Usain Bolt

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Usain Bolt Leichtathletik
Usain Bolt (2009)

Usain Bolt bei den Weltmeisterschaften in Berlin 2009

Voller Name Usain St. Leo Bolt
Nation JamaikaJamaika Jamaika
Geburtstag 21. August 1986
Geburtsort Sherwood Content
Größe 195 cm
Gewicht 95 kg
Karriere
Disziplin 100 m, 200 m, 4 × 100 m
Verein Racers Track Club
Trainer Glen Mills
Status aktiv
Medaillenspiegel
Olympische Medaillen 6 × Gold 0 × Silber 0 × Bronze
Medaillen WM 8 × Gold 2 × Silber 0 × Bronze
Medaillen Junioren-WM 1 × Gold 2 × Silber 0 × Bronze
Olympische Ringe Olympische Spiele
Gold 2008 Peking 100 m
Gold 2008 Peking 200 m
Gold 2008 Peking 4 × 100 m
Gold 2012 London 100 m
Gold 2012 London 200 m
Gold 2012 London 4 × 100 m
IAAF.svg Weltmeisterschaften
Silber 2007 Osaka 200 m
Silber 2007 Osaka 4 × 100 m
Gold 2009 Berlin 100 m
Gold 2009 Berlin 200 m
Gold 2009 Berlin 4 × 100 m
Gold 2011 Daegu 200 m
Gold 2011 Daegu 4 × 100 m
Gold 2013 Moskau 100 m
Gold 2013 Moskau 200 m
Gold 2013 Moskau 4 × 100 m
IAAF.svg Juniorenweltmeisterschaften
Gold 2002 Kingston 200 m
Silber 2002 Kingston 4 × 100 m
Silber 2002 Kingston 4 × 400 m
IAAF.svg Jugendweltmeisterschaften
Gold 2003 Sherbrooke 200 m
Logo der Commonwealth Games Federation Commonwealth Games
Gold 2014 Glasgow 4 × 100 m
Zentralamerika- und Karibikmeisterschaften
Gold 2005 Nassau 200 m
letzte Änderung: 3. August 2014

Usain St. Leo Bolt (* 21. August 1986 in Sherwood Content, Jamaika) ist ein jamaikanischer Sprinter, sechsfacher Olympiasieger, achtfacher Weltmeister und Weltrekordhalter in der 4-mal-100-Meter-Staffel, im 100- und im 200-Meter-Lauf. Bei einer aktuellen Weltrekordzeit von 9,58 s, aufgestellt am 16. August 2009 im Finale bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Berlin, ist er der bislang einzige Mensch, der die 100 Meter in weniger als 9,6 Sekunden lief. Bei selbigen stellte er außerdem mit 19,19 s auch den Weltrekord über die 200-Meter-Distanz auf.

Usain Bolt ist der einzige Sprinter, dem bei Olympischen Spielen die Verteidigung eines Doubles aus 100- und 200-Meter-Sprint gelang, und ist gemessen an Medaillen der erfolgreichste Teilnehmer bei Freiluft-Weltmeisterschaften. Er gilt ferner als der „bestbezahlte Sportler in der Geschichte der Leichtathletik“[1] und wurde mehrmals zum Leichtathleten und Weltsportler des Jahres gekürt.

Karriere

Internationale Aufmerksamkeit erlangte Bolt 2002, als er im Alter von nur 15 Jahren vor heimischem Publikum in Kingston Juniorenweltmeister über 200 Meter wurde. Nachdem er 2003 Jugendweltmeister geworden war, stellte er eine Woche später den Junioren-Weltrekord auf. Im folgenden Jahr wurde Bolt schließlich der erste und bislang einzige Junior (Stand: April 2012), der die 200 Meter in unter 20 Sekunden zurücklegen konnte, als er mit 19,93 s den bis heute gültigen Weltrekord für Junioren aufstellte. Vergleichsweise enttäuschend verliefen für ihn hingegen die Olympischen Spiele 2004 in Athen, bei denen er, von einer im vorherigen Saisonverlauf zugezogenen Wadenverletzung behindert, im Vorlauf ausschied.

