Urs Jaeggi

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Urs Jaeggi, 2011

Urs Jaeggi [ˈjæki] (* 23. Juni 1931 in Solothurn) ist ein Schweizer Soziologe, Schriftsteller und bildender Künstler.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Urs Jaeggi ist Sohn eines Notars. Er absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann und arbeitete fünf Jahre lang in diesem Beruf. Gleichzeitig holte er auf dem Zweiten Bildungsweg seine Reifeprüfung nach und studierte anschließend Nationalökonomie und Soziologie in Genf, Bern und Berlin. 1959 wurde er an der Universität Bern zum Dr. rer. pol. promoviert. Dort war er Assistent des Entwicklungssoziologen Richard Fritz Behrendt. Danach war er von 1959 bis 1961 wissenschaftlicher Assistent an der Universität Münster und an der Sozialforschungsstelle in Dortmund. Ab 1961 lehrte er am Soziologischen Institut der Universität Bern, an dem er 1964 habilitiert wurde. 1965 wurde er dort „Außerordentlicher Professor“ für Soziologie. In den 1960er Jahren war er mit der Psychologin Eva Jaeggi verheiratet. Ihre gemeinsame Tochter Rahel Jaeggi ist Professorin für Philosophie an der HU Berlin.

1966 erhielt er einen Ruf an die neugegründete Ruhr-Universität Bochum, wo er Inhaber eines Lehrstuhls für Soziologie war. Teile der Studentenbewegung bezogen sich auf sein Werk, insbesondere auf die Analysen in Macht und Herrschaft in der Bundesrepublik (1969). Anders als sein Nachfolger auf dem Bochumer Lehrstuhl Leo Kofler, verband Jaeggi seine Arbeit auf dem Gebiet der soziologischen Theorie mit Ansätzen empirischer Sozialforschung. Seit den 60er Jahren veröffentlichte er u. a. bedeutende Arbeiten zur Politischen Soziologie. 1970/71 lehrte er als Gastprofessor an der New School for Social Research in New York. Von 1972 bis 1992 war Jaeggi Ordinarius am Institut für Soziologie der Freien Universität Berlin.

Urs Jaeggi ist nicht nur als Verfasser zahlreicher soziologischer Arbeiten hervorgetreten, sondern auch als Autor belletristischer Werke. Sein Archiv befindet sich im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern. Seit 1985 ist Jaeggi zudem als Maler, Bildhauer und auf dem Gebiet der Aktionskunst tätig.

Urs Jaeggi lebt in Berlin und Mexiko-Stadt.

Mitgliedschaften und Preise[Bearbeiten]

Urs Jaeggi gehört dem PEN-Zentrum Deutschland (seit 1977), dem Verband Deutscher Schriftsteller, dem Autorenverband Autorinnen und Autoren der Schweiz sowie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie an. Er erhielt u. a. 1964 den Literaturpreis der Stadt Berlin, 1978 den Literaturpreis des Kantons Bern, 1981 den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt, 1988 den Solothurner Kunstpreis sowie 1998 den Niederösterreichischen Kunstpreis.

Werke[Bearbeiten]

  • Die gesellschaftliche Elite, Bern [u. a.] 1960
  • (mit Herbert Wiedemann) Der Angestellte im automatisierten Büro, Stuttgart 1963
  • (mit Robert Bosshard und Jürg Siegenthaler) Sport und Student, Bern [u. a.] 1963
  • Die Wohltaten des Mondes, München 1963
  • Die Komplicen, München 1964
  • Berggemeinden im Wandel, Bern 1965
  • (mit Herbert Wiedemann) Der Angestellte in der Industriegesellschaft, Stuttgart [u. a.] 1966
  • Der Soziologe, Bern 1966
  • (mit Rudolf Steiner und Willy Wyniger) Der Vietnamkrieg und die Presse, Zürich 1966
  • Ein Mann geht vorbei, Zürich [u. a.] 1968
  • Ordnung und Chaos, Frankfurt am Main 1968
  • Macht und Herrschaft in der Bundesrepublik, Frankfurt am Main [u. a.] 1969. Neue Ausgabe: Kapital und Arbeit in der Bundesrepublik Fischer Taschenbuch 6510 ISBN 3-43601685-3
  • Arbeiterklasse und Literatur, Frankfurt am Main 1972 (zusammen mit Peter Kühne)
  • Für und wider die revolutionäre Ungeduld, Zürich [u. a.] 1972
  • Literatur und Politik, Frankfurt am Main 1972
  • Geschichten über uns, Frankfurt am Main 1973
  • (mit Sven Papcke) Revolution und Theorie, Frankfurt am Main
    • Bd. 1. Materialien zum bürgerlichen Revolutionsverständnis, 1974
  • Theoretische Praxis, Frankfurt am Main 1976
  • Brandeis, Darmstadt [u. a.] 1978 (Roman)
  • Gesellschaft und Bewußtsein, Hagen 1980
  • Grundrisse, Darmstadt [u. a.] 1981
  • Was auf den Tisch kommt, wird gegessen, Darmstadt [u. a.] 1981
  • (mit Manfred Fassler) Kopf und Hand, Frankfurt am Main [u. a.] 1982
  • Versuch über den Verrat, Darmstadt [u. a.] 1984
  • Fazil und Johanna, Frankfurt am Main 1985
  • (mit Schang Hutter) Heicho, Berlin-Kreuzberg 1985
  • (mit Norbert Ledergerber) Solothurner Filmtage 1966 – 1985, Fribourg 1985
  • Rimpler, Zürich 1987
  • Soulthorn, Zürich 1990
  • (mit Remy Steinegger) Tessin, Zürich 1991
  • Kunst, Berlin 2002
  • Durcheinandergesellschaft, Frauenfeld Stuttgart Wien 2008

Herausgeberschaft[Bearbeiten]

  • Sozialstruktur und politische Systeme, Köln 1976
  • Theorien des historischen Materialismus, Frankfurt am Main (zusammen mit Axel Honneth)
    • Bd. 1 (1977)
    • Bd. 2. Arbeit, Handlung, Normativität, 1980
  • Geist und Katastrophe, Berlin 1983
  • Mauersprünge, Reinbek bei Hamburg 1988

Ausstellungskataloge[Bearbeiten]

  • Bilder von Urs Jaeggi, Solothurn 1985
  • Urs Jaeggi, Bern 1990
  • Urs Jaeggi, Figuren, Zürich 1991
  • Urs Jaeggi: treppen, fliegen, köpfen, worten, Berlin 2004

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]