Unternehmenswert

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Unternehmenswert ist der in Geldeinheiten ausgedrückte Wert eines Unternehmens. Aus Sicht der Nutzentheorie entspricht der Wert eines Unternehmens dem subjektiven Nutzen, den die Eigentümer aus diesem ziehen können. Aus investitionstheoretischer Sicht ist der Unternehmenswert der sichere Geldbetrag, der für das Bewertungssubjekt in einer zu definierenden Weise äquivalent ist zu den unsicheren zukünftigen Netto-Rückflüssen aus dem Unternehmen. Zu unterscheiden ist der Wert eines Unternehmens von dessen Preis. Beide sind nur unter eng definierten Bedingungen identisch.

Den Prozess, in dem der Unternehmenswert ermittelt wird, bezeichnet man als Unternehmensbewertung.

Marktwert, innerer Wert und Bewertungsmodelle[Bearbeiten]

Marktwert[Bearbeiten]

Unternehmen bzw. Unternehmensanteile sind handelbare Güter und besitzen als solche einen Marktwert. Am deutlichsten wird dies bei börsennotierten Aktiengesellschaften, bei denen sich der Marktwert in der Marktkapitalisierung der Eigenkapitalinstrumente manifestiert. Bei jeder Aktientransaktion manifestiert sich der von den Marktteilnehmern angenommene Wert des Unternehmens(anteils) im gezahlten Preis. Selbiges gilt analog für Unternehmenskäufe.

Auch nicht börsengehandelte Unternehmen besitzen einen Marktwert, allerdings ist dieser relativ schwer zu bestimmen. Dies liegt zum einen daran, dass der Markt für Unternehmenstransaktionen relativ illiquide ist, zum anderen daran, dass Unternehmen heterogene Güter sind, so dass sich die Preisfindung schwierig gestaltet. Verfahren, die versuchen, den Marktwert von Unternehmen direkt aus tatsächlich beobachtbaren Marktdaten abzuleiten, werden als Mark-to-Market-Bewertungsverfahren bezeichnet. Hierzu gehören die Vergleichswertverfahren wie die Similar-Public -Company-Methode oder die Multiplikatormethode.

Innerer Wert[Bearbeiten]

Unter dem inneren Wert (englisch Intrinsic Value) oder fairen Wert (englisch Fair Value) versteht man den Wert eines Unternehmens bzw. Eigenkapitalinstruments, der diesem aufgrund der wirtschaftlichen Fundamentaldaten beigemessen wird. Der innere Wert kann sich vom Marktwert unterscheiden, da in letzteren auch preisbildende Faktoren einfließen, die unabhängig von den wirtschaftlichen Fundamentaldaten sind, insbesondere Angebots-/Nachfrage-Mechanismen. Bspw. kann ein niedriges Zinsniveau in einer Volkswirtschaft zu einer vermehrten Nachfrage nach Aktien führen, wodurch der Marktwert von börsennotierten Aktiengesellschaften sich nach oben vom inneren Wert entfernen kann.

Bewertungsmodelle[Bearbeiten]

Da sich Marktwerte von Unternehmen oftmals nur schwer bestimmen lassen, muss in der Praxis der Unternehmensbewertung regelmäßig auf Bewertungsmodelle zurückgegriffen werden. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer Mark-to-Model-Bewertung. Unternehmenswerte, die mittels Bewertungsmodellen gewonnen werden, sind als theoretische Annäherung an Marktwerte zu verstehen. Bewertungsmodelle wie das Ertragswertverfahren und das Discounted Cash-Flow-Verfahren sind nur unter der Annahme vollkommener Kapitalmärkte identisch mit tatsächlich beobachtbaren Marktwerten. In der Praxis existieren allerdings keine vollkommenen Kapitalmärkte.

Enterprise Value und Equity Value[Bearbeiten]

Enterprise Value[Bearbeiten]

Der (Total) Enterprise Value, auch als Entity Value oder Firm Value bezeichnet, ist der aggregierte Wert der Eigen- und Fremdkapitalinstrumente eines Bewertungsobjekts. Dieser entspricht investitionstheoretisch dem aggregierten Wert aller diskontierten künftigen Netto-Zahlungsmittelrückflüsse an die Eigen- und Fremdkapitalgeber. Bei vollkommenen Kapitalmärkten würde der Enterprise Value der Summe aus dem Marktwert des Eigenkapitals und des Fremdkapitals entsprechen. Bei börsennotierten Unternehmen lässt sich entsprechend die Summe aus Marktkapitalisierung und Fremdkapital als (Näherung an den) Enterprise Value interpretieren.

Der Enterprise Value ist grundsätzlich unabhängig von der Kapitalstruktur (Finanzierung) eines Bewertungsobjekts, d.h. der Unternehmenswert bleibt ceteris paribus bei beliebiger Variation der Mittelherkunft immer gleich, sofern sich die gewichteten Gesamtkapitalkosten (weighted cost of capital) bei einer Veränderung der Kapitalstruktur nicht ebenfalls verändern. In der Praxis wird der Enterprise Value dazu verwendet, Unternehmen mit unterschiedlicher Kapitalstruktur miteinander zu vergleichen.

In der Praxis wird der Enterprise Value dazu verwendet, Unternehmen mit unterschiedlicher Kapitalstruktur miteinander zu vergleichen.

Equity Value[Bearbeiten]

Der Equity Value (Equity = Eigenkapital) ist der Wert des Eigenkapitals eines Bewertungsobjekts. Dieser entspricht investitionstheoretisch dem aggregierten Wert aller diskontierten künftigen Netto-Zahlungsmittelrückflüsse aus dem Bewertungsobjekt abzüglich der Zahlungen an die Fremdkapitalgeber. Bei vollkommenen Kapitalmärkten würde der Equity Value dem Marktwert des Eigenkapitals entsprechen. Die Marktkapitalisierung börsennotierter Unternehmen kann als Equity Value bzw. Näherung an diesen interpretiert werden.

Fortführungswert und Liquidationswert[Bearbeiten]

Fortführungswert[Bearbeiten]

Wenn das Unternehmen voraussichtlich nach der Bewertung fortgeführt wird, erfolgt die Wertermittlung unter der Prämisse der Unternehmensfortführung (Fortführungsprinzip). Das Unternehmen wird hier als Kombination von Produktionsfaktoren zum Zweck der Gewinnerzielung aufgefasst. Aus investitionstheoretischer Sicht ergibt sich der Unternehmenswert dann als Aggregat der voraussichtlichen zukünftigen diskontierten Netto-Zahlungsmittelrückflüsse. Der Fortführungswert ist ein unsicherer Wert. Die wichtigsten Bewertungsverfahren zur Ermittlung von Fortführungswerten sind das Ertragswertverfahren und das Discounted-Cash-Flow-Verfahren.

Liquidationswert[Bearbeiten]

Wenn das Unternehmen nach der Bewertung voraussichtlich nicht fortgeführt wird bzw. die Zerschlagung bereits sicher ist, ergibt sich der Unternehmenswert als Aggregat der Veräußerungswerte der einzelnen veräußerungsfähigen Aktiva abzüglich der Schulden (Liquidationswert). Sofern einzelne Sparten/Unternehmensteile als Einheit veräußert und beim Käufer fortgeführt werden, sind für diese dennoch Fortführungswerte zu ermitteln.

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]