Upton Sinclair

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Upton Sinclair (1934)

Upton Beall Sinclair (* 20. September 1878 in Baltimore, Maryland; † 25. November 1968 in Bound Brook, New Jersey) war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Sein Werk erstreckt sich über verschiedene Literaturgattungen und thematisiert Sozialkritik in vielerlei Form. Insbesondere Anfang des 20. Jahrhunderts genoss er in den Vereinigten Staaten, aber auch im deutschsprachigen Raum große Popularität.[1]Seit 1915 lebte er in Pasadena, Kalifornien, dann in Buckeye, Arizona. Er war insgesamt dreimal verheiratet. Sinclair wurde in Deutschland durch zahlreiche Übersetzungen bekannt.

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten]

Upton Sinclair verkauft selbst die "Feigenblatt"-Ausgabe seines Buches "Oil!" (1927)

Sinclair wuchs unter ungewöhnlichen Umständen auf: Sein Vater war Alkoholiker, der Alltag durch bittere Armut geprägt. Bei seinen Großeltern in New York wiederum konnte Sinclair das Leben vermögender Amerikaner kennenlernen. So begegnete er früh den beiden extremen Positionen der amerikanischen Gesellschaft.

Um sein Studium am New York City College zu finanzieren, schrieb er Witze, Groschenromane und Erzählungen für Magazine und Zeitungen. Damit war er so erfolgreich, dass er sich das Studium an der renommierten Columbia Universität erlauben konnte.

„The Jungle“ als Durchbruch[Bearbeiten]

Arbeiter reinigt eine Rinderhälfte in einem Schlachthof, Chicago 1909

Sein Roman „The Jungle“ (dt. Titel zunächst „Der Sumpf“, später: Der Dschungel) von 1906, der sich mit den Lebensumständen in der amerikanischen Fleischkonserven-Industrie in den Union Stock Yards Chicagos beschäftigte, führte zu allgemeinem Aufsehen in der Öffentlichkeit und veranlasste schließlich die Durchsetzung eines speziellen Gesetzes zur Inspektion der Schlachthöfe zwecks Aufrechterhaltung der Hygiene und des Lohnniveaus. Damit wurden die Arbeitsbedingungen jedoch nur zeitweilig verbessert.

1914 wirkte Sinclair an der Verfilmung seines Romans mit.

Sozialpolitische Ambitionen[Bearbeiten]

Nachdem er The Jungle veröffentlicht hatte, investierte er ca. 30.000 $ seines Lohns in die Helicon Home Colony, eine utopische Kommune in New Jersey. Diese brannte jedoch bereits vier Monate später nieder.

Theodore Roosevelt prägte für ihn und andere sozialkritische Autoren den Schimpfnamen Muckraker (= Schmutzaufwühler, Nestbeschmutzer), was ihn jedoch nicht daran hinderte, Sinclairs Argumente zu nutzen, wenn sie seinem eigenen Reformkurs dienen konnten. Der Begriff muckraking wird auch heute noch in der amerikanischen Alltagssprache für sozialkritische Literatur und Enthüllungsjournalismus genutzt.

Mehrmals kandidierte Sinclair für politische Posten, so 1906 und 1920 als Mitglied der Sozialistischen Partei für das Repräsentantenhaus sowie 1922 für den Senat. 1926 und 1930 trat er als Sozialist ohne Erfolgschancen bei der Gouverneurswahl in Kalifornien an. Zusammen mit seiner zweiten Frau, Mary Craig, finanzierte er 1930/31 Sergei Eisensteins Film ¡Qué viva México!.[2]

1934 wechselte Sinclair zur Demokratischen Partei und errang deren Nominierung für die Wahlen zum Gouverneur von Kalifornien. Sein Wahlprogramm umfasste unter anderem einen Sozialplan, der als EPIC (End Poverty in California) bekannt wurde. Trotzdem unterlag er dem republikanischen Amtsinhaber Frank Merriam mit 38:49 Prozent der Stimmen.[3]

Sinclairs Grab auf dem Rock Creek Friedhof in Washington, D.C.

