Upper Moutere

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Upper Moutere
Upper Moutere (Neuseeland)
Upper Moutere
Koordinaten 41° 16′ S, 173° 0′ O-41.271122222222173.00583333333Koordinaten: 41° 16′ S, 173° 0′ O
Region Tasman
Distrikt Tasman

Upper Moutere, bis 1917 Sarau genannt,[1] ist ein Dorf mit deutscher Siedlungsgeschichte im Tasman-Distrikt auf der Südinsel von Neuseeland.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf, an den Moutere Hills gelegen, befindet sich rund 7 km südwestlich des Küstenstreifens der Tasman Bay und rund 25 km westlich des Stadtzentrums von Nelson entfernt. Upper Moutere ist verkehrstechnisch über den nordsüdliche verlaufenden State Highway 60 zu erreichen.

Geschichte[Bearbeiten]

Hintergrund[Bearbeiten]

Die ersten deutschen Siedler, die in der Umgebung von Nelson siedelten, verließen am 26. Dezember 1842 Hamburg und segelten in einer mehr als sechsmonatigen Überfahrt auf der St. Pauli nach Neuseeland. Sie erreichten Nelson am 14. Juni 1843. Die Neuankömmlinge gründeten 1843 Sankt Paulidorf, das jedoch schon nach gut einem Jahr wegen Überflutungen aufgegeben werden musste. Einige Siedler gaben auf, suchten sich Siedlungsmöglichkeiten in anderen Teilen Neuseelands, oder wanderten nach Australien aus.[2] Andere blieben in der Region Nelson. Manche derer, die nach Australien gingen, kehrten jedoch später nach Neuseeland zurück und siedelten zum Teil in Houhora und Awanui. Die Region Nelson ist damit das älteste deutsche Siedlungsgebiet in Neuseeland, andere frühe Siedlungsgebiete waren Puhoi und Rangitikei.

Ranzau, Sarau, Neudorf[Bearbeiten]

St. Paul's Lutheran Community Church, gegründet 1864 in Sarau, heute Upper Moutere, 1905 an gleicher Stelle neu.

Am 1. September 1844 erreichte eine zweite Gruppe von Siedlern, die vorwiegend aus Mecklenburg stammten, das Umland von Nelson. Graf Kuno zu Rantzau-Breitenburg, an Siedlungsprojekten in Neuseeland als Investitionsvorhaben interessiert, finanzierte 13 Familien die Überfahrt und die Ansiedlung, nachdem die Nachricht über den bevorstehenden Bankrott der New Zealand Company im März 1844 das Projekt kurzfristig infrage gestellt hatte.[3]

Am 21. April 1844 legte die Skjold von Hamburg ab. Mit auf dem Schiff befanden sich drei Bevollmächtigte von Rantzau-Breitenburg, (Johann Benoit, Carl und Johann Kelling), die seine Grundstücke verwalten und die Ansiedlung betreiben sollten.[3]

Die Gruppe siedelte im Osten der Waimea Plain, dem von der New Zealand Company zugedachten Areal, rund 10 km südwestlich von Nelson entfernt. Sie tauften ihre Ansiedlung Ranzau, ihrem Protegé zu Ehren. Getreideanbau, später Obst-, Hopfen- und Tabakanbau, stellte die wirtschaftliche Grundlage ihres Engagements dar. Ab 1850 begannen einzelnen Siedler mit der Schafzucht. Mitte der 1850er kamen weitere Einwanderer in die Gegend und gründeten mit einzelnen Siedlern der ersten Stunde das Dorf Sarau, weiter nordwestlich gelegen. Neudorf und Rosental folgte nach weiteren Zuzügen in den 1860ern.

Da die Siedler mehrheitlich aus dem Norden Deutschlands kamen, waren sie zumeist lutherischen Glaubens. Pastor Heine zog 1849 nach Ranzau und 1853 mit seiner Frau Anna nach Sarau, wo er 1865 die St Paul’s Church einweihte, die erste lutherische Kirche am Ort.

Umbenennungen von Orten[Bearbeiten]

Während des Ersten Weltkriegs wurde die deutschstämmige Bevölkerung in Neuseeland als "feindliche Ausländer" diskriminiert und viele von ihnen während des Krieges auf Inseln wie Motuihe Island interniert. Andere gerieten in den Konflikt mit Neuseeländern zusammen gegen Deutschland zu kämpfen. In der sich entwickelnden antideutschen Stimmung wurden vielfach deutsche Orts- oder Straßennamen anglisiert.[4] So wurden Sarau zu Upper Moutere, Ranzau zu Hope und Rosental zu Rosedale umbenannt.

Heute[Bearbeiten]

Upper Moutere ist heute eine sich entwickelnde Gemeinde, die auch Dienstleistungen für die naheliegenden Siedlungen Neudorf, Dovedale, Ngatimoti, Mahana und Orinoco anbietet.[5] In den umliegenden Farmwirtschaften trägt der Gartenbau mit Äpfeln, Weintrauben, Beerenfrüchte und Hopfen zu einem Teil der Einkommen bei, Schaf- und Rinderzucht stellen den anderen.

Deutsch wird heute unter den Einwohnern nicht mehr gesprochen. Lediglich der Tourismus oder ein Gang auf die Friedhöfe hält die Erinnerung an die deutsche Siedlungsgeschichte des Ortes und des Umlandes wach. So verweist der heutige Besitzer des Moutere Inn gerne auf die mehr als 160-jährige Geschichte seines Gasthofes mit deutschem Ursprung und behauptet der älteste Pub Neuseelands zu sein,[6] wogegen die St. Paul's Lutheran Church mit geführten Touren auf ihre deutsche Vergangenheit aufmerksam macht.[7]

Noch immer gibt es auch einige deutsche Orts- oder Straßennamen, die von vergangenen Zeiten der deutschen Besiedlung zeugen. Das Dorf Neudorf oder Ranzau als Wahlbezirk, die Ranzau Road, Ranzau Church oder die Ranzau School, um nur einige zu nennen. Auch am Ortseingang von Upper Moutere deutet ein Schild darauf hin, dass der Ort früher einmal Sarau hieß.

Literatur[Bearbeiten]

  •  James N. Bade: The German Connection - New Zealand and German-Speaking Europe in the Nineteenth Century. Oxford University Press, Auckland 1993, ISBN 0-19-558283-7.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. "Sarau" - Historic Village of Upper Moutere. St Paul’s Lutheran Community Church, abgerufen am 1. Februar 2011 (PDF; 746 kB, englisch).
  2. German settlement in Nelson . THEPROW.org.nz, abgerufen am 1. Februar 2011 (HTML, englisch).
  3. a b  James N. Bade: The German Connection - Chapter 6 - The Nelson German Settlements. S. 52-59.
  4. Immigration after 1914. Te Ara - the Encyclopedia of New Zealand, abgerufen am 1. Februar 2011 (HTML, englisch).
  5. About Upper Moutere, Tasman District. Tasman District Council, abgerufen am 1. Februar 2011 (HTML, englisch).
  6. The Moutere Inn – The Oldest Pub in New Zealand. The Mouterer Inn, abgerufen am 1. Februar 2011 (PDF; 616 kB, englisch).
  7. Guided Church and Cemetery Tours. St. Paul's Lutheran Church, abgerufen am 1. Februar 2011 (HTML, englisch).