Universitätsklinikum Münster

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Universitätsklinikum Münster
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Ort Münster, Deutschland
Koordinaten 51° 57′ 40″ N, 7° 35′ 55″ O51.9611111111117.5986111111111Koordinaten: 51° 57′ 40″ N, 7° 35′ 55″ O
Leitung Norbert Roeder
Betten 1.450[1]
Mitarbeiter ca. 8.800
Fachgebiete 45
Zugehörigkeit Westfälische Wilhelms-Universität
Gründung 1774
Website www.klinikum.uni-muenster.de
Das Wahrzeichen der Universitätsklinik: Die Türme des Zentralklinikums, genannt die Bettentürme

Das Universitätsklinikum Münster (UKM) ist ein Krankenhaus der Maximalversorgung in Münster (Westfalen). Es verfügt über rund 1450 Betten, in denen im Jahr 2013 58.646 stationäre und 496.331 ambulante Patienten behandelt wurden. Es besteht aus über 40 einzelnen Kliniken und Polikliniken, die eng mit der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zusammenarbeiten. Es hat etwa 8.800 Beschäftigte, davon etwa 106 Professoren, über 1.736 weitere Ärzte und Wissenschaftler, mehr als 2.338 Pflegende und etwa 1.908 medizinisch-technische Angestellte und liegt im Stadtteil Sentrup.

Das markanteste Gebäude des UKM ist das Zentralklinikum mit seinen beiden Türmen. Jeder der beiden Türme (Ost und West) besitzt 10 Ebenen mit jeweils zwei kreisförmig angelegten Stationen. Viele Fachabteilungen des UKM sind im Zentralklinikum angesiedelt, weitere Disziplinen, wie die Allgemein- und Viszeralchirurgie, die Unfallchirurgie, die Augenklinik und die Hautklinik sowie insbesondere auch Forschungslabore, befinden sich in separaten Gebäuden auf dem Campus, der das Zentralklinikum umgibt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte des Universitätsklinikums lässt sich bis in das Jahr 1774 zurückverfolgen, als die erste Medizinische Fakultät der Universität Münster eröffnet wurde. Sie bestand aus nur einem einzigen Hochschullehrer, der Vorlesungen in Anatomie, Chirurgie und Geburtshilfe abhielt. Aufgrund der Herabstufung der Universität zu einer akademischen Lehranstalt im Jahre 1818 im Zuge der Neugründung der Universität in Bonn wurde die Fakultät jedoch wieder geschlossen. Übrig blieb ab 1821 eine Chirurgenschule, die jedoch 1849 wie alle anderen Chirurgenschulen geschlossen wurde, da Ärzte nun ein Universitätsstudium absolvieren sollten.

Alt und Neu: Im Vordergrund das ehemalige Heizkraftwerk und jetzt Sitz des Sozialdienstes, im Hintergrund der Ostturm des Zentralklinikums

Erst mit der Neugründung der Universität im Jahre 1902 wurde 1905 wieder eine medizinisch-propädeutische Abteilung eingerichtet. 1907 eröffnete das Zahnmedizinische Institut. Im Zuge der Erweiterung der Universität im Jahre 1914 sollte auch die Medizinische Fakultät neu eröffnet werden. Der Bau der dafür notwendigen Kliniken verzögerte sich jedoch aufgrund des Ersten Weltkriegs erheblich, so dass sie erst am 15. Mai 1925 übergeben werden konnten. An diesem Tag wurde gleichzeitig die Medizinische Fakultät offiziell eröffnet.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Universitätsklinikum stark zerstört, insbesondere durch circa 120 schwere Sprengbombentreffer der ab dem Spätherbst 1944 pausenlosen Luftangriffe. Als Folge wurde die Medizinische Fakultät der Universität Münster nach Bad Salzuflen verlegt. Die Neueröffnung des Universitätsklinikums nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte im November 1945. Es folgten zahlreiche Neubauten.

