Unterfranken

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Unterfranken
Wappen
Wappen
Flagge
Flagge
Staat: Deutschland
Bundesland: Bayern
Verwaltungssitz: Würzburg
Größte Städte: 1. Würzburg
2. Aschaffenburg
3. Schweinfurt
4. Bad Kissingen/ Kitzingen
Fläche: 8.530,99 km²
Einwohner: 1.297.727 (31. Dezember 2012[1])
Bevölkerungsdichte: 152 Einwohner je km²
Bezirkstagspräsident: Erwin Dotzel (CSU)
Regierungspräsident: Paul Beinhofer
Webpräsenz:
Locator map RB Unterfranken in Bavaria.svg Locator map Unterfranken in Germany.svg
Lage in Bayern und Deutschland

Unterfranken liegt im fränkischen Teil von Bayern und ist sowohl ein Bezirk als auch ein Regierungsbezirk. Es liegt im Nordwesten des Freistaates und grenzt im Süden und Westen an die Länder Baden-Württemberg und Hessen, im Norden an den Freistaat Thüringen und im Osten an die bayerischen Regierungsbezirke Oberfranken und Mittelfranken.

Der Name Unterfranken bezieht sich, ähnlich wie im Falle von Niederbayern und Oberbayern, auf die relative Position des Mains. Entsprechend liegt Unterfranken an dessen Unterlauf, Oberfranken am Oberlauf und Mittelfranken dazwischen. Diese Benennung geht zurück auf die Erschaffung des „Mainkreises“ im Zuge der von Graf Montgelas 1808 verfassten Konstitution des Königreichs Bayern. Die Einteilung der Territorien wurde dem französischen Vorbild angeglichen und orientierte sich insofern primär an Flussnamen. Da der Main Unterfranken durchfließt, wird die Region besonders von den Einheimischen auch als Mainfranken (und Weinfranken wegen des Weinbaus) bezeichnet.

Verwaltungssitz des Bezirks und gleichzeitig Regierungssitz des Regierungsbezirks ist Würzburg.

Gliederung[Bearbeiten]

Der Regierungsbezirk Unterfranken umfasst drei kreisfreie Städte und neun Landkreise:

Größte Städte[Bearbeiten]

Kreisfreie Städte[Bearbeiten]

  1. Aschaffenburg
  2. Schweinfurt
  3. Würzburg

Landkreise[Bearbeiten]

  1. Landkreis Aschaffenburg
  2. Landkreis Bad Kissingen
  3. Landkreis Haßberge
  4. Landkreis Kitzingen
  5. Landkreis Main-Spessart
  6. Landkreis Miltenberg
  7. Landkreis Rhön-Grabfeld
  8. Landkreis Schweinfurt
  9. Landkreis Würzburg

Anmerkungen:

  1. Der Landkreis Haßberge hieß in der Übergangszeit vom 1. Juli 1972 bis zum 30. April 1973 Haßberg-Kreis.
  2. Der Landkreis Main-Spessart hieß in der Übergangszeit vom 1. Juli 1972 bis zum 30. April 1973 Landkreis Mittelmain. Der Sitz der Kreisverwaltung befand sich in Lohr a. Main.
  3. Der Landkreis Rhön-Grabfeld hieß in der Übergangszeit vom 1. Juli 1972 bis zum 30. April 1973 Landkreis Bad Neustadt a. d. Saale.

Vor der Landkreisreform[Bearbeiten]

Alte Landkreisgrenzen

Die folgende Gliederung in kreisfreie Städte und Landkreise galt bis zur Kreisgebietsreform, die am 1. Juli 1972 in Kraft trat:

Kreisfreie Städte[Bearbeiten]

Landkreise[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Der Bezirk Unterfranken meldete im Februar 2010 5,1 Prozent Arbeitslose, im Januar waren es noch 5,0 Prozent. Damit hat Unterfranken nach Oberbayern die niedrigste Arbeitslosenquote aller bayerischen Regierungsbezirke.[2]

Die wirtschaftlichen Schwerpunkte Unterfrankens liegen in Aschaffenburg, Würzburg, Schweinfurt und in den größeren Mittelzentren entlang des Mains (z. B. Miltenberg, Lohr am Main).