2005 erreichte Bolt bei den Weltmeisterschaften in Helsinki erstmals den Endlauf großer Meisterschaften, in dessen Verlauf er sich jedoch verletzte und als Letzter ins Ziel humpelte. Seine Bestzeit verbesserte er 2006 wieder, als er beim Athletissima-Meeting in Lausanne mit 19,88 s nur 2 Hundertstelsekunden über dem Landesrekord von Donald Quarrie blieb.

Diesen konnte Bolt schließlich 2007 brechen, als er bei den Landesmeisterschaften 19,75 s lief. Außerdem machte jene Zeit ihn zum weltweit drittschnellsten Läufer des Jahres nach Tyson Gay und Walter Dix. Mit 10,03 s bzw. 45,28 s zeigte Bolt 2007 auch über 100 und 400 Meter aufsteigendes Niveau.

Im Finale der Weltmeisterschaften 2007 in Osaka über 200 Meter gelang ihm dann sein bis dahin größter Erfolg in seiner noch jungen Karriere: Hinter dem überragenden Sprinter dieser Weltmeisterschaften Tyson Gay konnte er sich die Silbermedaille in einer Zeit von 19,91 s sichern. Zwei Tage später gewann Bolt mit der 4-mal-100-Meter-Staffel, die dabei einen Landesrekord aufstellte, wiederum die Silbermedaille.

Usain Bolt leidet seit seiner Kindheit an Skoliose und ist in regelmäßiger Behandlung.[2]

2008

Usain Bolt feiert seinen Olympiasieg im 100-Meter-Lauf (2008)

Am 3. Mai 2008 erzielte Bolt über die 100-Meter-Distanz eine Zeit von 9,76 s, die nicht nur Weltjahresbestleistung bedeutete, sondern die zweitschnellste jemals gelaufene Zeit über diese Strecke unter regulären Windbedingungen war. Er steigerte seine eigene Bestleistung damit gleich um 27 Hundertstelsekunden.

Beim Reebok Grand Prix in New York City am 31. Mai 2008, bei dem es über 100 Meter zu einem Aufeinandertreffen von Bolt und dem Weltmeister Tyson Gay kam, verbesserte er den bis dahin bestehenden Weltrekord seines Landsmannes Asafa Powell um zwei Hundertstelsekunden. Er lief bei regulärem Rückenwind von 1,7 Meter pro Sekunde eine Zeit von 9,72 s.[3]

Am 16. August 2008 verbesserte Usain Bolt bei den Olympischen Spielen in Peking mit 9,69 s seinen eigenen Weltrekord im Finale des 100-Meter-Laufs. Dabei erreichte er eine Höchstgeschwindigkeit von 43,9 km/h.[4] Damit gewann er als erster Jamaikaner Olympia-Gold über diese Strecke.[5] Rund zwanzig Meter vor der Ziellinie drosselte Bolt das Tempo und breitete jubelnd die Arme aus, womit er eine noch bessere Zeit vergab (der Astrophysiker Hans Eriksen und Kollegen ermittelten später mögliche 9,55 s),[6] zumal sich sein Schnürsenkel geöffnet hatte und somit über weite Teile der Strecke sein Schuh auch noch offen war.[7] Da die Zeit von 9,69 s bei Windstille erzielt wurde, ist die Leistung nahezu gleichwertig mit den bei 0,9 m/s Rückenwind gelaufenen 9,58 s in Berlin ein Jahr später.[8] Über die 200 Meter blieb er am 20. August 2008 in 19,30 s zwei Hundertstel unter dem zwölf Jahre alten Weltrekord von Michael Johnson. Bemerkenswert an diesem Lauf war, dass Bolt die Zeit bei 0,9 Meter pro Sekunde Gegenwind lief. Er ist der erste Athlet seit Carl Lewis, dem der Sieg sowohl über 100 als auch über 200 Meter gelang.[9] Am 22. August 2008 gewann er in der 4-mal-100-Meter-Staffel seine dritte Goldmedaille. Bolt stellte in diesem Lauf mit der jamaikanischen Staffel seinen dritten Weltrekord während der Olympischen Spiele auf.

