Unternehmensbesteuerung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Unternehmensbesteuerung bezeichnet die Gesamtheit der Steuern, denen Unternehmen unterliegen.

Unternehmensbesteuerung in Deutschland[Bearbeiten]

Das deutsche System der Unternehmensbesteuerung unterscheidet drei wesentliche Steuertypen:[1]

Besteuerung des Ertrags[Bearbeiten]

Wesentliche Steuerarten: Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Solidaritätszuschlag

Die gesetzlichen Regelungen zur Ertragsbesteuerung in Deutschland werden von der Unterscheidung zwischen der Besteuerung im Sinne des Transparenzprinzips und der Besteuerung im Sinne des Trennungsprinzips bestimmt.

Einzelunternehmen und Personengesellschaften werden transparent besteuert, erzielte Gewinne unterliegen der Einkommensteuer des Gesellschafters.

Kapitalgesellschaften werden dem Trennungsprinzip unterworfen, Gewinne unterliegen der Körperschaftsteuer. Ausschüttungen unterliegen der jeweiligen persönlichen Einkommensteuer, auf die die Abgeltungsteuer anzuwenden ist. Ist der Anteilseigner eine Kapitalgesellschaft, sind die Ausschüttungen mit Ausnahme von 5 % nichtabzugsfähiger Betriebsausgaben steuerfrei.

Werden im Rahmen der Tätigkeit des Unternehmens Einkünfte aus Gewerbebetrieb erzielt, so ist zusätzlich Gewerbesteuer zu zahlen. Diese ist als Gemeindesteuer ein wesentlicher Aspekt des nationalen Steuerwettbewerbs innerhalb Deutschlands.

Zur Einkommen- und Körperschaftsteuer wird ein Solidaritätszuschlag erhoben.

Besteuerung des Verbrauchs[Bearbeiten]

Wesentliche Steuerarten: Umsatzsteuer, Grunderwerbsteuer

Die Umsatzsteuer wird zwar beim Unternehmen erhoben, ist aber wirtschaftlich durch den Endverbraucher zu tragen. Das Unternehmen hat insofern die Steuer lediglich auf Grundlage der eigenen Wertschöpfung zu entrichten. Es ist daher zum Abzug der Vorsteuer berechtigt.

Die Grunderwerbsteuer wird beim Erwerb eines inländischen Grundstücks erhoben.

Darüber hinaus können weitere Verbrauchsteuern anfallen, die aber im Rahmen der Unternehmensbesteuerung in der Regel keine wesentliche Bedeutung haben.

Besteuerung der Substanz[Bearbeiten]

Wesentliche Steuerarten: Grundsteuer, Erbschaft- und Schenkungsteuer

Die Grundsteuer wird als Gemeindesteuer auf das Eigentum an Grundstücken erhoben.

Die Erbschaft- und Schenkungsteuer fällt auf eine Erbschaft oder Schenkung an. Dies ist auch dann der Fall, wenn ganze Unternehmen oder Unternehmensanteile vererbt beziehungsweise verschenkt werden.

Aspekte internationaler Unternehmensbesteuerung[Bearbeiten]

Doppelbesteuerung[Bearbeiten]

Um die steuerliche Benachteiligung von Unternehmen mit grenzüberschreitenden Aktivitäten zu vermindern, sind zwischen vielen Ländern Abkommen zur Reduzierung der Doppelbesteuerung vereinbart worden. Diese basieren in der Regel auf dem Musterabkommen der OECD.[2]

Steuerwettbewerb[Bearbeiten]

Ein mit niedrigen Unternehmensteuersätzen geführter internationaler Steuerwettbewerb zwischen Staaten zielt vor allem darauf, den mobilen Produktionsfaktor Kapital als notwendige Grundlage für Investitionen im eigenen Land anzuziehen.[3] Aufgrund von Steuervermeidung der Unternehmen kann umgekehrt der Steuerwettbewerb der Staaten zu einem Race to the bottom, das heißt immer niedrigeren Steuererträgen führen. Dies Phänomen lässt sich seit einigen Jahrzehnten national und international beobachten.[4]


