VII. Armeekorps (Wehrmacht)

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Das VII. Armeekorps war ein Großverband der deutschen Wehrmacht, der von 1934 bis 1944 bestand.

Aufstellung und Vorkriegszeit[Bearbeiten]

Das Korps wurde bei der Erweiterung der Reichswehr am 1. Oktober 1934 im Wehrkreis VII (München) aufgestellt. Der Stab wurde aus dem Stab der 7. Division der Reichswehr gebildet. Im Frühjahr 1935 wurde der Stab dann in Generalkommando VII. Armeekorps umbenannt, der erste Kommandierende General war Wilhelm Adam. Am 4. Februar 1938 übernahm der bayerische General der Infanterie Eugen von Schobert die Führung des Korps und beteiligte sich im März 1938 beim Einmarsch in Österreich.

Einsatz im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Am 26. August 1939, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, wurde das Kommando des Wehrkreises VII mobil gemacht und als VII. Armeekorps der Heeresgruppe Süd (Generaloberst Gerd von Rundstedt) unterstellt. Es umfasste die 68. und 27. Infanterie-Division und diente der Heeresgruppe in den ersten Tagen des Septemberfeldzuges gegen Polen als Reserve. Es wurde der 14. Armee (Generaloberst Wilhelm List) unterstellt und marschierte unter Führung des Generals Schobert über Tarnowitz und Kielce zur Weichsel vor. Das Korps überquerte bei Baranów und Tarnobrzeg die Weichsel und nahm ab 16. bis 20. September an der Schlacht bei Tomaszów teil. Am 21. und 26. September 1939 wehrte das Korps bei Zamosc starke polnische Gegenangriffe und zog sich dann kämpfend bis Annopol wieder an die Weichsel zurück. Das Generalkommando VII wurde kurz nach Beendigung der Kampfhandlungen in Polen an die deutsche Westgrenze verlegt.

Im Westfeldzug ab 10. Mai 1940 gehörte das VII. Korps als Teil der 16. Armee zur Heeresgruppe A. Um die französischen Kräfte entlang der gegenüberliegenden Maginot-Linie zu binden, wurde das VII. Armeekorps mit einem Angriff gegen das Panzerwerk 505 nahe Verdun beauftragt, den es vom 16. bis 19. Mai 1940 erfolgreich durchführte. In der zweiten Phase des Westfeldzuges, dem »Fall Rot«, erzwang das VII. Armeekorps im Rahmen der 16. Armee ab dem 9. Juni 1940 den Übergang über die Aisne. Die 16. Armee wurde kurz darauf der Heeresgruppe C (Generaloberst Wilhelm von Leeb) unterstellt. So hatte das VII. Korps auch Anteil an der Einschließung der etwa 200.000 Mann starken alliierten Heeresgruppe 3 (französische 2., 3., 5. und 8. Armee), die bis zum 22. Juni 1940 kapitulieren musste. Am 25. Juni 1940 trat schließlich der Waffenstillstand von Compiègne in Kraft, der den Krieg im Westen vorläufig beendete. Im Verlauf des geplanten Unternehmen Seelöwe, der Invasion Großbritanniens, war das VII. Armeekorps als Teil der Landungskräfte vorgesehen, das Unternehmen kam aber nicht zur Ausführung.

Zu Beginn der Operation Barbarossa am 22. Juni 1941 stand das VII. Korps unter der Führung des Generals der Artillerie Wilhelm Fahrmbacher im Verband der 4. Armee des Generalfeldmarschalls Günther von Kluge. Im Raum südlich Ostrołęka stehend nahmen die dem Korps unterstellte 7., 23. und 268. Infanterie-Division an der Kesselschlacht von Bialystok gegen die sowjetische 10. Armee teil und besetzten diese Stadt am 27. Juni. Mitte Juli wurde das Korps mit der 7. und 23. Division gegen Mogilew angesetzt, im August 1941 deckte das VII. Korps den Nordflügel der bei Roslawl kämpfenden Panzergruppe 2.

