Unterversicherung

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Unterversicherung liegt im Bereich der Sachversicherungen vor, wenn die Versicherungssumme zum Zeitpunkt des Versicherungsfalles niedriger ist als der Versicherungswert; in Deutschland geregelt in § 75 VVG.

Allgemeines[Bearbeiten]

Sachversicherungen verfolgen das Prinzip, dass der tatsächliche Wert eines Risikos der Versicherungssumme entsprechen sollte. Ist die Versicherungssumme größer als der Versicherungswert, so besteht eine Überversicherung (§ 74 VVG). Das führt zu einer überhöhten Prämienzahlung an den Versicherer.

Ist die Versicherungssumme kleiner als der Versicherungswert, so liegt Unterversicherung vor. Die Unterversicherung hat zur Folge, dass im Schadensfall die Entschädigung der Versicherung nur anteilig berechnet wird, wodurch eine hohe Verantwortung auf den Versicherungsnehmer übergeht.[1] Die Formel für die Entschädigung lautet:

\text{Entschädigung} =\frac{ \text{Schaden} \cdot \text{Versicherungssumme}}{ \text{Versicherungswert} }

Unterversicherungsverzicht[Bearbeiten]

Bei bestimmten Versicherungsarten können Versicherer einen Unterversicherungsverzicht einräumen. Dieser Verzicht besagt, dass der Versicherer im Schadensfall darauf verzichtet, eine mögliche Unterversicherung zu prüfen. Jedoch ist die Entschädigung regelmäßig auf die Versicherungssumme begrenzt.

  • Hausratversicherung: bei bestimmten Versicherungssummen pro Quadratmeter Wohnfläche.
  • Gebäudeversicherung: bei Wertermittlung durch die Versicherungsgesellschaft. Gelegentlich wird hier sogar eine Wiederherstellungsgarantie für das Gebäude übernommen. Außerdem gehen viele Versicherer dazu über, die Wohnfläche zugrunde zu legen und gewähren schon bei richtiger Angabe der Wohnfläche den „Unterversicherungsverzicht“.
  • landwirtschaftliche Versicherungen: bei Versicherungssummen, die von der Versicherungsgesellschaft über z. B. Nutzfläche oder Tieranzahl ermittelt werden.
  • gewerbliche Versicherungen: bei Versicherungssummen, die von der Versicherungsgesellschaft über z. B. Flächenangaben ermittelt werden.

Beispiel Hausratversicherung[Bearbeiten]

Die Versicherungssumme ist 20.000 €, der tatsächliche Wert der Einrichtung beträgt jedoch 50.000 € - es besteht damit eine Unterversicherung. Bei einem Schaden werden 60 % der Wohnungseinrichtung zerstört, die Schadenssumme beträgt 30.000 €. Ohne Unterversicherungsverzicht zahlt die Versicherung 12.000 € (Faustregel: 60 % Schaden entspricht 60 % Entschädigung der Versicherungssumme), mit Unterversicherungsverzicht ersetzt die Versicherung die volle Versicherungssumme in Höhe von 20.000 €.

Einzelnachweise[Bearbeiten]