Urbain Le Verrier

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Urbain Le Verrier
Signatur Urbain Le Verriers

Urbain Jean Joseph Le Verrier oder auch Urbain Leverrier (* 11. März 1811 in Saint-Lô, Frankreich; † 23. September 1877 in Paris) war ein französischer Mathematiker und Astronom. Er arbeitete einen Großteil seines Lebens am Observatoire de Paris und war einer der Entdecker des Planeten Neptun.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Le Verrier besuchte zunächst die polytechnische Schule zu Caen. Später war er Schüler am College Louis le Grand in Paris und studierte ab 1831 an der École polytechnique. Zunächst war er als Ingenieur und ab 1839 als Lehrer für Geodäsie beschäftigt. Bald wandte sich aber der Astronomie und insbesondere der von Laplace begründeten Himmelsmechanik zu, wo er die Stabilität des Sonnensystems analysierte.

Sein größter Erfolg war 1845 – von François Arago gefördert – die Berechnung der vermutlichen Bahn des Planeten Neptun, die er aus festgestellten Bahnstörungen im Umlauf des Uranus ermittelt hatte. Zeitgleich hatte auch der damalige englische Student John Couch Adams versucht, die Position des hinter Uranus vermuteten Planeten zu ermitteln. Seine Berechnungen waren jedoch wesentlich ungenauer als die von Le Verrier.[1] Am 31. August 1846 legte Le Verrier seine Untersuchungen der Pariser Akademie vor. Da sich trotzdem kein französischer Astronom zur Suche nach dem neuen Planeten bereitfand, schrieb Le Verrier am 18. September 1846 an den deutschen Astronomen Johann Gottfried Galle, weil der ein Jahr zuvor Le Verrier ein Exemplar seiner eindrucksvollen Doktorarbeit zugeschickt hatte. Am 23. September 1846 traf der Brief in Berlin ein, und noch an demselben Abend machte sich Galle mit dem 22-Zentimeter-Fraunhofer-Refraktor der Berliner Sternwarte auf die Suche. Nach nur einer halben Stunde fand er den neuen Planeten, in einer Entfernung von nur einem Bogengrad von der von Le Verrier vorhergesagten Position. Auch der Winkeldurchmesser des neuen Planeten und seine Bewegung am Himmel entsprachen fast exakt Le Verriers Vorhersagen.[2]

Später versuchte Le Verrier mit der gleichen Methode, Bahnstörungen des Merkur (Periheldrehung) zu erklären, postulierte die Existenz eines Planeten innerhalb der Merkurbahn und nannte diesen Vulkan. Astronomen in aller Welt versuchten, diesen Planeten zu finden, jedoch ohne Erfolg. 1915 zeigte Albert Einstein mit der Allgemeinen Relativitätstheorie, dass sich die Bahnstörungen allein durch das Schwerkraftfeld der Sonne erklären lassen.

Le Verriers Grab auf dem Cimetière Montparnasse in Paris

Weitere wichtige Arbeiten von Le Verrier betrafen die Himmelsmechanik, wobei er mehrere Planetentafeln aufstellte, die bis ins 20. Jahrhundert Grundlage zur Berechnung der Ephemeriden der Planeten waren. Ebenfalls bedeutsam waren seine Bahnbestimmungen mehrerer Kometen.

Der Naturwissenschaftler ging ferner als Erfinder der Wetterkarte in die Geschichte ein. Er baute, erstmals für den 19. Februar 1855, 10 Uhr, auf telegrafisch mitgeteilten Daten eine Wettervorhersage für Frankreich auf, die er der Pariser Akademie der Wissenschaften vortrug. In der Folge entstand der meteorologische Dienst in Frankreich.[3]

1853 wurde Le Verrier Direktor der Sternwarte Paris und damit Nachfolger von François Arago. Dieses Amt hatte er bis 1870 inne. 1876 wurde er mit der Goldmedaille der Royal Astronomical Society ausgezeichnet.

Le Verrier ist namentlich auf dem Eiffelturm verewigt, siehe: Die 72 Namen auf dem Eiffelturm.

Literatur[Bearbeiten]

  • William Sheehan, Nicholas Kollerstrom, Craig B. Waff: Die Neptun-Affäre. Spektrum der Wissenschaft, April 2005, S. 82–88 (2005), ISSN 170-2971.
  • Friedrich Becker: Geschichte der Astronomie. BI-Hochschultaschenbücher Band 298, 3.Auflage, Bibliogr.Inst., Mannheim–Wien–Zürich 1968.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Urbain Le Verrier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thomas Bührke: Sternstunden der Astronomie: von Kopernikus bis Oppenheimer, München 2001, S. 154f.
  2. Thomas Bührke: Sternstunden der Astronomie: von Kopernikus bis Oppenheimer, München 2001, S. 150.
  3. Wolfgang Herbrandt: Unser tägliches Rätsel: das Wetter. In: Hamburger Abendblatt, 7. Januar 2006.