Urartu
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Urartu
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Urartu bzw. Artaya (urartäisch Biainili, assyrisch KURArtaya, babylonisch KURUraštu, biblisch Ararat) war ein kleinasiatisches Reich zwischen Erebuni und dem Van-See. Es lag im östlichen Anatolien, umfasste auch Gebiete Transkaukasiens und hatte seine Ostgrenze am Urmia-See. Der Name Urartu ist zugleich eine Regionsbezeichnung für das Land am Berg Ararat und existierte mindestens bis zum Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. als Reststaat unter den Achämeniden.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geografie und Sprache
Die Hauptstadt Tušpa (heute Van) lag am Vansee. Benachbarte Staaten waren unter anderem Kolcha (im Nordwesten), Kimmerier und Skythen (im Norden) und das Königreich der Mannäer im Südosten, vor allem aber Assyrien im Süden.
Die Urartäer sprachen eine dem Hurritischen verwandte Sprache, vgl. den Artikel über die Urartäische Sprache. Eine Verwandtschaft mit den Nachischen Sprachen wird von vielen Wissenschaftlern vermutet, ist jedoch noch nicht bewiesen.
[Bearbeiten] Geschichte
[Bearbeiten] Assyrische Feldzüge
Urarṭru wird zuerst in den Annalen von Salmanassar I. erwähnt. Man nimmt gemeinhin an, dass es mit dem neo-assyrischen Urartu identisch ist.
Urartu war ein gefährlicher Rivale Assyriens und musste sich mehrfach gegen kimmerische und skythische Überfälle zur Wehr setzen. 714 v. Chr. wurde es vom assyrischen König Sargon II. geschlagen und war danach Assyrien tributpflichtig.
[Bearbeiten] Skythen und Meder
In den Brandschichten von Bastam, das allerdings schon Mitte des 7. Jahrhunderts v. Chr. zerstört wurde, sowie von Tuschpa (Toprakkale), Teischebani (Karmir Blur) und Argischtihinili fanden sich dreiflügelige Bronzepfeilspitzen und skythisches Pferdegeschirr. Vermutlich waren an diesen Eroberungszügen auch Meder und transkaukasische Stämme beteiligt.
[Bearbeiten] Babylonische Feldzüge
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Feldzugsstationen auf dem Weg nach Urartu
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In den Jahren 609 v. Chr. bis 607 v. Chr. erfolgten jährliche Feldzüge des babylonischen Königs Nabopolassar nach Urartu. Aus den genauen Feldzugsberichten konnten Historiker wertvolle Informationen über die Verläufe der Strecken erfahren, die vorher auch von den Assyrern benutzt wurden.
Feldzüge nach Urartu erfolgten über die babylonische Strecke Arrapcha, Arbil, Nisibis, Mardin und Tur Abdin. Weitere Erkenntnisse stellen die Feldzugsgeschwindigkeiten dar, die exakte Zusatzinformationen liefern:
„Im Monat Ellul des Jahres 608 v. Chr. sammelten sich die Truppen und überschritten den Tigris. Über Bit Hannun erfolgte der Zug in die Berge von Urartu. Städte und Bauwerke wurden durch Feuer zerstört und die Bevölkerung getötet. Von Ura nach Kirski wurden sechs Doppelstunden benötigt.[1] Im Monat Tebet erfolgte die Rückkehr nach Babylon.“
– Nabopolassar:Robert Rollinger[2]
Die Forschungsgeschichte von Urartu ist abenteuerlich und reicht bis 1827 zurück.
[Bearbeiten] Das Ende von Urartu
Der bisher meist für das Jahr 547 v. Chr. angesetzte Lydienfeldzug erfolgte unter der Annahme, dass die Lesung von Sydney Smith aus dem Jahr 1924 mit Lu-u-[d-di] korrekt sei. Im weiteren Verlauf ergaben sich jedoch Zweifel an dieser Übersetzung. Die Historiker Grayson und Hinz schlossen als erste Silben auch Su und Zu nicht aus und verlegten den Feldzug nach Palmyra. Im Jahr 1977 kam J. Cargill zu dem Ergebnis, dass eine Lesung als Lydien wenig wahrscheinlich sei und Kyros bis in die Jahre 543/542 v. Chr. mit Feldzügen im medischen Kerngebiet beschäftigt war;[3] Ran Zadok bezweifelte bestätigend in diesem Zusammenhang 1985 die frühere Lesung von Sydney Smith, da die übliche Schreibung von Lydien in Lu-u-du erfolgte.
