Václav Hanka

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Václav Hanka

Václav Hanka (auch: Váceslav Váceslavič, deutsch: Wenzel (Wenzeslaus) Hanka; * 10. Juni 1791 in Hořiněves; † 12. Januar 1861 in Prag), war ein tschechischer Sprachwissenschaftler des 19. Jahrhunderts.

Leben[Bearbeiten]

Hankas Geburtshaus

Hanka besuchte das Gymnasiums des Ordens der Jesuiten in Hradec Králové, das er 1809 mit dem Abitur abschloss. Anschließend studierte er Philosophie an der Karls-Universität Prag und von 1813 bis 1814 Rechtswissenschaften an der Universität Wien. Zurückgekehrt nach Prag, beschäftigte er sich mit slawischer Sprachforschung und war Lieblingsschüler des Josef Dobrovsky, dessen Rechtschreibreform der tschechischen Sprache er förderte. Seit 1818 war Wenzel Hanka Vorsteher der literarischen Sammlung im böhmischen Nationalmuseum in Prag, wurde 1848 Dozent und nach 1849 supplierender Professor für slawische Sprachen an der Karls-Universität Prag.

Hankas Grab

Bekannt wurde Hanka durch zwei Handschriften, die Königinhofer Handschrift und die Grünberger Handschrift, welche er 1817, bzw. 1818 meisterhaft zur Vortäuschung tschechischer Heldenepen aus der Zeit des Mittelalters gefälscht haben soll. Wie diese Texte in seinen Besitz kamen, ist unklar. Zu beiden Handschriften publizierte Wenzel Hanka Studien und veranlasste Übersetzungen ins Deutsche und in weitere europäische Sprachen. Um die Echtheit der Handschriften kam es zu Auseinandersetzungen, die sich bis in das 20. Jahrhundert hinzogen.

Tomáš Garrigue Masaryk, der spätere 1. Präsident der Tschechoslowakei ließ im Jahr 1886 in dem von ihm in Prag herausgegebenen Monatsmagazin Athenäum die Gegner im Streit um die Echtheit der Königinhofer Handschrift und der Grünberger Handschrift zu Wort kommen. Es setzte sich die Meinung durch, dass es Fälschungen sind.

Publikationen[Bearbeiten]

Gesamtverzeichnis der Veröffentlichungen von Wenzel Hanka in: Constantin von Wurzbach: Biographisches Lexikon des Kaisertums Österreich, enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche seit 1750 in den österreichischen Kronländern geboren wurden oder darin gelebt und gewirkt haben, Band 7.

Literatur[Bearbeiten]

  • F. Gabriel: Hankova aféra s Májovým snem. Prag 1932.
  • J. Kočí: České národní obrození. Prag 1978.
  • Ottuv slovnik naucny XXVII. S. 529–534.
  • Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder – Herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum (Institut) von Heribert Sturm. Band I (A–H), R. Oldenbourg Verlag, München Wien 1979 (mit Hinweisen zu Publikationen des Vaclav Hanka und weiteren Quellenangaben), ISBN 3-486-49491-0, S. 527–528.
  • Gero von Wilpert: Lexikon der Weltliteratur. 1975.
  • Johannes Urzidil: Goethe in Böhmen. Artemis Verlags-AG, Zürich Stuttgart, Textstelle im Zusammenhang des Johann Wolfgang von Goethe mit Vaclav Hanka, 1962/1965, S. 320–324.
  • Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen. 53, Prag 1915.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Václav Hanka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien