Unterammergau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Unterammergau
Unterammergau
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Unterammergau hervorgehoben
47.61555555555611.027222222222836Koordinaten: 47° 37′ N, 11° 2′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Garmisch-Partenkirchen
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Unterammergau
Höhe: 836 m ü. NHN
Fläche: 29,9 km²
Einwohner: 1519 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 51 Einwohner je km²
Postleitzahl: 82497
Vorwahl: 08822
Kfz-Kennzeichen: GAP
Gemeindeschlüssel: 09 1 80 135
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Dorfstraße 23
82497 Unterammergau
Webpräsenz: www.gemeinde-unterammergau.de
Bürgermeister: Michael Gansler
Lage der Gemeinde Unterammergau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen
Ettaler Forst Wallgau Unterammergau Uffing am Staffelsee Spatzenhausen Seehausen am Staffelsee Saulgrub Riegsee (Gemeinde) Oberau Oberammergau Murnau am Staffelsee Mittenwald Krün Großweil Grainau Garmisch-Partenkirchen Farchant Ettal Bad Bayersoien Bad Kohlgrub Ohlstadt Eschenlohe Schwaigen Landkreis Ostallgäu Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Landkreis Weilheim-Schongau ÖsterreichKarte
Über dieses Bild
Unterammergau

Unterammergau ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Unterammergau.

Geographie[Bearbeiten]

Der Hauptort Unterammergau liegt im Ammertal am Fluss Ammer auf einer Höhe von 836 m ü. NN. Zur Gemeinde gehören noch die Ortsteile Kappel rechts der Ammer und Scherenau links der Ammer. Unterammergau selbst besteht im Wesentlichen aus drei Teilen:

  • dem Oberdorf, ältester Teil des Dorfes um die Pfarrkirche St. Nikolaus
  • dem Hinterdorf, ein unter Denkmalschutz stehendes Ensemble nördlich der Pürschlingstraße
  • Au rechts der Ammer.

Nachbargemeinden Unterammergaus sind Saulgrub im Norden und Westen, Oberammergau im Süden und Osten sowie Bad Kohlgrub im Nordosten.

Die Gemeinde Unterammergau hat eine Fläche von 29,90 km² und 1519 Einwohner (Stand 31. Dezember 2013), also 51 Einwohner pro km². Sie bildet gemeinsam mit der Gemeinde Ettal die Verwaltungsgemeinschaft Unterammergau.

Das Gemeindegebiet umfasst neben dem Ammertal auch die umliegenden Berge. Die höchsten Erhebungen sind der Teufelstättkopf und das benachbarte Laubeneck, beide mit einer Höhe von 1758 m. Zum Unterammergauer Hausberg, dem Pürschling (1566 m), führt eine Forststraße hinauf.

Zu den Bächen, die von den Bergen herab in die Ammer fließen, zählen links der Ammer der Früllbach, die Schleifmühlenlaine und die Scherenauer Laine und rechts der Ammer die Enge Laine, die Kappellaine und die Waldlaine.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort Unterammergau wurde erstmals 1280 als „Nidernambergewe“ urkundlich erwähnt und gehörte bis 1803 zur Hofmark Oberammergau, die Teil des Herrschaftsgerichts Murnau des Klosters Ettal war. Die kirchliche Eigenständigkeit von Oberammergau erreichte der Ort im Jahr 1809. 1818 entstand im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern die heutige politische Gemeinde.

Zwei große Ortsbrände zerstörten 1777 und 1836 viele der alten Häuser Unterammergaus. Nach dem Brand von 1835 wurde das Hinterdorf in einheitlicher Bauweise neu errichtet, es steht als Ensemble unter Denkmalschutz.

Neben der Land- und Holzwirtschaft bildete vom 15. bis Mitte des 20. Jahrhunderts die Wetzsteinmacherei eine wichtige Einnahmequelle. Sie wurde vor allem als Nebentätigkeit in den Wintermonaten betrieben, in denen die Landwirtschaft ruhte.

Politik[Bearbeiten]

Die Politik von Unterammergau wird stark von lokalen Bürgervereinigungen bestimmt. Von den bayernweiten Parteien ist nur die CSU im Gemeinderat vertreten.

