Uriah Heep

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Uriah Heep
Uriah heep 2011.jpg
Allgemeine Informationen
Genre(s) Hard Rock
Gründung Dezember 1969
Website www.uriah-heep.com
Gründungsmitglieder
David Byron (bis 1976) †
Leadgitarre, Gesang
Mick Box
Bass, Gesang
Paul Newton (bis 1971)
Alex Napier (bis 1970)
Keyboard, Gitarre
Ken Hensley (bis 1980)
Aktuelle Besetzung
Gesang
Bernie Shaw (seit 1986)
Gitarre,Gesang
Mick Box
Bass
Davey Rimmer (seit 2013)
Schlagzeug, Gesang
Russell Gilbrook (seit 2007)
Keyboard, Gesang
Phil Lanzon (seit 1986)
Ehemalige Mitglieder
Schlagzeug
Ollie Olsson (1970)
Schlagzeug
Keith Baker (1970–1971)
Schlagzeug
Ian Clarke (1971–1972)
Schlagzeug, Gesang
Lee Kerslake (1972–1979, 1982–2007)
Bass, Gesang
Mark Clarke (1971–1972)
Bass, Gesang
Gary Thain (1972–1975) †
Bass, Gesang
John Wetton (1975–1976)
Bass, Gesang
Trevor Bolder (1976–1981, 1983–2013) †
Gesang
John Lawton (1976–1979, 2013)
Schlagzeug
Chris Slade (1979–1981)
Gesang
John Sloman (1979–1981)
Keyboard, Gesang
Gregg Dechert (1980–1981)
Keyboard, Gesang
John Sinclair (1982–1985)
Bass, Gesang
Bob Daisley (1982–1983)
Gesang
Peter Goalby (1982–1985)
Gesang
Steff Fontaine (1986)

Uriah Heep ist eine britische, progressive Hardrock-Band, benannt nach einer Figur aus dem Roman David Copperfield von Charles Dickens. Gemeinsam mit Black Sabbath, Deep Purple und Led Zeppelin zählen Uriah Heep zu den frühen und erfolgreichsten Vertretern des Hardrock. Im Unterschied zu vielen anderen Interpreten des Genres gewichten Uriah Heep in einem Teil ihrer Werke die melodische und romantische Seite des Hardrocks durch ihren ausgefeilten, oft mehrstimmigen Gesang stärker. Uriah Heep haben bis heute über 30 Millionen Tonträger verkauft.

Bandgeschichte[Bearbeiten]

Gitarrist und einzig verbliebenes Gründungsmitglied Mick Box bei einem Konzert 2011 in Würzburg

Nach dem Ende der Band Spice suchten die Musiker David Byron, Paul Newton und Mick Box 1969 neue Mitstreiter. Pauls Vater kontaktierte Gerry Bron, der zu dieser Zeit schon Manfred Mann, Colosseum und Jon Hiseman förderte und Beziehungen zu dem rockmusikorientierten Label Vertigo Records hatte. Gerry hatte die Idee, dem Bandsound Keyboards hinzuzufügen und ihr den Namen Uriah Heep zu geben. Paul kannte den Multiinstrumentalisten und Sänger Ken Hensley von The Gods, die mit dem später auch zu Uriah Heep gehörenden Schlagzeuger Lee Kerslake schon zwei Alben und einige Singles veröffentlicht hatten.

Schon das erste Uriah-Heep-Album Very ’eavy...Very ’umble enthielt mit Gypsy einen Top-30-Hit in Deutschland. 1971 wurde das Album Salisbury veröffentlicht. Es enthält mit Lady in Black, gesungen von Ken Hensley, das bekannteste Lied der Band. Das Album Look at Yourself wurde im Titelstück durch Musiker der Gruppe Osibisa ergänzt. Den Synthesizer im Lied July Morning spielte Manfred Mann. Diese Alben erschienen auf dem Vertigo-Label.

Von 1972 bis 1975 erlebte die Band ihre kommerziell erfolgreichste Zeit. Die Besetzung bestand zu dieser Zeit aus Kerslake, Byron, Hensley, Mick Box und Gary Thain. Die Alben Demons and Wizards, The Magician’s Birthday, Uriah Heep Live 1973, Sweet Freedom und Wonderworld mit den dazugehörigen Singles The Wizard, Easy Livin′ und Stealin′ waren vor allem in Europa, aber auch in Japan und den USA sehr erfolgreich.

