Unterlinden-Museum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Außenansicht des Museums
Der Isenheimer Altar von Matthias Grünewald
Ansicht des Kreuzgangs

Das Unterlinden-Museum (französisch: Musée d’Unterlinden) ist ein Kunstmuseum im elsässischen Colmar. Es verfügt über eine große Sammlung von Objekten vom Neolithikum bis hin zur Gegenwart, besonders auch von oberrheinischer Sakralkunst vom Mittelalter bis zur Renaissance. Das Museum nutzt die Gebäude des ehemaligen Dominikanerinnen-Klosters Unter den Linden, das in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet worden war. Nach dessen Auflösung während der Französischen Revolution wurde in der Folgezeit ein Großteil der Gebäude abgerissen. 1853 konnte das Museum in den noch erhaltenen Teilen der Klosteranlage eröffnet werden.

Geschichte des Museums[Bearbeiten]

Als bereits im ersten Jahr der Französischen Revolution die Kirchengüter verstaatlicht wurden und es auch zur Auflösung des Colmarer Unterlindenklosters kam, setzten sich Bürger der Stadt für die Erhaltung der Gebäude und Kunstwerke ein und ließen das bewegliche Kulturgut zur Aufbewahrung ins Collège national (heute Lycée Bartholdi) bringen.[1] Die Klostergebäude selbst gingen 1792 endgültig in den Besitz der Stadt Colmar über und wurden zuerst als Militärkaserne genutzt; im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden dann das südliche Seitenschiff der Kirche und fast alle Klausurbauten abgerissen. Erst 1847 konnte der Colmarer Archivar und Bibliothekar Louis Hugot (1805–1864) das Ende des Abbruchs bewirken und Kirche und Kreuzgang vor der Zerstörung retten, indem die von ihm gegründete „Schongauer-Gesellschaft“ eine neue Nutzung der Klosteranlagen als Museum forderte. Die Entdeckung eines gallo-römischen Mosaiks im nahegelegenen Bergheim, das in der Kirche des Unterlinden-Klosters gelagert wurde, beförderte diese Pläne. Am 3. April 1853 wurde dann in den noch erhaltenen Bauten des alten Dominikanerinnenkonvents das neue Museum eröffnet. Wenig später (1854) erhielt die gesamte Anlage die Klassifizierung als Monument historique.[2]

Seit 2012 ist eine Erweiterung des Museums durch die Basler Architekten Herzog & de Meuron im Gange, um den umfangreichen Sammlungsbestand des Museums vollständiger und in moderner ausstellungsdidaktischer Konzeption zeigen zu können. Dabei wird auch die angrenzende ehemalige städtische Badeanstalt einbezogen, ein ebenfalls architektonisch bemerkenswerter Bau von 1906 mit Stilelementen des Art nouveau und einer imposanten neo-barocken Fassade. Die umfassende Neugestaltung des gesamten Museumskomplexes soll 2014 abgeschlossen sein und rund 30 Mio € kosten.[3]

Das Museum und seine Sammlungen[Bearbeiten]

Das Museum besitzt internationalen Ruf, insbesondere durch sein wichtigstes Exponat, den weltberühmten Isenheimer Altar von Matthias Grünewald (entstanden Anfang des 16. Jahrhunderts). Als hervorragend gilt auch die Sammlung von Gemälden und Skulpturen des späten Mittelalters und der Renaissance, u. a. mit Werken von Martin Schongauer, dessen Meister Caspar Isenmann, Cranach dem Älteren und Holbein dem Älteren.

Die enzyklopädische Dimension des Museums erweist sich in einer Sammlung archäologischer Fundstücke vom Neolithikum bis hin zur Merowingerzeit, ebenso wie in der Sammlung von Kunstgewerbe und Volkskunst vom 16. bis zum 19. Jahrhundert und in einer vielfältigen Kollektion von Gemälden des 19. Jahrhunderts. Der sehr reiche Fundus an moderner und zeitgenössischer Kunst wird bisher aufgrund von Platzmangel nur unregelmäßig zur Schau gestellt.