Weitere Neugründungen von Instituten in den 1970er-Jahren machten einen Ausbau des Klinikums notwendig. Nach einer längeren Planungszeit begann gegen Ende der 1970er-Jahre der Bau des Zentralklinikums mit seinen beiden jeweils 62 m hohen, weithin sichtbaren Türmen, das im Jahre 1983 fertiggestellt wurde. Die Kosten für diesen Neubau beliefen sich auf gut eine Milliarde Mark.

1998 wurde das Zentrum für Knochenmarktransplantation (KMT) eröffnet und Gebäude eines ehemaligen Britischen Militärhospitals als neue Forschungsflächen in das Universitätsklinikum eingegliedert. 2001 wurde das Universitätsklinikum Münster als Anstalt Öffentlichen Rechts selbstständig.

Kliniken und Einrichtungen[Bearbeiten]

Das UKM hat insgesamt 45 Kliniken, Departments und Zentren der Patientenversorgung[2] mit wiederum ihrer eigene Geschichte, Leitung und Schwerpunkten.

Überblick[Bearbeiten]

  • Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie
  • Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie
  • Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie
  • Klinik für Angeborene (EMAH) und erworbene Herzfehler
  • Klinik für Augenheilkunde
  • Department für Herz- und Thoraxchirurgie
  • Department für Kardiologie und Angiologie
  • Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
  • Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
  • Klinik für Hautkrankheiten – Allgemeine Dermatologie und Venerologie
  • Klinik für Herzchirurgie
  • Klinik für Kardiologie
  • Poliklinik für Kieferorthopädie
  • Klinik für Kinder- und Jugendmedizin - Allgemeine Pädiatrie
  • Klinik für Kinder- und Jugendmedizin - Pädiatrische Hämatologie und Onkologie
  • Klinik für Kinder- und Jugendmedizin - Pädiatrische Kardiologie
  • Klinik für Kinder- und Jugendmedizin – Pädiatrische Rheumatologie und Immunologie
  • Klinik für Kinderorthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie
  • Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychosomatik und -psychotherapie
  • Abteilung für Kinder- und Neugeborenenchirurgie
  • Knochenmarktransplantationszentrum
  • Laboratoriumsmedizin
Fassade des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (erbaut 1980), in der sich der Westturm spiegelt
  • Medizinische Klinik A (Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Pneumologie)
  • Medizinische Klinik B (Allg. Innere Medizin sowie Gastroenterologie und Stoffwechselkrankheiten)
  • Medizinische Klinik D (Allg. Innere Medizin sowie Nieren- und Hochdruckkrankheiten und Rheumatologie)
  • Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
  • Klinik für Neurochirurgie
  • Klinik für Allgemeine Neurologie
  • Klinik für Nuklearmedizin
  • Poliklinik für Parodontologie
  • Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie
  • Poliklinik für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien
  • Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
  • Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie
  • Institut für Radiologie (Röntgen)
  • Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie
  • Klinik für Schlafmedizin und Neuromuskuläre Erkrankungen
  • Klinik für Strahlentherapie – Radioonkologie
  • Klinik für Technische Orthopädie und Rehabilitation
  • Institut für Transfusionsmedizin und Transplantationsimmunologie
  • Klinik für Transplantationsmedizin
  • Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie
  • Klinik für Urologie
  • Vaskuläre und Endovaskuläre Chirurgie
  • Poliklinik für Zahnerhaltung

Klinik für Hautkrankheiten – Allgemeine Dermatologie und Venerologie[Bearbeiten]

