Urach (Adelsgeschlecht)

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Wappen der Grafen von Urach

Die Grafen von Urach waren ein schwäbisches Adelsgeschlecht des 12. und 13. Jahrhunderts, die von ihrem Hauptsitz bei Urach (heute Bad Urach in Baden-Württemberg) wirkten. Die Grafen von Urach waren stammesverwandt mit den Grafen von Achalm. Aus ihrem Geschlecht gingen die Grafen von Freiburg und die Grafen von Fürstenberg hervor, von denen letztere noch blühen. Die Uracher Linie endete bereits um das Jahr 1261, Urach war fortan Teil der Grafschaft Württemberg.

Der Titel Graf bzw. Herzog von Urach wurde im 18. und 19. Jahrhundert jedoch vom Haus Württemberg für morganatische Seitenlinien neu vergeben.

Geschichte[Bearbeiten]

Burg Hohenurach, Stammsitz der Grafen von Urach

Herkunft[Bearbeiten]

In der früheren Gaugrafschaft im Swiggerstal (Ermstal) erschienen Anfang des 11. Jahrhunderts die Gebrüder Egino und Rudolf[1], deren Hauptsitz bei Dettingen lag. Die Herkunft der Grafen mit weit gestreutem Besitz im Schwäbischen, im Zürichgau und Thurgau, lässt sich durch Quellen nicht bestimmen.

  • Ältere Darstellungen vermuten aufgrund von Besitztradition und Namenshäufigkeit eine Nachkommenschaft eines Grafen „Unruoch“ (eventuell Unruoch III. aus dem Adelsgeschlecht der Unruochinger).
  • Neuere Darstellungen schließen auf einen Ursprung der Uracher bei Aura an der Saale (Würzburg), wonach „Urach“ ein mitgebrachter Hausname wäre.[2]

Entwicklung[Bearbeiten]

Übersicht über die Grafen von Urach, Freiburg und Fürstenberg

Um 1050 ließen die beiden Brüder zunächst die Burg Achalm bei Reutlingen errichten. Rudolf von Achalm und seine Erben bildeten dort die Linie der Grafen von Achalm, während die Erben Eginos I. von Dettingen im oberen Ermstal bei Bad Urach eine weitere Burg errichten ließen. Es ist nicht sicher, ob dies die Wasserburg Urach oder die Höhenburg Urach war. Als Gründer kommen Egino II. († 1105) Graf im Swiggerstal oder dessen Sohn Egino III. der Jüngere († nach 1160) in Betracht.

Die strategische Lage an einer wichtigen Handelsstraße am Albaufstieg zwischen Neckargebiet und den Hochflächen der Schwäbischen Alb begünstigte die Entwicklung von Urach. Der Ort erhielt 1140 Marktrechte.

Egino IV. erweiterte nach dem Tode von Berthold V. 1219 das Herrschaftsgebiet um weitere Besitzungen aufgrund seiner Hochzeit 1180 mit Agnes von Zähringen. Sein Sohn Egino V. konnte sich im Erbstreit mit einer Nebenlinie der Zähringer erfolgreich durchsetzen. Mit der Burg Zindelstein wurden die gestreuten Besitzungen im Breisgau und in der Baar verbunden. Er verlagerte seinen Hauptsitz nach Freiburg. Als Egino I. wurde er Graf von Freiburg.

Um 1235 unterstützten Egino V. und seine Brüder Berthold und Rudolf den abtrünnigen König Heinrich VII. gegen dessen Vater und Kaiser Friedrich II. Die Einnahme der Burg Achalm durch kaisertreue Belagerer konnte noch verhindert werden, doch bei einer offenen Schlacht im Swiggerstal wurden die Uracher mit ihren Verbündeten Heinrich und Gottfried von Neuffen geschlagen.

Mit dem Verfall der Staufer-Herrschaft um 1250 gingen auch die Uracher Grafen unter. Heinrich von Urach wurde 1249 Graf von Freiburg, 1250 Graf von Fürstenberg und Landgraf in der Baar. 1254 tauschte er die Hälfte von Urach gegen die Hälfte von Wittlingen. 1265 musste er wohl aus Geldmangel Burg und die meisten Besitzungen bei Urach an Graf Ulrich von Württemberg verkaufen.