Das Unterlinden-Museum ist als ein Musée de France ausgezeichnet. Mit jährlich ca. 200 000 Besuchern nimmt es unter den meistbesuchten französischen Kunstmuseen außerhalb von Paris den zweiten Platz ein.

Das Museum liegt in der Colmarer Innenstadt, Rue d'Unterlinden Nr. 1.

Ehemaliges Dominikanerinnenkloster[Bearbeiten]

Historisch und baugeschichtlich von Bedeutung ist das ehemalige Dominikanerinnenkloster, in dessen erhaltenen Gebäuden sich heute das Museum befindet. 1232 hatten zwei adelige Witwen aus Colmar, Agnes von Mittelheim und Agnes von Hergheim (Herenkheim) mit Unterstützung von Dominikanern aus Straßburg ein Kloster Unter den Linden („sub tilia“) gegründet, das dann 1245 in den Dominikanerorden inkorporiert wurde. Im Laufe des 13. Jahrhunderts baute man eine umfangreiche Klosteranlage; die 1252 begonnene und 1269 durch Albertus Magnus geweihte Kirche wurde auch für andere Klöster vorbildlich. 1289 konnte der Kreuzgang fertiggestellt werden.[4][5] Religions- und literaturgeschichtlich bedeutend ist das wahrscheinlich anfangs des 14. Jahrhunderts von der Priorin Katharina von Gebersweiler († 1330/45)[6] in lateinischer Sprache verfasste Schwesternbuch von Unterlinden; von mystischer Spiritualität beeinflusst, berichtet es, hagiographisch überhöht, vom Tugendstreben, der harten asketischen Praxis und den Gnadenerfahrungen verstorbener Nonnen.[7] Im 15. Jahrhundert schloss sich das Kloster schon 1419 der klösterlichen Reformbewegung an und beteiligte sich in der Folgezeit geistig und personell auch an der Reform anderer Klöster;[8] dazu erweitert es beträchtlich seine Bibliothek. [9]

Trotz wechselvoller geschichtlicher Ereignisse in den folgenden Jahrhunderten der Neuzeit erlebte das Kloster bis zu seiner erzwungenen Aufhebung keinen Niedergang.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hier und im Folgenden im Wesentlichen nach Webseite Musée Unterlinden: Historischer Überblick [1]
  2. Siehe bei Webseite Monastère Saint Jean Baptiste d’Unterlinden [2]
  3. Pressemitteilung des Museums (PDF; frz.; 2,8 MB) abgerufen am 26. März 2013
  4. Siehe Ancelet-Hustache (s. u.: Literatur), S. 329f.
  5. Unterlinden-Museum. In: archINFORM. Abgerufen am 1. März 2010
  6. Siehe Peter Dinzelbacher: Katharina von Gebersweiler. In: ²VL Bd. 4 (1983) Sp. 1073-1075; s. auch Karl-Ernst Geith: Kempf, Elisabeth. In: ²VL Bd. 4 (1983), Sp. 1115-1117 und Bd. 11 (2004), Sp. 836f.
  7. Schwesternbücher in Wikisource: Unterlindener Schwesternbuch
  8. Siehe Dominikanerinnenkloster Steinheim im Kreis Ludwigsburg und Steinenkloster Basel
  9. Siehe dazu auch Webseite Unterlinden, Jardin clos de l’âme rhenane [3]

48.0797222222227.3555555555556Koordinaten: 48° 4′ 47″ N, 7° 21′ 20″ O

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Unterlinden-Museum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Le Musée Unterlinden de Colmar, Sylvie Lecoq-Ramond & Pantxika Béguerie, Éditions Albin Michel, Paris, 1991. ISBN 2-226-05411-1
  • Jeanne Ancelet-Hustache (Hrsg.): Les "Vitae Sororum" d'Unterlinden. Edition critique du manuscrit 508 de la bibliothèque de Colmar. In: Archives d'histoire doctrinale et littèraire du Moyen Age 5 (1930) S. 317-513