Empirisch sind die tatsächlichen Steuerbelastungen international agierender Konzerne kaum zuverlässig ermittelbar.[5] Zur modellhaften Bestimmung eines Effektivsteuersatzes in verschiedenen Ländern werden daher Simulationsprogramme wie der European Tax Analyzer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung verwendet.[6]

Die Unternehmensbesteuerung für das Jahr 2008 - nach Unternehmensteuerreform 2008 in Deutschland- im internationalen Vergleich kann der nachfolgenden Tabelle des Bundesfinanzministeriums für die EU und andere Staaten entnommen werden (Steuersätze für Zentralstaat zzgl. ggf. für regionale Gebietskörperschaften).

Unternehmensbesteuerung 2008 in der EU und anderen Staaten
Quelle: Bundesfinanzministerium[7]

Land

Unternehmenssteuern in %
EU
Belgien 33,99 %
Bulgarien 10 %
Dänemark 25 %
Deutschland 29,83 %
Estland 0,00 % (Unternehmen selbst zahlen keine Ertragssteuer. Nur die Entnahmen werden beim Empfänger mit 21% besteuert)
Finnland 26 %
Frankreich 34,43 %
Griechenland 25 %
Irland 12,5 %
Italien 31,4 %
Lettland 15 %
Litauen 15 %
Luxemburg 29,63 %
Malta 35 %
Niederlande 25,5 %
Österreich 25 %
Polen 19 %
Portugal (Lissabon) 26,5 %
Rumänien 16 %
Schweden 28 %
Slowakei 19 %
Slowenien 22 %
Spanien 30 %
Tschechien 21 %
Ungarn 21,28 %
Vereinigtes Königreich 28 %
Zypern 10 %
Andere Staaten
Norwegen 28 %
Schweiz 20,65 %
Japan 30 %
Kanada 21,28 %
USA, New York (Bundesstaat) 39,63 %

Alternative Steuersysteme[Bearbeiten]

Vor allem in skandinavischen Ländern ist das Modell der dualen Einkommensteuer verbreitet. Auch die Unternehmensbesteuerung wird von diesem Modell geändert, da zwischen Erwerbseinkommen und Kapitaleinkommen unterschieden wird. Dieses System wurde im April 2006 durch den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung auch für Deutschland vorgeschlagen.[8] In Estland existiert eines für Europa einzigartiges System der Unternehmensbesteuerung, alle Kapitalgesellschaften zahlen keine Ertragssteuern für ihre Gewinne, es werden nur die Entnahmen besteuert und diese werden ausschließlich beim Empfänger der Entnahme besteuert, dies mit einem derzeitigen Satz von 21%.

Unitary Taxation[Bearbeiten]

Um die Steuervermeidung von multinationalen Unternehmen in Griff zu bekommen, wird in der OECD und der EU als Alternative die Gesamtkonzernbesteuerung oder Unitary Taxation diskutiert. Dabei werden nicht mehr die Gewinne der einzelnen Betriebsstätten ermittelt, sondern es wird der Gewinn des Gesamtkonzerns als Grundlage genommen. Dieser Gesamtgewinn wird dann mit Hilfe einer Formel auf die Länder aufgeteilt und dort jeweils mit dem nationalen Steuersatz besteuert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Quellen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Begriff Unternehmensbesteuerung
  2. OECD Model Tax Convention on Income and on Capital (PDF; 109 kB)
  3. Auszug aus dem Jahresgutachten 2004/05, Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dort Ziffer 775
  4. Nicola Liebert: Globalisierung, Steuervermeidung und Steuersenkungswettlauf, Bonn 2004.
  5. Wilfried Herz: Halber Steuersatz, doppelter Ärger. In: Die Zeit., 14. Juni 2006
  6. Europäische Kommission KOM 2001/582: Ein Binnenmarkt ohne steuerliche Hindernisse (PDF; 431 kB)
  7. BMF:Die wichtigsten Steuern im internationalen Vergleich, Übersicht 4 S. 21
  8. Expertise Duale Einkommensteuer

Weblinks[Bearbeiten]

Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!