Unter dem Vulkan

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Mexico, Popocatepetl

Unter dem Vulkan ist das Hauptwerk des Briten Malcolm Lowry, veröffentlicht 1947 bei Reynal and Hitchcock in New York. Der Roman gilt als einer der Höhepunkte der Literatur des 20. Jahrhunderts.

Handlung[Bearbeiten]

Der Roman spielt in einer fiktiven zentralmexikanischen Stadt namens Quauhnáhuac. Dies ist der antike Name Cuernavacas in Nahuatl, was der Ort zwischen den Bäumen bedeutet. Der Vulkan im Titel ist der Popocatépetl. In dieser Kleinstadt sitzt in den frühen Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts ein britischer Konsul (zu einer Zeit, als die Beziehungen zwischen Großbritannien und Mexiko eingefroren waren, d.h. ohne wirkliche Beschäftigung), und er befindet sich im letzten Stadium des Alkoholismus.

Der Roman ist zum Teil aus der Sichtweise des Konsuls geschrieben, d.h. er ist über große Strecken so geschrieben, wie ein Betrunkener denkt: voller Wiederholungen und überraschender Diskontinuitäten - oft nur in Gedankenfetzen oder in Sätzen, die mitunter ihren Sinn verändern. Nicht zuletzt aufgrund seines Stils gilt er als bedeutender Exponent der literarischen Moderne.

Eine Handlung im klassischen Sinn gibt es nur rudimentär. Er wird von Yvonne besucht, seiner Frau, die getrennt von ihm in den USA lebt. Sie liebt ihn immer noch, glaubt aber nicht mehr, ihn retten zu können. Zur gleichen Zeit besucht ihn auch sein jüngerer Halbbruder Hugh, eine ziellose, unreife Existenz, der sich schon als Musiker und Seemann verdingt hat und nun Journalist ist - eine Arbeit, die er verachtet. Politisch ist er sozialistisch geprägt, aber ebenfalls auf eine unausgegorene Art. Er ist in Yvonne verliebt, wohl wissend um seine Chancenlosigkeit. In Mexiko tobt zu dieser Zeit gerade ein Bürgerkrieg zwischen Anhängern und Gegnern der Mexikanischen Revolution - parallel zum Spanischen, der in den Gedanken der Hauptfiguren ebenfalls anwesend ist. Die Personen verirren sich in einem dunklen Wald, in dem der Konsul seine Frau verliert. Am Ende wird der Konsul aus einem dummen Zufall von Rechtsradikalen erschossen, die in ihm als Ausländer einen Spion sehen.

Hauptsächlich sehen wir aber einzelne Szenen im Leben des Konsuls. Wir sehen ihn durch den total verwilderten Garten seines Hauses schlendern, wo er hinter jedem Busch eine Schnapsflasche versteckt hat. Wir sehen ihn auf den Rummelplatz der Stadt gehen, wo er prompt im dortigen Riesenrad vergessen wird und sich die ganze Nacht sinnlos im Kreis dreht, während seine Brieftasche herausfällt und die Straßenjungen ihm nicht nur sein Geld, sondern auch seine Ausweise stehlen, ihn also gleichsam seiner Existenz berauben. Wir sind Zeuge eines Ausfluges mit seiner Frau und seinem Bruder in die nächste größere Stadt, wo er Zeuge eines Stierkampfes wird und unfreiwillig eingreift.

Interpretation[Bearbeiten]

Mexiko (und das ist wohl als Allegorie auf die ganze Welt zu sehen) wird als archaisches Land beschrieben, in dem wilder Grausamkeit mit tiefsitzender Wut, aber auch Lethargie begegnet wird - ein endloses Kontinuum von Herrschaft und Unterdrückung, wofür auch die im Roman öfter vorkommenden Boxkämpfe und Stierkämpfe ein Sinnbild sind.

Die Metaphorik dieses Romans (die tiefe Schlucht vor der Stadt, der verwilderte Garten, das sich sinnlos fortdrehende Rad) sind nicht nur von Lowrys Interesse für mystische Symbolik bestimmt, sondern auch (dunkler Wald!) von Dante, zu dessen Inferno Lowry ein Parallelwerk schaffen wollte. Auch der Konsul befindet sich auf einer Höllenreise, aber durch eine Hölle, die zugleich der Himmel ist. Oder wie Lowry im Vorwort schreibt: der Alkoholiker gleicht dem Mystiker, der seine Geisteskräfte missbraucht hat.

Von diesem Roman gibt es eine gleichnamige Verfilmung von John Huston mit Albert Finney als Konsul und Jacqueline Bisset als Yvonne.