Uri Orlev

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Uri Orlev (hebräisch ‏אורי אורלב‎; * 24. Februar 1931 in Warschau) ist ein polnisch-israelischer Autor von Kinder- und Jugendbüchern. Er lebt in Jerusalem, ist verheiratet und hat vier Kinder. Uri Orlev ist einer der noch wenigen lebenden Holocaust-Zeitzeugen und gilt weltweit als einer der renommiertesten Kinder- und Jugendbuchautoren.

Leben[Bearbeiten]

Uri Orlev wurde 1931 als Jerzy Henryk Orłowski in Warschau als Sohn jüdischer Eltern geboren und verbrachte einen Teil seiner Kindheit Anfang der 1940er Jahre im Warschauer Ghetto. Sein Vater war Arzt und kam als Offizier der polnischen Armee in sowjetische Gefangenschaft, während seine Mutter, eine Chemikerin, von Deutschen erschossen wurde. 1943 wurde Orlev zusammen mit seinem Bruder und seiner Tante in das Konzentrationslager Bergen-Belsen deportiert. Nach der Befreiung durch die US-amerikanische Armee 1945 gelangten Orlev und sein Bruder als Waisen über eine Kinderhilfsorganisation erst nach Paris und anschließend im Frühherbst 1945 in das britische Mandatsgebiet Palästina, das spätere Israel. Er lebte zwanzig Jahre lang in einem Kibbuz. 1976 schrieb Orlev erstmals für Kinder und Jugendliche und hat bis heute 31 Bücher veröffentlicht, die in 25 Sprachen übersetzt wurden. Seine Geschichten spielen meist in der Zeit des Nationalsozialismus und handeln davon, wie Jugendliche mit dessen Schrecken umgehen. Seine bekanntesten Werke sind Die Bleisoldaten und Lauf, Junge, lauf. Viele haben autobiographische oder biographische Elemente. Daneben übersetzt er auch Bücher aus dem Polnischen ins Hebräische, u.a. von Janusz Korczak und Stanisław Lem. Sein Buch Die Insel in der Vogelstraße wurde 1997 verfilmt, ebenso sein Buch Der haarige Dienstag, das Soren Kragh-Jacobsen verfilmte. Für sein Gesamtwerk erhielt Orlev 1996 den Hans-Christian-Andersen-Preis. 1985, 1992 und 1996 wurde er mit dem Mildred L. Batchelder Award ausgezeichnet. Orlevs Buch Lauf, Junge, lauf wird von Regisseur Pepe Danquart derzeit (2012) verfilmt und wird wahrscheinlich Ende 2013 in die Kinos kommen.[1] Uri Orlev ist unregelmäßig für Lesereisen in Deutschland. 2001 war er Gast des 1. internationalen literaturfestivals berlin. Im Juli 2012 war Orlev Gast des White Ravens Festival in München, im September 2012 des 12. internationalen literaturfestivals berlin.

Lauf, Junge, lauf[Bearbeiten]

In Lauf, Junge, lauf erzählt Uri Orlev die Geschichte des jungen Juden Jurek, der während des Zweiten Weltkriegs aus dem Warschauer Ghetto flieht und sich bis zum Kriegsende durchschlagen muss. Orlevs Buch erntete weltweit sehr gute Rezensionen. Der Regisseur Pepe Danquart verfilmte das Buch unter dem Titel Lauf Junge lauf als deutsch-polnisch-französische Koproduktion.[2]

Ein Königreich für Eljuscha[Bearbeiten]

Ein Königreich für Eljuscha (2011) ist Orlevs zuletzt ins Deutsche übersetzte Roman. Darin erzählt Orlev von dem fünfjährigen jüdischen Jungen Eljuscha Posniak, für den 1941 ein Dorf in der Steppe von Kasachstan zum Zufluchtsort und Kindheitsparadies wird. Zusammen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern beginnt er ein vollkommen neues Leben, bevor er im Alter von elf Jahren ins gelobte Land Israel ausreisen kann. Für Jeanne Rubner von der Süddeutschen Zeitung verbindet Orlev in dem Buch geschickt „Weltgeschichte, Krieg und ein jüdisches Schicksal zu einem Jugendroman, der gleichsam nebenbei – ganz ohne Geschichtszahlen und Pathos – von der Vorgeschichte des Nahost-Konfliktes und den Reibungspunkten der Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam erzählt.“[3]

Werke[Bearbeiten]

Übersetzung aus dem Hebräischen seit 1990: Mirjam Pressler.

  • 2011: Ein Königreich für Eljuscha, Beltz & Gelberg, Original: Homeward from steppes of the sun (2010).
  • 2004: Lauf, Junge, lauf, Original: Ruz jeled ruz (2002)
  • 2002: Der Glücksschnuller (Illustration: Jacky Gleich), Beltz & Gelberg
  • 1999: Die Bleisoldaten, Beltz & Gelberg, Original: Hayyale oferet (1988)
  • 1999: Das Löwengeschenk (Illustration: Jacky Gleich), Beltz & Gelberg
  • 1998: Der haarige Dienstag (Illustration: Jacky Gleich), Beltz & Gelberg
  • 1997: Julek und die Dame mit dem Hut, Beltz und Gelberg
  • 1997: Das kleine große Mädchen (Illustration: Jacky Gleich), Beltz & Gelberg, Original: Qetanna-gedola
  • 1994: Lydia, Königin von Palästina, Elefanten Press, Original: Lydia malkat erez Israel
  • 1994: Das Sandspiel, Elefanten Press
  • 1993: Das Tier in der Nacht (Illustration: Amelie Glienke), Elefanten Press, Original: Chajat ha-choschech
  • 1992: Die Krone des Drachen, Elefanten Press, Original: Keter had-drakon
  • 1990: Der Mann von der anderen Seite, Beltz & Gelberg, Original: Ha ish min ha-tzad ha-acher (1988)
  • 1986: Die Insel in der Vogelstraße, Ravensburger Verlag, Übersetzung aus dem Hebräischen: Beate Esther von Schwarze
  • 1981: Das strickende Mütterlein (Illustration: Ora Eytan), Übersetzung aus dem Hebräischen: Jakob Hessing, Atlantis Verlag

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Volker Ladenthin: Über die Gegenwärtigkeit der Vergangenheit. Uri Orlev – ein paradigmatischer Autor. Analysen zu seinem in deutscher Sprache veröffentlichten Werk. In: Gabriele von Glasenapp, Hans-Heino Ewers (Hrsg.): Kriegs- und Nachkriegskindheiten. Studien zur literarischen Erinnerungskultur für junge Leser. S. 417-437.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Filmprojekt in der Badischen Zeitung
  2. Badische Zeitung: Danquarts neues Filmprojekt an der PH: Eine schwierige Geburt, Freiburg, Frank Zimmermann, 5. Mai 2012
  3. Jeanne Rubner in der Süddeutschen Zeitung