2009

Auf Geheiß seines Trainers absolvierte Bolt zu Beginn des Jahres zwei 400-Meter-Läufe in 46,35 s beziehungsweise 45,54 s,[10] ehe er bei Wettkämpfen über die beiden kürzeren Sprintdistanzen antrat. Schon bei seinem ersten 100-Meter-Lauf, der noch vor der Hauptsaison am 15. März auf Jamaika stattfand, knackte er mit 9,93 s die 10-Sekunden-Marke. Ende April war Bolt in einen Autounfall verwickelt, bei dem er sich jedoch keine schweren Verletzungen zuzog. Er wurde noch am Tag des Unfalls aus dem Krankenhaus entlassen[11] und konnte zwei Wochen später bei den in der Innenstadt Manchesters ausgetragenen Great City Games teilnehmen. Mit 14,35 s stellte er eine neue Weltbestzeit über die selten ausgetragene 150-Meter-Strecke auf.

Seine Teilnahme an den Weltmeisterschaften in Berlin sicherte er sich mit Siegen über 100 und 200 Meter bei den nationalen Meisterschaften. Im Juli lief er in Lausanne mit 19,59 s über die 200-Meter-Distanz die viertschnellste jemals gelaufene Zeit.

Bei den Weltmeisterschaften in Berlin gewann Bolt am 16. August 2009 über 100 Meter die Goldmedaille und verbesserte bei diesem Lauf seinen eigenen Weltrekord auf 9,58 s.[12] Dabei erreichte Bolt zwischen der 60- und 80-Meter-Marke die höchste Geschwindigkeit von 44,72 km/h. Seine Reaktionszeit lag bei 0,146 Sekunden, 0,027 Sekunden langsamer als der Schnellste, Richard Thompson.[13]

Platz Läufer RZ 20 m 40 m 60 m 80 m 100 m Max. Geschw. Abschnitt
1 Usain Bolt 0,146 2,89 4,64 6,31 7,92 9,58 70–80 m
2 Tyson Gay 0,144 2,92 4,70 6,39 8,02 9,71 70–80 m
3 Asafa Powell 0,134 2,91 4,71 6,42 8,10 9,84 60–70 m
Bolt (Zweiter von rechts) feiert den Sieg im Staffelwettbewerb

Beim 200-Meter-Lauf in Berlin gewann er Gold mit einem neuen Weltrekord von 19,19 s,[14] seine Reaktionszeit von 0,133 Sekunden war die schnellste aller Teilnehmer.[15] Zudem holte er in Berlin auch mit der jamaikanischen 4-mal-100-Meter-Staffel Gold, aber stellte nicht wie zuletzt in Peking auch in dieser Disziplin einen neuen Weltrekord auf.

Für seine außerordentlichen Leistungen erhielt er vom Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit ein über drei Meter hohes Originalstück der Berliner Mauer, auf dem er selbst in Farbe gemalt ist.[16]

2010

Bolt startete gut in die Saison, erst mit einem 200-Meter-Lauf in 19,56 s und dann mit einem Sieg bei seinem Diamond-League-Debüt in Shanghai. Am 27. Mai trat er beim Ostrava Golden Spike über die 300-Meter-Strecke an, mit dem Ziel die Weltbestzeit von Ben Johnson zu brechen. Diese lag bei 30,85 s, Bolt verfehlte sie mit 30,97 s um zwölf Hundertstelsekunden. Es folgten 100-Meter-Siege bei den Diamond League Meetings in Lausanne und Paris, ehe er am 6. August bei der DN Galan in Stockholm nach 14 Siegen in Folge seine zweite Niederlage in einem 100-Meter-Finale einstecken musste. Tyson Gay, der Zweite der Weltmeisterschaften in Berlin, wurde in 9,84 s mit deutlichem Abstand Erster, während Bolt erst nach 9,97 s ins Ziel kam. Usain Bolt erklärte, dass er das Training dieses Jahr wohl „etwas langsamer hatte angehen lassen“, wohingegen Gay aufgrund intensiver Vorbereitungen einfach in der besseren Verfassung sei.[17]

2011

Bolt startete mit zwei Siegen über die 100-Meter-Distanz in Rom und Ostrava in die Saison. Weiterhin in Europa antretend, bestritt er nun einige 200-Meter-Läufe: In Oslo stellte er mit 19,86 s die zwischenzeitliche Weltjahresbestleistung auf. Am 8. Juli 2011 gewann er die 200 Meter des Diamond-League-Meetings in Paris. Er erreichte das Ziel in einer Zeit von 20,03 s und siegte damit vor Christophe Lemaitre. Mit derselben Zeit gewann er einige Wochen später in Stockholm.

