Uwe Timm (libertärer Autor)

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Verfasser und Herausgeber anarchistisch und antimilitaristisch orientierter Publikationen Uwe Timm. Zum Schriftsteller und Verfasser von Romanen siehe Uwe Timm.
Uwe Timm im Oktober 2009

Uwe Timm (* 5. Februar 1932 in Hamburg; † 7. März 2014[1] in Barcelona[2]) war ein deutscher Autor libertär orientierter Publikationen, Antimilitarist sowie Mitherausgeber der libertären Zeitschrift espero.

Leben[Bearbeiten]

Timm erlebte in seiner Kindheit die totalitäre Staatsgewalt und autoritären Erziehungsmaßnahmen der staatlichen Instanzen. Hierüber schrieb er: „Wir waren die Generation der Kellerkinder, Kinder die das Spielen verlernten, dafür im „Jungvolk“ in den Geländespielen auf einen Staat eingeübt wurden“.[3] Als ältester Sohn war er aufgrund familiärer Verhältnisse bereits als Jugendlicher gezwungen, Verantwortung zu übernehmen und selbstständig sein Leben zu gestalten.[4]

In den 1940er Jahren machte Timm Bekanntschaft mit der Freidenker-Bewegung, dem Freigeistigen Kreis in Ahrensburg. Für diese Gruppe organisierte er Kurse und Jugendweihen. Als Gruppenleiter der Hamburger Genossenschaftsjugend arbeitete er in der Redaktion der Genossenschaftlichen Jugendbriefe und las die Bücher von Robert Owen, später die Schriften von Silvio Gesell und Werner Zimmermann; letzterer war Mitbegründer der früheren WIR-Genossenschaft (heute WIR-Bank). Timm lernte den Lebensreformer Zimmermann persönlich kennen und besuchte darüber hinaus Kurse des Geldreformers Hans Schumann. Zum Kriegsende hatte Uwe Timm den Gegner des Nationalsozialismus und Anhänger der Freiwirtschaft Hermann Albert Prüss kennengelernt; dies war Timms erster politischer Kontakt.

Timm absolvierte eine Ausbildung zum Maschinenbauer und erhielt eine Weiterbildung zum Techniker sowie eine Ausbildung zum technischen Kaufmann. Danach war er tätig als Konstrukteur im Anlagenbau; freigestellter Betriebsrat, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender und Sprecher des Personalausschusses.

In seiner Tätigkeit bei der Genossenschaftsjugend kam Uwe Timm in Verbindung mit einer Hamburger Anarchisten-Gruppe, zu der u.a. Otto Reimers gehörte und wurde mit dem libertären Gedankengut von Erich Mühsam, Peter Kropotkin, Michael Bakunin und John Henry Mackay vertraut. Zu dieser Zeit beteiligte er sich aktiv an Diskussionen über Notstandsgesetze, Wehrpflicht und atomare Aufrüstung; Timm wurde Mitglied der Internationale der Kriegsdienstgegner (IDK) auf Anregung von Wolfgang Borchert; „W. Borchert besaß für uns eine besondere Bedeutung. […] Er brannte uns mit seinem Gedicht ‚Sag Nein‘ ins Herz, künftig Widerstand gegen alle und jeden zu leisten, die Menschen uniformieren wollten und um sie zum Töten und zum Morden zu zwingen. Ohne Zweifel, Borchert brachte mich zum Antimilitarismus, ohne einem Wenn und Aber.“[5] Timm war 1958 aktiv im Aktionskreis für Gewaltlosigkeit[6] und nahm ebenfalls bei den Hamburger Ostermärschen teil. 1987 erhielt Timm den Friedenspreis vom unabhängigen Arbeitskreis Karl Liebknecht für „35 Jahre Einsatz für eine humane Gesellschaft“. „Timm wurde damit für sein jahrzehntelanges Engagement in der Gewerkschafts– und Friedensbewegung […] geehrt“. Der Preis wurde ihm „im Rahmen einer kleinen Feier im Türkischen Volkshaus überreicht“.[7]

In diesen Jahren beschäftigte er sich mit den Werken des individualistischen Anarchisten Kurt Zube und begann sich weiter mit der Lektüre des Anarchismus zu beschäftigen. In der Zeitschrift eigentümlich frei schrieb er: „Als Anarchist beanspruche ich für mich das Recht der freien Entscheidung über meine Person, ohne in die Rechte anderer einzugreifen. Anarchie und Ordnung widersprechen einander nicht. Anarchie ist ebenso ein Ordnungsbegriff wie Demokratie oder Monarchie“.[8]

Vorwiegend die kritischen Publikationen von Kurt Zube (Pseudonym: K.H.Z. Solneman) überzeugten ihn. Uwe Timm lernte Zube persönlich kennen und zusammen mit drei weiteren Personen gründeten sie 1974 die Mackay Gesellschaft, deren Treuhänder Timm von 1977 bis 1984 war. Uwe Timm war als Schriftsteller tätig; er war Mitherausgeber der libertären Zeitschrift espero. 1954 hatte er die beiden Zeitschriften Mahnruf junger Individualisten sowie zusammen mit Willy Huppertz Der junge Antiautoritäre herausgegeben.[9] Der junge Antiautoritäre erschien als Beilage zur Zeitschrift Befreiung (Mülheim/R.).

Literatur[Bearbeiten]

  • Günter Bartsch: Anarchismus in Deutschland. 1945–1965. Band 1, Fackelträger-Verlag, Hannover 1972, ISBN 3-7716-1331-0.
    • Mahnruf junger Individualisten. S. 235–236 und
    • Der junge Antiautoritäre. S. 229, S. 236–237.
  • Hans Jürgen Degen (Hrsg.): Anarchie ist Gesetz und Freiheit. Uwe Timm zum 60. Geburtstag. Mit Beiträgen von Stefan Blankertz, Rolf Cantzen, Rolf Raasch, Wolfram Beyer, Peter Petersen und anderen. Oppo-Verlag, 1992, ISBN 3-926880-06-6.

Werke[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Uwe Timm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. EF-Magazin: Nachruf Uwe Timm. 1932–2014. Der große Streiter für das Individuum starb mit 82 Jahren (18. März 2014); eingesehen am 18. März 2014
  2. alibro Nachruf
  3. Buchbesprechung von Markus Henning
  4. Zu Uwe Timms Erinnerungen eines unbequemen Libertären
  5. Zitat aus: Uwe Timm: Gegen Krieg und Militär – den Regierungen das Geld entziehen. Ein Interview. In: Wolfram Beyer (Hrsg.): Kriegsdienste verweigern – Pazifismus aktuell, Libertäre und humanistische Positionen. Oppo-Verlag, Berlin 2007, S. 114.
  6. Wolfram Beyer (Hrsg.): Kriegsdienste verweigern – Pazifismus aktuell, Libertäre und humanistische Positionen. 2. Auflage. Oppo-Verlag, 2011, S. 140.
  7. N. G. (Autor): 35 Jahre Einsatz für eine humane Gesellschaft. In: Frankfurter Rundschau. Stadtrundschau, Ausgabe vom 7. Dezember 1987.
  8. Uwe Timm: Anarchismus in Zukunft. In: eigentümlich frei. Nr. 1, S. 8.
  9. Günter Bartsch: Anarchismus in Deutschland, Band 1