Laut dem europäischen Statistikamt erreicht Unterfranken ein BIP pro Kopf von 116 Prozent des europäischen Durchschnitts (2008).

Geschichte[Bearbeiten]

Siehe auch Geschichte Frankens

Mit dem Übergang fränkischer, zum kleinen Teil auch kurrheinischer und oberrheinischer Gebiete an das neue Königreich Bayern nach dem Wiener Kongress entstand der Untermainkreis mit Würzburg als Hauptstadt. Seit dem 1. Januar 1838 trug der Bezirk den Namen „Unterfranken und Aschaffenburg“ in Anlehnung an das Herzogtum Franken, in dessen ehemaligem Ostteil er liegt (ausgenommen Aschaffenburg und Umgebung, die im ehemaligen Westteil liegen).

Durch die Verordnung vom 20. Mai 1938 (GVBl. 1938, 199) wurde der Name des Bezirks dem des räumlich identischen NSDAP-Gaues Mainfranken angeglichen und die bisherige Bezeichnung „Unterfranken und Aschaffenburg“ abgelöst. Nach Ende des Dritten Reiches wurde der Name am 15. Juli 1946 erneut geändert und der Regierungsbezirk „Unterfranken“ (ohne den Zusatz „und Aschaffenburg“) benannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die thüringische Enklave Ostheim vor der Rhön zu Unterfranken.

Bezirk[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung[Bearbeiten]

Unter rotem Schildhaupt, darin drei silberne Spitzen, gespalten von Blau und Rot; vorne eine schräggelegte, von Silber und Rot gevierte und zweimal gekerbte Standarte an goldener Lanze, hinten ein sechsspeichiges silbernes Rad.

Wappengeschichte[Bearbeiten]

Das Wappen geht auf einen Entwurf von Otto Hupp von 1906 zurück, der damals jedoch nicht verwendet wurde. Der Bezirk Unterfranken gab sich das Wappen, das die wichtigsten Herrschaftsverhältnisse in diesem Bezirk widerspiegelt, erst 1961. Der Fränkische Rechen stammt aus dem Wappen des Domkapitels und Hochstifts Würzburg und ist heute auch Symbol für ganz Franken. Die von Silber und Rot gevierte Standarte steht für das Herzogtum Ostfranken. Sie ist auch im Wappen der Stadt Würzburg enthalten. Das silberne Rad (Kilianrad) steht für den Kurstaat und das Erzstift Mainz. Beide hatten bis 1803, als das Heilige Römische Reich Deutscher Nation aufgelöst wurde, im Untermaingebiet bis einschließlich Aschaffenburg erheblichen Einfluss. Das Mainzer Rad ist auch im Wappen der Landkreise Landkreises Aschaffenburg, Miltenberg und Main-Spessart enthalten.

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge Unterfrankens stellt eine rot-weiße Frankenfahne mit mittig angeordnetem Bezirkswappen dar.

Bezirkstag[Bearbeiten]

Zusammensetzung[Bearbeiten]

Wahl CSU SPD FW Grüne FDP Die Linke REP NPD GDP¹ BP Gesamt
2013[3] 9 4 3 2 1 1 20
2008 10 4 3 2 1 1 21
2003 13 4 2 1 20
1998 13 7 1 1 1 23
1994 13 7 2 1 23
1990 14 6 1 1 1 23
1986 15 7 1 23
1982 15 7 1 23
1978 15 7 1 23
1974 15 7 1 23
1970 15 8 1 24
1966 14 8 1 1 24
1962 13 8 1 1 23
1958 14 6 1 2 23
1954 12 6 2 2 1 23

¹ 1954 und 1958 GB/BHE

Bezirkstagspräsident[Bearbeiten]

Bezirkstagspräsident ist seit dem 30. Januar 2007 Erwin Dotzel (CSU). Er wurde Nachfolger des am 2. Dezember 2006 verstorbenen Albrecht Graf von Ingelheim (CSU). Stellvertretende Bezirkstagspräsidentin ist Eva-Maria Linsenbreder (SPD). Weiterer Vertreter des Bezirkstagspräsidenten ist Armin Grein (Freie Wähler).

Aufgaben des Bezirk Unterfranken[Bearbeiten]

Der Bezirk Unterfranken ist einer von sieben Bezirken in Bayern. Neben den Gemeinden und Landkreisen bzw. kreisfreien Städten bilden die Bezirke die dritte kommunale Ebene. Oberstes politisches Organ des Bezirks ist der Bezirkstag. Den Vorsitz im Bezirkstag führt der Bezirkstagspräsident, der auf die Dauer von fünf Jahren aus der Mitte des Bezirkstags gewählt wird. Der Bezirk Unterfranken erfüllt Aufgaben, die über die Zuständigkeit oder das Leistungsvermögen der Landkreise bzw. kreisfreien Städte hinausgehen. Er unterhält und unterstützt öffentliche Einrichtungen, die für das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Wohl der Menschen in Unterfranken notwendig sind. Als Träger der überörtlichen Sozialhilfe hilft er pflegebedürftigen, behinderten und psychisch kranken Menschen. Der Bezirk Unterfranken ist zudem Träger von Fachkliniken sowie mehrerer Heime. Weitere Aufgabenschwerpunkte des Bezirk Unterfranken sind unter anderem die regionale Kulturarbeit, die Partnerschaft mit dem Departement Calvados, die Fachberatung für Kellertechnik und Kellerwirtschaft sowie die Fachberatung für Fischerei.

Einrichtungen des Bezirk Unterfranken[Bearbeiten]

Der Bezirk Unterfranken ist Träger psychiatrischer Krankenhäuser und Heime in Lohr am Main und Werneck, psychiatrischer Tageskliniken in Aschaffenburg und Schweinfurt und der Intensiveinheit für Kinder- und Jugendpsychiatrie auf dem Gelände der Universitätsklinik in Würzburg. In Würzburg unterhält der Bezirk mit dem Jakob-Riedinger-Haus ein Wohn- und Wohnpflegeheim für behinderte Menschen, in Lohr, Römershag und Werneck Pflegeheime und in Münnerstadt ein Heim für chronisch Alkoholkranke. Außerdem ist der Bezirk Unterfranken Träger von zwei orthopädischen Fachkliniken in Werneck und Würzburg sowie einer Fachklinik für Thoraxchirurgie in Münnerstadt. Mit der Dr.-Karl-Kroiß-Schule unterhält der Bezirk Unterfranken in Würzburg ein Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Hören. Hinzu kommen Beteiligungen an anderen Einrichtungen, wie z. B. der Blindenanstalt Nürnberg e.V.

Fachberatungen[Bearbeiten]

Kulturarbeit und Heimatpflege[Bearbeiten]

Zur Erfüllung der ihm auf kulturellem Gebiet obliegenden Aufgaben berät und fördert der Bezirk Unterfranken in den Bereichen Denkmalpflege, Museen, Theater, Musik, Tracht, Kleinkunst und zeitgenössische Kunst. Er vermittelt Kontakte zu Stadt- und Kreisheimatpflegern, historischen Vereinen und Kulturanbietern. Im Schloss Aschach bei Bad Kissingen unterhält der Bezirk drei Museen.

Fischereifachberatung[Bearbeiten]

Der Bezirk Unterfranken sorgt für den Erhalt, die Verbesserung und den Schutz der Lebensgrundlagen für Fische und andere Wassertiere. Die Beratungs- und Sachverständigentätigkeit umfasst die Schwerpunkte Angelfischerei, Flussfischerei, Fischartenschutz und Teichwirtschaft.

Fachberatung für Kellerwirtschaft und Kellertechnik[Bearbeiten]

Im Bereich Kellerwirtschaft und Kellertechnik berät der Bezirk Unterfranken fränkische Winzer in Fragen des Weinausbaus. Mit seinen Beratungs- und Schulungsangeboten wird ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung und Steigerung der Qualität des Frankenweins erbracht.