Der Bassist Gary Thain erlitt während eines Konzerts in Dallas am 15. September 1974 einen elektrischen Schlag. Thain blieb nach dem Unfall geschwächt und die Band musste sich von ihm trennen. Am 8. Dezember 1975 wurde er tot in seiner Wohnung aufgefunden. Seit seinem Stromunfall litt er an Herzrhythmusstörungen. Da Thain auch heroinabhängig war, konnte die Todesursache nie restlos geklärt werden.[1]

Sein Nachfolger wurde John Wetton, der zuvor Mitglied bei King Crimson und Roxy Music gewesen war. In dieser Konstellation gelang Uriah Heep 1975 in Großbritannien und anderen Ländern mit dem Album Return to Fantasy der größte Verkaufserfolg ihrer Karriere.

Wetton war später Mitbegründer der britischen Supergroup Asia (u. a. Steve Howe/guit.) und wurde 1976 durch Trevor Bolder ersetzt, der zuvor in David Bowies Begleitband The Spiders from Mars spielte.

Bassist Trevor Bolder (1976–1981, 1983–2013)

Im September 1976 trennte sich die Band von David Byron. Sein Alkoholkonsum führte immer wieder zu internen Konflikten, schwachen Liveauftritten und gipfelte in Publikumsbeschimpfungen.[2] Er gründete anschließend Rough Diamond, konnte aber nicht mehr an seine früheren Erfolge anknüpfen. Byron starb 1985 an den Folgen seiner Alkoholkrankheit. Er wurde durch John Lawton ersetzt, der zuvor Mitglied bei den Les Humphries Singers und Lucifer’s Friend gewesen war. Mit Lawton als Sänger gelang Uriah Heep 1977 mit Free Me in Deutschland ein Top-10-Hit. Vor allem in Deutschland war die Band mit den Alben Firefly, Innocent Victim und Fallen Angel in den folgenden Jahren bis 1979 sehr populär. 1979 wurde ein Doppel-Livealbum Live in Europe 1979 aufgenommen, wegen der Entlassung von John Lawton aber erst 1986 veröffentlicht. Der Hit Lady in Black kam durch Wiederveröffentlichungen gleich mehrmals wieder in die Hitparaden.

Ken Hensley entließ Lawton nach Streitigkeiten aus der Band. Mit der Wahl des Nachfolgers John Sloman war Hensley aber auch unzufrieden, so dass er sich 1980 während der Conquest-Tour endgültig von der Band verabschiedete. Seitdem veröffentlichte er mehrere Soloalben mit mäßigem Erfolg. Einige Jahre lang war er auch Mitglied der US-Band Blackfoot.

Keyboarder Phil Lanzon (seit 1986) bei einem Konzert 2008

Gitarrist Mick Box gelang mit dem Album Abominog und dem neuen Sänger Peter „Pete“ Goalby ein Comeback. Die drei Platten mit Goalby orientierten sich stark am amerikanischen Mainstream-Heavy-Rock. Goalbys Stimme litt aber zunehmend unter den pausenlosen Konzerten, und schließlich war der Sänger dem Tourstress nicht mehr gewachsen. Nach seiner Kündigung bei Uriah Heep beendete Peter Goalby seine Karriere.

Im Juli 1986 fanden Uriah Heep mit Stephen „Steff“ Fontaine einen neuen Sänger. Mit ihm und dem neuen Keyboarder Phil Lanzon gingen sie auf eine kleine US- und Kanadatour. Doch schon im September 1986 trennte sich die Gruppe wieder von Fontaine, da er einen Auftritt versäumte und insgesamt unzuverlässig und unprofessionell erschien. Er wurde durch Bernie Shaw ersetzt. Damit hatten Uriah Heep eine Formation gefunden, die über 20 Jahre Bestand hatte. Erste Veröffentlichung dieses Line-Ups war das Live-Album Live in Moscow, das den Querschnitt von zehn ausverkauften Konzerten 1987 im Moskauer Olympiastadion darstellt. Das Album enthält neben klassischen Stücken der Band auch drei Songs, die nicht auf einem regulären Studio-Album erschienen waren. Mit den Auftritten in der damaligen Sowjetunion betraten Uriah Heep Neuland: Sie waren die erste westliche Rockband, die offiziell in der Sowjetunion aufgetreten ist. Das erste Studio-Album dieser Besetzung wurde 1989 veröffentlicht: Raging Silence, produziert von Richard Dodd.

