Werd (Bodensee)

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Werd
Inselgruppe Werd im Untersee mit Stein am Rhein (vorne) und Eschenz (hinten)
Inselgruppe Werd im Untersee mit Stein am Rhein (vorne) und Eschenz (hinten)
Gewässer Rheinsee/Hochrhein, Untersee, Bodensee
Inselgruppe Im Werd (Werd-Inseln)
Geographische Lage 707279 / 27929947.6555555555568.8666666666667398Koordinaten: 47° 39′ 20″ N, 8° 52′ 0″ O; CH1903: 707279 / 279299
Werd (Schweiz)
Werd
Länge 194 m
Breite 105 m
Fläche 1,5854 ha
Höchste Erhebung unbenannt
398 m ü. M.
Einwohner 9
568 Einw./km²
Hauptort Kloster Werd (St. Othmar)
Fussgängerbrücke zur Insel Werd mit dortigem Kloster Werd

Die Insel Werd bei Eschenz im Schweizer Kanton Thurgau ist die Hauptinsel der kleinen Inselgruppe Im Werd (Werd-Inseln) im westlichsten Teil vom Untersee des Bodensees. Eine etwa 200 m lange Fussgängerbrücke von Eschenz kommend zur Insel. Dort befindet sich das Kloster Werd (auch Kloster St. Othmar[1] genannt).

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Hauptinsel Werd gehört zur Gemeinde Eschenz (Ortsteil Untereschenz) des schweizerischen Kantons Thurgau. Sie befindet sich im Mittel rund 650 m[1] südöstlich vom Ausfluss des Hochrheins aus dem Rheinsee, dem Südteil des zum Bodensee gerechneten Untersees. Die höchste Stelle der 1,5854 ha grossen Insel liegt auf 398 m ü. M..[1]

Die übrigen beiden Inseln der Gruppe gehören zur Gemeinde Stein am Rhein des Kantons Schaffhausen. Sie sind unbewohnt und bilden das Natur- und Vogelschutzgebiet Mittleres und unteres Werdli. Die Insel Mittleres Werdli ist 0,4 ha und das Untere Werdli 0,6 ha gross.

Die Grenzziehung zwischen den Kantonen Thurgau und Schaffhausen folgt hier der Mittellinie des Rheins[2], knickt aber nordwestlich der Hauptinsel nach Südwesten ab.

Als geographische Grenze zwischen Untersee bzw. Rheinsee und Hochrhein gilt die Rheinbrücke bei Stein am Rhein.[3] Die Werdinseln liegen etwas oberhalb der Brücke und sind deshalb Bodenseeinseln, nicht Flussinseln. Die Westspitze des Unteren Werdli liegt noch etwa 345 m[1] oberhalb der Rheinbrücke.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Werd wurde schon 5000 v. Chr. von Pfahlbauern bewohnt. Seit der Mittelsteinzeit sind Steingeräte von Jägern und Sammlern nachgewiesen. Im Neolithikum bot die Werd einen idealen Siedlungsplatz. Zwischen 1931 und 1935 fanden unter der Leitung von Karl Keller-Tarnuzzer Ausgrabungen statt. Zahlreiche Gegenstände wie Steinbeile, Pfeilspitzen, eine Sichel aus Feuerstein, Keramikscherben, Angelhaken aus Knochen aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit kamen ans Tageslicht. Aus der Bronzezeit fanden sich Werkzeuge, Waffen und Schmuck. Raymund Netzhammer verbrachte zu dieser Zeit seinen Lebensabend im Kloster Werd und erlebte die Ausgrabungen mit, er schrieb darüber einige Artikel. An der Grabung beteiligt waren Karl Albert Sulzberger, Louis Reverdin und Hans Bessler. Unter den zahlreichen Besuchern war unter anderem Eugen Tatarinoff.

Im Winter 2005/2006 kam es zu einem extremen Tiefstand des Bodensees, was grosse Uferflächen und prähistorische Objekte freilegte. Eine Auswahl davon sowie von römischen und mittelalterlichen Originalfunden sind beim Eingang des Refektoriums auf der Insel Werd ausgestellt. Weitere wichtige Funde werden im Museum für Archäologie in Frauenfeld und im Ortsmuseum in Eschenz aufbewahrt.

2011 wurden die ehemaligen Pfahlbausiedlungen mit 110 weiteren Fundstellen in 6 Alpenländern von der UNESCO in das Inventar des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

Die Römer bauten 50 n. Chr. eine Pfahljochbrücke zwischen Rätien und Germanien und benutzten die Inseln in der Rheinmitte als Widerlager. Die beiden Brückenteile hatten eine Länge von 220 beziehungsweise 217 Metern und eine Breite von sechs Metern. Die Römerstrasse, in der Literatur „rätische Grenzstrasse“[4] genannt, führte vom Vicus Tasgetium (Eschenz) über Rielasingen, Singen, Friedingen, Steisslingen, Orsingen, Vilsingen, Inzigkofen nach Laiz an eine Furt durch die Donau. In Orsingen gab es eine Abzweigung nach Pfullendorf und Burgweiler. In der Gegend des Dürren Ast gibt es eine Abzweigung über Schweingruben, über das Ablachtal nach Meßkirch, Krauchenwies und Mengen-Ennetach.[5]

Der heilige Otmar, erster Abt des Klosters St. Gallen, wurde im Jahr 759 auf Werd in die Verbannung geschickt, wo er am 16. November desselben Jahres starb. Zu seinem Andenken steht seit dem 15. Jahrhundert die St. Otmarskapelle auf der Hauptinsel. Die Insel gehört dem Benediktinerkloster Einsiedeln, ist aber von Franziskanern gepachtet, die in dem der Kapelle angebauten Haus leben.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz Finke: Inselspaziergänge. Werd, Liebesinsel, Reichenau, Mainau, Dominikanerinsel, Lindau., 1991, ISBN 387685122X.
  • Karl Keller-Tarnuzzer: Die Inselleute vom Bodensee 1935,

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Insel Werd – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Karte mit Werd-Inseln, auf map.geo.admin.ch.
  2. Die erste Erwähnung der Stadt Schaffhausen …, auf stadtarchiv-schaffhausen.ch
  3. Schweizerische Zeitschrift für Hydrologie, Volumes 21-22, S. 49: Das Ende des Untersees und damit des gesamten Bodensees liegt unter der Rheinbrücke bei Stein.
  4. Friedrich Hertlein und Peter Goessler: Die Strassen und Wehranlagen des römischen Württemberg. (Friedrich Hertlein, Oscar Paret, Peter Goessler: Die Römer in Württemberg. Teil 2). Kohlhammer, Stuttgart 1930, S. 172–177
  5. Hansjörg Schmid, Hans Eberhardt: Archäologie im Umland der Heuneburg. Neue Ausgrabungen und Funde an der oberen Donau zwischen Mengen und Riedlingen. Vorträge des 2. Ennetacher Arbeitsgespräches vom 18. März 1999 und Begleitheft zur Ausstellung im Heuneburgmuseum (21. Mai–31. Oktober 1999). Heuneburg, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, 1999. S.–101. Archäologische Informationen aus Baden-Württemberg 40 (Stuttgart 1999).