Als Autor war Sinclair ständig um die Anprangerung sozialer Missstände bemüht. Sein Rang als Journalist und Sozialreformer blieb unbestritten. Seine größte Anerkennung fand er − mit Ausnahme der kurzen Zeit, wo er dank The Jungle auch in den USA allgemein populär war − in Europa. In der deutschsprachigen Linken wurde er viel gelesen, und seine Gestalt des braven, disziplinierten Parteiaktivisten Jimmie Higgins wurde zeitweilig geradezu sprichwörtlich. Aufgrund seiner politischen Exposition musste Sinclair allerdings seine Dramen, Romane, Kinderbücher und politisch-soziologischen Untersuchungen in den Vereinigten Staaten teilweise selbst verlegen.

Zitat[Bearbeiten]

  • Der Kinofilm eint und vereinheitlicht die Welt. Das heißt: er amerikanisiert sie. (Sinclair 1917)

Ehrungen[Bearbeiten]

Erst 1943 wurde Sinclair der Pulitzer-Preis zugesprochen für Dragon's Teeth, den 3. Roman einer mehrbändigen Serie, die den Helden Lanny Budd abenteuerlich durch das Zeitgeschehen von 1913 bis 1949 führt. Albert Einstein widmete ihm folgende Zeilen: Wen ficht der schmutzigste Topf nicht an ?/ Wer klopft der Welt auf den hohlen Zahn ? / Wer verachtet, was heute / und schwört auf das Morgen ? /... Der Sinclair ist der tapfere Mann / Wenn einer, dann ich es bezeugen kann ![4] Im Jahr 1937 schrieb er ihm das Gedicht: Ist denn dein Kampfesmut gar nicht zu zügeln ? / Gilt es auch nur, ein altes Weibchen zu verprügeln ? / Halt ein, mein Freund, es gibt weit ernst're Ziele / Wo Heldentum vonnöten im Gewühle ! [5] Die beiden hatten sich von Anfang der 30er bis Mitte der 50er Jahre viele Briefe geschrieben, die im Einstein-Archiv lagern.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Als Ensign Clarke Fitch: Clif, the Naval Cadet, Or Exciting Days at Annapolis David McKay, Philadelphia 1903. Engl.
  • (gleiches Pseudonym:) Clif Faraday In Command or The Fight of His Life in: True Blue. Striking Stories of Naval Academy Life. Street & Smith Publ., N. Y. 1899, Zeitschrift, No. 39. February 4, 1899
  • (gl. Pseud.:) Strange Cruise Or Cliff Faraday's Yacht Chase Reihe: Annapolis Series Vol. 5, ebd. 1903
  • Springtime and Harvest (1901); erste Novelle, (dt. König Midas 1922);
  • The Jungle (1906) (dt. Der Dschungel 1906), Neuübersetzung als Der Dschungel 1974
  • The Cry for Justice (1915). Dt. Sklaverei, Interterrit. Verl. "Renaissance", 1923.
  • King Coal (1917) (dt. König Kohle 1925)
  • The Profits of Religion (1918), (dt. Religion und Profit 1922) Essays
  • Jimmie Higgins (1919). Dt. Jimmie Higgins, Kiepenheuer, Potsdam 1919.
  • The Brass Check (1920); Kritik am Journalismus (dt. Der Sündenlohn 1921, gekürzt)
