Universitätsklinikum Leipzig

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Universitätsklinikum Leipzig
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Trägerschaft Anstalt des öffentlichen Rechts
Ort Leipzig
Bundesland Sachsen
Koordinaten 51° 19′ 47,4″ N, 12° 23′ 19,2″ O51.32983333333312.388666666667Koordinaten: 51° 19′ 47,4″ N, 12° 23′ 19,2″ O
Medizinischer Vorstand Wolfgang E. Fleig
Versorgungsstufe Krankenhaus der Maximalversorgung
Betten 1.350 (vollstationär)
101 (teilstationär)
Mitarbeiter 3735 (2012)[1]
davon Ärzte 450
Zugehörigkeit Universität Leipzig
Gründung 1415
Website www.uniklinikum-leipzig.de
Zentrum für Frauen- und Kindermedizin - Liebigstraße 20a

Das Universitätsklinikum Leipzig ist eine der traditionsreichsten Universitätskliniken Deutschlands und mit 1.350 Betten und rund 4.300 Mitarbeitern (inklusive der Medizinischen Fakultät) in 26 Kliniken und Polikliniken, sieben Instituten und elf Abteilungen das größte Krankenhaus Leipzigs.[2][3] Derzeitiger Medizinischer Vorstand ist Wolfgang E. Fleig, derzeitiger Dekan der medizinischen Fakultät Michael Stumvoll.

Standorte[Bearbeiten]

Hörsaal für Anatomie der Medizinischen Fakultät - Liebigstraße 13
Tafel über dem Eingang zur Anatomie

Die meisten Einrichtungen des Universitätsklinikums befinden sich in einem eigenen Gelände südöstlich des Stadtzentrums im Stadtteil Zentrum-Südost - dem Medizinischen Viertel oder Klinikviertel an der Liebigstraße. Begrenzungen bilden die Johannisallee, die Sternwartenstraße, die Nürnberger Straße und die Philipp-Rosenthal-Straße. Die Kliniken sind mit dem städtischen Nahverkehr der LVB über die Haltestellen Bayrischer Platz, Ostplatz und Johannisallee sowie den S-Bahnhalt Bayerischer Bahnhof zu erreichen. Weitere Standorte sind unter anderem die Semmelweisstraße und die Härtelstraße.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Medizinische Fakultät der Universität Leipzig wurde 1415 gegründet, wenige Jahre nach der Gründung der Universität selbst im Jahre 1409. Wie an allen europäischen Universitäten wurde das medizinische Wissen zunächst rein theoretisch verbreitet. Der erste Schritt zur modernen wissenschaftlich fundierten Medizin wurde 1704 mit der Einrichtung des ersten anatomischen Theaters (Theatrum anatomicum) durch Johann Christian Schamberg vollzogen. 1799 wurde das „Institut für den klinischen Unterricht“ im Jakobshospital gegründet, in dem erstmals auch Patientenuntersuchungen, chirurgische Demonstrationen und Sezierübungen stattfanden. Johann Christian August Heinroth wurde 1811 auf den weltweit ersten Lehrstuhl für „psychische Therapie“ (Psychiatrie) berufen. Der heutige Hauptstandort der medizinischen Fakultät in der Liebigstraße wurde 1871 durch Carl Reinhold August Wunderlich und Carl Thiersch als „Städtisches Krankenhaus zu St. Jakob“ begründet. 1897 wurde mit dem „Roten Haus“ das Wahrzeichen des medizinischen Viertels eingeweiht. In der Zeit von ca. 1880 bis zum Zweiten Weltkrieg erlebte die Medizin an der Universität Leipzig ihre größte Blüte. Leipzig gehörte in jener Zeit mit Forschern wie Paul Flechsig, Carl Ludwig und Wilhelm His zu den ersten wissenschaftlichen Lehr- und Arbeitsstätten der Welt. Im Zweiten Weltkrieg wurden große Teile des medizinischen Viertels zerstört. Mit dem Institut für Anatomie wurde 1956 der erste Nachkriegsneubau eröffnet; auch alle weiteren Institute wurden nach und nach wieder aufgebaut. 1953 ging das Krankenhaus St. Jakob an die Universität über. Dei 1953 gegründete Abteilung für stationäre Psychotherapie und Psychosomatik war eine der ersten in Deutschland. Seit 1990 sind fast alle Kliniken und Institute neu gebaut oder komplett saniert worden. Das Klinikum, das 1961 die erste Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie in Europa gründete, besitzt jedoch keine eigene Herzchirurgie mehr, da entsprechend einem Vertrag zwischen Freistaat und der Rhön-Klinikum AG seit 1994 das private Herzzentrum Leipzig im Stadtteil Probstheida als Universitätsklinikum fungiert. Bis zur Eröffnung des Zentrums für Konservative Medizin im November 2008 wurden am Standort Liebigstraße rund 350 Millionen Euro investiert. Bis etwa Mitte 2009 zogen alle Abteilungen aus dem alten Bettenhaus in die Klinikneubauten.

