Unterammergau

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Unterammergau
Unterammergau
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Unterammergau hervorgehoben
47.61555555555611.027222222222836Koordinaten: 47° 37′ N, 11° 2′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Garmisch-Partenkirchen
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Unterammergau
Höhe: 836 m ü. NHN
Fläche: 29,9 km²
Einwohner: 1539 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 51 Einwohner je km²
Postleitzahl: 82497
Vorwahl: 08822
Kfz-Kennzeichen: GAP
Gemeindeschlüssel: 09 1 80 135
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Dorfstraße 23
82497 Unterammergau
Webpräsenz: www.gemeinde-unterammergau.de
Bürgermeister: Michael Gansler
Lage der Gemeinde Unterammergau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen
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Unterammergau

Unterammergau ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Unterammergau.

Geographie[Bearbeiten]

Der Hauptort Unterammergau liegt im Ammertal am Fluss Ammer auf einer Höhe von 836 m ü. NN. Zur Gemeinde gehören noch die Ortsteile Kappel rechts der Ammer und Scherenau links der Ammer. Unterammergau selbst besteht im Wesentlichen aus drei Teilen:

  • das Oberdorf, ältester Teil des Dorfes um die Pfarrkirche St. Nikolaus herum
  • das Hinterdorf, ein unter Denkmalschutz stehendes Ensemble nördlich der Pürschlingstraße
  • Au rechts der Ammer.

Nachbargemeinden Unterammergaus sind Saulgrub im Norden und Westen, Oberammergau im Süden und Osten sowie Bad Kohlgrub im Nordosten.

Die Gemeinde Unterammergau hat eine Fläche von 29,90 km² und 1539 Einwohner (Stand 31. Dezember 2012), also 51 Einwohner pro km². Sie bildet gemeinsam mit der Gemeinde Ettal die Verwaltungsgemeinschaft Unterammergau.

Das Gemeindegebiet umfasst neben dem Ammertal auch die umliegenden Berge. Die höchsten Erhebungen sind der Teufelstättkopf und das benachbarte Laubeneck, beide mit einer Höhe von 1758 m. Zum Unterammergauer Hausberg, dem Pürschling (1566 m), führt eine Forststraße hinauf.

Zu den Bächen, die von den Bergen herab in die Ammer fließen, zählen links der Ammer der Früllbach, die Schleifmühlenlaine und die Scherenauer Laine und rechts der Ammer die Enge Laine, die Kappellaine und die Waldlaine.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort Unterammergau wurde erstmals 1280 als Nidernambergewe urkundlich erwähnt und gehörte bis 1803 zur Hofmark Oberammergau, die Teil des Herrschaftsgerichts Murnau des Klosters Ettal war. Die kirchliche Eigenständigkeit von Oberammergau erreichte der Ort im Jahr 1809. 1818 entstand im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern die heutige Gemeinde.

Zwei große Ortsbrände zerstörten 1777 und 1836 viele der alten Häuser Unterammergaus. Nach dem Brand von 1835 wurde das Hinterdorf in einheitlicher Bauweise neu errichtet, es steht als Ensemble unter Denkmalschutz.

Neben der Land- und Holzwirtschaft bildete vom 15. bis Mitte des 20. Jahrhunderts die Wetzsteinmacherei eine wichtige Einnahmequelle. Sie wurde vor allem als Nebentätigkeit in den Wintermonaten betrieben, in denen die Landwirtschaft ruhte.

Politik[Bearbeiten]

Die Politik von Unterammergau wird stark von lokalen Bügervereinigungen bestimmt. Von den größeren Parteien ist nur die CSU im Gemeinderat vertreten.