Im Oktober 1941, während der Operation Taifun, führte das Korps den Vorstoß über Jelnja in Richtung auf Wjasma. Nach den Kämpfen bei Borodino rückte es beidseitig der Moskwa auf Moschaisk in Richtung auf Moskau vor. Anfang Januar 1942 während der sowjetischen Gegenoffensive vor Moskau stand das Korps unter dem neu ernannten Kommandierenden General der Artillerie Hell im Verband der 4. Panzerarmee. In den ersten Schlachten bei Rschew folgten monatelange schwere Abwehrkämpfe östlich Sytschowka.

Nach der Sommeroffensive 1942 wurde das Generalkommando für den Mittelabschnitt freigemacht und der 2. Armee im Raum Woronesch unterstellt. Im Januar 1943 ging Woronesch und Kastornoje verloren und es folgten Rückzugskämpfe im Raum südlich Kursk. Die dem Korps unterstellte 75., 57. und 68. Division kämpfte sich über Obojan und Schudsha auf Sumy zurück.

Nach der Schlacht von Kursk im Juli 1943 wurde der Rückzug über Belgorod auf Kiew notwendig. Das VII. Korps deckte zu Jahresende 1943 die Gegenstösse der 4. Panzerarmee bei Berditschew und Schitomir. Im Frühjahr folgten weitere Rückzugskämpfe über Winniza in Richtung auf die rumänische Grenze zum Pruth. Im August 1944 wurde das VII. Armeekorps schließlich im Bereich der 6. Armee in der Kesselschlacht bei Jassy von den Sowjets zerschlagen und daraufhin am 27. September 1944 offiziell aufgelöst.

Führung[Bearbeiten]

Kommandierende Generale

  • General der Infanterie Wilhelm Adam 1. Oktober 1934 bis 1. Oktober 1935
  • General der Artillerie Walter von Reichenau 1. Oktober 1935 bis 4. Februar 1938
  • General der Infanterie Eugen Ritter von Schobert 4. Februar 1938 bis 31 Januar 1940
  • Generalleutnant Gotthard Heinrici 1. Februar bis Anfang April 1940
  • Generaloberst Eugen Ritter von Schobert 9. April bis 25. Oktober 1940
  • General der Artillerie Wilhelm Fahrmbacher 25. Oktober 1940 bis 8. Januar 1942
  • General der Artillerie Ernst-Eberhard Hell 8. Januar 1942 – 5. Oktober 1943
  • General der Infanterie Anton Dostler 5. Oktober bis 30. November 1943
  • General der Artillerie Ernst-Eberhard Hell 30. November 1943 bis August 1944

Chefs des Generalstabes

  • Oberst Ludwig Kübler 1. Oktober 1934 bis 1. Juni 1935
  • Oberst Kurt Brennecke 1. Juni 1935 bis Herbst 1938
  • Oberst Hermann von Witzleben Herbst 1938 bis 15. Dezember 1939
  • Oberst i.G. Hans Krebs 15. Dezember 1939 bis 13. Januar 1942
  • Oberstleutnant i.G. Karl-Richard Koßmann 14. Januar bis April 1942
  • Oberst i.G. Rudolf Hielscher April bis 15. Oktober 1942
  • Oberst i.G. Joachim Schwatlo-Gesterding 15. Oktober 1942 bis Mai 1944
  • Oberst i.G. Hans Dieckmann Mai bis Juli 1944
  • Oberst i.G. Edwin Steinitz Juli bis August 1944
  • Oberst i.G. Hans-Joachim Schipp von Branitz August 1944

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Haupt : Heeresgruppe Mitte 1941–1945 Podzun Verlag, Dorheim 1968.
  • Carl Wagener: Heeresgruppe Süd, Podzun Verlag, Bad Nauheim 1970.