V- und W-Klasse

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Flagge
V- und W--Klasse
Die HMS Valentine kurz nach Fertigstellung
Die HMS Valentine kurz nach Fertigstellung
Übersicht
Typ Zerstörer
Einheiten 67 +
40 Bauaufträge 1918 storniert
Bauwerft

14 britische Privatwerften

Bestellung 1916–1918
Kiellegung ab Mai 1916
Stapellauf ab Oktober 1917
Dienstzeit

1917 - 1945

Technische Daten
Verdrängung

Standard: 1316 ts

Länge

95,1 m (312 ft) über alles

Breite

8,15 m (26,75 ft)

Tiefgang

bis 3,43 m (11,25 ft)

Besatzung

110 bis 134 Mann

Antrieb

3 Yarrow-Kessel,
2 Brown-Curtis-Turbinen
27.500 PSw, 2 Wellen

Geschwindigkeit

34 kn

Reichweite

3500 sm bei 15 kn

Bewaffnung

4 - 10,2 cm/L45 Mk.V-Kanonen
2 - 2 pdr-40 mm/L39-Flak
4 (2 x 2) 21-Zoll-Torpedorohre

Treibstoffvorrat

370 ts

Die V- und W-Klasse war eine Schiffsklasse von insgesamt 67 Flottenzerstörern der Royal Navy, die ab 1917 in Dienst gestellt wurden. Sie setzte sich aus sechs Untergruppen zusammen. Diese als Flottillenführer entwickelten Boote waren die letzten Flottenzerstörer, die im Rahmen des britischen Kriegsbauprogramms des Ersten Weltkriegs geliefert wurden. Die Boote gehörten damals zu den stärksten und fortschrittlichsten Zerstörern der Welt und nach ihrem Muster entstanden alle zukünftigen britischen Zerstörer.

Die meisten wurden noch im Ersten Weltkrieg fertiggestellt. Zwischen den Kriegen waren die Boote der V- und W-Klasse der Kern der britischen Zerstörerflottillen, bis sie in den 1930er Jahren durch Neubauten ersetzt und der Reserve zugewiesen wurden. Die Mehrzahl der Schiffe war zu Beginn des Zweiten Weltkriegs noch vorhanden. Seit 1938 modernisierte die Royal Navy auch ältere Einheiten im Rahmen ihres Aufrüstungsprogramms. So entwickelte sie die Geleitboote des

  • WAIR-Typs

schon vor dem Krieg, zu denen dann noch Kriegsumbauten als

  • Long range escort und
  • Short range escort

kamen. So leisteten die alten Boote in der für die alliierten Kriegsanstrengungen sehr wichtigen Geleitzugsicherung einen wichtigen Kriegsbeitrag und ermöglichten den Einsatz modernerer Einheiten im Rahmen der Flotte.

Entwurfs- und Baugeschichte[Bearbeiten]

Im April 1916 wurden fünf Flottillenführer der V-Klasse nach einem Admiralitäts-Entwurf bestellt, die mit den neuen Flottenzerstörern der S-Klasse eingesetzt werden sollten. Sie waren eine Weiterentwicklung der bisherigen Bauten. Sie entsprachen in der Größe weitgehend den zuletzt gelieferten Flottillenführern der Parker-Klasse, von denen sie die am Bug sich überschießend angeordneten Geschütze übernahmen. Von den Zerstörern der Yarrow M-Klasse wurden die drei Kessel und die zwei Schornsteine übernommen, was die nutzbare Decksfläche vergrößerte. Von den Flottenzerstörern der R-Klasse wurde der Antrieb mit Getriebeturbinen auf 2 Wellen übernommen. Die neuen Boote hatten einen relativ dünnen und hohen vorderen und einen dickeren, kurzen hinteren Schornstein. Neu an den Booten war die Feuerleitanlage und die Umsetzung des Geschützes zwischen den Schornsteinen auf ein Schutzdeck am Heck, so das an beiden Schiffsenden je zwei Kanonen zur Verfügung standen, die relativ unbehindert dieselben Ziele beschießen konnten. Die fünf als Flottillenführer gebauten Boote hatten eine große Brücke und einen hohen Fockmast. Der weit hinten stehende Hauptmast war niedrig und spannte die Antennen.