Am 22. Juli lief er zum ersten Mal seit zwei Monaten wieder die 100 Meter bei dem Diamond-League Meeting in Monaco. Er gewann es bei einem Rückenwind von 1,0 m/s in 9,88 s, stellte dabei für sich neue Saisonbestleistung auf, verpasste es aber, die Weltjahresbestleistung von Asafa Powell zu brechen.[18]

Bei den Weltmeisterschaften im selben Jahr in Daegu gelangte er als der Favorit ins 100-Meter-Finale, wo er jedoch nach einem Fehlstart disqualifiziert wurde. Weltmeister wurde sein Landsmann Yohan Blake. Über die 200 Meter gewann Bolt in einer Zeit von 19,40 s die Goldmedaille. Eine zweite Goldmedaille bei diesen Weltmeisterschaften gewann Bolt einen Tag später zusammen mit Nesta Carter, Michael Frater und Yohan Blake im 4-mal-100-Meter-Staffelwettbewerb. Die jamaikanische Staffel stellte dabei mit einer Zeit von 37,04 s einen neuen Weltrekord auf.

Am 13. September steigerte er in Zagreb seine Saisonbestleistung auf 9,85 s. Bei seinem letzten Start, dem Memorial Van Damme in Brüssel drei Tage später, schaffte es Bolt, die Weltjahresbestzeit von Powell noch zu brechen, und kam nach 9,76 s bei 1,3 m/s Rückenwind vor Nesta Carter ins Ziel.

Usain Bolt bei den Olympischen Spielen 2012

Am Ende des Jahres standen ihm lediglich fünf Läufe unter der 10-Sekunden-Marke und nur zwei 200-Meter-Rennen, bei denen er in unter 20 Sekunden ins Ziel kam, zu Buche - weit weniger als in seinen erfolgreichsten Jahren 2008, 2009, 2012 und 2013.

2012

Schon im Januar sagte Bolt für die beiden Diamond League Meetings in Oslo und Rom für die 100-Meter-Distanz zu. Seinen ersten Einzelstart legte er über die 100 Meter in Kingston hin. Dort gewann er vor Michael Frater mit der bis dato schnellsten Zeit des Jahres: 9,82 s. Nach seinem schnellsten Saisonstart aller Zeiten allerdings zeigte er sich in Ostrau ratlos: Mit 10,04 s gewann er das Rennen zwar, gab sich aber enttäuscht und nicht in Olympia-Form. Am 31. Mai hingegen schien er unbeeindruckt davon und lief in Rom die 100 Meter in der Weltjahresbestzeit von 9,76 s. Er siegte vor Powell, der 9,91 s bis ins Ziel brauchte. Auch am 7. Juni in Oslo kam er vor Powell auf den ersten Platz, wenn auch mit weniger Vorsprung: Bolt kam nach 9,79 s ins Ziel, sein Landsmann nach 9,85 s.

Am 29. Juni kassierte er bei den Jamaican 'Trials seine erste Niederlage seit zwei Jahren. Nach einem schwachen Start konnte er zwar noch Powell überholen, aber sein Trainingspartner Blake lief mit 9,75 s auf den ersten Platz.[19] Zwei Tage später musste er sich über die 200-Meter-Distanz abermals Blake geschlagen geben. Mit 19,83 s kam er nur drei Hundertstelsekunden hinter ihm ins Ziel. Nach den Trials klagte Bolt über Rückenprobleme und sagte die Teilnahme am Herculis in Monaco ab, versicherte aber gleichzeitig, dass die Olympiateilnahme nicht gefährdet sei.

Bei den Olympischen Spielen 2012 in London lief er das Finale über 100 Meter in 9,63 s (olympischer Rekord) und gewann damit erneut Gold. Der Jamaikaner setzte sich nach gutem Start 40 Meter vor dem Ziel entscheidend ab und blieb zwölf Hundertstelsekunden vor seinem Kontrahenten Yohan Blake.[20] Im Finale über 200 Meter sicherte er sich mit 19,32 s ebenfalls vor Blake die Goldmedaille. Damit ist Bolt der erste Sprinter, dem die Verteidigung des Doubles aus 100- und 200-Meter-Sprint bei Olympischen Spielen gelang. Die dritte Goldmedaille gewann er in der 4-mal-100-Meter-Staffel zusammen mit Frater, Carter und Blake mit neuer Weltrekordzeit von 36,84 s.

Am 23. August brach er mit 19,58 s beim Athletissima in Lausanne den Meetingrekord, den er selbst vor drei Jahren aufgestellt hatte. Er siegte bei seinem ersten Diamond League-Start der Saison über 200 Meter vor Churandy Martina und Nickel Ashmeade. Eine Woche darauf stellte er auch bei der Weltklasse Zürich einen neuen Meetingrekord auf: Bei Regen kam er mit 19,66 s vor seinen Landsmännern Ashmeade und Jason Young ins Ziel. Am 7. September gewann er das Saisonfinale über 100 Meter beim Memorial Van Damme in 9,86 s und sicherte sich mit 16 Punkten den Sieg in der Gesamtwertung der Diamond League.

2013

In die neue Saison startete er mit seinem ersten 400-Meter-Lauf seit drei Jahren. Bei den Camperdown Classics in Kingston gewann er seinen Zeitlauf in 46,71 s, was zwar weit über seiner Bestzeit von 2007 lag, insgesamt trotzdem zum dritten Platz reichte.[21] Einen zweiten 400-Meter-Lauf absolvierte er am 23. März ebenfalls in Kingston, diesmal kam er nach 46,44 s ins Ziel.[22]

Bolt bei den Weltmeisterschaften 2013

Am 31. März trat er in Rio de Janeiro auf einem extra für dieses Rennen verlegten Belag über die 150-Meter-Distanz an. Er hatte zuvor angekündigt, die Weltbestzeit von 14,35 s, die er 2009 in Manchester aufgestellt hatte, brechen zu wollen.[23] Vor 3000 Zuschauern, die sich am Strand von Copacabana versammelt hatten, verpasste er mit 14,42 s diese Zeit jedoch knapp.[24] Nachdem er wegen einer Oberschenkelverletzung das Jamaica Invitational hatte absagen müssen, gewann er am 8. Mai ein Rennen auf den Kaiman-Inseln. Die Zeit von 10,09 s und die Tatsache, dass er erst nach einem Foto-Finish vor Kemar Bailey-Cole zum Sieger gekürt wurde, machten es allerdings zu einem für ihn schwachen Saisonstart über 100 Meter.[25] Am 6. Juni musste er in Rom seine erste internationale Niederlage seit 2010 in Stockholm - wo er gegen Tyson Gay verloren hatte - hinnehmen, Justin Gatlin gewann mit 9,94 s eine Hundertstelsekunde vor Bolt. Bei den Bislett Games in Oslo hingegen gewann er über die 200-Meter-Strecke standesgemäß in 19,79 s.

Bei den jamaikanischen Meisterschaften siegte er über 100 Meter in 9,94 s, womit er sich für die Weltmeisterschaften in Moskau qualifizierte. Über 200 Meter musste er nicht antreten: Der jamaikanische Leichtathletikverband hatte sich bei der Vergabe der Wildcard für Titelverteidiger Bolt entschieden - seinem Landsmann Ashmeade hätte sie als Diamond Race Gewinner ebenfalls zugestanden.[26] In Paris konterte er mit 19,73 s die vorherige Weltjahresbestleistung von Tyson Gay, der eine Woche später jedoch des Dopings überführt wurde. Auch in London zeigte er sich in guter Form: Erst gewann er in 9,85 s das 100-Meter-Rennen und dann zusammen mit seinen Teamkollegen vom Racers Track Club mit 37,75 s auch die 4-mal-100-Meter-Staffel.

Bei den 14. Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau gewann Bolt wie schon bei den Titelkämpfen 2009 in Berlin drei Goldmedaillen. Über 100 Meter siegte er in 9,77 s vor dem US-Amerikaner Gatlin (9,85 s), über 200 Meter in der Weltjahresbestleistung von 19,66 s vor seinem Mannschaftskollegen Warren Weir (19,79 s) sowie mit der 4-mal-100-Meter-Staffel ebenfalls in Weltjahresbestleistung von 37,36 s gemeinsam mit Nesta Carter, Kemar Bailey-Cole und Nickel Ashmeade. Mit insgesamt acht gewonnenen Gold- und zwei Silbermedaillen ist er damit der erfolgreichste Teilnehmer bei Freiluft-Weltmeisterschaften.

Bei der Weltklasse Zürich, dem ersten Diamond League Höhepunkt, gewann er das 100-Meter-Rennen vor Ashmeade und Gatlin in 9,90 s, ehe er am 6. September in Brüssel bei seinem letzten Rennen der Saison mit 9,80 s Erster wurde.

Im September äußerte er erstmals konkret den Plan, seine Karriere nach den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro zu beenden.[27]

2014

Nach einer langwierigen Fußverletzung begann die Saison für Bolt erst im August bei den Commonwealth Games. Dort trat er als Teil der 4-mal-100-Meter-Staffel Jamaikas an, mit der er in Weltjahresbestleistung von 37,58 s Gold holte. Um weitere Verletzungen zu vermeiden, beendete er nach nur zwei 100-Meter-Rennen an der Copacabana und in Warschau die Saison. Lediglich in Warschau blieb er mit 9,98 s unter der 10-Sekunden-Marke.

Auszeichnungen

Usain Bolt Asafa Powell Maurice Greene (Leichtathlet) Donovan Bailey Leroy Burrell Carl Lewis Calvin Smith Jim Hines

2008, 2009, 2011, 2012 und 2013 wurde Usain Bolt von der IAAF zum Welt-Leichtathlet des Jahres gekürt.[28][29][30][31] 2009, 2010 und 2013 erhielt Bolt jeweils den Laureus World Sports Award als Weltsportler des Jahres.

Ebenfalls in den Jahren 2008, 2009 und 2012 wurde er von der französischen Sportzeitung L’Équipe zum internationalen „Champion des champions“ gewählt.

2009 wurde er mit dem Order of Jamaica ausgezeichnet, dem vierthöchsten Orden Jamaikas.[32] 2011 wurde Bolt von der Universität der Westindischen Inseln mit dem Ehrendoktor ausgezeichnet.[33] Ferner wurde er 2008, 2009, 2011 und 2012 zu Jamaikas Sportler der Jahres gewählt.

Laufstil und Leistung

Seine Größe von 1,95 m wirkt sich auf seinen Laufstil in vielerlei Hinsicht aus. Einerseits führt sie zu einer langsamen Startphase, da er mehr Masse bewegen muss. Zusätzlich fällt er manchmal durch fast schon nachlässig wirkende Reaktionszeiten wie 2012 in Ostrau mit 0,180 s auf. So liegt zu Beginn seiner Rennen oft ein anderer Sprinter vorne, während er erst später die Führung übernimmt. Andererseits kommt er mit seinen langen Beinen, die 110 Zentimeter von der Sohle bis zur Hüfte messen,[34] auf Schritte von bis zu 2,95 Metern Länge. Seine durchschnittliche Schrittlänge liegt bei 2,43 Metern; so schafft er es, schneller zu sein als Sprinter wie Tyson Gay oder Yohan Blake, deren Vorteil eine höhere Schrittfrequenz ist. Bei seinen Siegen in Peking, Berlin und London benötigte er jeweils 41 Schritte, um ins Ziel zu kommen. Sein Konkurrent Blake bei den Olympischen Spielen 2012 brauchte zwar 46 Schritte mit einer Durchschnittslänge von nur 2,17 Metern, allerdings bei einer Frequenz von 4,72 Schritten pro Sekunde, Bolt reichten aufgrund seiner längeren Schritte nur 4,28 Schritte pro Sekunde zum Sieg.[35]

Die physikalische Betrachtung von Bolts Weltrekordlauf 2009 erfolgte 2013 im European Journal of Physics, Bd. 34, S. 1227. Danach benötigte Bolts Körper eine durchschnittliche Kraft von 815,8 Newton, die Maximalkraft wurde kurz nach dem Start mit 1000 Newton erreicht. Die Spitzenleistung wurde mit 2620 Watt 0,89 Sekunden nach dem Start erreicht. 81,6 Kilojoule Energie verbrauchte Bolt bei diesem Lauf.[36]

Selbstinszenierung und Attraktion

Usain Bolt bei seiner „Marken-Pose“ in Rom 2011

Usain Bolt ist des Weiteren für seine Inszenierung vor dem Start und nach seinen Siegen bekannt. Als berühmteste Pose gilt die je nach Interpretation als „Bogenschütze“[37] oder „Sterndeuter“[38] ausgelegte Bewegung. Weitere Showeinlagen waren zum Beispiel die Liegestützen nach seinem 200-Meter-Sieg in London oder diverse Tänze und pantomimische Darstellungen. Nachdem er seine Füße in die Startblöcke gestellt hat, bekreuzigt er sich außerdem stets und auch ein Fingerzeig zum Himmel gehört zum festen Ritual. Bei den Olympischen Spielen 2008 sorgte er für Aufregung, als er im 100-Meter-Finale schon nach 80 Metern das Tempo verlangsamte, sich umdrehte um sich dann mit der Hand auf die Brust zu klopfen. Zudem hatten sich seine Schnürsenkel geöffnet und sein Schuh war somit über weite Teile der Strecke offen. Aufgrund seiner Jubelpose während des Rennens mahnte ihn der Präsident des IOC Jacques Rogge zu mehr Respekt für seine Gegner.[39]

Bolts Stadioneinlauf auf einer Rakete bei den Sainsbury’s Anniversary Games in London 2013

Nach seinen ersten Erfolgen 2002 erhielt Bolt von der Presse den Spitznamen „Lightning Bolt“ (deutsch: Blitzschlag).

I’m now a legend. I’m also the greatest athlete to live.

Ich bin jetzt eine Legende. Ich bin außerdem der großartigste lebende Athlet.

Usain Bolt, nach seinem 200-Meter-Sieg bei den Olympischen Spielen 2012[40]

Der Präsident des IOC Rogge reagierte auf Bolts Äußerung und sagte, dass Bolt noch keine Legende sei und diesen Titel bis zu seinem Karriereende auch nicht verdiene, lenkte aber später ein und nannte ihn den besten Sprinter aller Zeiten.

Bolt gilt außerdem als die größte Attraktion der Leichtathletik. So ist er zum Beispiel als Titelgesicht für zahlreiche Wettkämpfe[41] oder auch als Werbepartner (Visa, Puma) beliebt. Seine Rolle als Publikumsmagnet bestätigten auch die Veranstalter von diversen Meetings. So meinte der Veranstalter des Athletissima in Lausanne, dass Bolt bei großen Wettkämpfen wie in Rom oder Paris um die 10.000 zusätzliche Zuschauer anlocke. Deswegen sind viele Organisatoren von Einladungsturnieren auch bereit einen Großteil des Athleten-Budgets für Bolt auszugeben, wie bei dem Athletissima 2012, wo er rund 300.000 Schweizer Franken (umgerechnet circa 250.000 Euro) als Startgeld erhielt, bei einem Gesamtbudget von einer Million.[42] Andererseits war es 2013 für den Meetingdirektor des Athletissima Jacky Delapierre mit 200.000 Schweizer Franken billiger die vier Top-Sprinter Blake, Gay, Gatlin und Powell einzuladen anstelle von Bolt.[43] Daneben räumen ihm viele Organisatoren Sonderrechte ein, wie eigene Pressekonferenzen oder besondere Stadioneinläufe.[41]