Erster Bürgermeister ist Michael Gansler von der FDU (Fortschrittliche Dorfgemeinschaft Unterammergau), der bei der Kommunalwahl 2008 fast 80% der Stimmen errang.[2] Als zweiter Bürgermeister unterstützt ihn Anton Speer, Junior, von der Freien Wählergemeinschaft FUZ (Für Unterammergaus Zukunft).[3]

Der Gemeinderat hat derzeit (ohne 1. Bürgermeister) zwölf Mitglieder (Stand der Kommunalwahl am 2. März 2008). Davon sind 3 von der CSU, 4 von der FDU, 4 von der FUZ und 1 von der FWU (Freie Wählerschaft Unterammergau).[2]

Ein eigenes Wappen führt Unterammergau seit 1953. Die Blasonierung lautet: „In Grün zum Sprung über schräg gekreuzte silberne Werkzeuge, Wetzstein und Hammer mit goldenem Stil, ansetzender silberner Hirsch mit goldener Bewehrung, Hinterfüße auf silberner Bodenplatte.“[4] Die grüne Feldtingierung spiegelt die natürliche Umgebung des Ortes, Wiesen und Wälder. Auf den Wildreichtum und die Jagdmöglichkeiten deutet der springende Hirsch. Der silberne Boden ist Hinweis auf die Plattenschichten mit Kieselerde und Quarzanteil. Sie bildeten das Ausgangsmaterial für die Wetzsteinindustrie vom 15. Jahrhundert bis 1950. Ebenso fanden der Hammer als Werkzeug und der Wetzstein als Produkt Eingang, da das über Jahrhunderte blühende Gewerbe dem Ort zu Berühmtheit und Wohlstand verhalf.

Verkehr[Bearbeiten]

Unterammergau liegt an der Bundesstraße 23, die ein Teil der Verbindung zwischen Garmisch-Partenkirchen und Augsburg ist.

Über den Bahnhof Unterammergau ist die Gemeinde an die Ammergaubahn angebunden, die zwischen Oberammergau und Murnau am Staffelsee verkehrt.

Kultur[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Trotz der beiden Dorfbrände sind noch einige Gebäude aus dem 17.–18. Jahrhundert erhalten. Einige haben wie im Nachbarort Oberammergau mit Lüftlmalerei bemalte Fassaden. Etwa 35 Bauwerke stehen unter Denkmalschutz, sie sind in der Liste der Baudenkmäler in Unterammergau aufgeführt.

Neben der Hauptkirche St. Nikolaus und der Wallfahrtskirche Heilig Blut gibt es viele kleinere Kapellen und Bildstöcke, sie gelten in Unterammergau als Flurdenkmäler. Zu ihrer Erschließung wurden zwei Kapellen- und Marterlwege beiderseits der Ammer eingerichtet.

Industriedenkmal[Bearbeiten]

Auf Infotafeln am Zugang zur Schleifmühlklamm erfährt der Wanderer Wichtiges aus der Zeit der Wetzstein-Industrie:

Die Wetzsteinmacherei war 300 Jahre lang ein bedeutender Handwerkszweig in Unterammergau. Sie bildete die Grundlage für Wohlstand im Ort und fand im Wappen Eingang. Wahrscheinlich wurde bei der Suche nach den Edelmetallen Gold oder Silber zwischen „blindem Gestein“ Plattenschichten entdeckt, welche sich zum Schärfen hervorragend eigneten. Die in diesem Gestein enthaltene Kieselerde besaß die schärfenden Eigenschaften und der enthaltene Quarzanteil verhinderte das Brechen. Nur 10 Prozent des abgebauten Materials aus den 1865 existierenden 52 Steinbrüchen war zur Wetzsteinherstellung zu gebrauchen. Vor allem in der Schleifmühlklamm wurden die abgebauten wertvollen Steinschichten zu den begehrten Schleifsteinen weiterverarbeitet und in viele Länder exportiert. In mühevoller Handarbeit stellten die Handwerker ca. 200 000. [5]: 38 Wetzsteine her. Dies geschah in den Schleifmühlen, welche die vorhandene Wasserkraft nutzten. 40 Familien ernährten sich 1865 in 32 Mühlen vom Schleifen der Steine neben den Einnahmen aus der Landwirtschaft.

Der Niedergang der Wetzsteinmacherei kam durch die Erfindungen der synthetisch hergestellten Wetzsteine und der Mähmaschinen. Auch fehlten Absatzgebiete nach dem 2. Weltkrieg.