Je zwei Boote wurden bei Cammell Laird in Birkenhead (Valentine, Valhalla) und William Denny in Dumbarton (Valkyrie, Valorous) gebaut. Die bei Cammell Laird gebauten Boote hatten Parsons-Turbinen; Valkyrie, Valorous und die von J. Samuel White gebaute Vampire hatten Brown-Curtis-Turbinen. Als einziges Boot dieser Unterklasse war die Vampire mit White-Forster-Kesseln ausgestattet und war Testboot für die neuen Dreifach-Torpedosätze.

V-Leader Stapellauf in Dienst vor 39 außer Dienst Umbau Endschicksal
HMS Valkyrie (D61) 12.03.1917 16.06.1917 08.1936 zum Abbruch === Denny Bros. ===
HMS Valorous (L00) 5.08.1917 21.08.1917 WAIR Den2 03.1947 zum Abbruch
HMS Valentine (L69) 24.03.1917 27.06.1917 WAIR Cammell Laird 15. Mai 1940 vor Terneuzen gesunken
HMS Valhalla (D44) 22.05.1917 31.07.1917 12.1931 zum Abbruch === CL2 ===
HMAS Vampire (D68) 21.05.1917 22.09.1917 11.11.1933 ==> RAN White 9.04.1942 versenkt

Die V-Klasse[Bearbeiten]

Die 23 Boote der V-Klasse nach dem Admiralitätsentwurf wurden im Juli 1916 bestellt, da man Hinweise darauf hatte, das die Deutschen demnächst neue, stärkere Zerstörer in Dienst stellen würden. Die Aufträge wurden an zehn Werften vergeben, von denen William Denny und J. Samuel White auch schon am Bau der V-Flotillenführer-Boote beteiligt waren. Neun der Boote wurden so gebaut, das sie innerhalb von 24 Stunden zu Minenlegern umgerüstet werden konnten. Diese hatten Minenpforten im Heck. Bei der Umrüstung gaben sie beide Torpedosätze und das untere Heckgeschütz an Land und konnten 60 Minen übernehmen, die durch Vorhänge geschützt wurden. Bei den möglichen Minenlegern handelte es sich um die bei J. Brown & Co. in Clydebank gebauten Vanoc und Vanquisher, die von Doxford gebaute Velox, die Denny-Boote Vehement und Venturous, die bei Swan Hunter gebauten Vimiera und Vittoria, Hawthorn Leslie´s Versatile und die Vortigern von White.

Bei den Maschinenanlagen hatten beide White-Boote wieder White-Forster Kessel und die Doxford-Boote sowie Vimiera und Violent von Swan Hunter Parsons-Turbinen.

Die Anfangs wie die Vorgänger mit zwei Zwillingstorpedosätzen ausgerüsteten Boote erhielten 1921 einen vorderen Drillingstorpedosatz. Ab 1923 begann auch der Austausch der hinteren Sätze außer bei Vanoc, Velox, Versatile, Vimy und Vortigern.

Im Ersten Weltkrieg ging die Vehement als einziges Boot der V- und W-Klasse durch einen Minentreffer verloren; 1919 waren dann in der Ostsee noch die Verluste von Verulam und Vittoria zu beklagen. Bei Beginn des Zweiten Weltkriegs waren noch 16 Boote vorhanden, von denen fünf zu schnellen Geleitbooten umgebaut wurden.

