Uta-Garuta

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Yomifuda aus der Edo-Zeit.

Utagaruta (jap. 歌ガルタ oder 歌加留多, z. dt. „Gedichtkarten“) ist ein japanisches Kartenspiel (Karuta). Es wird meist zu Neujahr gespielt, und es gibt nationale Regeln für Utagaruta. Ziel des Spieles ist es, die 100 klassischen japanischen Gedichte (Waka) der Anthologie Hyakunin Isshu auswendig zu können. Das Spiel spielt daher auch eine kulturelle Rolle, da viele Japaner dadurch die Gedichte des Hyakunin Isshu kennenlernen.

Beschreibung[Bearbeiten]

Das Kartenspiel besteht aus 200 Karten, 100 sogenannten Yomifuda (読み札, „Karten zum Lesen“) und 100 dazugehörigen sogenannten Torifuda (取り札, „Karten zum Nehmen“), entsprechend den 100 Gedichten des Hyakunin Isshu.

Auf der Vorderseite der Yomifuda befinden sich ein Bild des Dichters in japanischem Stil nach Art des Yamato-Bildes, dessen Name sowie das Waka-Gedicht. Auf den zugehörigen Torifuda befindet sich, vollständig in Kana geschrieben, nur die untere Strophe des Gedichtes. Während die Yomifuda in Farbe gehalten sind, befindet sich auf den Torifuda nur einfache Schrift. Ansonsten sind die Karten völlig gleich beschaffen.

Bis zur Edo-Zeit waren auf den Yomifuda lediglich der Name des Dichters sowie die oberen Strophen und auf den Torifuda die unteren Strophen in Kursivschrift zu sehen. Das gesamte Gedicht, wie heutigentags der Fall, war nicht daraufgeschrieben. Auch Yomifuda ohne Bild des Dichters waren bis zur Mitte der Edo-Zeit durchaus verbreitet, da der Zweck des Spieles ursprünglich ausschließlich darin bestand, die Gedichte auswendig zu lernen.

Auf Hokkaidō gibt es bis heute eine außergewöhnliche Variante der Karten, genannt Shimonoku-Karuta (下の句かるた, „Unterstrophenkarten“), bei denen die Yomifuda ebenfalls ohne Bild des Dichters sind und nur die unteren Strophen der Gedichte, völlig ohne die oberen, gelesen werden. Die Torifuda bestehen aus dickerem Holz, und auf der Vorderseite stehen die unteren Gedichtstrophen in altertümlichen Kursiven geschrieben. Diese Karten sind bis heute ein Überbleibsel der Edo-Zeit.

Zum Bild[Bearbeiten]

Das obige Bild zeigt eine Yomifuda-Karte aus der Edo-Zeit. Es handelt sich um das erste Gedicht des Hyakunin-Isshu. Der Dichter ist der Tennō Tenji (天智天皇, Tenji-Tennō; Name im Bild ganz rechts). Das Gedicht lautet:

「秋の田のかりほのいほの苫をあらみ わが衣手は露にぬれつつ」

「Aki no ta no kariho no i(h)o no toma (w)o arami//wa ga koromode wa tsuyu ni nuretsutsu.」

„Weil grob das Hüttendach von Herbstfeldähren//benetzt Tau die Ärmel meines Kleides.“

Auf der Karte steht in Kursivschrift nur die obere/erste Strophe des Gedichtes.

Regeln und Varianten[Bearbeiten]

Wenn der Vorleser das Waka auf einer der Yomifuda-Karten vorgelesen hat, sucht jeder Spieler schnell nach der zugehörigen Torifuda-Karte. Kennt der Spieler das Waka bereits auswendig, kann er es sofort erkennen und hat einen Vorteil. Kennt er es nicht, muss er warten, bis der Vorleser die untere Strophe des Gedichtes vorliest.

Es gibt folgende Varianten.

Chirashidori[Bearbeiten]

Das Chirashidori (散らし取り) gehört zu den von alters her üblichen Varianten. Es folgt dem Prinzip jeder gegen jeden.