Neue Untersuchungen in den Jahren 1996 bis 2004 ergaben die Rekonstruktion des beschädigten Fragments: Ituguana KURU-[raš-tu il-li]k, wobei der Name Uraštu die keilschriftliche Kurzform von Urartu darstellt und die früheren Vermutungen von J. Cargill und R.Zadok damit bestätigt wurden:
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Feldzugsstationen nach Lydien
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„Im Monat Nisanu sammelte Kyros, König von Parsu, seine Truppen und überquerte unterhalb von Arbil den Tigris. Im Monat Ajaru marschierte er nach Urartu, schlug den dortigen König und stationierte seine Truppen in einer Festung.“
– Nabonaid-Chronik:Robert Rollinger[4]
Genaue Auswertungen der Feldzüge belegen zusätzlich, dass die Euphrat-Route für Unternehmungen in die Regionen von Tubal, nahe Lydien, immer über Karkemisch führten. Die militärische Kampagne im Jahr 547 v. Chr. führte Kyros II. jedoch über die übliche Urartu-Strecke Arbil-Tur Abdin, da Nabonaid die Station Arbil erwähnte.[5] Die Besetzung von Urartu im Jahr 547 v. Chr. bedeutete das Ende der politischen Selbständigkeit und Einverleibung in das Achämenidenreich. Urartu existierte als Verwaltungsprovinz zumindest bis 521 v. Chr. fort, da Dareios I. mehrere Aufstände in Urartu zu Beginn seiner Amtszeit niederschlagen musste.
[Bearbeiten] Religion
Hauptgott der Urartäer war Ḫaldi, Kriegs-- und Reichsgott, der auf einem Löwen stehend abgebildet wurde. Seine Begleiterin war Arubaine oder Bagmaštu und seine Stadt Ardini. Das Tier des Wettergottes Teišeba ist der Stier, wie auch beim hurritischen Wettergott Tešub. Seine Begleiterin war Baba ("Berg") und seine Stadt Qumenu. Das Pferd war das Tier des Sonnengottes Šiwini und seine Begleiterin hieß Tušpuea, seine Stadt Tušpa. Diese Gottheiten erscheinen nicht nur in Götterlisten, sondern auch in Verträgen. Aus den Listen ist mit Bestimmtheit nur der Mondgott Šelarde identifizierbar. Möglicherweise kann ihm die vierte urartäische Kultstadt Erdia zugeordnet werden.
Turmtempel sind bisher aus Altıntepe, Aznavur, Çavuştepe, Kayalıdere Toprakkale (Van), und vielleicht Zernaki Tepe bekannt. Sie bestehen aus einem freistehenden quadratischen Gebäude mit sehr dicken Lehmziegel-Wänden und einer ebenfalls quadratischen Cella im Innern. Die Ecken springen gewöhnlich leicht vor. Der Zugang zur Cella erfolgte durch einen kurzen Gang und eine zurückgesetzte Außentür. In der Cella finden sich oft Wandgemälde. Die Einrichtung besteht aus Altar, Dreifuß und Stelen seitlich des Altars, die Wände waren oft mit Speeren und Schilden dekoriert. Vor dem Turm befand sich ein kleiner offener Hof.
| Fundort | Außenumfang | Cella |
|---|---|---|
| Altıntepe | 13,8m | 5,2m |
| Aznavur | 13,6m | 5m |
| Çavuştepe | 10m | 4,5m |
| Kayalıdere | 12,5m | 5m |
| Toprakkale | 13,8m | 5,3m |
| Zernaki Tepe | - | - |
Man nimmt gewöhnlich an, daß die Tempel etwa doppelt so hoch wie breit waren. Stronach nimmt an, daß der Tempel von Altintepe mindestens 26 m hoch war. Ob das Dach flach war oder Giebel aufwies, ist umstritten. Knochen- und Metallmodelle solcher Tempel zeigen, daß sie drei Reihen von eingetieften Fensterschlitzen besaßen, ob blind oder offen, ist unklar.
Der Ḫaldi-Tempel in Musasir, 714 von Sargon II. zerstört und nur von einem assyrischen Relief bekannt, war vermutlich ebenfalls ein solcher Turmtempel. Er ist allerdings recht niedrig und hat sechs Pilaster an der Fassade, was bisher ohne Parallelen ist.
Stronach nimmt an, daß die urartäischen Tempel als Vorlage für die achämenidischen Turmtempel dienten.
[Bearbeiten] Liste der Könige von Urartu
[Bearbeiten] Frühe Könige (Arzaškun in Nairi)
[Bearbeiten] Aufstieg zu Regionalmacht
- 840 - 825 v. Chr. Sarduri I. (In den Anfängen noch regionaler Herrscher neben Kakia im Gebiet von Nairi)
- 825 - 810 v. Chr. Išpuini
- 810 - 785 v. Chr. Minua (820 - 810 v. Chr. Mitregent von Išpuini)
- 785 - 753 v. Chr. Argišti I.
- 753 - 735 v. Chr. Sarduri II.
- 735 - 714 v. Chr. Rusa I.
[Bearbeiten] Zerfall
- 714 - 680 v. Chr. Argišti II.
- 680 - 639 v. Chr. Rusa II.
- 639 - 635 v. Chr. Rusa III.
- 635 - 629 v. Chr. Eriména
- 629 - 615 v. Chr. Sarduri III.
- 615 - 598 v. Chr. Sarduri IV.
- 598 - 590 v. Chr. Rusa IV.