  • The Book of Life, Mind and Body (dt. Das Buch des Lebens 1920) ; Druck 1922 (3 Bände: 1-Buch des Geistes, 2-Buch des Körpers & der Liebe, 3-Buch der Gesellschaft)
  • The House of Wonder. In: Pearson’s Magazine, Juni 1922. (dt. Das Haus der Wunder : ein Bericht über Dr. Albert Abrams revolutionierende Entdeckung: die Feststellung der Diagnose vermittels der Radioaktivität des Blutes, übertragen von Hermynia Zur Mühlen. Prag : Orbis-Verl., 1922)
  • The Goosestep (1923); Sozialkritik an den höheren Bildungsanstalten
  • Oil! (1927); (dt. Petroleum 1927. Romanvorlage für den Film "There Will Be Blood" mit Daniel Day Lewis, 2007)
  • Money Writes! (1927); (dt. Das Geld schreibt. Eine Studie über die amerikanische Literatur, 1930)
  • Boston (1928) (dt. Boston. Die Geschichte von Sacco und Vanzettis Leben und Sterben und der Zivilisation, die sie umbrachte. 1929)[6]
  • The Wet Parade (1932). Dt. Alkohol, Übers. von Elias Canetti, Malik-Verlag Berlin, 1932.
  • CO-OP (1936). Dt. CO-OP, Verlag Friedrich Oetinger Hamburg (1948).
  • The Gnomobile. A Gnice Gnew Gnarrative With Gnonsense But Gnothing Gnaughty (1936) (dt. Das Gnomobil 1964)
  • The Flivver King 1937. Die dt. Übersetzungen mit verschiedenen Titeln: "Autokönig Ford" (1938); "Das Fließband" (1948); "Fließband. Ein Roman aus FORD-Amerika" (1974); "Am Fliessband. Mr. Ford und sein Knecht Shutt" (1983 März; 1985 ff. Rowohlt; wieder 2004 Area, Erftstadt als Doppelband mit Dschungel)[7] Text siehe Weblinks
  • Werter Genosse, die Maliks haben beschlossen ..., Wieland Herzfelde, Hermynia zur Mühlen, Upton Sinclair, Briefe 1919–1950, Bonn 2001
  • Lanny-Budd-Zyklus:
  1. World's End (1940) (dt. Welt-Ende 1942)[8]
  2. Between Two Worlds (1941) (dt. Zwischen zwei Welten 1947)
  3. Dragon's Teeth (1942) (dt. Drachenzähne 1946)
  4. Wide Is the Gate (1943) (dt. Weit ist das Tor 1947)[9]
  5. Presidential Agent (1944) (dt. Agent des Präsidenten 1948)[10]
  6. Dragon Harvest (1945) (dt. Teufelsernte 1949)[11]
  7. A World to win (1946) (dt. Schicksal im Osten 1950)[12]
  8. Presidential Mission (1947) (dt. Im Auftrag des Präsidenten 1951)
  9. One Clear Call (1948) (dt. Die elfte Stunde 1952)
  10. O shepherd, speak (1949) (dt. O Schäfer, sprich 1953)
  11. CoOp 1936 (dt. EA CoOp 1948, Verlag Friedrich Oetinger)
  12. The Return of Lanny Budd (1953) (dt. Lanny Budd kehrt zurück 1953)
  • What Didymus Did (1954) (dt. Die Wundertaten des Didymus 1955)
  • Mountain City (1930) (dt. So macht man Dollars 1931). Malik-Verlag, Berlin
  • Affectionately, Eve (1961) (dt. Eva entdeckt das Paradies 1962)

Literatur[Bearbeiten]

  • Edmund Schulz: Upton Sinclair. Bibliografie seiner Werke in deutscher Sprache. Buchausgaben, unselbständige Veröffentlichungen, Publizistik Schöneworth (Interdruck), Hannover 2007 ISBN 978-3-9811060-0-8
  • ders.: U. S. in der deutschsprachigen Presse. Eine Bibliografie Selbstverlag, Leipzig 2006 (Im Anhang: Ungedruckte Hochschulschriften über U. S. (5 Titel))
  • ders.: Bibliographie der deutschsprachigen Buchausgaben U. S's. ebd. 1996 (Vorläufer zu: ders. 2007)
  • Dieter Herms: Upton Sinclair, amerikanischer Radikaler. Eine Einführung in Leben und Werk März, Jossa 1978. (Ausführliches Literatur-Verz. in Engl. mit ca. 50 Titeln; Register)
    • ders.: U. S. zwischen Pop, zweiter Kultur und herrschender Ideologie Argument, Berlin 1986 ISBN 3-88619-765-4
    • ders.: Nachworte in den meisten Ausgaben des "Dschungel", die auf der MÄRZ-Ausgabe (Übers. Otto Wilck) beruhen (seit 1980)
    • ders.: Vergessene Rebellen? U. S.: Spanischer Bürgerkrieg Argument, Berlin 1989 (Reihe: Gulliver, Bd. 25)
  • Gerhard Pohl: U. S.- Der Mensch und das Werk in: U. S.: Präsident der USA Universum, Berlin 1927 (Reihe: Univ.-Bücherei für alle); wieder: Robinson-Verlag Berlin 1928
  • Ursula Zänsler: Zur gesellschaftlichen Funktion des "muckraking" im Werk U. S.s Hochschulschrift Diss. A., Pädagog. Hochschule Potsdam, 1982
  • Franz-Peter Spaunhorst: Literarische Kulturkritik als Dekodierung von Macht und Werten am Beispiel ausgewählter Romane von U. S., Frank Norris, John Dos Passos und Sinclair Lewis. Ein Beitrag zu Theorie & Methode der Amerikastudien als Kulturwissenschaft Peter Lang, Frankfurt 1987 (Reihe: Europäische Hochschulschriften, R. 14: Angelsächsische Sprache und Literatur, Bd. 167) Zugl.: Universität Bielefeld, Diss., 1986. ISBN 3-8204-9742-0
    • Kurzfassung: (mit gleichem Titel) in: Zs. English and American Studies in German. Summary of Theses and Monographs Beiheft (Suppl.) zu Anglia Niemeyer, Tübingen 1986, S. 149ff. (engl.) ISSN 0071-0490
  • Utz Riese & Doris Dziwas: U. S. in der amerikanischen Moderne in: Zs. Weimarer Beiträge. Zeitschrift für Literaturwissenschaft, Ästhetik und Kulturtheorie. 36.Jg. 1990, H. 6. S. 885-909. Aufbau, Berlin
  • Floyd Dell: Upton Sinclair: A Study in Social Protest, Essay, 1927

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Upton Sinclair – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zur weitgehend unkritischen Rezeption von Sinclair und auch von Frank Norris: Matthias Uecker: Wirklichkeit und Literatur : Strategien dokumentarischen Schreibens in der Weimarer Republik. Peter Lang Verlag, Oxford/Berlin 2007, S. 75.
  2. The Stalin-Kaganovich Correspondence, 1931-36, Seite 82
  3. Our Campaigns: Upton Sinclair
  4. Nach 1933, undatiert. Einstein Archiv Online in Jerusalem und beim California Institute of Technology, Archiv-Nr.31-121.10, handschriftlich
  5. ebd. Archiv-Nr. 31-190.00, wie vor.
  6. Untertitel in der Ausgabe März bei Zweitausendeins 1978, Innentitel
  7. Die Rowohlt TB-Ausgabe mit dem falsch geschriebenen Namen "...Shutt". − Fords Fließband in Detroit hatte Louis-Ferdinand Céline bereits 1932 literarisch behandelt in Voyage au bout de la nuit dt. Adaption 1933, dt. Übersetzung 2003
  8. Besprechung von Manfred George in Aufbau 1940. Nr. 38, S. 17f, online lesbar. "Mit einer Randbemerkung über einen Judentyp"
  9. wie Anm. zu World's Ende, aber 1943, Nr. 11, S. 15, Hans Lamm
  10. wie Anm. zu World's Ende, aber 1944, Nr. 23, S. 26
  11. wie Anm. zu World's Ende, aber 1945, Nr. 25, S. 11
  12. wie Anm. zu World's Ende, aber 1946, Nr. 33, S. 6, Ralph M. Nunberg = R. N. "Wieder Lanny Budd"