Unternehmen Tannenberg

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Der Deckname Unternehmen Tannenberg wurde für zwei unterschiedliche Unternehmungen verwendet:

  • Deutsches Kommandounternehmen Ende August 1939 zur Vortäuschung von Kriegsgründen (Überfall auf den Sender Gleiwitz u. ä.)
  • Einsatzgruppen des Reichssicherheitshauptamtes für den Einsatz im Polenfeldzug hinter den vorrückenden deutschen Armeen

Kommandounternehmen[Bearbeiten]

Mit dem „Unternehmen Tannenberg“, das von SS-Gruppenführer Reinhard Heydrich, dem Chef der Sicherheitspolizei und des SD, ersonnen worden war, sollte Adolf Hitler einen propagandistischen Vorwand für den Überfall auf Polen erhalten. Dazu wurde am 31. August 1939 von der SS unter dem SS-Sturmbannführer Alfred Naujocks ein polnischer Überfall auf den Sender Gleiwitz vorgetäuscht.[1]

Einsatzgruppen[Bearbeiten]

polnische Lehrer aus Bromberg werden vom Volksdeutschen Selbstschutz zur Exekution im Todestal geführt, 1.November 1939
Ludolf von Alvensleben, Führer des "Volksdeutschen Selbstschutz" in Westpreußen, Bromberg 1939

Unter dem Decknamen Unternehmen Tannenberg wurden im Vorfeld des Überfall auf Polen fünf Einsatzkommandos (EK) aufgestellt, um hinter den vorrückenden deutschen Armeen die nationalsozialistische Volkstumspolitik in Polen durchzusetzen.[2]

Die offizielle Aufgabe der insgesamt 2700 Mann starken EKs war die „Bekämpfung aller reichs- und deutschfeindlicher Elemente rückwärts der fechtenden Truppe“. Darüber hinaus dienten sie jedoch der möglichst umfassenden Vernichtung der polnischen Inteligencja. Zu diesem Zweck war bereits im Voraus in Zusammenarbeit mit der volksdeutschen Minderheit in Polen das sogenannte Sonderfahndungsbuch Polen angelegt worden, in dem 61.000 Namen von Aktivisten, Intellektuellen, Militärs u. a. aufgeführt waren, die „liquidiert“ werden sollten. Die Einsatzkommandos unterstanden formal den lokalen Befehlshabern der Wehrmacht.

Die SS-Männer, die z. B. am Überfall auf den Sender Gleiwitz, der als Rechtfertigungsgrund für den deutschen Angriff auf Polen inszeniert worden war, beteiligt waren, wurden danach einem dieser Kommandos zugewiesen.

Im September und Oktober 1939 wurden mindestens 20.000 Polen in 760 Massenexekutionen durch die EKs und reguläre Einheiten der Wehrmacht ermordet. Das Unternehmen Tannenberg war vor Kriegsbeginn auch mit der Wehrmacht vereinbart worden.[3] Vor allem unter Führung des SS- und Polizeiführers für Westpreußen Ludolf-Hermann von Alvensleben wurden auch vom Volksdeutschen Selbstschutz umfangreiche Exekutionen vorgenommen.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alfred Spiess, Heiner Lichtenstein: Unternehmen Tannenberg. Der Anlass zum Zweiten Weltkrieg. Korrigierte und erweiterte Ausgabe. (Ullstein-Buch ; Nr. 33118 : Zeitgeschichte) Ullstein, Frankfurt/M ; Berlin 1989, ISBN 3-548-33118-1.
  • Various authors: Monografia obozu KL Stutthof. Państwowe Muzeum Stutthof w Sztutowie, 2000.
  • Andrzej Leszek Szcześniak: Plan zagłady Słowian – Generalplan OST. Radom, POLWEN, 2001, ISBN 83-88822-03-9.
  •  Unternehmen Tannenberg. August 1939: Wie der SD den Überfall auf Polen vorbereitete (III). In: Der Spiegel. Nr. 34, 1979 (online).

Quellen[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format„Unternehmen Tannenberg: Wie der SD den Überfall auf Polen vorbereitete “. In: Der Spiegel. 13. August 1979, abgerufen am 14. September 2014.
  2. Enzyklopädie des Nationalsozialismus. Herausgegeben von Wolfgang Benz, Hermann Graml und Hermann Weiß. 3., korrigierte Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 1998. s.v. Grenzzwischenfälle
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format„Unternehmen Tannenberg: Polnische Dokumentation über die Einsatzgruppen “. In: Die ZEIT. 5. November 1971, abgerufen am 14. September 2014.
  4. Christian Jansen, Arno Weckbecker: Eine Miliz im „Weltanschauungskrieg“. Der „Volksdeutsche Selbstschutz“ in Polen 1939/40. In: Wolfgang Michalka (Hg.): Der Zweite Weltkrieg. Analysen, Grundzüge, Forschungsbilanz. Im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes. Seehamer, Weyarn 1997. ISBN 3-932131-38-X, S. 482 – 500.