- 590 - 547 v. Chr. ???
- 547 - 521 v. Chr. ???
- 521 - 486 v. Chr. ???
- ab 486 v. Chr. Provinz des Achämenidenreichs
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Anmerkungen und Einzelnachweise
- ↑ Eine Doppelstunde entspricht etwa 7-8 Kilometer; sechs Doppelstunden ergeben eine Weglänge von etwa 42-48 Kilometern.
- ↑ Robert Rollinger: The Median Empire, the End of Urartu and Cyrus the Great Campaigne 547 v. Chr. in Nabonaid Chronicle II 16 in: Proceedings of the 1st International Conference on Ancient Cultural Relations between Iran and West-Asia, Teheran 2004, S. 5-6.
- ↑ J. Cargill: The Nabonidus Chronicle and the Fall of Lydia in: American Journal of Ancient History 2, 1977, S. 97-116
- ↑ Diese Lesung bildet die neue Grundlage aller zukünftigen Auswertungen in Robert Rollinger: The Median Empire, the End of Urartu and Cyrus the Great Campaigne 547 v. Chr. in Nabonaid Chronicle II 16 in: Proceedings of the 1st International Conference on Ancient Cultural Relations between Iran and West-Asia, Teheran 2004, S. 5-6.
- ↑ Robert Rollinger: The Median Empire, the End of Urartu and Cyrus the Great Campaigne 547 v. Chr. in Nabonaid Chronicle II 16 in: Proceedings of the 1st International Conference on Ancient Cultural Relations between Iran and West-Asia, Teheran 2004, S. 5-6.
[Bearbeiten] Literatur
- Robert Rollinger: The Median Empire, the End of Urartu and Cyrus the Great Campaigne 547 v. Chr. in Nabonaid Chronicle II 16 in: Proceedings of the 1st International Conference on Ancient Cultural Relations between Iran and West-Asia, Teheran 2004
- G. Azarpay: Urartian Art and Artifacts. A Chronological Study, Berkeley 1968
- O. Belli: The Capital of Urartu: Van, Eastern Anatolia, Istanbul 1989
- Warren C. Benedict, Urartians and Hurrians. Journal of the American Oriental Society, Vol. 80, No. 2. (Apr. - Jun., 1960), pp. 100-104.
- C. A. Burney, A First Season of Excavations at the Urartian Citadel of Kayalidere. Anatolian Studies 16, 1966, 55-111.
- Dietz Otto Edzard: Geschichte Mesopotamiens. Von den Sumerern bis zu Alexander dem Großen, München 2004, S. 192-195 (Urartu)
- Volkert Haas (Hrsg.): Das Reich Urartu. Ein altorientalischer Staat im 1. Jahrtausend v. Chr., Konstanz 1986.
- Wolfram Kleiss; Harald Hauptmann: Topographische Karte von Urartu. Verzeichnis der Fundorte und Bibliographie, Berlin 1976.
- Wolfram Kleiss, Zur Rekonstruktion des urartäischen Tempels. Istanbuler Mitteilungen 13/14, 1963/64.
- A. Kalantar: Materials on Armenian and Urartian History (with a contribution by Mirjo Salvini), Civilisations du Proche-Orient, Neuchâtel, Paris, 2004;ISBN 2-940032-14-9.
- Hans Jörg Nissen: Geschichte Altvorderasiens (Oldenbourg Grundrisse der Geschichte Bd. 25), München 1999, S. 103-105 (Urartu).
- Mirjo Salvini: Geschichte und Kultur der Urartäer. Wiss. Buchges., Darmstadt 1995. ISBN 3-534-01870-2.
- U. Seidl: Achaimenidische Entlehnungen aus der urartäischen Kultur, in: H. Sancisi-Weerdenburg, A. Kuhrt, J.W. Drijvers (Hrsg.):Achaemenid History VIII: Continuity and Change, 1994, S. 866-870
- David Stronach, Urartian and Achaemenian tower temples. Journal of Near Eastern Studies 26/4, 1967, 278-287.
- Klaas R. Veehnhof: Geschichte des Alten Orients bis zur Zeit Alexanders des Großen (ATD Ergänzungsreihe Bd. 11), Göttingen 2001, S. 244f. (Urartu)
- Ralf-Bernhard Wartke: Urartu, das Reich am Ararat. Philipp von Zabern, Mainz 1998. ISBN 3-8053-1483-3
- P.E. Zimansky: Ecology und Empire. The Structure of the Urartian State, Chicago 1985
- P.E. Zimansky: The Kingdom of Urartu in Eastern Anatolia, in: J.M. Sasson (ed.): Civilisations of the Ancient Near East, New York 1995, S. 1135-1146.
[Bearbeiten] Weblinks
- Hurritisch und Urartäisch (Prof Dr Kausen)
- Armenica: Geschichte von Armenien (Englisch, schwedisch)
- Urartu und Armenien
- Van-Museum und Ausgrabungen
- Ausgrabung in Erzincan (Burg)


