Tiefgründung mit Bohrpfählen. Die Nettonutzfläche beträgt 130.000 m². Das benachbarte zweigeschossige Versorgungsgebäude hat Grundrissabmessungen von 95 m Länge und 131 m Breite bei einer Höhe von 12 m. Am 1. September 1971 wurde mit den Rohbauarbeiten begonnen, die Ende 1973 abgeschlossen waren. Die Treppenhauskerne wurden zuerst mit Ortbeton und Gleitschalung hergestellt, die restlichen Bauteile waren Fertigteile. Es war zeitweise die größte Baustelle Europas.

Die Optik des Gebäudes ist sowohl äußerlich als auch im Innenbereich ungewöhnlich. Die Farbgebung von Bodenbelägen, Türen und Wandelementen ist fast durchgehend in Grün-, Silber- und Gelbtönen gehalten und an den Decken verlaufen die Versorgungsmedien (Heizung, Lüftung etc.) meist unverkleidet.

Durch die sichtbare Gebäudetechnik, in Verbindung mit der ebenfalls sichtbaren Struktur einer Stahlbetonskelettbauweise, wird das Aachener Klinikum als Vertreter der sogenannten „technischen Moderne“ gesehen, wie auch das Centre Georges Pompidou in Paris.[5] Wegen seines architektonischen Entwurfsprinzips der Wiederholung gleichförmiger Baustrukturen ist das Gebäude auch in den Kontext des Strukturalismus einzuordnen. Das Klinikum steht als „bedeutendstes Zeugnis der High-Tech-Architektur in Deutschland“ seit Ende November 2008 unter Denkmalschutz.[6] Das Gebäude muss als Krankenhaus und Medizinische Fakultät ständig den technischen Anforderungen angepasst werden. Insbesondere den markanten Lüftungsrohren an den Fahrstuhlschächten droht bei einem Rückbau der Klimaanlage die Demontage. Außerdem müssten die Fenster des bislang vollklimatisierten Gebäudes ausgetauscht werden.

Zwischen 2007 und 2012 wurde eine grundlegende Sanierung und Neustrukturierung des Pflegebereiches (Etagen 7–9) der jeweils westlichen zwei Gebäudezähne (Flure 1 und 2 sowie Flure 19 und 20) durchgeführt. Nach zwei Bauabschnitten wurden die Bauarbeiten Ende 2012 abgeschlossen, ohne die weiteren geplanten vier Bauabschnitte (in jeweils südlicher Richtung) zu beginnen. Zurzeit plant die neu gegründete UKAfacilities GmbH ein Sanierungssystem, bei dem nur jeweils ein Flur saniert werden soll, um die Bettenkapazität während der Arbeiten nicht so stark reduzieren zu müssen, wie es im zahnweisen Umbau erforderlich gewesen war.

Am 5. Mai 2010 wurde der Neubau eines Hubschrauberlandeplatzes unmittelbar vor dem Hauptgebäude begonnen. Von der Landeplattform in etwa fünfzehn Metern Höhe können Patienten ohne Zuhilfenahme sekundärer Transportmittel über einen Schrägaufzug direkt in die Notaufnahme des Krankenhauses transportiert werden.[7] Der neue Landeplatz wurde am 9. Juli 2011 im Rahmen eines Tag der offenen Tür eingeweiht, bei dem Besucher auch die Plattform betreten durften. Der Regelflugbetrieb startete am 3. August 2011 in den Morgenstunden mit einem Patiententransport durch Christoph Europa 1.

Sonstiges[Bearbeiten]

Das Klinikum hat eine eigene Großempfänger-Postleitzahl: 52057.

2007 wurden Planungen bekannt, wonach das Klinikum Aachen mit dem Universitätskrankenhaus in Maastricht zu einem Uniklinikum Aachen-Maastricht fusionieren will. Es wäre dann das erste Europa-Krankenhaus.[8]

Anfang 2005 begannen Dreharbeiten von RTL in der Klinik für eine tägliche Doku-Soap mit dem Titel Unsere Klinik – Ärzte im Einsatz. Dabei wurden Ärzte, Pflegepersonal und Patienten bei ihrer Arbeit und ihrem Aufenthalt im Universitätsklinikum Aachen mit der Kamera begleitet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Godehard Hoffmann: Das Klinikum in Aachen, bedeutendstes Zeugnis der High-Tech-Architektur in Deutschland. In: Denkmalpflege im Rheinland, Jg. 17, Nr. 4, 2000, S. 154-161.
  • Godehard Hoffmann: High-Tech wird denkmalwert - Universitätsklinikum Aachen in die Denkmalliste eingetragen. In: Denkmalpflege im Rheinland, Jg. 26, Nr. 2, 2009, S. 68-72.
  • Godehard Hoffmann: Universitätsklinikum der RWTH Aachen - High-Tech-Architektur für ein Krankenhaus. In: Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege 40/41, Worms 2009 S. 31-48.
  • Michael Kasiske: Farbstudien in Aachen. In: Bauwelt, Heft 26-27.10, 101. Jg., 16. Juli 2010, S. 12-19 - Wandlungen im Krankenhaus: Die blutroten Gerüste und schwefelgelben Ringelrohre als Symbolik einer hochtechnisierten Maximalversorgung der Patienten stehen seit 2008 unter Denkmalschutz. Innen bekommt das Klinikum Aachen nach 25 Jahren ein neues Gesicht.
  • Lothar Mayer: Medizinische Fakultät Aachen. In: Der Bauingenieur, Heft 5, Jg. 1973, S. 153–168.
  • Ekkehard Winn: Das Klinikum Aachen. Baugeschichte und Analyse. Magisterarbeit, Uni Köln, 2005.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jahresbericht 2008
  2. 25. April 2013: Neue Marke - „Klinikum“ präsentiert sich künftig als Uniklinik RWTH Aachen
  3. Jahresbericht 2008
  4. RWTH-Alumni 2006, Seite 30
  5. „Baukunst-NRW“ - Internetführer zu Architektur und Ingenieurbaukunst in Nordrhein-Westfalen
  6. Presseinformation 087/2008 der Bezirksregierung Köln: Aachener Klinikum wird unter Denkmalschutz gestellt Weltweit bedeutendes Gebäude der High-Tech-Architektur
  7. Der Bau des neuen Hubschrauber-Landeplatzes vor dem UKA hat begonnen – Pressemitteilung, 4. Mai 2010
  8. Der Plan für ein Uniklinikum Aachen-Maastricht – Presseecho

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. In einem 16-seitigen Fachartikel von Lothar Mayer über den Rohbau finden sich keine Aussagen über eine Verminderung der ursprünglich geplanten Stockwerkanzahl nach Fertigstellung der Fahrstuhlschächte.(Lothar Mayer: Medizinische Fakultät Aachen. In: Der Bauingenieur, Heft 5, Jg. 1973, S. 153–168)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Universitätsklinikum Aachen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien