Uruz

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Uruz () ist die zweite Rune des älteren Futhark und des altnordischen Runenalphabets[1] mit dem Lautwert u. Der rekonstruierte urgermanische Name bedeutet „Auerochse“ und erscheint in den Runengedichten als altnordisch und altenglisch ūr bzw. gotisch uraz.[2]

Bedeutung[Bearbeiten]

Das isländische Wort für „Regen“ und das altenglische Wort für „Auerochse“ ist auf zwei verschiedene protogermanische Wörter zurückzuführen, *ūruz und *ūrą, welche möglicherweise jedoch von derselben Wortwurzel stammen. Die norwegische Bedeutung „Schlacke“ ist noch unklarer, sie ist jedoch möglicherweise ein Ausdruck aus der Eisenzeit, abgeleitet aus dem Wort für Wasser (vergleiche das Kalevala, wo Eisen mit Milch vergleichen wird).

Deswegen gestaltet es sich als schwierig, einen protogermanischen Namen für die Rune aus dem älteren Futhark zu finden. Es könnte *ūruz („Auerochse“) gewesen sein (siehe Stier (Mythologie)), oder *ūrą („Wasser“). Beide Bedeutungen scheinen im Vergleich zu den anderen Runennamen möglich zu sein: „Wasser“ wäre vergleichbar mit Laguz, und „Auerochse“ zu Ehwaz. Das Gotische Alphabet scheint sich auf die Bedeutung „Auerochse“ zu stützen.

Runengedicht[Bearbeiten]

Der Name der Rune ist in allen drei Runengedichten als Ur zu finden, jedoch mit verschiedenen Bedeutungen:

Runengedicht[3] Deutsche Übersetzung

Altnorwegisch

Úr er af illu jarne,
opt løypr ræinn á hjarne.

 

Schlacke kommt von schlechten Eisen;
oft läuft das Ren auf eisigen Schnee.

Altisländisch

Úr er skýja grátr
ok skára þverrir
ok hirðis hatr.
umbre vísi

Regen ist das Weinen der Wolken
und der Ernte Ruin
und des Hirten Hass.

Altenglisch

Ur byþ anmod ond oferhyrned,
felafrecne deor, feohteþ mid hornum
mære morstapa; þæt is modig wuht.

 

Der Auerochse ist anmutig und oben gehörnt,
das wilde Tier kämpft mit seinen Hörnern,
ein großartiger Wanderer der Moore, der eine mutige Kreatur ist.

Zeichenkodierung[Bearbeiten]

Unicode Codepoint U+16A2
Unicode-Name RUNIC LETTER URUZ UR U
HTML ᚢ
Zeichen

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klaus Düwel: „Runenkunde“. Metzler, Stuttgart 2001, 3. erw. Aufl., ISBN 3-476-13072-X
  2. Thesaurus Indogermanischer Text- und Sprachmaterialien
  3. Originaltexte von der Rune Poem Page