Die Uracher Linie endete mit dem Tod Berthold des Jüngeren um das Jahr 1261. Urach war fortan Teil der Grafschaft Württemberg.

Bedeutende Mitglieder[Bearbeiten]

Kardinal Konrad von Urach († 1227)

Stammliste[Bearbeiten]

Egino V. von Urach (ca. 1185-1236) führte als Egino I., Graf von Freiburg, statt des Uracher Löwen den roten Adler des ausgestorbenen Geschlechts seiner Mutter, der Zähringer, in seinem Wappen
Heinrich von Urach († 1283/4), 1250 Graf von Fürstenberg, Begründer der Grafen und Fürsten zu Fürstenberg
  1. Egino I. von Dettingen der Ältere († um 1050), begann um 1040, die Burg Achalm zu erbauen
    1. Egino II. († 7. Juli/5. November 1105), 1091–1105 Graf im Swiggerstal (Ermstal),
      ∞ Kunigunde/Hadwich (?)
      1. Egino III. der Jüngere († 25. Juli 1160 oder später), Graf von Urach
        ∞ Kunigunde von Wasserburg († 4. September 1168 oder später) Tochter von Engelbert Hallgraf, Graf von Attel, Lindburg und Wasserburg
        1. Egino IV. der Bärtige (* um 1160; † 1230), Graf von Urach
          ∞ Agnes von Zähringen († um 1220), Tochter von Herzog Berthold IV.
          1. NN Tochter
          2. Egino V. der Jüngere (* um 1185; † 1236), 1230–1236 Graf von Urach, Graf von Freiburg (Egino I.)
            ∞ Adelheid von Neuffen, Tochter von Heinrich von Neuffen
            1. Konrad I. von Urach (* um 1226; † 21. Mai 1271 gefallen), Graf von Freiburg
            2. Berthold der Jüngere († wohl 1261), Graf von Urach
              ∞ vor 1238 Agatha von Lechsgemünd, Tochter von Berthold I. Graf von Lechsgemünd
              1. Bertha 1261 Nonne in Sirnau
            3. Kunigunde († vor 1252)
              ∞ Otto Graf von Eberstein († 1279)
            4. Heinrich von Urach († 24. Dezember 1283 oder 6. Januar 1284), Graf von Urach, 1249 Graf von Freiburg, 1250 Graf von Fürstenberg und Landgraf in der Baar
              ∞ vor 1245 Agnes von Truhendingen
            5. Gottfried († 1278 oder danach), Kanoniker in Konstanz
            6. Gerhard († 20. September 1252/59), Kanoniker in Straßburg und Konstanz
            7. NN Tochter
              ∞ Gottfried I. Graf von Habsburg-Laufenburg
          3. Rudolf († vor 1260), Graf von Urach-Dettingen, 1254 Mönch in Bebenhausen
          4. Konrad von Urach (* um 1185; † 1227), 1219 Kardinal und Bischof von Porto und Santa Rufina
          5. Berthold († 8./13. August 1242), 1207–21 Abt von Tennenbach, 1221–30 Abt von Lützel
          6. Agnes
            Heinrich I. von Baden († 13. Januar 1231), Markgraf von Hachberg
          7. Heilwig (* 1215; † 1262)
            ∞ Friedrich II. († 1234) Graf von Pfirt-Altkirch (Comte de Ferrette)
          8. Jolanthe
            ∞ Ulrich III. Graf von Neuenburg zu Nidau († 1225)
          9. NN Tochter
      2. Gebhard († 1141), 1131–1140 Bischof von Straßburg
      3. Udalhild († nach 1130/34), gründete Kloster St. Nicholas
        Friedrich I. von Zollern
      4. Alberada
    2. Gebhard/Gerhard II. († 1. März 1107), 1091 Abt von Hirsau, 1105–1107 Bischof von Speyer
    3. Mathilde/Mechthild († 20. November ----)
      ∞ Mangold († 11. August 1122), Herr von Sulmetingen, (siehe Herren von Neuffen)
      1. Egino Graf von Neuffen
      2. Liutfried († 31. März vor 1150), Graf von Neuffen
        1. Bertold I. (* 1160; † 19. oder 21. Oktober nach 1221), Herr und Graf von Weißenhorn, 1198/1221 Graf von Neuffen, 1170/82 Graf von Achalm
      3. Ulrich († 20. Juni vor 1150), Mönch zu Zwiefalten
      4. Mathilde († 4. Februar nach 1140–1150), Nonne zu Zwiefalten
    4. Kuno († 1122), Kardinalbischof von Praeneste[3]