Nach dem 1991 von Bassist Trevor Bolder produzierten Album Different World erschien 1995 mit Sea of Light das nächste Album. Auf der zugehörigen Tour im selben Jahr gab es ein Wiedersehen mit dem ehemaligen Sänger John Lawton, der für den an den Stimmbändern erkrankten Shaw für einige Auftritte in Südafrika, Österreich und Deutschland einsprang. 1998 erschien das für längere Zeit letzte Studioalbum Sonic Origami.

Sänger Bernie Shaw (seit 1986) bei einem Konzert 2011 in der Würzburger Posthalle

Am 7. Dezember 2001 fanden Uriah Heep mit den ehemaligen Mitgliedern John Lawton und Ken Hensley für einen einmaligen Auftritt in London wieder zusammen. Das Ergebnis war das Live-Album The Magicians Birthday Party. Ebenfalls 2001 (mit Ian Anderson von Jethro Tull als Gast) und im Dezember 2006 gingen Uriah Heep mit einem Akustikprogramm auf Tournee.

Ende Januar 2007 musste sich Schlagzeuger Lee Kerslake, der der Band mit kurzer Unterbrechung seit 1972 zur Verfügung gestanden hatte, aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen. Anfang März 2007 übernahm Studiodrummer Russell Gilbrook, der schon mit Tony Iommi (Black Sabbath), Van Morrison oder John Farnham gearbeitet hatte, seinen Platz.

Im Mai 2008 erschien das 21. Studioalbum Wake the Sleeper. Die internationale Presse lobte das Werk und das Rockmagazin Eclipsed wählte es zum Album des Monats.

Anlässlich des 40-jährigen Bestehens nahm die Band die größten Erfolge ihrer Karriere erneut im Studio auf. Die Neueinspielungen erschienen 2009, ergänzt um zwei neue Stücke, unter dem Titel Celebration. Dazu ging die Band zwischen 2009 und 2010 auf große Deutschlandtour. Mick Box ist heute das einzige verbliebene Gründungsmitglied von Uriah Heep.

2011 veröffentlichte die Band das 22. Studioalbum Into the Wild sowie die Auskoppelung Nail On the Head. Zudem erschien ein Official Bootleg Volume 4 von einem Konzert in Brisbane.

Im Februar 2012 erschien mit Logical Revelations eine Zusammenstellung aus einer Track-Auswahl der 90er-Alben Sea of Light und Sonic Origami sowie von Live-Mitschnitten der bekanntesten Stücke der Band, aufgenommen bei einem Konzert in der Live Music Hall in Köln 1994.[3]

Im Januar 2013 musste sich Bassist Trevor Bolder einer Operation unterziehen, die eine mehrmonatige Genesung erforderlich machte. Er wurde seitdem von John Jowitt (u. a. IQ) und Dave Rimmer (u. a. Zodiac Mindwarp) vertreten. Bolders wollte am 14. Juni beim Download Festival wieder mit der Band auftreten,[4] erlag jedoch am 21. Mai im Alter von 62 Jahren seinem Krebsleiden [5]. Zudem nahm Sänger Bernie Shaw im Mai 2013 eine Auszeit aus medizinischen Gründen. Für ihn sprang Ex-Sänger John Lawton ein. Bei diesen Konzerten spielte die Band hauptsächlich Songs aus dessen Zeit bei Uriah Heep.[6]

Stil[Bearbeiten]