Name Stapellauf in Dienst vor 39 außer Dienst Umbau Endschicksal
HMS Vanoc (H33) 14.06.1917 15.08.1917 loraE J. Brown 07.1945 zum Abbruch verkauft
HMS Vanquisher (D54) 18.08.1917 2.10.1917 loraE JB2 03.1947 zum Abbruch verkauft
HMS Vimiera (L29) 22.06.1917 19.09.1917 WAIR Swan Hunter 9.01.1942 gesunken
HMS Violent (D57) 1.09.1917 12.1917 8.03.1937 zum Abbruch verkauft === SwH2 ===
HMS Vittoria (F96) 3.10.1917 1918 1.09.1919 vor Seiskari versenkt === SwH3 ===
HMS Vehement (H2A) 6.07.1917 1917 1.08.1918 gesunken === Den3 ===
HMS Venturous (D87) 21.09.1917 29.11.1917 24.08.1936 zum Abbruch verkauft === Den4 ===
HMS Verdun (L93) 21.08.1917 3.11.1917 WAIR Hawthorn 03.1946 zum Abbruch verkauft
HMS Versatile (D32) 21.08.1917 3.11.1917 loraE Haw2 1946 zum Abbruch verkauft
HMS Verulam (F19) 3.10.1917 1917 4.09.1919 vor Seiskari gesunken === Haw3 ===
HMS Vega (L41) 1.09.1917 14.12.1917 WAIR Doxford 1946 zum Abbruch verkauft
HMS Velox (D34) 17.11.1917 1.04.1918 loraE Dox2 02.1947 zum Abbruch verkauft
HMAS Vendetta (D69) 3.09.1917 17.10.1917 11.1933 ==> Australien Fairfield 2.07.1948 vor Sydney versenkt
HMS Venetia (D53) 29.10.1917 19.12.1917 Fai2 19.10.1940 gesunken
HMS Vectis (D51) 4.09.1917 5.12.1917 25.08.1936 zum Abbruch verkauft === Whi2 ===
HMS Vortigern (D37) 15.10.1917 25.01.1918 Whi3 15.03.1942 versenkt
HMS Vivacious (D36) 4.09.1917 5.12.1917 ShorE Yarrow 03.1947 zum Abbruch verkauft
HMS Vivien (L33) 15.10.1917 25.01.1918 WAIR Yar2 02.1947 zum Abbruch verkauft
HMS Vesper (D55) 15.12.1917 20.02.1918 loraE Stephen 03.1947 zum Abbruch verkauft
HMS Vidette (D48) 28.02.1918 27.04.1918 loraE Ste2 03.1947 zum Abbruch verkauft
HMS Vancouver (G04) 28.12.1917 9.03.1918 1.04.1928 HMS Vimy (D33) loraE Bea3 03.1947 zum Abbruch verkauft
HMS Vanessa (D29) 16.03.1918 27.04.1918 loraE Bea4 03.1947 zum Abbruch verkauft
HMS Vanity (L38) 3.05.1918 21.06.1918 WAIR Bea5 03.1947 zum Abbruch verkauft

Die W-Klasse[Bearbeiten]

Die 21 Boote der W-Klasse nach dem Admiralitätsentwurf wurden alle im Dezember 1916 bestellt. Gebaut wurden 19, da die bei Yarrow erteilten Aufträge in Bestellungen für Boote der S-Klasse (Tomahawk, Torch) umgewandelt wurden. Die Schiffe hatten nur einen wesentlichen Unterschied zur V-Klasse: es standen jetzt genügend Drillings-Torpedorohrsätze zur Verfügung um die Boote auszurüsten. Auch war der Hauptmast der W-Boote meist höher als bei den V-Booten.