  • Ein Vorleser wird gewählt.
  • Die Yomifuda werden dem Vorleser übergeben. Die hundert Torifuda werden gemischt und auf dem Boden verteilt; die Spieler sitzen um sie herum. Es können beliebig viele Spieler teilnehmen. Damit niemand benachteiligt wird, indem er alle Karten etwa nur über Kopf sehen kann, muss darauf geachtet werden, dass die Torifuda, in alle Richtungen zeigend, ausgewogen durcheinanderliegen.
  • Nachdem der Vorleser die Karten genügend gemischt hat, liest er in jeder Runde ein Gedicht vor, erst die obere, dann die untere Strophe.
  • Ab dem Moment, wo das Vorlesen beginnt, dürfen die Spieler bereits die zu dem vorgelesenen Gedicht gehörende Torifuda-Karte suchen und aufnehmen. Wer das Gedicht kennt, hat einen Vorteil. Wer es nicht kennt, muss warten, bis er die zweite Strophe hört, die auch auf der zu suchenden Torifuda steht.
  • Wenn die richtige Torifuda aufgenommen wird, schreitet der Vorleser voran zum nächsten Waka.
  • Wenn es den Spielern nicht gelingt, die richtige Karte zu finden, wird die untere Strophe wiederholt.
  • Wenn mehrere Spieler gleichzeitig nach derselben Karte greifen, so hat derjenige, dessen Hand ganz unten liegt, das Recht, die Karte aufzunehmen.
  • Falls eine falsche Karte aufgenommen wird (dieses Vorkommnis wird als Otetsuki bezeichnet), so gibt es verschiedene Strafen, jedoch keine genau festgelegten wie beim Gempei-Gassen-Spiel (s. u.).
  • Das Spiel endet, sobald die letzte Karte genommen wurde. Sieger ist, wer zum Schluss die meisten Karten in Händen hält.

Bis zur Edo-Zeit war es, nicht nur in der Variante des Chirashidori, üblich, dass der Vorleser, beim Namen des Dichters beginnend, nur bis zur oberen Strophe vorliest. Heute wird der Dichtername ausgelassen, jedoch das gesamte Gedicht vorgelesen.

Umgekehrtes Chirashidori[Bearbeiten]

In dieser Variante werden statt der Torifuda die Yomifuda als Suchkarten ausgelegt, während von den Torifuda die daraufstehenden unteren Gedichtstrophen vorgelesen werden. Ein Ziel des Spieles ist es, das Gedicht anhand der unteren Strophe zu erkennen. Wie im gewöhnlichen Spiel gewinnt, wer zum Schluss die meisten Karten hat. Doch diese Variante hat eine weitere Besonderheit: Denn da auf den farbigen Yomifuda die Gedichte auch mit Kanji geschrieben stehen – im Gegensatz zu den nur in Kana gehaltenen Torifuda –, kommt es zu häufigen und unerwarteten Verwechslungen: es wird charakteristisch oft zu einer falschen Karte gegriffen (Otetsuki).

Gempei-Gassen[Bearbeiten]

Das Gempei-Gassen (源平合戦) nimmt Bezug auf den historischen Krieg zwischen den verfeindeten Familien Minamoto (Genji) und Taira (Heike): Es stehen sich auch im Spiel zwei Parteien gegenüber. Die Spieler teilen sich in zwei Gruppen zum Gruppenkampf auf.

  • Wie im Chirashidori werden die Karten nach Bild- und Schriftkarten, d. h. Yomifuda und Torifuda, sortiert und ein Vorleser bestimmt.
  • Die Torifuda werden in Stapel zu je 50 Karten aufgeteilt; jede Gruppe erhält einen solchen und verteilt die Karten in drei Reihen vor sich.
  • Wie im Chirashidori suchen die Spieler die zum vorgelesenen Gedicht gehörige Torifuda und nehmen diese auf, sobald sie gefunden ist. Dies ist mit denselben Regeln wie beim Chirashidori verbunden. Wenn die aufgenommene Karte jedoch zu den Karten des Gegners gehört, wird der gegnerischen Mannschaft im Austausch eine der eigenen Karten übergeben. Eine derart übergebene Karte heißt Okurifuda (送り札).
  • Wenn eine falsche Karte genommen wird, bekommt man eine Karte vom Gegner.
  • Die Seite, die zuerst keine Karten mehr vor sich hat, gewinnt.