Anmerkung: Die Liste enthält Angaben aus verschiedenen Darstellungen.[4]

Die Wiederverwendung des Titels der Grafen von Urach durch das Haus Württemberg[Bearbeiten]

Wilhelmine von Grävenitz (1686–1744), Gräfin von Urach

1. Verleihung[Bearbeiten]

Wilhelmine von Grävenitz (1686–1744) war seit Juli 1707 als Gräfin von Urach – im November offiziell verkündet – morganatische Ehefrau des Herzogs Eberhard Ludwig von Württemberg (1676–1733). Doch wurde die Ehe 1710 auf Intervention des Kaisers für ungültig erklärt, da die Herzogin nicht in eine Scheidung eingewilligt hatte. 1711 vermählte der Herzog die Graevenitz zum Schein mit dem böhmischen Grafen Würben, der sich im Ausland aufhalten musste. Er durfte die Ehe nicht vollziehen und erhielt neben einer bedeutenden Geldentschädigung den Titel eines Landhofmeisters, Geheimen Rats und Kriegsratspräsidenten. Als „Landhofmeisterin“ kehrte die Graevenitz unangefochten nach Stuttgart zurück und nahm die erste Stelle bei Hof ein. Durch ihren Einfluss auf den Herzog führte sie 20 Jahre lang eine fast unumschränkte Herrschaft. Der Kaiser wurde durch geschickte Verhandlungen gestimmt, sich nicht weiter um die Sache zu kümmern.

2. Verleihung[Bearbeiten]

Heinrich Karl Friedrich von Württemberg (1772–1838) – ein Sohn von Herzog Friedrich Eugen ging eine morganatische Ehe mit Christine Caroline Alexei ein. 1821 wurde seine Tochter Marie durch königlich-württembergisches Diplom zur Gräfin von Urach ernannt und 1825 erhielten seine Frau und eine zweite Tochter auch diesen Titel.

3. Verleihung[Bearbeiten]

Herzog Wilhelm von Urach, Graf von Württemberg (1810-1869), seit 1867 Herzog von Urach; Erbauer von Schloss Lichtenstein

Eine weitere morganatische Seitenlinie des Hauses Württemberg begründete Herzog Wilhelm Friedrich Philipp von Württemberg, dessen Kinder mit Dorothea Friederike Franziska Wilhelmine Rhodis von Tunderfelt den Titel Grafen von Württemberg erhielten, der zweite Sohn Wilhelm darüber hinaus 1867 den Titel Herzog von Urach, in Primogenitur vererblich, mit dem Titel Fürst/Fürstin für die Nachgeborenen.[5] Da es sich um eine gemäß den Gesetzen des Hauses Württemberg unebenbürtige Ehe handelte, erklärte Herzog Wilhelm bereits am 1. August 1801 für seine Nachkommen den Verzicht auf die Thronfolge.

Aus der Ehe Wilhelms mit Wilhelmine gingen sechs Kinder hervor, von denen aber nur drei das Erwachsenenalter erreichten. Der Sohn Wilhelm begründete die noch heute blühende Linie der Herzöge (bzw. Fürsten) von Urach, Grafen von Württemberg:

  1. Graf Alexander von Württemberg (* 1801; † 1844), Dichter ∞ Helene Gräfin Festetics (* 1812; † 1886)
  2. Herzog Wilhelm von Urach, Graf von Württemberg (* 1810; † 1869), seit 1867 Herzog von Urach, württembergischer General der Infanterie, Gouverneur von Ulm, Erbauer von Schloss Lichtenstein (Württemberg); ∞ I. Théodelinde de Beauharnais, Prinzessin von Leuchtenberg (* 1814; † 1857), vier Töchter; ∞ II. Prinzessin Florestine von Monaco (* 1833; † 1897), zwei Söhne:
    1. Herzog Wilhelm Karl von Urach, Graf von Württemberg (1864–1928), seit 1869 Herzog von Urach, 1918 zum König von Litauen gewählt, es kam jedoch nicht zur Annahme der Königswürde; ∞ I. 1892 Herzogin Amalie in Bayern (1865–1912); ∞ II. 1924 Prinzessin Wiltrud von Bayern (1884–1975); neun Kinder erster Ehe, darunter:
      1. Wilhelm (1897–1957), Maschinenbauingenieur
        1. Maria-Christine Fürstin von Urach (1933–1990), Maschinenbauingenieurin
      2. Karl Gero (1899–1981), Nachfolger als Herzog und Chef des Hauses, verheiratet mit Gabriele, Gräfin von Waldburg-Zeil-Trauchburg
      3. Albrecht (1903–1969); ∞ I. Rosemary Blackadder, ∞ II. Ute Waldschmidt
      4. Eberhard (1907–1969), ∞ Iniga Prinzessin von Thurn und Taxis, Erbin von Schloss Niederaichbach
        1. Karl Anselm (* 1955) ⚭ Saskia Wüsthof
        2. Wilhelm Albert (* 1957), seit 1991 Chef des Hauses Urach, Besitzer von Schloss Lichtenstein ⚭ Karen von Brauchitsch, Erbin von Schloss Ossenberg
        3. Inigo (* 1962), ⚭ Danielle Freiin von und zu Bodman
          1. Eberhard (* 1990)
          2. Anselm (* 1992)
    2. Fürst Karl Joseph von Urach, Graf von Württemberg (1865–1926), württembergischer Oberst, Präsident der württembergischen Landesgruppe der Deutschen Kolonialgesellschaft
  3. Gräfin Marie von Württemberg (* 1815; † 1866) ∞ Graf Wilhelm von Taubenheim (* 1805; † 1894)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Urach family – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  • Joseph Bader: Egeno der Baertigte, Graf von Urach: nach den Quellen, 1844
  • Heinrich Büttner: Egino von Urach-Freiburg, der Erbe der Zähringer, Ahnherr des Hauses Fürstenberg (= Veröffentlichungen aus dem Fürstlich Fürstenbergischen Archiv, H.6), Donaueschingen 1939.
  • Gerhard Kittelberger: Urach. In: Landesarchivdirektion Baden-Württ. in Verbindung mit dem Landkrs. Reutlingen (Hrsg.): Der Landkreis Reutlingen. 1997.
  • Sönke Lorenz: Bempflingen – Aus der Geschichte einer Ermstalgemeinde, 1991, 11–31.
  • Ernst Münch: Geschichte des Hauses und Landes Fürstenberg, Aachen und Leipzig 1829, S. 76 ff.
  • Franz Quarthal: Clemens und Amandus. Zur Frühgeschichte von Burg und Stadt Urach. In: Alemannisches Jahrbuch 1976/78. Bühl/Baden 1979, S. 17–29.
  • Sigmund von Riezler: Geschichte des fürstlichen Hauses Fürstenberg und seiner Ahnen bis zum Jahr 1509, Tübingen 1883.
  • Paul Friedrich von Stälin: Geschichte Württembergs. S. 403–405.
  • David Wolleber: Chorographia Württemberg, Schorndorf 1591 online bei der Universität Tübingen

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Ortliebi Zwifaltensis Chronicon I.1, MGH SS X, S. 71.
  2. Hans Jänichen: Die Grafen von Urach. In: Alemannisches Institut Freiburg, Br. (Hrsg.): Alemannisches Jahrbuch, 1976/78, S. 1–15.
  3. Ernst W. Wies: Kaiser Heinrich IV. Canossa und der Kampf um die Weltherrschaft. Bechtle Verlag, München 1996, Seite 266, 270, 273, 278.
  4. Genealogie Mittelalter: Grafen von Urach und Medieval Lands: Swabia, Nobility: Grafen von Urach (Englisch).
  5. s. www.heraldik-leitfaden.de abgerufen am 20. Februar 2013.