Partnerschaftsreferat[Bearbeiten]

Der Bezirk Unterfranken unterstützt und pflegt zahlreiche Partnerschaften unterfränkischer Gemeinden mit Kommunen in ganz Frankreich. Dabei stellen die Förderung der Partnersprache und Angebote für junge Menschen Aufgabenschwerpunkte dar. Seit 1986 unterhalten der Bezirk Unterfranken und das Département Calvados eine aktive partnerschaftliche Beziehung.

Regierungsbezirk[Bearbeiten]

Regierungspräsidenten[Bearbeiten]

  • Maximilian Freiherr von Lerchenfeld, 1814–1817
  • Franz-Wilhelm Freiherr von Asbeck, 1817–1825
  • Max Freiherr von Zu Rhein, 1826–1832
  • Karl Freiherr von Stengel, 1832
  • August Graf von Rechberg und Rothenlöwen, 1833–1837
  • Ferdinand Freiherr von Andrian-Werburg, 1837
  • Philipp Graf von Lerchenfeld, 1838–1840
  • Leopold Graf Fugger von Glött, 1840–1849
  • Friedrich Freiherr von Zu Rhein, 1849-1868
  • Friedrich Graf von Luxburg, 1868–1901
  • Ludwig von Kobell, 1901–1907
  • Karl Ritter von Müller, 1907–1913
  • Friedrich Ritter von Brettreich, 1913–1916
  • Julius Ritter von Henle, 1917–1929
  • Bruno Günder, 1929–1933
  • Otto Hellmuth (NSDAP), 1933–1945
  • Adam Stegerwald (CSU) 1945
  • Jean Stock, 1945–1946
  • Adolf Körner, 1946–1950
  • Karl Kihn, 1950–1952
  • Josef Hölzl, 1952–1960
  • Heinz Günder, 1960–1968
  • Robert Meixner, 1968–1974
  • Philipp Meyer, 1975–1984
  • Franz Vogt, 1984–2000
  • Paul Beinhofer, seit 2000

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Björn-Uwe Abels: Die vor- und frühgeschichtlichen Geländedenkmäler Unterfrankens, (Materialhefte zur bayerischen Vorgeschichte, Reihe B, Band 6). - Kallmünz, 1979
  • Horst-Günter Wagner: Zum Standort des Wirtschaftsraumes Unterfranken im Spiegel seiner jüngeren historischen Außenbeziehungen. - S. 1–22 in: Ante, Ulrich (Hrsg.): Zur Zukunft des Wirtschaftsraumes Unterfranken. Würzburg 1992 = Würzburger Universitätsschriften zur Regionalforschung (Bd. 4).
  • Horst-Günter Wagner: Mainfranken – Wirtschaftsgeographische Entwicklungswege und Problemfelder. S. 17–35 in: Marquardt-Kuron, Arnulf und Konrad Schliephake (Hrsg): Raumbezogene Verkehrswissenschaften - Anwendung mit Konzept. Bonn 1996, 428 S. = Material zur Angewandten Geographie Band 26.
  • Horst-Günter Wagner: Die Entwicklung des Wirtschaftsraumes Unterfranken 1814–2000. S. 137–189 in: Peter Kolb/Ernst-Günter Krenig (Hrsg.): Unterfränkische Geschichte Band 5/1, Würzburg 2002, ISBN 3-429-02373-4.
  • Horst-Günter Wagner, Winfried Schenk: Dynamik und Struktur der Bevölkerung in Unterfranken seit 1815. S. 55–74 in: Kolb, Peter u. Ernst-Günter Krenig (Hrsg.): Unterfränkische Geschichte, Bd 5/1. Würzburg 2002, ISBN 3-429-02373-4.
  • Radu Chinta: Die unterirdische Kalksteingewinnung im mainfränkischen Gebiet – eine bergbauhistorische Seltenheit, Geologische Blätter für Nordost-Bayerns, Band 32, Heft 1-2, Erlangen, 1982.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011)
  2. http://www.br-online.de/studio-franken/aktuelles-aus-franken/arbeitsmarkt-februar-2010-kw08-ID1267088755386.xml
  3. Bezirk Unterfranken – Die Bezirksorgane (online abgerufen am 11. Oktober 2013)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Unterfranken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.024479.9319Koordinaten: 50° N, 10° O