Name Stapellauf in Dienst vor 39 außer Dienst Umbau Endschicksal
HMS Wakeful (H88) 6.10.1917 16.11.1917 Beardmore 29. Mai 1940 vor Nieuwpoort versenkt
HMS Watchman (D26) 2.11.1917 26.01.1918 loraE Bea2 Juli 1947 zum Abbruch
HMS Walker (D27) 29.11.1917 2.02.1918 loraE Den5 März 1946 zum Abbruch
HMS Westcott (D47) 14.02.1918 12.03.1918 loraE Den6 Januar 1946 zum Abbruch
HMS Walrus 27.12.1917 8.03.1918 12.02.1938 gestrandet === Fai3 ===
HMS Wolfhound (L56) 14.03.1918 27.04.1918 WAIR Fai4 Februar 1948 zum Abbruch
HMS Whirlwind (D30) 15.12.1917 15.03.1918 SwH4 15. Juli 1940 versenkt
HMS Wrestler (D35) 25.02.1918 15.05.1918 loraE SwH5 6. Juni 1944 Totalschaden
HMS Winchelsea (D46) 15.12.1917 15.03.1918 loraE Whi4 März 1947 zum Abbruch
HMS Winchester (L55) 1.02.1918 29.04.1918 WAIR Whi5 März 1946 zum Abbruch
HMS Warwick (D25) 28.12.1917 18.03.1918 loraE Haw4 20. Februar 1944 durch U-Boot versenkt
HMS Wessex (L41) 12.03.1918 11.05.1918 WAIR Haw5 24. Mai 1940 vor Calais versenkt
HMAS Waterhen (D22) 26.03.1918 17.04.1918 11.1933 ==> Australien Palmers 30. Juni 1941 vor Libyen versenkt
HMS Wryneck (L04) 13.05.1918 11.11.1918 WAIR Pal2 27. April 1941 vor Kreta versenkt
HMS Westminster (L40) 25.02.1918 18.04.1918 WAIR Scotts 03.1947 zum Abbruch verkauft
HMS Windsor (D42) 21.06.1918 28.08.1918 Sco2 03.1947 zum Abbruch verkauft
HMAS Voyager (D31) 8.05.1918 24.06.1918 11.1933 ==> Australien Ste3 23. September 1942 vor Timor versenkt
HMS Walpole (D41) 12.02.1918 7.08.1918 shorE Dox3 01.1945 Totalschaden
HMS Whitley (L23) 13.04.1918 15.10.1918 WAIR Dox4 19. Mai 1940 vor Ostende versenkt

Die modifizierte W-Klasse[Bearbeiten]

1918 wurden noch zwei Serien der W-Klasse nach dem Admiralitätsentwurf bestellt, die 14 und 38 Neubauten umfassten. Allerdings wurden von jeder Serie nur je sieben Boote tatsächlich fertiggestellt. Die weiteren Aufträge wurden zwar teilweise noch begonnen, aber wegen des Kriegsende noch 1918 wieder storniert.

Diese als modifizierte W-Klasse bezeichneten Boote erhielten abweichend von den vorangehenden Bauten die neue 12-cm/L45-Mk.I-Kanone. Die Boote des 2. Auftrages hatten abweichend von allen anderen Boote der V- und W-Klasse einen dickeren vorderen Schornstein und dahinter einen dünnen.

Name Stapellauf in Dienst vor 39 außer Dienst Umbau Endschicksal
HMS Whitshed (D77) 31.01.1919 11.07.1919 mod.2 SwH6 Februar 1947 zum Abbruch
HMS Wild Swan (D62) 17.05.1919 14.11.1919 mod.2 SwH7 17. Juni 1942 gesunken
HMS Whitehall (D77) 11.09.1919 9.07.1924 Fertigstellung Chatham Dockyard loraE SwH8 Oktober 1945 zum Abbruch
HMS Venomous (D75) 21.12.1918 24.08.1919 ShorE JB3 März 1947 zum Abbruch
HMS Verity (D63) 19.03.1919 14.09.1919 loraE JB4 März 1947 zum Abbruch
HMS Veteran (D72) 26.04.1919 13.11.1919 mod.2 ShorE JB5 26. September 1942 versenkt
HMS Wanderer (D74) 1.05.1919 18.09.1919 loraE Fai5 15. Juli 1940 versenkt
HMS Witherington (D76) 16.01.1919 10.10.1919 mod.2 ShorE Whi5 März 1946 zum Abbruch
HMS Wivern (D66) 16.04.1919 23.12.1919 mod2 ShorE Whi6 Februar 1947 zum Abbruch
HMS Wolverine (D78) 17.07.1919 27.02.1920 mod2 ShorE Whi7 24. Mai 1940 vor Calais versenkt
HMS Worcester (D96) 24.10.1919 20.09.1922 mod2
Fertigstellung Portsmouth Naval Shipyard
Whi8 23. Dezember 1943 Totalschaden
HMS Vansittard (D64) 17.04.1919 5.11.1919 loraE Bea6 Februar 1946 zum Abbruch
HMS Volunteer (D46) 21.12.1918 7.11.1919 loraE Den7 März 1947 zum Abbruch
HMS Wren (D88) 11.11.1919 27.01.1923 Fertigstellung Plymouth Dockyard Yar3 27. Juli 1940 versenkt