Das Wetzsteinmuseum, welches in zahlreichen originalen Aufbauten die vergangene Zeit zurückruft, entstand in der „Schleifmühle“.

Vereine[Bearbeiten]

In Unterammergau gibt es etwa 20 verschiedene Vereine. [6]

Der größte Sportverein ist der WSV Unterammergau[7], der mehrere bekannte Rodler und Skiläufer hervorgebracht hat. Neben den Winterdisziplinen Ski Alpin, Ski Nordisch und Rodeln hat der Verein auch Abteilungen für Fußball und Turnen. Ein weiterer Sportverein ist der Eisstockclub EC Unterammergau

Der Theaterverein und der Musikverein mit seiner Blaskapelle[8] sorgen für die Kultur, der Volkstrachtenverein und die Schützengesellschaft Ammertaler pflegen das Brauchtum. Freiwillige Feuerwehr und Bergwachtbereitschaft[9] sorgen für Sicherheit.

Brauchtum[Bearbeiten]

Am letzten Sonntag im Oktober findet der Leonhardiritt zur Kappelkirche statt. In Festkleidung und mit bunt geschmückten Pferden zieht ein Festzug, begleitet von den Klängen der Musikkapellen aus der Umgebung, zu der Wallfahrtskirche. [5]: 122

Bereits seit 1910 ziehen Mitglieder der Unterammergauer Blaskapelle am 30. Dezember zum Neujahrsanblasen durch den Ort, machen immer wieder Halt und wünschen mit einem Ständchen den Bewohnern ein gutes neues Jahr. Als Belohnung erhalten die Spieler eine Spende.[10]

Seit dem Jahr 2000 wird an einem Bäuerlichen Nostalgietag vergangenes bäuerliches Handwerk in Erinnerung gerufen. Zur Vorführung kommen unter anderem: Buttern, Heuernte, Dengeln, Mähen, Dreschen usw. Außerdem werden alte Geräte oder Maschinen gezeigt und ihr Einsatz wird vorgeführt.[11]

Natur[Bearbeiten]

Moore prägen die Landschaft in den Tälern der Ammergauer Alpen. Das Pulvermoos zwischen Unterammergau und Oberammergau steht seit 1982[5] : 30, 31 unter Naturschutz. Es ist ein Flachmoor. Einige Hochmoorstellen sind für den Wanderer gut zu erkennen. Auch das Kochel-Filz zwischen Unterammergau und Altenau ist seit 1987[5]: 31 ein Naturschutzgebiet.

Weblinks[Bearbeiten]

Open book nae 02.svg Wikipedia-Buch: Unterammergau – Sammlung von Wikipedia-Artikeln zum kostenlosen Download als PDF-Datei oder zum Bestellen als gedrucktes Buch

 Commons: Unterammergau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Unterammergau – Reiseführer

Unterammergau im Panoport Reiseführer www.ammergau.de

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b Kommunalwahl 2008. In: Website der Gemeinde Unterammergau. Abgerufen am 28. März 2013.
  3. Zusammensetzung des Gemeinderats. In: Website der Gemeinde Unterammergau. Abgerufen am 28. März 2013.
  4. Unterammergau: Wappengeschichte vom HdBG
  5. a b c d  Heinfried Barton: Die Ammergauer Alpen. 2 Auflage. Frankh’sche Verlagshandlung W. Keller & Co., Stuttgart 1989, ISBN 3-440-04817-9.
  6. Vereine in Unterammergau. In: Website der Gemeinde Unterammergau. Abgerufen am 6. April 2013.
  7. Website des WSV Unterammergau. Abgerufen am 6. April 2013.
  8. Website der Blaskapelle Unterammergau. Abgerufen am 6. April 2013.
  9. Seiten der Bergwacht Unterammergau. In: Website der Bergwacht Bayern. Abgerufen am 6. April 2013.
  10. Neujahranblasen der Blaskapelle. Ammergauer Alpen GmbH, abgerufen am 6. Dezember 2012.
  11. Bäuerlicher Nostalgietag im Ammertal. Historischer Arbeitskreis Unterammergau, 11. März 2012, abgerufen am 6. Dezember 2012.