Bei der Kommunalwahl am 16. März 2014 wurde der bereits 12 Jahre als Erster Bürgermeister amtierende Michael Gansler von der FDU (Fortschrittliche Dorfgemeinschaft Unterammergau) wiedergewählt. Der Gemeinderat hat (ohne den Ersten Bürgermeister) zwölf Mitglieder. Davon gehören 4 der FDU an, 4 der FUZ (Freie Wählergemeinschaft Für Unterammergaus Zukunft), 2 der CSU und 2 der FWU (Freie Wählerschaft Unterammergau). Alfred Schärfl von der FUZ ist zweiter Bürgermeister. [2]

Wappen[Bearbeiten]

Ein eigenes Wappen führt Unterammergau seit 1953. Die Blasonierung lautet: „In Grün zum Sprung über schräg gekreuzte silberne Werkzeuge, Wetzstein und Hammer mit goldenem Stil, ansetzender silberner Hirsch mit goldener Bewehrung, Hinterfüße auf silberner Bodenplatte.“[3]

Die grüne Feldtingierung spiegelt die natürliche Umgebung des Ortes, Wiesen und Wälder. Auf den Wildreichtum und die Jagdmöglichkeiten deutet der springende Hirsch. Der silberne Boden ist Hinweis auf die Plattenschichten mit Kieselerde und Quarzanteil. Sie bildeten das Ausgangsmaterial für die Wetzsteinindustrie vom 15. Jahrhundert bis 1950. Ebenso fanden der Hammer als Werkzeug und der Wetzstein als Produkt Eingang, da das über Jahrhunderte blühende Gewerbe dem Ort zu Berühmtheit und Wohlstand verhalf.

Verkehr[Bearbeiten]

Unterammergau liegt an der Bundesstraße 23, die ein Teil der Verbindung zwischen Garmisch-Partenkirchen und Augsburg ist.

Über den Bahnhof Unterammergau ist die Gemeinde an die Ammergaubahn angebunden, die zwischen Oberammergau und Murnau am Staffelsee verkehrt.

Kultur[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Trotz der beiden Dorfbrände sind noch einige Gebäude aus dem 17.–18. Jahrhundert erhalten. Einige haben wie im Nachbarort Oberammergau Fassaden mit Lüftlmalerei. Etwa 35 Bauwerke stehen unter Denkmalschutz, sie sind in der Liste der Baudenkmäler in Unterammergau aufgeführt.

Neben der Hauptkirche St. Nikolaus und der Wallfahrtskirche Heilig Blut gibt es viele kleinere Kapellen und Bildstöcke, sie gelten in Unterammergau als Flurdenkmäler. Zu ihrer Erschließung wurden zwei Kapellen- und Marterlwege beiderseits der Ammer eingerichtet.

Industriedenkmal[Bearbeiten]

Auf Infotafeln am Zugang zur Schleifmühlklamm erfährt der Wanderer Wichtiges aus der Zeit der Wetzstein-Industrie:

Die Wetzsteinmacherei war 300 Jahre lang ein bedeutender Handwerkszweig in Unterammergau. Sie bildete die Grundlage für Wohlstand im Ort und fand im Wappen Eingang. Wahrscheinlich wurden bei der Suche nach den Edelmetallen Gold oder Silber zwischen „blindem Gestein“ Plattenschichten entdeckt, die sich hervorragend zum Schärfen eigneten. Die in diesem Gestein enthaltene Kieselerde besaß die schärfenden Eigenschaften und der Quarzanteil verhinderte das Brechen. Nur zehn Prozent des abgebauten Materials aus den 1865 existierenden 52 Steinbrüchen war zur Wetzsteinherstellung zu gebrauchen. Vor allem in der Schleifmühlklamm wurden die abgebauten wertvollen Steinschichten zu den begehrten Schleifsteinen weiterverarbeitet und in viele Länder exportiert. In mühevoller Handarbeit stellten die Handwerker ca. 200 000 [4]: 38 Wetzsteine her. Dies geschah in den Schleifmühlen, welche die vorhandene Wasserkraft nutzten. 40 Familien ernährten sich 1865 in 32 Mühlen vom Schleifen der Steine neben den Einnahmen aus der Landwirtschaft.

Der Niedergang der Wetzsteinmacherei kam durch die Erfindung der synthetisch hergestellten Wetzsteine und der Mähmaschinen. Auch fehlten Absatzgebiete nach dem Zweiten Weltkrieg.

Das Wetzsteinmuseum, das in zahlreichen originalen Aufbauten die vergangene Zeit zurückruft, entstand in der Schleifmühle.