Die Thornycroft-Boote zu den Klassen[Bearbeiten]

Die Zerstörerbauwerft John I. Thornycroft & Company Limited war ein Auftragnehmer für Flottillenführer für die V- und W-Klasse, von denen sechs als Shakespeare-Klasse fertiggestellt wurden. Sie baute allerdings von den drei Untertypen der Flottenzerstörer der Klasse auch je zwei Boote etwas abweichend vom Entwurf der Admiralität. Die V-Boote wurden am 30. Juli 1916 bestellt, die beiden W-Boote am 9. Dezember 1916. Gegenüber den Booten nach dem Einheitsplan hatten die Thornycroft-Boote mehr Freibord, einen kürzeren Hauptmast und die für Thornycroft typischen seitlich abgeflachten Schornsteine. Die beiden V-Boote hatten eine Garantiegeschwindigkeit von 35 kn, die W-Boote von 36 kn.

Die HMS Woolston

Im Januar 1918 erhielt auch Thornycroft den Auftrag für zwei Boote der verbesserten W-Klasse mit 12-cm-Kanonen. Sie hatten die veränderte Kesselraumaufteilung der zweiten Bestellung des Amtentwurfs mit dem großen Kesselraum für zwei Kessel vorn und dem kleinen Kesselraum für einen Dampfkessel dahinter, was äußerlich durch den dicken Schornstein vorn und den dünnen Schornstein hinten deutlich wurde. Ein weiteres Erkennungsmerkmal der Thornycroft-Boote waren die hintereinander aufgestellten 2-pdr-Flak mittschiffs zwischen den Schornsteinen.

Die Fertigstellung der Witch verzögerte durch das Kriegsende und sie wurde schließlich nach Devonport zur Fertigstellung in der Marinewerft geschleppt.

Name Stapellauf in Dienst vor 39 außer Dienst Umbau Endschicksal
HMS Viceroy (L21) 17.11.1917 5.02.1918 Thornycroft-V-Klasse WAIR 06.1948 zum Abbruch
HMS Viscount (D92) 29.12.1917 25.03.1918 loraE 03.1945 zum Abbruch
HMS Wolsey (L02) 16.03.1918 1.05.1918 Thornycroft-W-Klasse WAIR 03.1947 zum Abbruch
HMS Woolston (L49) 27.04.1918 28.06.1918 WAIR 02.1947 zum Abbruch
HMS Wishart (D67) 18.07.1919 06.1920 Thornycroft-mod.-W-Klasse shorE 03.1945 zum Abbruch
HMS Witch (D89) 11.11.1919 03.1924 Fertigstellung Devonport shorE   07.1946 zum Abbruch

Erneute Kriegsverwendung[Bearbeiten]

1939 waren noch 54 Boote der V- und W-Klasse bei der Royal Navy (RN) vorhanden; vier weitere Boote dienten seit 1933 bei der Royal Australian Navy (RAN). 16 der Boote (die modifizierte W-Klasse) der RN verfügten über 12-cm-Geschütze wie die Standard-Zerstörer der Nachkriegszeit. Die übrigen Boote sollten zu schnellen Geleitbooten (Fast Escorts) umgebaut werden.

Umbauten des Vorkriegsprogramms[Bearbeiten]

HMS Vanity im Juni 1942

Dieser sogenannte “Wair”-Umbau war bei einigen Booten bereits begonnen worden und zwei derartige Umbauten waren noch vor Kriegsbeginn fertiggestellt. Neben dem ehemaligen Flottillenführer HMS Wallace der Shakespeare-Klasse war der Umbau der HMS Valorous abgeschlossen.