Seit Mitte 2009 ausgedientes Bettenhaus - Liebigstraße 22

Das 1984 in Einheitsbauweise errichtete Bettenhaus wurde 2013 abgerissen, auf der frei werdenden Fläche sollen später neue Klinikbauten entstehen.[4]

Krankenbehandlung[Bearbeiten]

Es handelt sich um ein Krankenhaus der Maximalversorgung. Es verfügt über 1.350 vollstationäre und 101 teilstationäre Betten. 2008 wurden ca. 326.000 Patienten ambulant, 49.000 vollstationär und 2.300 teilstationär behandelt. Der Nutzungsgrad der vollstationären Betten lag bei 88 Prozent. Die durchschnittliche Verweildauer je Patient betrug 7,7 Tage.[2] 2012 wurden 52.088 Patienten stationär und 311.235 ambulant behandelt. Die stationäre Behandlung dauerte im Schnitt 7,41 Tage. Der Umsatz lag bei 336 Millionen Euro.[1] Das Klinikum besitzt mehrere zertifizierte Behandlungseinheiten: Die größte sächsische Stroke Unit (12 Betten)[5], ein Darmkrebszentrum [6] und eines der ersten Hautkrebszentren Deutschlands.[7][8] Die José Carreras Transplantationseinheit an der Abteilung für Hämatologie und Internistische Onkologie ist eine der bekanntesten Fördermaßnahmen der Deutschen José Carreras Leukämie-Stiftung.

Forschung[Bearbeiten]

Forschungsschwerpunkte des Universitätsklinikums sind die Neurowissenschaften, Endokrinologie, Immunologie, molekulare Onkologie und die Psychosoziale Medizin. Es bestehen Kooperationen zu einer Reihe von ansässigen Forschungsinstituten wie dem Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, dem Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie, dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ und Unternehmen der Bio City Leipzig.

Blutbank[Bearbeiten]

1962 wurde das Bezirksinstitut für Blutspende- und Transfusionswesen gegründet, das 1991 mit dem universitären Blutspendedienst zum heutigen Institut für Transfusionsmedizin fusionierte. 2002 wurde die Marke Blutbank eingeführt, um das Institut von anderen Blutspendediensten abzugrenzen. Mit derzeit 92 Mitarbeitern verfügt es über zwei Institutsstandorte im Klinikviertel (Mitte) und am Klinikum St. Georg in Eutritzsch (Nord) sowie über zwei Zweigstellen in Grünau und in Paunsdorf. Weiterhin finden jährlich etwa 160 Außentermine in der Region statt. Die Blutbank als größte universitäre Einrichtung für Transfusionsmedizin in Deutschland sammelt jährlich 55.000 Vollblutspenden, 12.000 Plasmaspenden und 5.400 Thrombozytenspenden.[9][2]

Übersicht der Kliniken und Institute[Bearbeiten]

Die Kliniken, Institute und Abteilungen des Universitätsklinikums Leipzig sind in sieben Departments organisiert.[3]

Institut für Pathologie

Department für Diagnostik[Bearbeiten]

Department für Bildgebung und Strahlenmedizin[Bearbeiten]

Operatives Zentrum (vorn) und Zentrum für Konservative Medizin (hinten) - Liebigstraße 20

Department für Innere Medizin, Neurologie und Dermatologie[Bearbeiten]

Department für Operative Medizin[Bearbeiten]

Department für Frauen- und Kindermedizin[Bearbeiten]

Department für Psychische Gesundheit[Bearbeiten]

Department für Kopf- und Zahnmedizin[Bearbeiten]

Zahnklinik, 2012 eröffnet

Organspende-Skandal[Bearbeiten]

Anfang Januar 2013 wurde bekannt, dass es bei der Vergabe von Spendeorganen in den Jahren 2010 und 2011 an der Leipziger Klinik zu Unregelmäßigkeiten gekommen war. Die Untersuchungskommission der Bundesärztekammer und die Innenrevision der Klinik stellten fest, dass im Rahmen der Lebertransplantationen bei mindestens 37 von 54 Patienten der Gesundheitszustand bewusst schlechter dargestellt worden war, damit diesen schneller ein Ersatzorgan zugeteilt wurde. Im Laufe der Ermittlungen wurden der Chefarzt der Transplantationschirurgie und zwei Oberärzte vorerst beurlaubt.[10]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Das Universitätsklinikum Leipzig in Zahlen
  2. a b c Zahlen und Fakten auf den Seiten der Universitätsmedizin Leipzig (abgerufen am 21. Januar 2011)
  3. a b Organigramm auf den Seiten der Universitätsmedizin Leipzig (abgerufen am 21. Januar 2011)
  4. Mario Beck: Aus fürs Bettenhaus in Leipziger Volkszeitung, 21. Juli 2011
  5. Liste der zertifizierten Stroke Units
  6. Liste der zertifizierten Darmkrebszentren
  7. Liste der zertifizierten Hautkrebszentren
  8. Zeitung der Universitätsklinik Leipzig vom 1. April 2010 (PDF; 57 kB)
  9. Institut für Transfusionsmedizin Leipzig – Blutbank (abgerufen am 27. Januar 2011)
  10. Christina Berndt: Stunde der Lüge. In: Süddeutsche Zeitung (Onlineausgabe). 2. Januar 2013, abgerufen am 2. Januar 2013: „Bei 54 der 182 Leipziger Lebertransplantationspatienten der Jahre 2010 und 2011 war eine Dialyse angegeben worden; in 37 Fällen war dies nach derzeitigem Kenntnisstand schlicht gelogen. Im Jahr 2012 wurde noch bei einem von zehn Patienten betrogen.“