Das Gebäude der Hautklinik

Die Klinik für Hautkrankheiten stellt ein Zentrum im Bereich der Dermatologie dar. Die Hautklinik befindet sich nicht im zentralen Gebäude des Universitätsklinikums Münster, sondern liegt vorläufig noch separat an der Von-Esmarch-Straße.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Lehrstuhl für Dermatologie wurde am 1. Mai 1925 gegründet. Alfred Stühmer (1885–1957) wurde zum ersten Direktor berufen. Die Unterbringung der Klinik erfolgte zunächst nicht in dem noch heute bestehenden, repräsentativen Gebäude, sondern im Clarastift in der Stubengasse der Stadt Münster. Im Jahr 1932 gründete Alfred Stühmer die „Lupusheilstätte Haus Hornheide“, eine Spezialklinik zur Behandlung der damals weit verbreiteten Hauttuberkulose. Heutzutage beschäftigte sich die Fachklinik Hornheide schwerpunktmäßig mit Tumorerkrankungen der Haut. Im Jahre 1934 übernahm Julius K. Mayr (1888–1965) die Leitung der Universitäts-Hautklinik Münster. Schon 1937 wird Carl Moncorps (1896–1952) Direktor der Hautklinik.

Im Oktober 1943 wurde das Clarastift teilweise durch einen Bombenangriff zerstört. Die Hautklinik zog mit damals 76 Betten in ein Altenheim nach Ascheberg. Im November 1944 wurden sämtliche Kliniken der Universität Münster nach Bad Salzuflen verlegt. Die Hautklinik unterhält in Bad Salzuflen neben den Betten in Ascheberg noch 20 weitere Betten und eine Poliklinik.

Nach Kriegsende richtete C. Moncorps im Mai 1945 in seinem Privathaus in Münster eine poliklinische Sprechstunde ein. Insbesondere kam es in den Jahren nach Kriegsende zu einem rasanten Anstieg von Geschlechtskrankheiten.

Im Jahr 1950 erfolgte der Umzug der Klinik unter Aufhebung der „Zersplitterung“ in das ehemalige Standortlazarett der Luftwaffe an der Von-Esmarch-Straße mit 130 Betten. Zwei Jahre später verstirbt Carl Moncorps. Neuer Direktor wird Paul Jordan (1902–1975). Im Februar 1952 beschlagnahmte das britische Militär den Ostflügel des Gebäudes, wodurch die Hautklinik aber nur wenige Räumlichkeiten verliert, da der größere Teil im Westflügel gelegen ist. Es werden Modernisierungsumbauten vorgenommen und insbesondere die Allergie- und Strahlenabteilung ausgebaut.

Im Mai 1972 wurde Egon Macher (1924–2008) zum Klinikdirektor berufen. Unter E. Macher wurde u. a. die „Abteilung für experimentelle Dermatologie“ gegründet. Die Bettenzahl wurde auf 100 reduziert. Im Jahre 1990 wurde Thomas A. Luger zum Direktor der Klinik berufen. 1992 zogen die britischen Soldaten aus dem Ostflügel des Gebäudes ab. Die Räumlichkeiten wurden u. a. später durch das „Zentrum für Molekularbiologie der Entzündung“ bezogen. Die Klinik wurde teilweise renoviert und die Bettenzahl auf 60 stationäre und 15 teilstationäre reduziert. Im Juni 2004 wurde das „Klinische Zentrum für Innovative Dermatologie“ zur Unterstützung klinischer Studien gegründet.

Tätigkeit[Bearbeiten]

Auf vier Stationen mit insgesamt 60 Betten werden jährlich etwa 3.800 Patienten betreut. Ambulant werden jährlich über 20.000 Patienten behandelt. Direktor ist seit 1990 Thomas A. Luger.

Schwerpunkte der Patientenversorgung sind Allergologie mit Berufsdermatologie und Umweltmedizin, Andrologie, Ästhetische Dermatologie und Lasermedizin, Dermatochirurgie, Dermatoonkologie (Hautkrebsscreening und Hauttumorzentrum), Neurodermatologie und Kompetenzzentrum Pruritus, Phlebologie, Photo-Dermatologie, Poliklinik mit den Schwerpunkten Neurodermitis, Schuppenflechte, kreisrunder Haarausfall, Autoimmunerkrankungen der Haut, Privat-Ambulanz und Wahlleistungsstation, Tagesklinik und eine Wundambulanz.