Die Wolfhound noch mit alter Kennung
Vickers-Maschinengewehr

Bei diesen Wair-Umbauten wurden fast alle Aufbauten der betroffenen Boote entfernt und neue Aufbauten errichtet. Auch die Bewaffnung wurde vollständig entfernt und durch zwei 4 Zoll-Flugabwehr-Zwillingsgeschütze mit dazugehöriger Feuerleitanlage ersetzt. Als leichte Flugabwehrwaffen erhielten die Boote zwei Vierlings-Vickers-Maschinengewehre nebeneinander auf einer erhöhten Position hinter den Schornsteinen und vor dem hinteren Deckshaus, die allerdings bald durch 20mm Oerlikons ersetzt wurden. Dazu kam eine starke Wasserbombenbewaffnung. Der ursprünglich geplante Umbau von 36 Booten wurde nicht durchgeführt, da der Handelskrieg sich schon kurz nach Kriegsbeginn hauptsächlich auf den Mittelatlantik außerhalb der Angriffsmöglichkeiten der Deutschen Luftwaffe verlagerte und die 4 Zoll-Zwillingsgeschütze nicht im gewünschten Umfang zur Verfügung standen und dann vorzugsweise in Neubauten wie der Hunt- Klasse verbaut wurden.
Von britischen Marinewerften wurden bis zum Dezember 1940 insgesamt 15 Boote der V- und W-Klasse umgebaut. Die Werft in Chatham baute die meisten Boote um, aber auch die Marinewerften in Gibraltar und Malta führten Umbauten durch.
Im Krieg gingen vier dieser Boote verloren

  • HMS Valentine (L69), 15. Mai 1940 in der Schelde durch deutsche Bomber versenkt[1];
  • HMS Whitley (L23), 19. Mai 1940 durch Stukas vor Nieuwpoort versenkt;
  • HMS Wryneck (L04), 27. April 1941 während der Evakuierung britischer Truppen aus Griechenland durch Stukas versenkt[1];
  • HMS Vimiera (L29), 9. Januar 1942 nach Minentreffer in der Themsemündung mit der gesamten Besatzung gesunken

1940 gingen nicht nur die beiden vorgenannten Fast Escorts Valentine und Whitley verloren sondern auch noch fünf weitere Boote der V- und W-Klasse.

Kriegsumbauten[Bearbeiten]

57 mm-6 pdr-Turm zum Kampf gegen Schnellboote, hier auf HMS Mackay

Die Entwicklung des Krieges zeigte den Bedarf an spezialisierten U-Boot-Jägern, die auf dem Atlantik die Geleitzüge gegen die Angriffe deutscher U-Boote sichern konnte. Dies führte zuerst zu einer Optimierung der Bewaffnung gegen diese Bedrohung. Die alten Zerstörer gaben dazu ihr Heckgeschütz (auf der “Y”-Position) ab, um am Heck mehr Wasserbomben zum Einsatz zu bringen und auch der hintere Torpedosatz wurde auf vielen Booten durch ein 76 mm-Flugabwehrgeschütz ersetzt. Dieses Geschütz bewährte sich nicht und wurde oft auch wieder ersetzt. Der vordere Torpedosatz wurde oft erhalten und zum Abschuss der „One Ton Depth Charge“ genutzt.
Ab 1942 wurden bei einigen an der Nordsee- und Kanalküste eingesetzten Booten das Buggeschütz (auf der “A”-Position) durch einen für die Küstenverteidigung entwickelten 57 mm-6 pdr-Doppelturm ersetzt, der die Verteidigung gegen Schnellboote verbessern sollte (Walpole, Windsor, Whitshed, Wivern neben drei Booten der Scott-Klasse). Die Waffe hatte sich bei der Abwehr eines italienischen Schnellbootangriffs auf Malta bewährt. So ausgerüstete Boote wurden auch als „East Coast Escorts“ bezeichnet.
Ab 1943 wurde auf dieser Position bei den Atlantikbooten der Hedgehog-Salvenwerfer eingeführt. Diese Boote wurden dann als „Short-Range Escorts“ bezeichnet.

