Vítor Constâncio

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Vítor Manuel Ribeiro Constâncio, GCIH, (* 12. Oktober 1943 in Lissabon) ist ein portugiesischer Ökonom und Politiker. Seit Juni 2010 ist er Vizepräsident der Europäischen Zentralbank.[1]

Leben[Bearbeiten]

Vítor Constâncio absolvierte im Jahr 1965 einen Abschluss in Wirtschaftswissenschaft am Instituto Superior de Economia e Gestão (dt.: Institut für Wirtschaft und Management) in Lissabon, des Weiteren hat er ein Postgraduales Studium an der University of Bristol, Vereinigtes Königreich absolviert.

Er war Generalsekretär des Partido Socialista von Portugal von 1986 bis 1989 und Kandidat für das Amt des Premierministers seines Landes im Jahr 1987, das er jedoch verfehlte. Er war Staatssekretär für Budget und Planung in der I. und II. Übergangsregierung von 1976, nach der Nelkenrevolution 1974. Im selben Jahr wurde er als Abgeordneter ins portugiesische Parlament gewählt und war von 1977 bis 1979 Präsident des Parlamentarischen Ausschusses für europäische Integration. 1978 wurde er in der zweiten konstitutionellen Regierung Minister für Finanzen und Planung.

Vítor Constâncio trat 1975 als Direktor für Statistik und Wirtschaftsstudien in den Dienst des Banco de Portugal ein, war von 1981 bis 1984 Vizegouverneur desselben und zwischen 1985 und 1986 und erneut von 2000 bis 2009 Gouverneur. 1988 war er, auf Einladung von Pinto Balsemão, Teilnehmer der Bilderberg-Konferenz im spanischen Sitges.[2]

Später war er zwischen 1995 und 2000 Mitglied des Vorstandes des Banco Português de Investimento und des Energieunternehmens Energias de Portugal.

Vítor Constâncio ist seit 1989 Gastprofessor am Instituto Superior de Economia e Gestão der Technischen Universität von Lissabon.[3]

Europäische Zentralbank[Bearbeiten]

2010 übernahm Vítor Constâncio den Posten des EZB-Vizepräsident von Lucas Papademos, nachdem dieser turnusgemäß nach achtjähriger Amtszeit ausschied. Vor seiner Berufung in das EZB-Direktorium war ihm vorgeworfen worden während seiner Zeit als portugiesischer Notenbankpräsidenten gravierende Fehler[4][5] gemacht zu haben, weil er bei verschiedenen Bankenskandalen nicht richtig aufgepasst habe. Constâncio gilt als Befürworter des Ankaufs von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder.[6][7][8]

Dezember 2012 übernahm Constâncio gemeinsam mit EZB-Direktor Yves Mersch die Zuständigkeit für das Projekt Bankenunion[9], eines der wichtigsten Projekte in der Historie der EZB. Die neue Europa-Bankenaufsicht wird ab 2013 in Schritten installiert, voll funktionsfähig soll sie im März 2014 sein. Die EZB soll für Geldhäuser ab 30 Milliarden Euro Bilanzsumme (150 bis 200 Banken) direkt zuständig sein und im Notfall auf alle (mehr als 6000 Banken) in der Eurozone durchgreifen können. Die rund 150 Banken unter der direkten EZB-Kontrolle, stellen 85 Prozent der Vermögensanlagen. Als Chef der neuen EZB-Bankenaufsicht soll er regelmäßig vor dem Europaparlament erscheinen, um dort Bericht zu erstatten.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. EZB: Vizepräsident der Europäischen Zentralbank – Vítor Manuel Ribeiro Constâncio aufgerufen 12. September 2011
  2. Bilderberg: Teixeira dos Santos e Paulo Rangel convidados para clube secreto, aufgerufen 9. Juni 2012
  3. ISEG: Mestrado em Economia Monetária e Financeira aufgerufen 11. September 2011 (pt)
  4. Constâncio - Der gute Mensch von LissabonVorlage:Webarchiv/Wartung/Nummerierte_Parameter, FT.online 16. Februar 2010
  5. Constâncio ouvido terça-feira no Parlamento sobre nacionalização do BPN, Público online 10. November 2008
  6. Falken und Tauben bei der EZB (Version vom 3. August 2012 im Webarchiv Archive.today) Artikel on FT.online vom 12. September 2011, aufgerufen am 12. September 2011
  7. Europäische Zentralbank: Constâncio wird EZB-Vize, SZ online 17. Mai 2010, abgerufen am 12. September 2011
  8. Mitglieder der EZB aufgerufen 11. September 2011 (en)
  9. http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Presse/EZB_Pressemitteilungen/2012/2012_12_18_direktorium.pdf?__blob=publicationFile

Weblinks[Bearbeiten]