Uriah Heep spielen einen kraftvollen und melodischen Heavy-Rock. In ihrer frühen Phase fügten sich bei ihnen Elemente des Progressiv-, Blues- und Jazzrock zu einem Bandsound, der sich von dem vergleichbarer englischer Hardrock-Zeitgenossen wie Deep Purple, Led Zeppelin oder Black Sabbath absetzte. Als Einfluss kann am ehesten die amerikanische Gruppe Vanilla Fudge angeführt werden. Auf Gruppensound und Komposition wird bei Uriah Heep mehr Gewicht gelegt als auf instrumental-solistische Ausflüge. Experimentelle Elemente der Frühphase traten im Laufe der Jahre etwas zurück zu Gunsten einer kommerzielleren Ausrichtung. Im Zentrum der Plattenaufnahmen stand die durch Leslie-Cabinets verstärkte, dynamisch bediente Hammond-Orgel Ken Hensleys, dessen Soundpalette ab 1972 durch einen Moog-Synthesizer ergänzt wurde. Klare Gitarrenmelodien und kaskadenartiger Chorgesang wurden früh zu ihren Markenzeichen. Die Gruppe war ungewöhnlich produktiv, sie hatte mit bis zu zwei Alben pro Jahr, die ausnahmslos aus Originalmaterial bestanden, einen hohen Output.

Besetzungen[Bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Uriah Heep/Diskografie

Studio-Alben

  • Very 'eavy...Very 'umble (1970)
  • Salisbury (1971)
  • Look at Yourself (1971)
  • Demons and Wizards (1972)
  • The Magician’s Birthday (1972)
  • Sweet Freedom (1973)
  • Wonderworld (1974)
  • Return to Fantasy (1975)
  • High and Mighty (1976)
  • Firefly (1977)
  • Innocent Victim (1977)
  • Fallen Angel (1978)
  • Conquest (1980)
  • Abominog (1982)
  • Head First (1983)
  • Equator (1985)
  • Raging Silence (1989)
  • Different World (1991)
  • Sea of Light (1995)
  • Sonic Origami (1998)
  • Wake the Sleeper (2008)
  • Celebration (2009)
  • Into the Wild (2011)

Literatur[Bearbeiten]

  • Markus Ott, Ken Hensley: Uriah Heep - 10 Jahre Rockmusik, Bergisch Gladbach 1980.
  • Dave Ling: Wizards and Demons - The Uriah Heep Story, Stratford-upon-Avon 2002.
  • Jeff Perkins: David Byron - Born to Perform, Tiptree 2003.
  • Ken Hensley: Blood On The Highway: When Too Many Dreams Come True; the Ken Hensley Story. Grosser & Stein 2007, ISBN 978-3-86735-319-9.
  • Uwe Reuters: Easy Livin' - The Story of Uriah Heep Vol.1, Aachen 1997.
  • Uwe Reuters: Can't Keep a Good Band Down - The Story of Uriah Heep Vol.2, 1998.
  • Uwe Reuters: It Ain't Easy - The Story of Uriah Heep Vol. 3, Jahrbuch 1999.
  • Uwe Reuters: Carry on - The Story of Uriah Heep Vol. 4, Jahrbuch 2000.
  • Uwe Reuters: Sell Your Soul - The Story of Uriah Heep Vol. 5, Jahrbuch 2001.
  • Uwe Reuters: Different World - The Story of Uriah Heep Vol. 6, Jahrbuch 2002.
  • Uwe Reuters: Hold Your Head Up - The Story of Uriah Heep Vol.7, Jahrbuch 2003.
  • Uwe Reuters: Running All Night - The Story of Uriah Heep Vol. 8, Jahrbuch 2004.
  • Uwe Reuters: One Way Or Another - The Story of Uriah Heep Vol. 9, Jahrbuch 2005.
  • Uwe Reuters: What Should be Done - The Story of Uriah Heep Vol. 10, Jahrbuch 2006.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Uriah Heep – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Official Website of Gary Thain
  2. U. Reuters: "Can't Keep A Good Band Down" The Story Of Uriah Heep Vol.2; S. 82; 5.Aufl. Aachen 2002
  3. http://www.rocktopia.co.uk/index.php?option=com_content&view=article&id=2200:uriah-heep-logical-revelations&catid=910:cd-reviews&Itemid=121
  4. http://www.uriah-heep.com/newa/index.php
  5. http://www.classicrockmagazine.com/news/trevor-bolder-dead-at-62
  6. http://www.rockantenne.de/2145-uriah-heep-lawton-ersetzt-shaw-fuer-einige-gigs-im-mai.html