Die HMS Vanessa nach Umbau zum Long Range Escort

Ab Anfang 1941 bis Mitte 1944 wurden etwa 20 Boote der V-und W-Klasse zu Langstrecken-Geleitbooten (Long Range Escort) umgebaut. Diese Modifikation umfasste u. a. die Entfernung eines Kessels und des zugehörigen vorderen Schornsteins. Dadurch wurde die Geschwindigkeit auf maximal 25 Knoten reduziert. Der freigewordene Platz wurde im unteren Bereich als zusätzlicher Bunkerraum genutzt und der obere Teil erhielt dringend benötigte Mannschaftsräume für die erheblichen stärkeren Besatzungen für die intensiven und längeren Sicherungseinsätze. Weiterhin tauschte man das Buggeschütz ab 1943 gegen einen „Hedgehog“-Wasserbombenwerfer aus. Den umgebauten Booten verblieben nur zwei Kanonen auf den erhöhten Positionen “B” und “X”. Auch die Torpedorohre wurden ausgebaut und durch Abrollvorrichtungen und Werfer für Wasserbomben ersetzt, ebenso wurden die Flugabwehrgeschütze modernisiert und verstärkt. Alle Umbauten erhielten dazu die jeweils modernen Ortungsgeräte. Diese standardisierten Umbauten wurden anders als bei den WAIR-Umbauten zum Teil auch von britischen Privatwerften durchgeführt.

Endschicksal der Boote[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkriegs verlor die Royal Navy 14 Boote in Kampfhandlungen. Dazu wurden einige Boote schwer beschädigt und auf ihre vollständige Wiederherstellung verzichtet. Mit dem Ende des Krieges in Europa und nach den ersten Unterstützung der befreiten Nationen gab es für die Boote keine Aufgaben mehr und sie wurden bis 1948 alle zum Abbruch verkauft und verschrottet.

Die Boote der Australischen Marine[Bearbeiten]

Die australische Zerstörerflottille mit ihrem Flottillenführer Stuart und den ZerstörernVampire, Vendetta, Voyager und Waterhen verlegte nach Ausbruch des Krieges über Singapur ins Mittelmeer, wo die fünf Boote Anfang 1940 die 19. Zerstörerflottille in Malta bildeten. Die deutsche Propaganda verhöhnte den Beitrag der Australier als „Alteisenflottille“. Die Australier nahmen den Namen scrap iron flotilla als Ehrentitel an. Der erste Kriegsverlust der Australischen Marine trat am 30. Juni 1941 mit der Waterhen ein, die bei der Versorgung des eingeschlossenen Tobruk von deutschen Flugzeugen schwerst beschädigt wurde. Weitere Verluste folgten 1942 mit der Vampire, die im Dezember 1941 mit anderen Begleitzerstörern viele Überlebende der HMS Prince of Wales und HMS Repulse gerettet hatte, am 9. April zusammen mit dem Träger HMS Hermes vor Ceylon und der Voyager vor Timor bei der Unterstützung von Flüchtlingen und Verteidigern.

Nur die Vendetta überlebte den Krieg. 1942 hatte sie Singapur kurz vor der Besetzung durch die Japaner noch im Schlepp verlassen können. Von 1943 bis 1945 wurde sie als Geleitfahrzeug zwischen Australien und Neuguinea eingesetzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bodo Herzog: 60 Jahre deutsche U-Boote 1906-1966. J.F. Lehmanns Verlag, München 1968.
  • Jürgen Rohwer, Gerhard Hümmelchen: Chronik des Seekrieges 1939-1945, Manfred Pawlak VerlagsGmbH (Herrsching 1968), ISBN 3-88199-0097
  • Alexander Bredt (Hrsg,): WEYERS Taschenbuch der Kriegsflotten 1941/1942, Lehmanns Verlag (München/Berlin), 1941
  • M.J. Whitley: Destroyers of World War 2. Cassell Publishing, 1988, ISBN 1-85409-521-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Rohwer, S. 44