Urania (Berlin)
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Die Berliner Gesellschaft Urania wurde 1888 gegründet mit dem Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse auch einem Laien-Publikum zugänglich zu machen.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Vorgeschichte
Die ersten Impulse gab in den Jahren 1827/28 Alexander von Humboldt mit seinen öffentlichen „Kosmos-Vorlesungen“ im damaligen Gebäude der Berliner Singakademie, unmittelbar neben der Berliner Universität (heute Humboldt-Universität zu Berlin) gelegen. Humboldt wandte sich mit seinen naturwissenschaftlichen Vorträgen an breite Bevölkerungsschichten - unter seinen Hörern befanden sich sowohl Handwerker als auch Angehörige der Hofgesellschaft, einschließlich des Königs Friedrich Wilhelm III. - und ergänzte so die volkspädagogischen Absichten seines Bruders Wilhelm von Humboldt. Der Astronom Wilhelm Foerster, einst Schüler Alexander von Humboldts und später Direktor der Berliner Sternwarte, führte die Ansätze seines Lehrers fort. Gemeinsam mit dem aus Wien zugezogenen Astronomen Max Wilhelm Meyer, der in der Donaustadt schon ähnliche Pläne verfolgt hatte, plante er eine feste Einrichtung, die dauerhaft geeignet sein sollte, einem Laienpublikum solides Fachwissen nahe zu bringen. Die beiden angesehenen Gelehrten konnten prominente Geldgeber für ihr Projekt gewinnen, darunter den Industriellen Werner von Siemens.
[Bearbeiten] Geschichte der Urania
Das Gründungskonzept sah eine neuartige Institution vor, die aus einer Sternwarte – der ersten Volkssternwarte der Welt -, aus wissenschaftlich technischen Ausstellungen und einem wissenschaftlichen Theater bestehen sollte. Mit einem Spendenkapital von 205 000 Mark, einer damals sehr beträchtlichen Summe, wurde am 3. März 1888 die „Gesellschaft Urania“ in Form einer Aktiengesellschaft gegründet. Ihren Namen bekam sie nach derjenigen der neun Musen, die in der griechischem Mythologie als Schutzgöttin der Sternkunde galt. Aufgabe der neuen Einrichtung, in der Gründungssatzung formuliert, war die „Verbreitung der Freude an der Naturerkenntnis“ [1]. Das erste Gebäude der Urania wurde in der Invalidenstraße errichtet und am 1. Juli 1889 eingeweiht. Besondere Anziehungspunkte waren die Abteilungen für Astronomie, für Physik und für Mikroskopie. Das neuartiges Angebot, bei dem die Besucher sich erstmals spielerisch an verschiedenen Experimenten beteiligen konnten, sorgte für großes Interesse. Im ersten Betriebsjahr kamen schon 98 000 Besucher, sechs Jahre später waren es 178 000. Das erfolgreiche Konzept wurde im In- und Ausland übernommen, es folgten rasch Vereinsgründungen zum Beispiel in Magdeburg, Hamburg, Kassel, Jena, Chemnitz, Prag, Budapest, Graz und Wien.
Eine schwierige Phase musste während der zwei Weltkriege und der dazwischen liegenden Weltwirtschaftskrise gegen Ende der 1920er Jahre überstanden werden; alle Aktivitäten waren in dieser Zeit stark eingeschränkt. 1953 wurde die Urania als eingetragener Verein neu gegründet und begann ihre Tätigkeit in den Räumen der Technischen Universität Berlin. Für Zulauf sorgten Lesungen berühmter Literaten wie Heinrich Böll, Max Frisch und Günter Grass. In die Programmplanung wurden nun verstärkt die Bereiche Kunst und Unterhaltung einbezogen. Seit 1962 hat die Urania ihren Standort in Berlin-Schöneberg in der Nähe des Wittenbergplatzes
1954 war im Ostteil Berlins eine „Gesellschaft zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse“ mit der Zusatzbezeichnung Urania ins Leben gerufen worden, ihr Wirkungsbereich war das Gebiet der DDR. Nach der deutschen Wiedervereinigung entstanden daraus in den neuen Bundesländern verschiedene lokale Vereinigungen, die 1991 den „Bundesverband Neue Urania“ gründeten.
[Bearbeiten] Die Urania heute
Nach heutigem Stand (2008) hat der Verein „Urania Berlin e. V.“ über 2000 Mitglieder, er ist einer der größten gemeinnützigen Vereine in Berlin [2]. Hauptsächlich wird er durch seine Mitglieder finanziert, darunter Großfirmen, Hochschulen und wissenschaftliche Institute. Etwa 20 Mitarbeiter planen und realisieren die verschiedenen Programme. Beratend wirkt ein Kuratorium, dem unter anderen die Präsidenten der Berliner Universitäten, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Helmholtz-Gesellschaft angehören.
Für Besucher aller Altersstufen werden Veranstaltungen angeboten. Zum Programm gehören allgemein verständliche Vorträge zu aktuellen Fragen der Natur- und Geisteswissenschaften, Podiumsdiskussionen und künstlerische Darbietungen, Tagungen, Kongresse und Fachmessen. Mit zwei modern ausgestatteten Kinosälen ist die Urania auch Spielstätte der Berliner Filmfestspiele (Berlinale). In den Foyers werden Ausstellungen zu wechselnden Themen gezeigt. Ungefähr 250 000 Besucher jährlich nehmen an den rund 1300 Veranstaltungen teil.
[Bearbeiten] Literatur
- Max Wilhelm Meyer: Die Urania nach ihrer Fertigstellung. In: Himmel und Erde 2/1890. Teil 1,Teil 2
- Max Wilhelm Meyer (Hg.): Illustrierter Leitfaden der Astronomie, Physik und Mikrosksopie in Form eines Führers durch die Urania zu Berlin (1892).
- Denkschrift zum 25jährigen Bestehen der Gesellschaft Urania (1913).
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
Koordinaten: 52° 30' 5" N 13° 20' 53" O