Vereine[Bearbeiten]

In Unterammergau gibt es etwa 20 verschiedene Vereine. [5]

Der größte Sportverein ist der WSV Unterammergau[6], der mehrere bekannte Rodler und Skiläufer hervorgebracht hat. Neben den Winterdisziplinen Ski Alpin, Ski Nordisch und Rodeln hat der Verein auch Abteilungen für Fußball und Turnen. Ein weiterer Sportverein ist der Eisstockclub EC Unterammergau

Der Theaterverein und der Musikverein mit seiner Blaskapelle[7] sorgen für die Kultur, der Volkstrachtenverein und die Schützengesellschaft Ammertaler pflegen das Brauchtum. Freiwillige Feuerwehr und Bergwachtbereitschaft[8] sorgen für Sicherheit.

Der Historische Arbeitskreis Unterammergau hält das Interesse an der Geschichte wach und bietet Begehungen und Vorträge zu historischen Themen an.[9] In Eigenarbeit wurde das Dorfmuseum Unterammergau eingerichtet und eine ehemalige Wetzsteinmühle wieder in Betrieb genommen.

Brauchtum[Bearbeiten]

Am letzten Sonntag im Oktober findet der Leonhardiritt zur Kappelkirche statt. In Festkleidung und mit bunt geschmückten Pferden zieht ein Festzug, begleitet von den Klängen der Musikkapellen aus der Umgebung, zu der Wallfahrtskirche. [4]: 122

Bereits seit 1910 ziehen Mitglieder der Unterammergauer Blaskapelle am 30. Dezember zum Neujahrsanblasen durch den Ort, machen immer wieder Halt und wünschen mit einem Ständchen den Bewohnern ein gutes neues Jahr. Als Belohnung erhalten die Spieler eine Spende.[10]

Seit dem Jahr 2000 wird an einem Bäuerlichen Nostalgietag vergangenes bäuerliches Handwerk in Erinnerung gerufen. Zur Vorführung kommen unter anderem: Buttern, Heuernte, Dengeln, Mähen, Dreschen usw. Außerdem werden alte Geräte oder Maschinen gezeigt und ihr Einsatz wird vorgeführt.[11]

Natur[Bearbeiten]

Moore prägen die Landschaft in den Tälern der Ammergauer Alpen. Das Pulvermoos zwischen Unterammergau und Oberammergau steht seit 1982[4] : 30, 31 unter Naturschutz. Es ist ein Flachmoor. Einige Hochmoorstellen sind für den Wanderer gut zu erkennen. Auch das Kochel-Filz zwischen Unterammergau und Altenau ist seit 1987[4]: 31 ein Naturschutzgebiet.

Weblinks[Bearbeiten]

Open book nae 02.svg Wikipedia-Buch: Unterammergau – Sammlung von Wikipedia-Artikeln zum kostenlosen Download als PDF-Datei oder zum Bestellen als gedrucktes Buch

 Commons: Unterammergau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Unterammergau – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Der Gemeinderat von Unterammergau. In: Website der Gemeinde Unterammergau. Abgerufen am 11. August 2014.
    Vorläufiges Ergebnis zur Gemeinderatswahl 2014 Unterammergau am 16.03.2014. In: Website des Landratsamts Garmisch-Partenkirchen. Abgerufen am 25. August 2014.
  3. Unterammergau: Wappengeschichte vom HdBG
  4. a b c d  Heinfried Barton: Die Ammergauer Alpen. 2 Auflage. Frankh’sche Verlagshandlung W. Keller & Co., Stuttgart 1989, ISBN 3-440-04817-9.
  5. Vereine in Unterammergau. In: Website der Gemeinde Unterammergau. Abgerufen am 6. April 2013.
  6. Website des WSV Unterammergau. Abgerufen am 6. April 2013.
  7. Website der Blaskapelle Unterammergau. Abgerufen am 6. April 2013.
  8. Seiten der Bergwacht Unterammergau. In: Website der Bergwacht Bayern. Abgerufen am 6. April 2013.
  9. Der Historische Arbeitskreis Unterammergau e.V. Abgerufen am 12. August 2014.
  10. Neujahranblasen der Blaskapelle. Ammergauer Alpen GmbH, abgerufen am 6. Dezember 2012.
  11. Bäuerlicher Nostalgietag im Ammertal. Historischer Arbeitskreis Unterammergau, abgerufen am 11. August 2014.