Urenco

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Urenco-Gruppe
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Rechtsform Public limited company
ISIN XS0365327930
Gründung 1971
Sitz Stoke Poges, Buckinghamshire, Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Leitung Helmut Engelbrecht (CEO)
Mitarbeiter 1400
Umsatz 809 Millionen EUR
Branche Urananreicherung
Website www.urenco.com

Die Urenco Gruppe ist eine Gesellschaft britischen Rechts mit Hauptsitz in Marlow, Großbritannien. Die Gruppe ist in zwei Geschäftsbereiche geteilt:

  1. Die Urenco Technologiegruppe produziert Zentrifugenanlagen. Zunächst wurden die Zentrifugen lediglich an die eigene Anreicherungsgruppe verkauft, seit einiger Zeit wird die Technik auch global vermarktet. Standorte sind Almelo, Capenhurst und Gronau (Westf.) im Münsterland.
  2. Die Urenco Anreicherungsgruppe (UEC) betreibt die Anreicherung von Uran nach dem Zentrifugenverfahren und den Vertrieb des Endproduktes. Zurzeit existieren drei Standorte in Europa:

In den Vereinigten Staaten ist seit 2010 ein Werk in Eunice im Bundesstaat New Mexico in Betrieb.[1]

Firmengeschichte[Bearbeiten]

Urenco wurde 1970 mit dem 'Vertrag von Almelo' zwischen Großbritannien, Deutschland und den Niederlanden gegründet. Dadurch sollten die Forschungen der drei Länder an der Zentrifugentechnik vereint und kommerziell genutzt werden. Großbritannien und die Niederlande halten je ein Drittel der Anteile. Die deutschen Atomkraftwerksbetreiber RWE und E.ON besitzen jeweils ein Sechstel der Anteile.

Urenco belieferte 2006 den Weltmarkt für angereichertes Uran mit einem Anteil von 23 Prozent. Bei einem Umsatz von knapp 900 Millionen Euro wurde ein Reingewinn von 209 Millionen Euro ausgewiesen.[2]

Urenco begann mit drei Pilotanlagen an den drei europäischen Standorten, bevor die Errichtung der ersten beiden kommerziellen Anlagen an den Standorten Capenhurst (E21) und Almelo (SP3) begann. Die ersten Kundenlieferungen wurden 1976 aufgenommen, die volle Kapazität erreichten die Anlagen 1980 mit einer gesamten Urantrennarbeit von 460 Tonnen pro Jahr. Die anschließende Produktionsausweitung konnte dank des modularen Aufbaus der Zentrifugentechnik gut an die tatsächlichen Lieferverträge angepasst werden, da sich die Nachfrageprognosen der 1970er Jahre in den 1980er und 1990er Jahren als völlig übertrieben herausstellten.

Die Kapazität der Urenco-Anlagen betrug 2008 mehr als 10.000 Tonnen Trennarbeit im Jahr und soll weiter ausgebaut werden.[3]

Mit der Inbetriebnahme des Werkes in Eunice, NM im Juni 2010 wurde seit über 50 Jahren erstmals wieder eine neue Anlage zur Uran-Anreicherung in den Vereinigten Staaten errichtet. Vorher war nur eine Anlage in Paducah, Kentucky in Betrieb, die auf Technologie der ersten Generation beruht und aus dem Jahr 1954 stammt.[4]

Bei einem Zwischenfall in der von Urenco betriebenen Urananreicherungsanlage Gronau wurde am 21. Januar 2010 ein Arbeiter kontaminiert. Er wurde erhöhter ionisierender Strahlung ausgesetzt. Die durch den Unfall verursachte Dosis betrug 1,1 mSv. [5]

Kritik[Bearbeiten]

Uranerz aus Namibia[Bearbeiten]

Im Mai 1985 beschloss der Namibia-Rat der Vereinten Nationen (UNCN) gegen Urenco wegen Bruch einer UNCN-Verordnung zu klagen. Nach dieser Verordnung war der Abbau der natürlichen Ressourcen in Namibia unter der Besatzungsmacht Südafrika verboten, Urenco wurde jedoch vorgeworfen Uranerz aus der Rössing-Mine importiert zu haben. Der Fall kam im Juli 1986 vor Gericht, wo die Niederländische Regierung sich der Position Urencos anschloss, dass sie nicht gewusst habe wo das Uranerz gewonnen wurde.

Uranexport nach Russland[Bearbeiten]

2007 geriet die Firma in die öffentliche Kritik, als ein Beitrag der ZDF-Sendung Frontal21 berichtete, das Unternehmen verbringe abgereichertes UF6 nach Russland zur Wiederaufbereitung, ohne sich um die dort vorherrschenden mangelhaften Sicherheitszustände und die damit verbundenen Gesundheitsrisiken für die russischen Arbeiter zu kümmern. Seit 1996 und zuletzt im August 2008 wurde der als „Wertstoff“ deklarierte Abfall der Urananreicherung von Gronau auf dem Schienenweg in das sibirische Sewersk an den dortigen Vertragspartner Tenex geliefert und dort unter freiem Himmel in Stahlfässern gelagert. Lediglich 10 bis 15 Prozent kamen nach Firmenangaben in Form von Brennstoff zurück nach Deutschland, der Rest verblieb in Russland, wie die Fernsehdokumentation Albtraum Atommüll enthüllte.[6] Im Zusammenhang mit dem GAU in Japan geriet die Firma in die Schlagzeilen, weil Urenco mehrere Kunden in Japan hat und angereichertes Uran zur Brennstäbeherstellung nach Japan exportiert hat.[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Die Urenco Deutschland GmbH hat 2005 das Zertifikat Ethics in Business erhalten.[8] Umweltverbände wie der BUND[9], Eurosolar[10] oder der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz[11] kritisierten die Vergabe des Zertifikates aus Umweltschutz-Gesichtspunkten als nicht gerechtfertigt.

Sponsoring[Bearbeiten]

Die Urenco Deutschland engagiert sich als Sponsor des Kulturprogramms der Stadt Gronau und als Hauptsponsor der Fußballmannschaften Vorwärts Epe 1923 e. V. (Bezirksliga) und Fortuna Gronau 09/ 54 e. V.[12]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Urenco: URENCO USA begins enrichment of nuclear fuel, Pressemitteilung vom 25. Juni 2010
  2. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/strahlende-renditen-mit-uran;1262514
  3. Maurice Lenders: Uranium Enrichment by Gaseous Centrifuge (Englisch, PDF) Urenco. S. 1-3. 16. Mai 2001. Abgerufen am 22. Juli 2008.
  4. IEER: Uranium Enrichment, Seite 20
  5. Zwischenfall in Gronauer Uranfabrik
  6. greenpeace.de
  7. Klaus Wiedau (14. März 2011): „Kein Kilo Uran mehr nach Japan“. In: Westfälische Nachrichten. Aufgerufen am 14. März 2011
  8. http://www.ethics.de/documents_ethics/top_unternehmen.asp?action=participant_show&participant_id=3C4C936BB204771F
  9. Urenco & EMAS: Gefährliche Urananreicherungsanlage erhält umstrittene Auszeichnung auf bund.net
  10. Verleihung des „Ethics in Business“-Preises auf www.eurosolar.de
  11. Bürgerinitiativen und Umweltverbände fordern die Rücknahme einer erfolgten Ethik-Auszeichnung für ein Nuklearunternehmen auf www.bbu-online.de
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatUrenco Deutschland: Enriching the future. Abgerufen am 22. Januar 2010 (PDF).