Forschungsschwerpunkte sind Allergologie, Dermatohistologie, Fünfdimensionale Intravitaltomographie humaner Haut, Genetik und Biologie entzündlicher Hautkrankheiten, Immunantwort bei Infektionen, Kutane Immunität, Kutane vaskuläre Biologie, Melanomimmunologie und -biologie, Neuroinflammation, Pathophysiologie von Autoimmunerkrankungen, Pruritusmechanismen und Neurodermatologie, Vaskulopathien bei Sklerodermie und Vaskulitis.

Familienhaus mit Palliativversorgung[Bearbeiten]

Die Betreuung krebskranker Kinder und Jugendlicher in einem „Familienhaus“ mit Palliativmedizin am Universitätsklinikum hat Vorbildcharakter. Die 2013 erweiterte und modernisierte Einrichtung hat die Deutsche Krebshilfe als „Wegbereiterin der Palliativmedizin und der Hospizbewegung“ in Deutschland mit rund 230.000 Euro Spenden der Bürger gefördert.[3] Ein Brückenteam aus Krebsexperten und Betreuern sorgt dafür, dass unheilbar kranke Kinder und Jugendliche auch im häuslichen Umfeld Zugang zum ganzen Spektrum der modernen Medizin und Versorgung erhalten. Durch den Neubau können Kinderärzte, Pfleger, Psychologen, Therapeuten und Seelsorger eine noch bessere Arbeit mit den jungen Patienten und ihren Familien leisten.[4] Das Brückenteam hat sich bereits im Jahr 2002 aus der Kinderonkologie des Universitätsklinikum Münster formiert. Es ist eines der ersten Teams in Deutschland, das sich ambulant um unheilbar kranke Kinder kümmert. 2009 hat es als eine der ersten onkologischen Palliativversorgungs-Gruppen die Krankenkassenanerkennung erlangt, verbunden mit einem flächendeckenden Versorgungsauftrag für den Bereich Westfalen-Lippe.

Forschung und Kooperation[Bearbeiten]

Die Bibliothek der medizinischen Fakultät

Aufgrund der Verzahnung des UKM mit der Medizinischen Fakultät der Universität Münster fließen in die Behandlung Erkenntnisse aus den 32 universitären Forschungsinstituten und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Sonderforschungsbereichen ein.

Folgende Sonderforschungsbereiche (SFB) existieren am Universitätsklinikum Münster:

  • SFB 293: „Mechanismen der Entzündung: Interaktionen von Endothel, Epithel und Leukozyten“
  • SFB 492: „Extrazelluläre Matrix: Biogenese, Assemblierung und zelluläre Wechselwirkungen“
  • SFB 629: „Molekulare Zelldynamik: Intrazelluläre und zelluläre Bewegungen“
  • SFB 656: „Molekulare kardiovaskuläre Bildgebung (Mobil) – von der Maus zum Menschen“

Besondere Kooperationen bestehen (bzw. bestanden) mit der Max-Planck-Gesellschaft, die im Jahre 2001 in Münster ein Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin angesiedelt hat, sowie dem als An-Institut der Universität angegliederte (mittlerweile geschlossenen) Leibniz-Institut für Arterioskleroseforschung (LIFA).

Zertifizierung[Bearbeiten]

2010 wurde das Zertifizierungsverfahren nach KTQ abgeschlossen. 2013 wurde das UKM rezertifiziert und erneut mit dem KTQ-Zertifikat ausgezeichnet.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • S. Ständer, H. Ständer, T.A. Luger: Die Universitäts-Hautklinik Münster. Springer, Heidelberg 2006, ISBN 3-540-28018-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Universitätsklinikum Münster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. UKM Universitätsklinikum Münster Logbuch 2010, S. 134. (PDF; 8,7 MB), abgerufen am 10. April 2012.
  2. Universitätsklinikum Münster / Kliniken. abgerufen am 27. Februar 2014.
  3. Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer Deutsche Krebshilfe Bonn, 26. Juni 2013.
  4. Familienhaus Münster e.V., 21. Juni 2013.
  5. KTQ Pressemitteilung, abgerufen am 27. Februar 2014.