2012 listete das Magazin Forbes ihn auf Rang 63 der bestverdienenden Sportler und damit auf Platz 1 der Leichtathleten. Auffällig dabei ist, dass lediglich 300.000 US-Dollar von insgesamt 20,3 Millionen US-Dollar aus Preisgeldern stammen und der Rest von Startgeldern, Sponsoren und aus Werbeverträgen. Bolts Ausrüster Puma zahlt jährlich 9 Millionen US-Dollar für den Werbevertrag mit ihm.[44] Auch 2013 wurde er wieder als der bestverdienende Leichtathlet geführt. Mit 24,2 Millionen US-Dollar stand er diesmal sogar auf Platz 40 unter allen Sportlern.[45]

Statistiken

Weblinks

 Commons: Usain Bolt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. forbes.com: How Usain Bolt Earns $20 Million A Year; 4. August 2012 (abgerufen am 11. September 2013)
  2. "Mehr Muskeln und bessere Technik", SID-Interview auf derstandard.at, abgerufen am 17. Juni 2013.
  3. Jamaikaner Bolt lief neuen 100-Meter-Weltrekord. In: Die Presse. 1. Juni 2008
  4. Bolt's 9.69s. Analysis of speed during the world record. How fast did Bolt run? auf Science of Sport, 17. August 2008
  5. Weitere gebürtige jamaikanische Olympiasieger in dieser Disziplin starteten für andere Länder, wie der später disqualifizierte Sieger von 1988 Ben Johnson und der Sieger von Atlanta 1996 Donovan Bailey für Kanada, und der Sieger von Barcelona 1992 Linford Christie für Großbritannien. Im Sprint waren bereits Donald Quarrie 1976 in Montreal über 200 Meter und Arthur Wint 1948 in London über 400 Meter siegreich gewesen.
  6. James Randerson: How 'Lightning' Bolt cost himself 0.14 seconds. In: The Guardian. 11. September 2008, S. 7
  7. Jens Weinreich: 100-Meter-Sieg: „Mit angezogener Handbremse“ bei Spiegel-Online.de 16. August 2008
  8. vgl. Maths and Sports: How Fast Can Usain Bolt Run?- Professor John D. Barrow: http://www.youtube.com/watch?v=1KF432zVWDQ&t=2310 bei 38:10
  9. Bolts zweiter Fabelweltrekord. 20. August 2008
  10. reuters.com: Bolt maintains improvement over longer sprint 22. Februar 2008 (abgerufen am 30. Oktober 2013)
  11. theguardian.com: Usain Bolt walks free after car crash Anna Kessel, 30. April 2009 (abgerufen am 30. Oktober 2013)
  12. Bolt holt Gold und Weltrekord auf Spiegel-Online. Abgerufen am 16. August 2009.
  13. Analysis of Bolt's 9.58 World Record auf Science of Sport, 17. August 2009
  14. Bolt triumphiert mit Fabelzeit über 200 Meter Spiegel online vom 20. August 2009
  15. 200 Meter Finale, Resultate berlin.iaaf.org, abgerufen am 21. August 2009
  16. tz.de: Berlin ehrt Bolt mit Stück der Berliner Mauer, abgerufen am 20. März 2014
  17. bbc.co.uk: Tyson Gay beats Usain Bolt over 100m for first time 6. August 2010 (abgerufen am 30. Oktober 2013)
  18. http://www.diamondleague.com/en/News/NewsArticles/Monaco-Wrap-Up-With-near-World-record-run-Kipruto-steals-the-show/?Template=News
  19. http://www.spiegel.de/sport/sonst/yohan-blake-schlaegt-usain-bolt-ueber-100-meter-bei-den-jamaican-trials-a-841829.html
  20. http://www.hdsports.at/index.php?option=com_content&view=article&id=5910:olympia-58-bolt-triumphiert-mit-olympiarekord&catid=159:leichtathletik&Itemid=991
  21. http://www.iaaf.org/news/report/bolt-and-blake-open-their-seasons-over-400m-i
  22. bangkokpost.com: Sprint king Bolt beaten over 400m 24. März 2013
  23. handelsblatt.comBolt peilt an der Copacabana 150-m-Weltrekord an 29. März 2013
  24. handelsblatt.com: Bolt verpasst 150-m-Weltrekord an der Copacabana 31. März 2013
  25. handelsblatt.com: 10,09 Sekunden: Schwacher Einstand für Usain Bolt; 9. Mai 2013
  26. http://jamaica-gleaner.com/latest/article.php?id=45696
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